Kulinarische Versuche – French Toast mit Hollerblüten

Blöd nur, dass so ungefähr alle Rezepte für Hollerstrauben fordern, dass sie im Fett schwimmend herausgebacken werden sollen. Sicher können sie auch in Butter gebraten werden (oder?), aber irgendwie war mir alles zu mühsam.

Dann kam mir eine geniale Idee. French Toast (auch Arme Ritter genannt) kann nämlich auch als Gratin fabriziert werden. Vom Umstand, dass ich (noch) keine Gratinform besaß, ließ ich mich nicht abhalten. Also Hollerblüten (= Holunder) auf der Gstetten möglichst weit von der Straße gepflückt, gegooglet, die Rezepte kritisch ausgewertet, schnell zum Supermarkt um Mehl und Prosecco gelaufen und der Erstversuch konnte losgehen.

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Foto Anna Zschokke CC BY-NC-SA 3.0

Alles klappte außer, dass ich die Zuckermenge falsch gelesen hatte. Brrrrr. Noch dazu wird der Geschmack von Holunderblüten durch Zucker sehr stark. Viel hab ich davon nicht gegessen (ja, ich geb’s zu).

Als nächstes ein Optimierungsversuch – diesmal in einer richtigen Gratinform. Beim zweiten Versuch wollte ich auch ausprobieren, ob eine Gratinversion ohne Brot auch gut schmecken würde, aber das Ergebnis war wenig überzeugend. Das Brot bietet nämlich einen leicht salzigen Kontrapunkt zum süßeren Straubenteig.

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Foto Anna Zschokke CC BY-NC-SA 3.0

Also wie geht das jetzt mit dem French Toast mit Hollerblüten? Prinzipiell funktioniert das Rezept so: Auf eine Lage French Toast/Arme Ritter kommt eine Lage von in Teig getunkte Hollerstrauben, das ganze wird im Ofen gebacken.

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Foto Anna Zschokke CC BY-NC-SA 3.0

Ich erkläre jetzt erst mal, was ihr alles braucht, dann folgt das Rezept. Für den Straubenteig habe ich mich an dieses Rezept gehalten.

DISCLAIMER: Das ist kein 100% genaues Rezept, sondern mehr eine Anleitung, die variabel angepasst werden kann. Denkt also bitte daran, dass eure Gratinformen vielleicht größer oder kleiner sind, ihr mehr Personen verköstigen wollt, ihr andere Rezepte für den Straubenteig verwenden wollt, etc.

Ihr braucht:
1 Form mit mindestens 7 cm hohem Rand – rund oder eckig, egal, Hauptsache hoher Rand. Ich habe eine Springform mit 28 cm Durchmesser und eine kleine Gratinform mit 24×14 cm verwendet.

Mixer oder Schneebesen, 1 größere Schüssel für Straubenteig, 1 Gefäß für Eischnee, 1 Gefäß für French Toast-Eiermix, (ev. hitzebeständiger) Teigschaber, mindestens 1 Esslöffel und 1 Teelöffel, ev. ein Sieb.

Frische Holunderblüten – die Menge hängt von der Größe eurer Form ab – 1. Versuch (28cm Springform) 10 Blütendolden, 2. Versuch (kleine Gratinform) 6 Blütendolden. Nehmt am Besten ca. handgroße relativ flache Blüten, die gerade mitten in der Blüte stehen (zu viele ungeöffnete Knospen – noch zu jung; abfallende Blüten – zu alt). Die Holunderblüten NICHT waschen, aber sorgfältig auf etwaige Insekten absuchen. Meine hatten aber überhaupt keine Insekten, dafür ein paar wenige verdorrte Blütenknospen, die habe ich entfernt.

Brot – ich habe ein Baguette (also Weißbrot) genommen, aber ihr könnt hier verwendet, was ihr wollt. Luftigeres Brot eignet sich besser für French Toast, Toastbrot sowieso, aber ob dunkles oder weißes Brot überlasse ich euch. Ich kann mir vorstellen, dass ein gutes dunkles Brot gut mit dem Holler harmoniert – dann würde ich aber doch ein bisschen mehr Zucker in den Hollerteig tun (oder nicht? Vielleicht auch nicht). Das Brot kann ruhig auch älter sein, es wird ja in Eier/Milchmischung getunkt und dadurch wieder weich. Das Brot könnt ihr in dünne oder dickere Scheiben schneiden, je nachdem, was ihr mit dem Gericht erreichen wollt (Brot verbrauchen, ein Gericht unter vielen, Dessert, Hauptpunkt des Frühstücks, etc.)

Eier – die Menge hängt von der Portion ab – ich habe für die Springform und die Gratinform die gleiche Teigmenge verwendet, ging sich beides gut aus, aber bei der Springform kam ein flacherer Fladen heraus.

Zucker
Salz

Vanillezucker – ich habe hier meinen guten Vanillezucker genommen, bin mir aber nicht sicher, ob der wirklich etwas Großartiges beigetragen hat. Kann sein, kann nicht sein. Käme auf zukünftige Versuche an. Mengenmäßig gilt: Bei Vanillezucker in Packungen 2 Packungen, bei Vanillezucker in loser Form 2 Teelöffel.

Milch – für den French Toast braucht ihr auf jeden Fall eine milchähnlich Substanz (kann auch Soja/Reis/Hafer/Mandel- oder sonstige Milch sein, je nachdem, wie ihr das mögt), das Rezept für die Hollerstrauben, das ich verwendet habe, verlangt nach Weißwein, aber es gibt auch Rezepte mit Milch, dann braucht ihr mehr. Wenn ihr den Teig mit Milch macht, könnt ihr auch weniger Butter nehmen.

Butter oder pflanzliches Öl – 1. zum Form einfetten und 2. da hier ja nicht gebraten oder frittiert wird, habe ich den Geschmacksträger in anderer Form untergebracht, d.h. in den Teig gerührt. Ich habe ca. 20 Gramm Butter verwendet, ich würde sagen, das sind so 3-4 Esslöffel Öl. Nehmt ein hitzebeständiges, geschmacksneutrales Öl (ev. Sonnenblumenöl). Wenn ihr Öl statt Butter nehmt, erspart ihr euch auch das Abwaschen des Topfes, in dem ihr die Butter geschmolzen habt …

Mehl – zum Mehl klumpenfrei einrühren empfiehlt sich so ein Einhandmehlsieb oder ein normales Sieb.

ev. Weißwein oder Prosecco – ich bin einem Rezept gefolgt, das Weißwein für den Straubenteig verlangte, den ich durch Prosecco ersetzte. Natürlich eignet sich das Rezept dann etwas weniger für Kinder und durch den Wein ergibt sich auch ein etwas herberes Geschmackserlebnis als wenn der Teig mit Milch angerührt wird.

Früchte – zu diesem Gericht passen am besten säuerlich-süße Früchte, die auch sonst saisonal zu Hollerblüten passen. Entweder frisch, als Sauce oder Kompott – Rhabarber oder Erdbeeren bieten sich an, aber gefrorene Himbeeren oder Heidelbeeren gehen natürlich auch (oder was euch halt so einfällt). Denkt aber daran, dass der Hollerblütengeschmack doch recht zart ist.

So und jetzt zum Rezept
Mengenangaben richten sich nach meiner 28cm-Springform (a) und meiner 24x14cm-Gratinform (b):

Für die French Toast-Lage
ca. 1/2 (a) oder 1/4 (b) Baguette
2 Eier
ca. 125 ml Milch
1 Packung/Teelöffel Vanillezucker
1 Prise Salz

Für die Hollerstraubenlage
ca. 10 (a) oder 6 (b) Holunderblüten, ungewaschen, aber von etwaigen Insekten befreit
3 Eier
2 – 2 1/2 Esslöffel Zucker
1 Packung/Teelöffel Vanillezucker
1 Prise Salz
175 ml Weißwein oder Prosecco
20 Gramm Butter oder 4 Esslöffel Öl
100 Gramm Mehl

Form buttern oder mit Öl auspinseln
Brot in Scheiben schneiden
In einem Topf auf niedriger Stufe Butter schmelzen

Eiermilch für French Toast
2 Eier in eine Schüssel schlagen, ca. 125 ml Milch, 1 Prise Salz, 1 TL Vanillezucker dazugeben, mit einer Gabel oder einem Schneebesen gut verrühren.
Form mit Brot auslegen und Eiermilch drüberleeren oder Brot in der Schüssel mit Eiermilch weichen lassen. Dabei Brot mindestens einmal umdrehen.

Straubenteig:
Eier trennen – Dotter in eine größere Schüssel, Eiklar in eine kleinere.
175 ml Weißwein mit Eidottern gut verrühren.
2 (bzw. 2 1/2) EL Zucker, 1 TL Vanillezucker und eine Prise Salz einrühren.
Geschmolzene Butter langsam und unter dauerndem Rühren untermischen.
100gr Mehl in ein Sieb geben und langsam einrühren.
Eiklar schlagen, bis es steif ist, vorsichtig unter den Teig heben.
Der Teig sollte nun eine halbe Stunde im Kühlschrank rasten, aber wenn’s schnell gehen soll, dann muss das nicht sein.

Backofen auf 180 Grad vorheizen. (Wenn der Teig sofort verwendet werden soll, dann macht das früher.)

Falls ihr die Brotscheiben in der Schüssel habt weichen lassen, dann nehmt sie jetzt raus und legt sie in die Form. Wenn nicht alle Scheiben in der Schüssel Platz hatten, habt ihr jetzt Zeit, alle in Partien einzuweichen und in die Form zu legen.

Den Straubenteig aus dem Kühlschrank holen und nochmal vorsichtig umrühren. Hollerblüten in den Teig tunken und ev. mit dem Teigschaber Teig auf unbedeckte Stellen geben. Blüten auf die Lage Brot in der Form setzen, bis alle Scheiben bedeckt sind. Übriggebliebenen Teig drübergießen bzw. Löcher strategisch füllen.

Bei 180 Grad ca. 20 Minuten backen.

Ich habe den ersten Versuch ca. 20 Minuten gebacken, der war sehr duftend und stark im Aroma, aber vielleicht war das auch der viele Zucker. Der zweite Versuch war dann ca. 25 Minuten drin, hat etwas weniger stark geduftet, also vielleicht erst mal 20 Minuten probieren.

Mit Früchten, Fruchtsauce oder Kompott servieren.

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Foto Anna Zschokke CC BY-NC-SA 3.0

Voilá!

Variationen, die ich mir sonst noch vorstellen kann: statt dem Hollerstraubenteig eher eine Art Soufflé; ev. sogar nur Baiser; zwei Lagen Brot bzw. dachziegelartig geschichtetes Brot; Prosecco/Weißwein vor dem Einrühren mit einer Hollerblüte marinieren … aber das kommt dann erst nächstes Jahr.

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