Space Pirate Cat Queen of the 13th Dimension und das verschwundene Frühstück

In einer anderen Dimension …

… der 13., um genau zu sein …

… ist Shoebox Castle ein Shoebox Spaceship und die Königin die Weltraumkatzenpiratenkönigin. Der Kater ist ihr trusty sidekick, Space Pirate Cat.

Ein neues Abenteuer beginnt:

Space Pirate Cat Queen und das verschwundene Frühstück

imageEines Morgens machte sich die Weltraumkatzenpiratenkönigin Frühstück. Dabei entdeckte sie endlich, dass sie das Instantporridge ins heiße Wasser rühren sollte und nicht das Wasser ins Porridge, egal ob das so auf der Packung stand oder nicht.

“Quäk!”
Jäh wurden ihre Gedanken über dieses Porridgeparadox unterbrochen.
“Quäk! Quäk!”
“Ja, Space Pirate Cat, was ist denn?”
“QUÄK!”
“Ja-haa!”

Die Weltraumkatzenpiratenkönigin ließ ihr Porridge in Ruhe und ging in die Shoebox-Spaceship-Biosphäre. Space Pirate Cat war dort und hüpfte quäkend auf einem großen Alarmknopf herum.

“Was ist los, Space Pirate Cat, warum willst du Alarm schlagen? Der Knopf funktioniert doch gar nicht.”
“Aber wir haben eine Löwenzahnalieninvasion!”
“Was? Das ist ja … köstlich! Schnell, ich mache uns Löwenzahnalienknospensalat zum Frühstück. Nur so können wir sie an der Ausbreitung hindern!”
“Aber ich mag keine Löwenzahnaliens!”
“Du bist ja auch eine Katze.”
“Ach so.”

Gesagt, getan, die Weltraumkatzenpiratenkönigin wanderte in die Kombüse von Shoebox Spaceship und begann, sie aufs Schrecklichste zu verwüsten.

“Kapitänin! Was suchst du?”, rief die Smutje.
“Die Sojasauce! Wo zum Barte der Weltraumkatzenpiratenköniginmutter ist sie hingekommen?”
“Sojasauce ist aus. Wir haben nur noch Weißweinessig und wenn du hier so Chaos machst, musst du alles wieder aufräumen.”
“Ich will das aber nicht.”
“Na, dann mach nicht so Chaos.”
“Na gut. Gibt’s wenigstens sonst noch was, das ich über meine Löwenzahnalienknospen tun könnte?”
“Gomasio.”
“Nehm ich.”

Leicht grummelig wanderte die Weltraumkatzenpiratenkönigin zurück zu ihrem Kapitäninnenbett, quartierte sich dort mit Porridge, Löwenzahnalienknospen und Kieler Blümchentee ein und begann zu essen und zu trinken. Dann vereinbarte sie eine Kaperfahrt mit dem Kapitän einer verbündeten Flotte und streichelte dabei Space Pirate Cat, wie das Weltraumkatzenpiratenköniginnen eben so tun. Wozu haben Weltraumkatzenpiratinnenköniginnen sonst Katzen?

Als die Weltraumkatzenpiratinnenkönigin aber aufstand, um sich für die Tagesarbeit fertig zu machen, verspürte sie aber plötzlich großen Hunger. Dabei hatte sie doch gerade gefrühstückt: Porridge, Löwenzahnalienknospen und Kieler Blümchentee. Das konnte doch nicht einfach so weg sein? Aber so war es: Das Frühstück war verschwunden, zurück blieb nur ein leeres Gefühl in ihrem Magen.

Wie wird es weitergehen? Lässt sich das Frühstück wiederfinden oder die Situation anders lösen? Lest weiter in “Space Pirate Cat Queen und die Riesenschnake”!

The Anime Rainbow: Das war die Sommersaison 2014

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CN – Da es diesmal Kurzreviews sind & es so viele Anime sind, vergesse ich sicher einiges, sorry! Ich habe auch einige Anime von der Liste gestrichen, entweder weil sie noch laufen (Shirogane no Ishi: Argevollen, Bishoujo Senshi Sailor Moon Crystal) oder weil sie Teil eines größeren Komplexes sind (Kuroshitsuji Book of Circus) dem ich einen eigenen Post widmen möchte oder beides (Sword Art Online II).

Aldnoah Zero [CN Tod, Objektifizierung, PTSD im Zusammenhang mit Krieg, Krieg, physische Gewalt, psychische Gewalt] – In letzter Zeit sind Anime mit gigantischen Robotern, die irgendwelche Gefahren (meist aus dem Weltall) abwehren sollen, wieder sehr populär. Hier geht es um einen Konflikt zwischen Mars und Erde, politische Verwicklungen, eine Prinzessin, wechselnde Loyalitäten … und nervendes Fanservice. In letzter Zeit sehr populär in der Richtung: langsames Hochwandern der Kameras von den Beinen sitzender oder liegender Mädchen* oder Frauen* bis ungefähr Nabelhöhe. So. Nervig. Positiv: Etwas weniger platt als andere Anime was die Storyline angeht (aber noch platt genug, insgesamt, leider), Frauen in Autoritätspositionen (Schiffskapitänin, Navigatorin, Offizierin). Spoiler (mit der Maus drüberfahren): Das Ende fand ich radikal (in an oldschool way), da quasi fast alle sterben, aber es gibt im Jänner ein Sequel … aber für Wiederauferstehung müsste schon sehr viel passieren. Also bin ich doch ein bisschen gespannt. Insgesamt: Ziemlich nö.

Ao Haru Ride [CN Tod eines Elternteils, Trauer, Übergriffigkeit, Sexismus, Femmefeindlichkeit] – Hm. Ein einigermaßen netter Shoujoanime, viel über soziale Position, vor allem von Mädchen*, ganz interessant in Hinblick auf die Navigation zwischen Femininität und ihren Konsequenzen (Ablehnung von den anderen Mädchen*, positive/negative Aufmerksamkeit von den Burschen*). “Love Polygon” wird diese Art von Setting genannt – alle sind verliebt, aber vor allem unglücklich, weil die geliebte Person in eine andere Person verliebt ist usw. Dazu noch ein Familiendrama, das allerdings sehr realistisch ist (selten). Spoiler: Was ich nicht mochte, [CN Übergriffigkeit] war die Szene in der die männliche Hauptfigur die weibliche Hauptfigur vor Übergriffen warnt, indem er selbst übergriffig agiert. Sie selbst reagiert mit sexueller Erregung, was sie auch (in Gedanken) ausspricht, was ich wieder positiv finde, denn Sex wird so selten thematisiert … aber irgendwie hätte das alles anders, also feministischer gelöst werden können. Insgesamt aber: Irgendwie cute, irgendwie analytischer sozialen Zwänge und Positionen gegenüber als andere Shoujoanime, nette Musik, nette Animation … würde ich doch empfehlen, aber vielleicht nicht als Einstieg.

Bakumatsu Rock [CN Tod, Heterosexismus, Cisseximus] – Ich weiß nicht, warum ich mir diesen Anime angesehen habe. Bzw. habe ich eine sehr gute Begründung, nämlich, dass mich interessiert, wie die Bakumatsu genannte Zeitperiode in Anime dargestellt wird. *nick nick* Eigentlich stimmt das ja sogar. Anyway! Ihr müsst ihn euch nicht ansehen. Hier wird eine Dichotomie zwischen “Rock” (gut) und “Heaven’s Song” (= Boy Bands, fast alle böse) aufgestellt, es geht irgendwie um “Hero Souls” und die Kontrolle über Japan bzw. freies Leben … Zielpublikum sind Mädchen*, aber warum sollten die sich eigentlich etwas ansehen, das ihre Interessen runtermacht? Naja, egal, also: Schlechte Musik, grauenhafte Computeranimation, Lustigmachen über die Transfrauenfigur … seht euch das nicht an.

Barakamon [CN physische Gewalt, Heterosexismus] – Ein beliebter Topos: Der lebensferne Künstler(TM), diesmal ein Kalligraph (es sind nie Künstlerinnen*), der sich aufgrund eines Misserfolgs und eines körperlichen Angriffs auf einen Juror aufs Land zurückzieht und dort von der “simplen” Landbevölkerung, allen voran den Dorfkindern, “mit der Lebensrealität konfrontiert” bzw. “inspiriert” wird. Bzw. in den letzten Jahren sehr beliebt: Anime, die sich um eine Kunst oder ein Handwerk drehen. Das kommt hier ziemlich zu kurz. Das Kinderensemble umfasst mehrere Altersstufen, vom Kindergartenkind bis zum Oberstufenschüler sind alle dabei und erfrischend wild, was wenigstens den creepy “erwachsener Mann inmitten von Kindern”-Trend ein wenig abwehrt. (Es gibt nämlich diesen Trend … Anime, deren Haupthandlung das Leben einer Gruppe von Mädchen* ist, die dann vom (angenommenen) cisheteromännlichen* Zielpublikum fetischisiert werden, siehe z.B. Hanamaru Youchien, Non Non Biyori u.ä. Supercreepy.) Vollkommen problematisch an Barakamon ist die Reaktion auf das Queerbaiting, nämlich offener Heterosexismus, der wohl … den komödiantischen Topos der Fujoshi aufbrechen soll? Insgesamt: Meh.

DRAMAtical Murder [CN nicht-konsensuales Küssen (aber nur kurz), physische Gewalt, Tod] – Hm. Auch so ein “Hier, Mädchen*, ein paar nett anzusehende Dudes mit unterschiedlichen Haarfarben” hier mal ganz ohne weibliche Hauptfigur, wie auch Bakumatsu Rock. Wird anscheinend immer mehr gepusht, dieses Genre – aber die Geschichte, Animation, Musik, Figuren sind so schlecht, dass sie eigentlich nicht anzuschauen sind. Manchmal frage ich mich, ob die Finanzkrise an diesen low value productions schuld ist (und an der Überzahl der “Boy meets Girl”-Anime, die auf ein männliches* Publikum abzielen). Ja, also es geht um die Zukunft und virtuelle Realität und ein böser Typ will alle hypnotisieren … baaaahhhhhhh. *seufz* Dazwischen angedeutet – Anziehung zwischen den Figuren und sogar ein Kuss. (Yay Fortschritt!)

Gekkan Shoujo Nozaki-kun [CN cartoonhafte physische Gewalt] – Mein absoluter Favorit diesen Sommer. Ich musste bei jeder Episode laut lachen. Ich liebe diesen Anime. Das Setting selbst ist eigentlich schon gut erprobt, Highschool Comedy plus Manga zeichnen, in der letzten Zeit nach Bakuman sehr beliebt, aber hier wird so viel auf den Kopf gestellt. Um das zu merken und wirklich zu schätzen, lohnt es sich allerdings, zuerst ähnliche “typische” Anime anzuschauen … aber nötig ist es nicht. Bespreche ich jedenfalls noch ausführlicher – große, große Empfehlung.

Glasslip – Sah zu Beginn nach Standardromanze (wieder mit Love Polygon) aus, wurde dann von Folge zu Folge undurchsichtiger, mit Visionen von “Fragmenten der Zukunft”, die aber nie erklärt werden, immer weniger Zusammenhängen und am Ende stand ein Gedanke: “Äh?” Ganz nett daran: Moderne Architektur im Alltag! Und ein bisschen klassische Musik. Und es gibt eine bisexuelle Figur, die mit eigenen Interessen, eigener Geschichte porträtiert wird. \o/Spoiler: Leider checkt die weibliche Hauptfigur es überhaupt nicht als sie von der bisexuellen Figur eine Liebeserklärung kriegt bzw. möglicherweise ignoriert sie sie absichtlich. :( Urteil: Nee.

Love Stage!! [CN sexuelle Übergriffigkeit, physische Gewalt] – Das ist nicht der erste Anime, der sich einer homosexuellen Liebesgeschichte zwischen zwei Cismännern widmet, aber sicher der expliziteste der Yaoi-Mainstreamanime, die ich bisher gesehen habe (Junjou Romantica habe ich mir noch nicht angeschaut, weil mir der Manga unsympathisch ist). Explizit daher, weil die beiden Hauptcharaktere, Ryouma und Izumi, offen ineinander verliebt sind (also Ryouma erst in Izumi, dann …) und Anziehung auch offen zeigen dürfen, wenn auch eine Person in den sexuell expliziteren Szenen nur als sparkly, pastellfarbene Silhoutte gezeigt wird. Es gibt hier, anders als in z.B. No. 6, auch keine Hintergrundgeschichte, sondern der Anime folgt der Beziehung zwischen Ryouma und Izumi, also einer klassischen Lovestory. Sie folgt einem gängigen Yaoi-Topos, aber um euch das jetzt alles zu erklären, müsste ich weit ausholen und ehrlich gesagt ist es mir zu heikel über Yaoi zu schreiben, weil ich mich erst langsam kritisch damit auseinandersetze, also lasse ich es. Ich kann auch nicht wirklich verorten, welche Bedeutung es hat, dass diese Anime auf diese Art und Weise produziert und gezeigt wurde. Falls ihr mehr dazu wissen wollt, kann ich euch nicht wirklich weiterhelfen, weil ich zu wenig weiß. Ich finde Love Stage!! ganz ok, ich lese auch den Manga, mag daran aber Rei x Shougo.

Nobunaga Concerto [CN Tod, Krieg, Tote, Blut, physische Gewalt] – Saburou, ein Schüler, wird plötzlich in die Zeit zurück versetzt, in der Oda Nobunaga lebte und nimmt seinen Platz ein. Der Anime folgt seiner Laufbahn und seinen Begegnungen mit anderen Zeitreisenden. Nicht besonders spannend, außer ihr plant eine Analyse von Anime, die in der Sengoku-Zeit spielen (was durchaus spannend wäre). Ganz lustig fand ich, dass Saburou das Raum-Zeit-Kontinuum egal ist und er sein Geschichtebuch konsultiert, bis es ihm geklaut wird.

Tokyo ESP [CN Tod, Krieg, Tote, extreme physische Gewalt, psychische Gewalt, Blut] – Hätte eigentlich ganz gut sein können, ohne die exzessive, unangenehme Sexualisierung der weiblichen Figuren. Erinnerte ein bisschen an X-Men – plötzlich haben einige Leute Superkräfte, mit denen sie umgehen müssen. Wenigstens gibt es wenig Schulszenen und es geht wirklich eher um Action, mit vielen weiblichen Figuren, aber auch den typischen “lustigen” Figuren, die überhaupt nicht lustig sind, wie z.B. den übergriffigen alten Mann (hier als Panda verkleidet). Es gibt die Bösen, gegen die die Guten kämpfen, alles sehr dramatisch, aber im Endeffekt alles sehr 0815, sexistisch und unnötig.

Tokyo Kushu/Tokyo Ghoul [CN Tod, extreme, explizit dargestellte physische Gewalt, psychische Gewalt, Blut, Organe, Kannibalismus, Folter] – Lange Zeit hielt ich Gewalt in Anime recht gut aus. Es sind ja “nur” animierte Figuren und obwohl die mich schon zum Schreien, Heulen, Herzschmerzen gebracht haben, sie sind nicht so real wie echte Schauspieler. In den letzten Jahren gibt es aber einen Trend von immer expliziteren Gewaltdarstellungen, die ich nicht mehr aushalte. Es ist zu grauenhaft und zu sadistisch und Tokyo Ghoul gehört zu diesen Anime. Die Story selbst ist sehr standardmäßig, Ähnlichkeit mit Kemonozume ist da, vor allem in der OP, aber außer der flüssigen Animation ist hier nichts Originelles zu sehen. Gleichzeitig lässen sich diese Stories um Menschenfresser (Kemonozume, Shingeki no Kyojin, in der jetztigen Saison Kiseijuu: Sei no Kakuritsu) wohl als Metaphern (z.B. für Kapitalismus, gesellschaftlichen Druck, u.ä.) verstehen und ihre Häufung und Popularität in den letzten 2 Jahren wird wohl kein Zufall sein. Aber mir dreht es langsam den Magen um :/ Angeblich ist der Manga besser und eine zweite Saison wird es auch geben (no na), aber … nix für mich.

Yami Shibai 2 [CN Horror – sorry, ich erinnere mich nicht mehr an die Details] – Anime mit sehr kurzen Folgen, immer über eine Gruselgeschichte, so á la “Dies ist die Geschichte über XPerson, die …” und dann passiert ihnen irgendetwas creepiges. Die erste Saison war tatsächlich sehr creepy, diese ist zwar auch creepy, aber weniger extrem. Trotzdem insgesamt eher meh.

Zankyou no Terror [CN physische Gewalt, Explosionen, psychische Gewalt, Terrorismus] – Diese Serie werde ich auch noch separat besprechen. Es geht um zwei Freunde, die Terroranschläge verüben, den Polizisten, der dem Ganzen auf dem Grund gehen will und Lisa, die per Zufall in die Sache verwickelt wird. Ich muss mir den Anime aber nochmal ansehen, um zu einem endgültigen Urteil zu kommen, aber insgesamt fand ich ihn recht interessant, aber wieder eigentlich auf bereits vorhandenen Geschichten aufgebaut, also nicht besonders neu, sondern ein bisschen zu vertraut. Nachdem klar wurde, worum es ging, war mir auch ein wenig fad. Aber mal sehen, was ich nach dem nochmaligen Ansehen denke. Gut daran: Kein Fanservice, abgeschlossene Geschichte, ungewöhnliche OP & ED.

So, jetzt darf ich endlich guten Gewissens mit der Herbstsaison beginnen! Jedenfalls so gut mein Gewissen sein kann, da ich noch 100 andere Dinge tun sollte. XD

The Anime Rainbow: Seirei no Moribito (Guardian of the Sacred Spirit)

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[CN physische Gewalt, Tod, Blut, eine Instanz wo ein Kind eine Ohrfeige kriegt, Höhe]

Ich wollte ja noch warten, bis ich das Rezensieren ein wenig mehr geübt habe, aber ich habe diesen Anime schon so oft empfohlen und jetzt scheint die Empfehlung langsam Runden zu ziehen, also kann ich gleich darüber schreiben. Seirei no Moribito ist einer meiner Lieblingsanime. Ich kann mich selten auf *ein* Lieblingsirgendwas einschränken, aber wenn ich müsste … es wäre dieser Anime. Es fällt mir schwer, adäquat auszudrücken, wie großartig dieser Anime ist, ich hoffe also, dass ihr ihn euch anseht, selbst wenn euch die Rezension nicht anspricht.

Für mich ist Seirei no Moribito einer der wenigen tatsächlich feministischen Anime. Er basiert auf der zwölfteiligen Romanserie “Moribito” von Nahoko Uehashi, von der 9 Bände auf Englisch übersetzt wurden. Leider verkaufte sich die Serie nicht so gut, daher wurde die Übersetzung eingestellt. Der Anime hat 26 Folgen und erzählt die Geschichte des ersten Bandes.

Die Hauptfigur von Seirei no Moribito ist Balsa, eine Speerkämpferin, die als Bodyguard arbeitet. Nach zweijähriger Abwesenheit kehrt sie zurück in die Hauptstadt des Yogo-Reiches, das in vielen Aspekten an ein historisches Japan (aber fragt mich nicht welche Epoche) angelehnt ist. Gleich bei ihrem Eintreffen rettet sie ein Mitglied der königlichen Familie – einen Jungen. Als Dank wird sie in den Palast eingeladen. In der Nacht wird sie von der zweiten Kaiserin, der Mutter des Prinzen, damit beauftragt, das Leben des Prinzen zu beschützen, denn es wurden bereits mehrere Anschläge auf ihn verübt. Balsa hat es sich aus einem wichtigen Grund zur Aufgabe gemacht, acht Leben zu retten und kann deshalb den Auftrag nicht ablehnen. Also ist sie von jetzt an für das Leben des Prinzen Chagum verantwortlich und der muss sich schnellstens an die “wirkliche Welt” außerhalb des Palastes gewöhnen.

In der Welt von Seirei no Moribito gibt es zwei Welten, die der Menschen und die der “Geister” (aber nicht im Sinne von Gespenst), die mit einander interagieren und von einander abhängen. Chagum wird deshalb verfolgt, weil sich in ihm das Ei eines Wassergeistes eingenistet hat und laut dem Gründungsmythos des Yogo-Reiches sind Wassergeister vom Kaiser zu töten. Allerdings gibt es im Yogo-Reich noch andere Mythen – die der ursprünglichen Bevölkerung – und die haben ganz andere Ansichten, was Wassergeister betrifft: Die sind nämlich wichtig für die Wasserversorgung der ganzen Welt. Aber unter welchen Bedingungen schlüpft das Wassergeistei? Das herauszufinden, Chagum dabei vor dem Zugriff des Kaisers und darüber hinaus zu beschützen und den Wassergeist sicher zum Schlüpfen zu bringen wird zur zentralen Motivation.

Balsa wird bei ihrer Aufgabe von vielen Personen unterstützt. Da ist ihr Jugendfreund, der Heiler Tanda, der sich immer um ihre Verletzungen gekümmert hat. Er geht bei der Schamanin Torogai in die Lehre, die mit der Welt der Geister kommuniziert (nein, nicht durch Trance, durch Tauchen). Tooya und Saya, zwei Jugendliche, die Balsa ihr Leben verdanken, unterstützen sie ebenfalls. Tooya ist ein begnadeter Händler und schlägt immer einen guten Deal heraus. Von kaiserlicher Seite gibt es auch eine Vielzahl von Personen, von denen einige Balsa entweder verfolgen oder versuchen herauszufinden, was denn jetzt wirklich los ist mit diesem Wassergeist.

Soweit klingt das simpel und nach einer typischen Fantasystory, aber genau das ist Seirei no Moribito nicht. Balsa ist 30. Ich sage das nochmal: Balsa ist 30. Eine dreißigjährige Hauptfigur, also die Figur, die im Zentrum einer Geschichte steht und deren Perspektive hauptsächlich eingenommen bzw. erzählt wird, ist in Anime so selten, dass mir beim überlegen vielleicht ca. 10 Anime eingefallen sind und selbst auf diese Zahl würde ich nicht schwören. Meine “completed”-Liste umfasst im Moment (etwas bereinigt) ca. 550 Anime und nein, natürlich sind das nicht alle Anime ever, aber es sind doch einige. Also das nur mal als Anfang.

Weiters ist ein Fokus von Seirei no Moribito Balsas Reflexionen über ihre Geschichte, ihren Vater und wie es für ihn gewesen sein muss, sie aufzuziehen – also über Elternschaft, denn mit Übernahme des Auftrags, Chagums Leben zu beschützen, wird sie zu seiner Mutter. Was Elternschaft für Balsa bedeutet und wie sie diese Rolle ausfüllt und welche Rolle_n sie dabei einnimmt, was das für sie bedeutet, das alles wird in Seirei no Moribito erkundet. Es ist selten, dass eine Frau gezeigt wird, die diese Rolle (aus Gründen) nicht einnehmen will. Es ist selten, dass gezeigt wird, dass Elternschaft auch für Frauen ein Lernprozess und eben nicht etwas “Naturgegebenes” ist – den Plot “Krieger muss Kind aufziehen” gibt es viel öfter.

Aber Seirei no Moribito geht noch viel weiter. Es ist so multidimensional, dass ich gar nicht alles beschreiben kann. Es macht sichtbar, was in anderen Serien als “normal” dargestellt und nicht in Frage gestellt wird. Zum Beispiel wird Balsas Aufgabe, 8 Leben zu retten,  kritisch beleuchtet: Wenn sie Menschen tötet, um ein spezifisches Leben zu retten, stellt sie dessen Wert über den Wert der Getöteten. Also kämpft Balsa so, dass sie Kampf zuerst einmal versucht auszuweichen. Wenn es sein muss, verletzt sie Menschen zwar, aber tötet sie nicht. Das ist ein großer Unterschied zu vielen anderen Geschichten.

Seirei no Moribito zeigt auch deutlich Klassenunterschiede, Rassismus, die Konsequenzen von Herrschaftsmythen und herrschaftlicher Geschichtsschreibung, das Machtgefälle zwischen Wissenschaft und “Volksmythen”, ökonomische Hintergründe, die Konsequenzen für die Umwelt haben, was wiederum Konsequenzen für die Interaktion zwischen der Menschenwelt und der Geisterwelt hat, etc. etc. etc. auf. Manchmal nur in Andeutungen, die erst nach wiederholtem Anschauen sichtbar werden und ja, ich habe die Serie wohl schon an die 20mal gesehen. Ich wette, beim neuerlichen Anschauen würde ich wieder neue Details bemerken.

Und Seirei no Moribito zeigt andere Geschlechterrollen. Balsa ist die Kriegerin – nun, kämpfende Frauen sind in Anime keine so große Seltenheit. Aber sie ist nicht nur eine Kampfmaschine, sondern besitzt umfassendes Wissen über eine Vielzahl von Dingen, die für das tägliche und für ihr spezifisches Überleben gebraucht werden – und weit darüber hinaus. Tanda ist der Heiler, der Caregiver, über weite Strecken auch der, der im Haus bleibt, der, der Essen zubereitet. Das ist sehr ungewöhnlich.

Torogai die Schamanin ist schon älter, aber sehr aktiv, körperlich, geistig. Sie isst mit großer Lust und überwintert lieber bei heißen Quellen, als mit Tanda, Balsa und Chagum glückliche Familie zu spielen, denn sie hatte schon eigene Kinder – ja! Das ist keine zölibatäre, asketische, “weise Frau”. So wie auch die Hauptfiguren viele verschiedene Aspekte haben, werden auch die Nebenfiguren in der Regel nicht eindimensional dargestellt. Sie haben Hintergründe, eigene Motivationen, äußere Zwänge, unter denen sie agieren.

Dafür, dass diese Serie so unglaublich voll erscheint – voll Figuren, voll Subtext, voll Plot, ist sie doch von der Erzählgeschwindigkeit überhaupt nicht hastig oder überstürzt. Alles entfaltet sich der Situation entsprechend. Es gibt keine “Filler”, also keine Episoden, die den Plot nicht vorantreiben bzw. den Charakter der Figuren nicht entwickeln – alles hat eine Bedeutung, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint, selbst die Musik. Dazu kommt eine großartige Animation und visuelle Gestaltung – gut gezeichnet, flüssige Bewegungen, kein Fanservice, die Computeranimation ist unauffällig (also zumindest für mich), wunderschöne Landschaftsbilder … *hust*, ich glaube ich habe heute noch nichts vor …

Fazit: Ein feministischer Fantasyanime mit einer großartigen Geschichte, großartig umgesetzt.

The Anime Rainbow: Nodame Cantabile

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[CN für die Rezension: Benennung von sexuell übergriffigem Verhalten, Heterosexismus, Cissexismus, Gewalt, Sexismus]

[TW Heterosexismus, Cissexismus, Sexismus, sexuelle Übergriffigkeit, körperliche Gewalt (scherzhaft), körperliche Gewalt (ernsthaft), Objektifizierung, Flugzeugunglück, CN Fatshaming, ableistische Sprache, Klassismus]

Nodame Cantabile hat drei Staffeln, Nodame Cantabile, Paris Hen und Finale und insgesamt 45 Episoden (plus zwei OVAs und ein Special). Einerseits ist Nodame Cantabile dem Genre “Karriereanime” zuzuordnen, es wird also der karrieremäßige Aufstieg von in diesem Fall zwei Hauptfiguren und einem größeren Ensemble verfolgt., andererseits ist Nodame Cantabile ein humoristischer Anime und zeigt leider die allerschrecklichsten Seiten dieses Genres.

Es gibt also

  • den sexuell übergriffigen alten Mann (Warum ist das “lustig”? Warummmm?),
  • die homosexuelle Figur (Absatz editiert am 5.10.)  – (Oft ist diese Person eine Transfrau oder eine Dragqueen, deren Verhalten und Begehren vor allem am Beginn der Serie als belustigend und abstoßend dargestellt wird (in anderen Serien wird es das die ganze Zeit). In Nodame Cantabile hat Okuyama Masumi, anders als in anderen “lustigen” Anime, eine Hintergrundgeschichte, ein eigenes Leben, ist ausgezeichnete* Perkussionistin und ist definitiv ein wichtiger Teil des Ensembles.  Später kommt ein schwuler Mann vor, dessen Begehren ebenso als belustigend und abstoßend dargestellt wird, aber er bleibt eine Randfigur. Schließlich gibt es noch eine Szene in der potentiell lesbisches Begehren als abstoßend dargestellt wird),
  • Objektifizierung (BH-Größen scheinen sehr wichtig zu sein, aber da das Zielpublikum als weiblich* angenommen wird, ist Nodame Cantabile bei weitem nicht so extrem wie andere Anime und richtet sich in den meisten Fällen nach der female gaze),
  • Sexismus & Festlegung sexistischer Normen (Frauen sollen gepflegt, nett, elegant sein und sich auch so verhalten, Makeup tragen, aber nicht zu viel, “gehören” einem Mann … etc. etc. etc.),
  • die “spaßhafte” Gewalt, bei der auch Blut spritzt (wie Tom & Jerry, nur mit Menschen und je nachdem Blut),
  • Klassismus,
  • Fatshaming
  • und sicher noch mehr problematische Dinge.

Aber. Noda Megumi oder Nodame, die Hauptfigur der Serie, ist eine so wunderbar untypische Hauptfigur. Ihre Wohnung ist ein Chaos, sie legt keinen Wert auf Körperpflege oder stereotyp “feminine” Kleidung, sie kann nicht kochen, sie singt Scherzlieder über Fürze und Katzenscheiße, mag Anime und Manga, sie bringt ihr Begehren für Chiaki Shinichi, den Protagonisten, mehr als deutlich und auf für weibliche Animefiguren sehr untypische Art und Weise zum Ausdruck – und in diesem Anime wird Begehren, Küssen, Sex endlich einmal (wenn auch je nachdem nur in den dezentesten Ansätzen) thematisiert (nein, das ist nicht immer so) . Nodame bleibt auch so – es gibt hier kein Riesenmakeover und alle temporären Änderungen halten nicht lange. Es ist Chiaki, der trotz aller seiner Widerstände für Nodame aufräumt, ihre Kleidung wäscht, sie pflegt, ihr Essen kocht.

Schon allein diese Umkehr, die ich sonst in nur einigen wenigen Anime und fast nie auf diese Weise gesehen habe, hat mir Nodame Cantabile ans Herz wachsen lassen. Was noch dazukommt: In Nodame Cantabile geht es um klassische Musik, die ich gerne mag und der Anime spielt endlich einmal an einer Universität statt an einer Schule (yes! 20jährige! Juhu! *heul* Wenn’s mal mehr als eine Handvoll Anime über 30jährige Frauen gäbe …).

Chiaki stammt aus einer reichen, musikalischen Familie und will Dirigent werden, kann aber #ausGründen Japan nicht verlassen. Nodames Vater ist Seetangbauer, ihre Mutter ist schneiderisch begabte Hausfrau und sie will eigentlich nur einen Uniabschluss, damit sie Lehrerin werden kann. Chiaki entdeckt, wie gut sie Klavier spielen kann und so geht es dann darum, dass er und viele andere versuchen, Nodame darin zu unterstützen, Pianistin zu werden. Gleichzeitig bringt Nodame auf ihre Art Chiaki dazu, seine arrogantes Arschlochverhalten zu ändern, d.h. er unterstützt sie mit Reproduktionsarbeit, seinem kulturellen Wissen und seinen Verbindungen, sie unterstützt ihn bei der emotionalen Arbeit.

Dass sie es ist, die ihn bei der emotionalen Arbeit unterstützt, kann zwar auch problematisch gesehen werden, aber in den meisten Anime unterstützt die weibliche Figur den Protagonisten in diesem Bereich ohne gleichzeitig in ihren eigenen Bestrebungen eine ähnliche Unterstützung zu enthalten, sollte sie denn eigene Wünsche und Ziele haben, die außerhalb “Beziehung mit Protagonist” liegen – wenn ihr überhaupt so viel Raum, Hintergrundgeschichte und Charakter zugestanden wird. Auch wird das Machtgefälle, das zwischen Chiakis und Nodames Hintergrund besteht, thematisiert und Nodame weist Chiaki darauf hin, wenn er vergisst, dass sie nicht aus einem Oberschichthaushalt stammt und ihr der “Bildungskanon” fehlt, da sie von ihrer Familie dahingehend keine Unterstützung erhalten hat. Nodame entwickelt ihre eigenen Bilder und Vorstellungen, die auch (von Chiaki) als gleichrangig akzeptiert werden.

Dazwischen gibt es klassische Musik, wobei auch Werke von Komponisten (nein, keine Frauen*, was dachtet ihr?) des 20 Jahrhundert vorkommen (untypisch). Immer wieder kommen die Charaktere in Wettbewerbssituationen, was natürlich die Spannung erhöht (vergleichbar mit Sportanime). Und es gibt eben die Liebesgeschichte zwischen Chiaki und Nodame, die weder einfach noch spannungsfrei ist. In den Konzertszenen ist die Computeranimation manchmal seeehr deutlich zu sehen, aber im großen und ganzen ist die Animation ok, nicht sehr detailreich, aber nett anzusehen (Chiaki-senpai! Kyaaa! *hust*).

Ich kann euch also Nodame Cantabile nicht guten Gewissens empfehlen. Ich kann euch Nodame Cantabile aber auch nicht nicht empfehlen. Wenn ihr klassische Musik mögt und ein Paradebeispiel für einen humoristischen Anime sucht und nicht die fadeste, 1000mal wiederholte, androzentristische Geschichte sehen wollt (denn meistens sind solche humoristischen Anime für cismännliche Zuschauer gemacht), dann seht euch Nodame Cantabile an. Falls das eher nichts für euch ist – Geduld, es kommen noch weitere Rezensionen ;)

no spoilers

The Anime Rainbow: Juuni Kokuki (The Twelve Kingdoms)

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[TW physical, mental, emotional abuse, Suizid, Gewalt, Krieg, Tod, Tote, CN  Sexismus, Ageismus, Feudalismus, ableistische Sprache]

Mit welchem Anime beginne ich? Mit einem alten oder einem neuen? Einem, der mir sehr am Herzen liegt oder eher einem, bei dem ich etwas weniger überschwänglich berichten kann? Soll ich alphabetisch oder thematisch vorgehen? Die Auswahl schien schier unmöglich, aber dann beim Stöbern purzelte ich über Juuni Kokuki, verlässlicher Favorit. Also los.

Juuni Kokuki basiert auf einer Buchserie von Ono Fuyumi, die teilweise auch auf Deutsch übersetzt wurde. Ich habe sie allerdings noch nicht gelesen. Der Anime hat 45 Folgen, die in vier unterschiedlich lange Teile unterteilt sind. Recap-Episoden, also Zusammenfassungen, sind die Episoden 14, 21 und 45.

Youko möchte doch nur ein braves Mädchen sein. Stattdessen fühlt sie sich fremd und eckt überall an. Ihre rötlichen Haare führen zum Konflikt zuhause und in der Schule, dabei sind sie nicht gefärbt (gefärbte Haare sind im Allgemeinen gegen die Schulregeln und sind mit Bereitschaft zu weiteren Regelverstößen, Gewalt und Kriminalität konnotiert). Sie ist Klassensprecherin, aber beliebt ist sie nicht und wirkliche Freund_innen* hat sie auch keine. Nur ihr Freund aus Kindertagen, Asano, steht ihr bei. Der interessiert sich aber eher für Yuka, ebenfalls eine Außenseiterin, die am liebsten Fantasybücher liest.

Eines Tages steht plötzlich ein junger Mann mit langen blonden Haaren vor Youko, mitten im Klassenzimmer. Er geht auf sie zu, kniet nieder und schwört, dass er den Posten vor ihrem Thron nie verlassen wird. Youko akzeptiert unwillig, da sie gewohnt ist auf Druck nachzugeben – dann zersplittern alle Fenster und die Klasse wird verwüstet. Nach der Flucht aufs Dach muss Youko gegen Monster kämpfen und wird schließlich mit Asano und Yuka durch ein Portal in eine andere Welt gebracht.

In dieser komplett fremden Welt müssen sich die drei erst einmal zurechtfinden, dabei werden sie festgenommen, verfolgt, angegriffen, verletzt, voneinander getrennt. Alle drei müssen ihre eigene Reise durchmachen, vor allem Youko. Geplagt von Visionen, auf sich allein gestellt, verliert sie langsam ihr Vertrauen in andere und entdeckt ihre dunklen Seiten. Schließlich entdeckt sie auch ihre innere Stärke – aber wird sie sich auch entscheiden, ihrem Auftrag zu folgen und Königin zu werden? Und wie geht es danach weiter?

Klingt nicht besonders originell? Richtig, die Geschichte von der plötzlichen Reise in ein anderes Land ist alt. Was die Qualität von Juuni Kokuki ausmacht ist die Umsetzung und die Charakterisierung. Hier gibt es kein ultimatives magisches Böse, das bekämpft werden muss, Youkos Auftrag ist, eine gute Königin zu werden. Dabei lässt sich Juuni Kokuki Zeit. Charaktere, die in anderen Anime ohne nähere Erklärungen oder mit einer sehr kurzen Hintergrundgeschichte plötzlich zur Heldin gestoßen wären und ihr nur um die Handlung zu befördern aus unerfindlichen Gründen aus persönlicher Sympathie verbunden wären, bekommen in Juuni Kokuki genug Raum und Zeit für eigene Entwicklungen, mit ausgedehnten Hintergründen und eigenen Fragen und Problemen bekommen.

In den Grenzen der quasi-historischen, feudalen Fantasiewelt der zwölf König_innenreiche gibt es zwar Gött_innen und Magie, die Serie ist allerdings sehr realitätsbezogen und genau das und die spannende Handlung macht sie so faszinierend. Es geht um Landwirtschaft, bürokratische Verwaltung, Bildung (und Bildungsbarrieren), Arbeit, Bewegungsfreiheit, Armut, Flucht, Gesundheit, Not, Krieg, politische Intrigen, Tyrannei, Widerstand. Daher auch die Triggerwarnungen, denn obwohl wenig Blut gezeigt wird und die Serie Gewalt und ihre Folgen nicht zelebriert, werden sie doch gezeigt.

In Juuni Kokuki kommen Königinnen*, Ministerinnen*, hohe Beamtinnen* und sogar ein weiblicher* General vor und ihr Anspruch auf ihre Position und Macht sowie ihre Fähigkeiten werden nicht allgemein angezweifelt. Soldatinnen* gibt es aber zumindest auf den ersten Blick keine und die meisten Charaktere in Machtpositionen. z.B. Provinzgouverneure sind doch von Männern* besetzt. Die weiblichen* Charaktere sind allerdings eigenständige Individuen, auch brutal, gemein, gewalttätig, wütend, schüchtern, störrisch, eitel, verzweifelt, etc. etc. sein, anstatt immer nur “nett”.

Später wird Youkos Geschichte von anderen Geschichten mit männlichen* Hauptfiguren unterbrochen, die aber in die Rahmenhandlung eingebettet sind. Der Fokus liegt nicht auf den charakterlichen Entwicklungen der männlichen* Charaktere, ihr Innenleben wird weniger gezeigt – sie sind hier die “supporting” Charaktere, deren Handlungen und Erzählungen der Entwicklungen der Frauen* dienen. Dabei wird dieser Anime als Seinen – also für Männer* ab 16/18 – definiert. Leider ist die Serie auch sehr heteronormativ, obwohl die Umstände in der Welt der zwölf König_innenreiche eigentlich Raum für alle Geschlechter und Beziehungen offen lassen würden. Gleichzeitig gibt es aber, soweit ich mich erinnere, keinen offenen Hetero- oder Cissexismus.

Was die Gestaltung angeht: Die Animation ist gut und flüssig, das Characterdesign ist für Anime eher naturalistisch (also keine übermäßig langen Arme und Beine, keine besonders großen Augen) und im großen und ganzen haben auch die weiblichen* Charaktere individuelle Gesichter (nein, das ist nicht immer so). Die Farben sind eher gedeckt als leuchtend – visuell spannend ist eher die Welt ansich. Die Musik in der OP-Sequenz finde ich auch cool, ansonsten fällt der Soundtrack nicht besonders auf.

Was ich an Juuni Kokuki mag: Statt ruckzuck durch Magie und Abkürzungen zur glorreichen Königin zu werden, entwickelt sich Youko über die Zeit hinweg und kommt graduell zu ihren eigenen Entscheidungen. So geht es vielen Charakteren, vor allem den weiblichen*. Auch die “bösen” Charaktere haben ihre eigenen Motivationen. Anstatt ein magisches Abenteuer mit humoristischen Einschlägen zu sein (die mag ich auch!), ist die Serie ernst und handfest, dabei spannend und dramatisch. Die Fantasiewelt ist (bis zu einem gewissen Grad) durchdacht und fantastisch ausgestattet – und ich sehe sie mir gerne wieder an.

SPOILER – ACHTUNG SPOILER

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Hier also noch ein paar Details und Gedanken zu Juuni Kokuki.

Zur Kosmologie von Juuni Kokuki: In der Welt der zwölf König_innenreiche Gött_innen und eine Hauptgottheit (ich erinnere mich gerade nicht an den Namen), die die Welt und alles in ihr, sowie alle Regeln geschaffen hat. Die König_innen werden durch diese Gottheit bestimmt und durch die “Kirin” – Einhörner, die sich auch in Menschen verwandeln können – ausgesucht (sie “spüren das einfach”). Jedes Reich hat idealerweise eine_n Kirin und eine_n König_in, die sich gegenseitig ergänzen und unterstützen.

Es ist allerdings schwer, die König_innenwürde abzulehnen, denn dann würde die_der Kirin krank werden und sterben und die_der König_in auch. Ein Reich ohne König_in oder mit eine_r_m tyrannischen König_in verwandelt sich noch dazu in eine von Naturkatastrophen geplagte Einöde, in der Monster umherziehen und die Menschen anfallen. Je besser ein König_innenreich regiert wird, desto besser geht es der Bevölkerung – und das ist das Ziel. Eigentlich haftet also die_der König_in mit dem eigenen Leben für das Wohl der Bevölkerung – leider geht das aber nicht per Blitzschlag, sondern zuerst müssen eine Menge Menschen sterben. Andererseits gibt es in einem besonders schlimmen Fall einen Umsturz, der von der allmächtigen Gottheit nicht bestraft wird.

Von daher ist aber die Wahl, vor die Youko gestellt wird – Königin werden oder sterben bzw. die Menschen in ihrem Reich sterben lassen – eine unfaire. Abdanken ist auch eine Option, aber dann würde ihr Reich weiter vor sich hin verwüsten und noch mehr Menschen sterben. Aber mit ihren Zweifeln scheint Youko eine Ausnahme zu sein – die meisten Menschen freuen sich darüber, gewählt zu werden bzw. versuchen sie auch die König_innenwürde mit Tricks zu erreichen (klappt nicht, weil Magie). Andererseits gibt es auch Menschen, die an diesen göttlichen Fügungen zweifeln und sich dagegen stemmen. Dadurch, dass die Serie ein Ende hat, bleiben etliche Fragen ungelöst. Für mich machen diese ungelösten Fragen auch einen Reiz aus.

Ein anderer theoretisch spannender Aspekt ist, wie die Fortpflanzung in der Welt der zwölf König_innenreiche geschieht: Dort wachsen Kinder auf Bäumen, in eiförmigen Kapseln. Auch alle anderen Lebewesen, Tiere und Pflanzen, wachsen in solchen Kapseln auf Bäumen. Ich frage mich ja, wie das mit Mikroben, Bakterien, Insekten usw. ist, aber da hört dann die Realitätsnähe auf. Jedenfalls muss eine Person, um ein Kind zu bekommen (im Anime ist es eben ein Heteropaar) an den Ast eines Baumes, der Kinder trägt, ein selbstgewebtes Band binden und wenn der Wunsch in Erfüllung geht, wächst an der Stelle eine Kapsel. Beim Weben des Bandes denkt die Person/das Paar fest an das Kind das sie sich wünsch_t_en.

Also ist Sex rein fakultativ, es braucht keine Verhütung und alle Menschen, die sich das wünschen könnten ein Kind bekommen. Theoretisch. Sex wird fast gänzlich ausgespart, eher wird noch Verliebtheit gezeigt oder angedeutet, aber auch die steht absolut nicht im Vordergrund. Offen lesbische, schwule, bisexuelle, queere oder Trans*personen und ihr Leben werden nicht gezeigt, leider. Das hat wohl mit der cisheteronormativen Gesellschaft und dem angenommenen Zielpublikum – eben Cisheteromänner – zu tun.

Das klingt jetzt vielleicht nicht so positiv. Aber ich mag Juuni Kokuki, denn es gibt so eine große Bandbreite an Rollen. Sehr spannend finde ich das Verhältnis zwischen Youko und Yuka. Youko möchte am liebsten wieder nachhause und fühlt sich absolut nicht zur Königin berufen. Es ist eigentlich die Wahl “Tod oder Leben” bzw. auch das Bestärken und Zureden der Personen, mit denen sie in Juuni Kokuki Freund_innenschaft bzw. Bekanntschaft schließt, die sie schließlich dazu bringen, Königin zu werden. Yuka hingegen, die ja gerne Fantasybücher liest, ist anfangs überglücklich in einer anderen Welt zu sein, da sie sich das immer gewünscht hat. Für sie ist es ihre Heldinnengeschichte, die sich aber nicht so entwickelt, wie sie sich das vorgestellt hat.

Nach ihrer Krönung hat Youko Probleme mit ihren Beamt_innen, die sie wegen ihrer Jugend und ihrer Herkunft aus Japan nicht für voll nehmen. Sie taucht unter und besucht in einem Dorf die Schule bei einem berühmten Lehrer (aber das weiß sie vorher nicht). Die Provinz, in der das Dorf ist, wird von einem brutalen, ausbeuterischen Gouverneur regiert den Youko selbst eingesetzt hat, aus Unwissenheit und weil sie ihre alten Gewohnheiten eben nicht ruckzuck ablegen kann. Als Youko das bemerkt, schließt sie sich der Widerstandsbewegung an und trifft dort auf Suzu und Shoukei, zwei Mädchen*, die im gleichen Alter wie Youko sind (mehr oder weniger). Diese sind aus ganz anderen König_innenreichen aufgebrochen, mit unterschiedlichen Motivationen, um Youko zu treffen. Auch sie machen auf ihren Reisen Entwicklungen durch – und werden am Ende Youkos Freundinnen* und Unterstützerinnen* an ihrem Hof, was cool ist, denn der ist eben etwas zu männerdominiert. Also geht es auch um das Knüpfen neuer Netzwerke.

Weiter oben habe ich ja schon angemerkt, dass sich die Kirin in Menschen verwandeln können. Es gibt noch mehr solche Personen, Hankyou genannt, die zum Teil Diskriminierungen erleben, nicht zur Schule und Universität gehen dürfen, offiziell nicht arbeiten dürfen. Das wird in jedem Reich unterschiedlich gehandhabt. Youkos schließt Freund_innenschaft mit Rakushun, einem Hankyou, der in seiner Tierform aussieht wie ein Riesensiebenschläfer.

Ebenfalls in manchen König_innenreichen von Diskriminierungen betroffen sind Menschen, die aus Japan (und eventuell auch China, aber die treten nie in Erscheinung) durch Portale in die Welt der zwölf König_innenreiche kommen. Da die Sprache der König_innenreiche eine andere ist, müssen sie diese erst erlernen, was nicht immer gelingt. Youko, Yuka und Asano treffen zu verschiedenen Zeiten (und nicht alle gemeinsam) auf Menschen aus verschiedenen Zeitperioden. Suzu, die Youkos Freundin wird, stammt aus dem Japan des frühen 20. Jahrhunderts – sie wird von ihren Eltern verkauft und auf dem Weg in die Stadt durch ein Portal gerissen. Ein Soldat aus dem 2. Weltkrieg ist auch in einem der König_innenreiche gelandet und hat noch nicht von der japanischen Niederlage gehört.

Besonders spannend finde ich die dritte japanische Person, auf die Youko und Yuka zu unterschiedlichen Zeiten treffen, ein nunmehriger Lehrer, der bei den Studierendenunruhen der späten 1960er unter einer Barrikade durchkrabbelte und dabei in der anderen Welt landete. Die Studierendenunruhen werden selten, aber doch in Anime erwähnt, auf verschiedene Art und Weise, aber worum es eigentlich ging und was damals geschah, wird nie explizit erklärt. Ich frage mich, was ihr Vorkommen bedeutet (manchmal positiv, manchmal negativ – kann das reine Erwähntwerden aber neutral sein?) und was es über die Autor_innen aussagt, die sie erwähnen.

Ich habe noch viele andere Gedanken zu dieser Serie, aber ich hör jetzt auf, weil schon wieder so lang! (Vielleicht dann in den Kommentaren.)

The Anime Rainbow: Regeln & Ressourcen

Nun möchte ich ein paar Regeln zum Aufbau meiner Rezensionen und allgemein aufstellen, wichtige Websites verlinken und ein paar Begriffe erklären.

My Rezensionen, my rules

1. Am Anfang jeder Rezension werde ich meinen Disclaimer-Post und diesen Post verlinken.

2. Gleich danach werde ich die Triggerwarnungen und ev. Content Notes einbauen. Da Triggerwarnungen aber auch Spoiler enthalten, werde ich sie so gestalten, dass ich [TW] schreibe und dann die Trigger dahinter in weißer Schrift, so dass ihr mit dem Mauspfeil drüber fahren und sie lesen könnt. Also so: [TW hier stehen dann die Triggerwarnungen, CN hier stehen dann die Content Notes].

Ich werde mit Sicherheit bei den Triggerwarnungen Fehler machen, Triggersituationen nicht erkennen, mich nicht daran erinnern, da ich nicht alle Anime nochmal anschauen kann. Ich bitte euch im Vornhinein um Verzeihung und nehme gerne Ergänzungen an.

3. Für jeden Anime gilt [CN ableistische Sprache]. Es gibt auch im Japanischen Bestrebungen, rassistische, sexistische, ableistische und klassistische Worte nicht mehr zu benutzen, was als “political correctness” oder “kotobagari” diffamiert wird. Dazu siehe diesen nicht sehr guten tvtropes-Artikel [CN ableistische Sprache], der gleichlautend mit dem Wikipediaartikel ist. Ich hab auch ein Buch gefunden, das näher auf “kotobagari” eingeht, nämlich “Linguistic Stereotyping and Minority Groups in Japan” von Nanette Gottlieb [CN N-Wort] aber muss es erst lesen. Wie das mit den diffizileren ableistischen Beleidigungen ist, weiß ich leider nicht.

Mit meiner [CN ableistische Sprache] meine ich aber die Untertitel, die Worte, die im Japanischen ableistisch sein könnten (ich weiß aber eben nicht, ob sie es auch sind) in definitiv ableistische Beleidigungen im Englischen übersetzen. Da ich nie Anime mit deutschen Untertiteln sehe, kann ich euch da nichts dazu sagen, aber ich vermute es ist ähnlich.

4. Spoiler. Ich werde eine Rezension immer mit einem spoilerfreien Teil beginnen, dann ein großes “HERE BE SPOILERS” darunter setzen und danach mit Spoilern weiterschreiben. Wenn ihr also die Spoiler nicht lesen wollt, hört dann auf und kommt später wieder.

5. Anime sind Produkte einer patriarchalen, hetero- und cissexistischen, ableistischen, klassistischen, rassistischen Gesellschaft (und noch ein paar andere ismen, aber für das befragt Japaner_innen* und/oder Japanolog_innen*). Sie sind nicht die heiß ersehnte Lösung für -ismen-freien Medienkonsum, sondern haben ihre eigenen Probleme. Meine Rezensionen sind Empfehlungen, kein Pflichtprogramm.

6. Für die Kommentare gilt, was allgemein für dieses Blog gilt: Kommentare werden moderiert, Hatespeech, persönliche Beleidigungen, Herrklärungen und Manpfehlungen werden gelöscht, außer ich möchte daran ein Exempel statuieren.

Die für mich wichtigsten Websites sind:

AniDB.net – Datenbank mit Angaben zu Anime. Name, “airing date” (wann der Anime zuerst gezeigt wurde), Kategorien, Schlagworte, kurze und lange Kritiken, Foren und vieles mehr sind hier an einem Ort versammelt. Um die Seite für reine Recherche zu benutzen, müsst ihr euch nicht anmelden.

Sehr praktisch an dieser Seite: Wenn ihr nicht wisst, was eine Kategorie bzw. ein Schlagwort bedeutet, fahrt mit dem Mauspfeil drüber und es wird eine Beschreibung angezeigt. Wenn euch eine Kategorie bzw. ein in den Schlagworten (tags) enthaltenes Gebiet besonders interessiert (in meinem Fall z.B. Geschichte), könnt ihr darauf klicken und erhaltet eine ganze Liste von damit getaggten Anime. Der wichtigste Filter ist “No synonyms”, da ihr sonst alle Titeleinträge in verschiedenen Sprachen zu einem Anime seht, was die Liste sehr verlängert. Der andere wichtige Filter ist “over 18” – je nachdem ob ihr bewusst Pornos vermeiden oder suchen wollt.

Ich benutze AniDB vor allem zur Recherche und um neue Anime zu entdecken, eben über die Kategorien und Schlagworte. Um zu verzeichnen, welche Anime ich bereits gesehen habe und welche ich noch sehen will, ist mir das System irgendwie zu komplex und zu unübersichtlich.

MyAnimeList – Hier erfasse ich die Anime, die ich bereits gesehen habe oder noch sehen möchte. Es gibt einige solche Plattformen, ich kann euch aber nicht sagen, welche die beste ist. Suchen könnt ihr wohl auf den meisten ohne Anmeldung, eure Anime bzw. Manga könnt ihr nur mit Anmeldung verzeichnen. Ich mag MyAnimeList wegen dem zurückhaltenden Design und der oft ausführlichen und hilfreichen Kritiken. Zusätzlich können dort auch gelesene/zu lesende Manga verzeichnet werden, nach Personen (Sprecher_innen, Regisseur_innen, etc.) kann gesucht werden, es gibt Foren, Gruppen und vieles mehr.

Auf dem persönlichen Profil können je fünf Lieblingsanime und -manga und zehn Lieblingscharaktere angegeben werden und dort kann gesehen werden, wieviel Lebenszeit schon mit dem Schauen von Anime verbracht wurde – wobei wiederholtes Sehen einer Serie nicht verzeichnet wird. Nein, ich sage euch nicht, wie ich dort heiße. *hust*

Grundbegriffe (nicht alphabetisch).

Solche Listen gibt es sicher 1000x im Internet, ihr könnt auch gerne googlen, ich will hier einfach auch noch meinen Senf dazugeben und ein paar für mich wichtige Dinge festlegen.

Medium:

Anime – animierte/Zeichentrick-Film oder Fernsehserie

Manga – japanischer Comic oder Comic im Manga-Stil.

Zielpublikum. Die meisten Anime richten sich an Jugendliche. Es gibt auch solche für die ganze Familie (heißt de facto für Kinder) und solche für ein älteres Publikum, aber die meisten Mainstreamanime richten sich an Jugendliche zwischen 12 und 16 und das wird deutlich am Alter der Protagonist_innen* und an den gängigen Szenarien sichtbar.

Allerdings lässt sich nicht immer auf den ersten (und manchmal nicht einmal auf den zweiten) Blick sagen, an welches Publikum eine Serie gerichtet ist. Zum Beispiel sind viele Serien mit rein weiblicher* Besetzung an ein männliches* Publikum gerichtet und einige der feministischsten Serien die ich kenne richten sich ebenfalls an ein männliches* Publikum (ja, Cismänner sind auch in Japan die Norm).

Für die Zielgruppen gibt es eigene Bezeichnungen:

Shoujo – bedeutet tatsächlich “Mädchen”. Diese Anime haben Mädchen bis ca. 16 als Zielgruppe, meistens spielen Liebe und Freundschaft eine wichtige Rolle und die Anime sind gerne in Pastellfarben gehalten, mit Glitzer-, Seifenblasen- und Blumeneffekten (hach!), aber nicht ausschließlich. Sailor Moon ist eins von vielen Beispielen.

Shounen – bedeutet “Junge”. Diese Anime sind *nicht* in Pastellfarben gehalten. Meistens geht es um Action, Konflikte, Kampf – Pokemon ist z.B. ein Shounen-Anime.

Josei – die Kategorie für “erwachsene” Frauen*, allerdings sehr elastisch, von 16 bis … hm. Ich habe erst sehr wenige Anime für Frauen über 30 gesehen, für Frauen* über 40 … bisher gar keine.Auch hier geht es stark um Liebe und Beziehungen, denn für alles andere gibt es die nächste Kategorie:

Seinen – die Kategorie für “erwachsene” Männer*, auch elastisch (ab 16/18 aufwärts). Die meisten Anime, die etwas ernstere Themen und Szenarien haben, fallen in diese Kategorie (Androzentrismus ahoi!). Viele Anime, die ich mir ansehe fallen in diese Kategorie. Aber wie bereits gesagt: Vom reinen Label kann nicht 100% auf den Inhalt geschlossen werden.

Mina/Minna – Anime für die ganze Familie, d.h. solche, die auch Kinder ansehen können

Struktur:

Saison – Es gibt vier Saisonen im Animejahr, die jeweils ca. 13 Wochen dauern. Winter (Beginn meist Anfang Januar), Frühling (Beginn meist im April), Sommer (Beginn meist Anfang Juli) und Herbst (Beginn meist Anfang Oktober). Gleichzeitig wende ich Saison auch an, um erste, zweite, etc. Saison eines Anime zu beschreiben.

EP (Episode) – Eine Animeepsiode ist meistens 25 Minuten lang. Es gibt auch Serien, deren Episoden 5 oder 10 Minuten lang sind und einer meiner räzenten Lieblingsanime wird jetzt in einstündigen Episoden nochmal gezeigt.

OP – Von “Opening” – die Introsequenz einer Serie, ziemlich garantiert mit Musik unterlegt. Standardmäßig dauern sie eineinhalb Minuten. Manchmal kommt davor ein kurzer Rückblick, manchmal schon eine erste Szene – manchmal fällt sie weg. Bei den älteren Serien kommt aber meistens erst die OP.

ED – Von “Ending” – der Abspann einer Serie, ebenfalls ziemlich garantiert mit Musik unterlegt. Danach folgt manchmal noch ein kurzer Sketch, eine wichtige Szene oder eine Vorschau auf die nächste Folge, die mehr oder weniger umfangreich sein kann. Fällt auch manchmal weg.

Gute OPs und EDs (musikalisch meine ich) können eine Serie für mich aus dem Pool der Vergesslichkeit retten und gute Serien noch besser machen.

Recap – Episoden, in denen bisherige Ereignisse zusammengefasst werden. Unendlich langweilig.

Filler – Besonders in langen Actionserien beliebt, Episoden in denen nichts geschieht, das die Hauptgeschichte weitertreibt. Oft ein Besuch am Meer.

Japanische Namen – Im Japanischen kommt der Nachname vor dem Vornamen und diese Schreibweise werde ich auch beibehalten. Wann wer wen mit Nachnamen plus verschiedenen Endungen angesprochen wird könnt ihr auf Wikipedia nachlesen.

Weitere Begriffe ergänze ich nach meinem eigenen Gefühl, ich empfehle ansonsten Google.

 

Beyond Sailormoon: Come ride the anime rainbow!

Aaaah, Anime. Sailormoon kennt ihr vielleicht, vielleicht auch Filme aus dem Studio Ghibli. Vielleicht kennt ihr Neon Genesis Evangelion, Ghost in the Shell oder Lady Oscar. Vielleicht kennt ihr noch viel mehr, vielleicht sagt euch der Begriff “Anime” auch überhaupt nichts. Anime sind japanische Animations-, also Zeichentrickfilme oder -fernsehserien. Manchmal basieren sie auf Manga – japanischen Comics, manchmal auf Büchern, manchmal auf Computerspielen. Es gibt viele, viele Anime und jede Saison kommen ca. 15-20 neue dazu. Und da will ich euch ein paar daraus vorstellen.

Disclaimer: Ich kann kein Japanisch. Durch langjähriges Schauen von Anime verstehe ich mittlerweile eine Anzahl von Worten, Regeln und Redewendungen, ich kann auch mit schrecklichem österreichischem Akzent ein paar Worte sagen, aber ich kann keine Sätze bilden, ich kann die Grammatik nicht. Ich kann keine der japanischen Schriften lesen. Ich habe auch nicht Japanologie studiert und war noch nie in Japan. Ich hätte gerne die Zeit für das alles – und vor allem die Zeit für ein gründliches Studium der japanischen Geschichte, aber tja. Später hoffentlich mal. Ich habe auch lange Anime nicht aus der kritischen feministischen Perspektive gesehen, aus der ich sie heute betrachte – und meine Perspektive ist noch dazu weiß, europäisch, bildungsbürgerlich und abled.

Soll heißen: Ich werde Fehler machen. Ich kann nicht alle kulturellen Codes decodieren. alle signifikanten Botschaften und Zitate mitbekommen und schon gar nicht einschätzen, ob hinter etwas politische Aussagen stehen oder nicht, außer sie sind wirklich sehr offensichtlich und selbst dann werde ich meistens nur sehr wenig davon verstehen. Ich kann daher und sowieso nicht garantieren, dass ich alle problematischen Aspekte, alle potentiell triggernden Situationen benennen kann. Dafür bitte ich euch gleich einmal vorneweg um Verzeihung.

Ich will und kann nicht jeden Anime nochmal schauen und tiefgehend analysieren (würde ich schon tun, allein die Zeit & das Geld fehlen), sondern vor allem meine persönliche Meinung zu Anime schreiben, euch erzählen, was ich an einem bestimmten Anime besonders mag oder nicht mag, aufschreiben, was mir aufgefallen ist, Theorien aufstellen – und mit euch darüber plaudern, manchmal länger, manchmal kürzer.

Angefangen mit dem Schauen von Anime habe ich in den frühen 90ern, als mein Bruder und ich bei unseren Nachbarn Fernsehen durften, zuhause hatten wir kein Gerät. Wir wussten damals nicht, was Anime waren und hielten z.B. “Perrine”, “Niklas, ein Junge aus Flandern” oder “Heidi” für französische Serien. Diese Serien befanden wir aber für langweilig und schauten lieber Cartoon Network. Nur an zwei Serien erinnere ich mich, die für mich bedeutend waren: “Sailormoon” (Ausstrahlungsbeginn Mitte der 90er) und noch viel mehr “Lady Oscar” (dazu später so viel mehr). Ein paar Folgen von “Ranma 1/2” sah ich auch, aber das war lange nicht so faszinierend.

Ich sah diese Serien aber nicht regelmäßig. Erst als ich 1998 für ein Jahr in die Schweiz ging und dort in eine WG zog, kam ich dazu, fast täglich Sailormoon zu schauen (und Buffy the Vampire Slayer). Mein Bruder schenkte mir damals den ersten Band des Sailormoonmangas und ich legte mir eine kleine Sammlung der damals erhältlichen Serien, die mir gefielen, an: Ranma 1/2 und Inuyasha (letzteres auf Englisch) von Takahashi Rumiko, Magic Knight Rayearth und Wish von CLAMP (ein Autorinnen*kollektiv), aber auch Dominion – Tank Police von Shirow Masamune, dem Schöpfer von Ghost in the Shell.

In den frühen Nullerjahren sah ich dann “Prinzessin Mononoke”, “Mein Nachbar Totoro”, “Grave of the Fireflies”, “Haibane Renmei” und die erste Version von “Full Metal Alchemist” mit meinem damaligen Freund. “Chihiros Reise ins Zauberland” sah ich dann in Wien im Kino, aber das blieben sporadische Erlebnisse. Schließlich gelangte ich an die restlichen Filme des Studio Ghibli und 2007 empfahl mir mein Bruder weitere Serien, über die ich mich weiter hantelte und meine Animewelt explodierte. Mittlerweile nenne ich meine Animeleidenschaft “The Anime Rainbow” und habe das Gefühl, ich bin etwa im letzten Drittel des für mich Sehenswerten angekommen. Aber wie gesagt, jede Saison kommen neue Serien heraus – und Überraschungen erlebe ich immer wieder. Es gibt also kein wirkliches Ende …

In einem separaten Post erkläre ich ein paar Regeln, z.B. zum Aufbau meiner Rezensionen (Triggerwarnungen, Spoiler und so) und ein paar Grundbegriffe. Ich mache das, damit ich diese zwei Posts dann immer verlinken kann.