Beyond Sailormoon: Come ride the anime rainbow!

Aaaah, Anime. Sailormoon kennt ihr vielleicht, vielleicht auch Filme aus dem Studio Ghibli. Vielleicht kennt ihr Neon Genesis Evangelion, Ghost in the Shell oder Lady Oscar. Vielleicht kennt ihr noch viel mehr, vielleicht sagt euch der Begriff “Anime” auch überhaupt nichts. Anime sind japanische Animations-, also Zeichentrickfilme oder -fernsehserien. Manchmal basieren sie auf Manga – japanischen Comics, manchmal auf Büchern, manchmal auf Computerspielen. Es gibt viele, viele Anime und jede Saison kommen ca. 15-20 neue dazu. Und da will ich euch ein paar daraus vorstellen.

Disclaimer: Ich kann kein Japanisch. Durch langjähriges Schauen von Anime verstehe ich mittlerweile eine Anzahl von Worten, Regeln und Redewendungen, ich kann auch mit schrecklichem österreichischem Akzent ein paar Worte sagen, aber ich kann keine Sätze bilden, ich kann die Grammatik nicht. Ich kann keine der japanischen Schriften lesen. Ich habe auch nicht Japanologie studiert und war noch nie in Japan. Ich hätte gerne die Zeit für das alles – und vor allem die Zeit für ein gründliches Studium der japanischen Geschichte, aber tja. Später hoffentlich mal. Ich habe auch lange Anime nicht aus der kritischen feministischen Perspektive gesehen, aus der ich sie heute betrachte – und meine Perspektive ist noch dazu weiß, europäisch, bildungsbürgerlich und abled.

Soll heißen: Ich werde Fehler machen. Ich kann nicht alle kulturellen Codes decodieren. alle signifikanten Botschaften und Zitate mitbekommen und schon gar nicht einschätzen, ob hinter etwas politische Aussagen stehen oder nicht, außer sie sind wirklich sehr offensichtlich und selbst dann werde ich meistens nur sehr wenig davon verstehen. Ich kann daher und sowieso nicht garantieren, dass ich alle problematischen Aspekte, alle potentiell triggernden Situationen benennen kann. Dafür bitte ich euch gleich einmal vorneweg um Verzeihung.

Ich will und kann nicht jeden Anime nochmal schauen und tiefgehend analysieren (würde ich schon tun, allein die Zeit & das Geld fehlen), sondern vor allem meine persönliche Meinung zu Anime schreiben, euch erzählen, was ich an einem bestimmten Anime besonders mag oder nicht mag, aufschreiben, was mir aufgefallen ist, Theorien aufstellen – und mit euch darüber plaudern, manchmal länger, manchmal kürzer.

Angefangen mit dem Schauen von Anime habe ich in den frühen 90ern, als mein Bruder und ich bei unseren Nachbarn Fernsehen durften, zuhause hatten wir kein Gerät. Wir wussten damals nicht, was Anime waren und hielten z.B. “Perrine”, “Niklas, ein Junge aus Flandern” oder “Heidi” für französische Serien. Diese Serien befanden wir aber für langweilig und schauten lieber Cartoon Network. Nur an zwei Serien erinnere ich mich, die für mich bedeutend waren: “Sailormoon” (Ausstrahlungsbeginn Mitte der 90er) und noch viel mehr “Lady Oscar” (dazu später so viel mehr). Ein paar Folgen von “Ranma 1/2” sah ich auch, aber das war lange nicht so faszinierend.

Ich sah diese Serien aber nicht regelmäßig. Erst als ich 1998 für ein Jahr in die Schweiz ging und dort in eine WG zog, kam ich dazu, fast täglich Sailormoon zu schauen (und Buffy the Vampire Slayer). Mein Bruder schenkte mir damals den ersten Band des Sailormoonmangas und ich legte mir eine kleine Sammlung der damals erhältlichen Serien, die mir gefielen, an: Ranma 1/2 und Inuyasha (letzteres auf Englisch) von Takahashi Rumiko, Magic Knight Rayearth und Wish von CLAMP (ein Autorinnen*kollektiv), aber auch Dominion – Tank Police von Shirow Masamune, dem Schöpfer von Ghost in the Shell.

In den frühen Nullerjahren sah ich dann “Prinzessin Mononoke”, “Mein Nachbar Totoro”, “Grave of the Fireflies”, “Haibane Renmei” und die erste Version von “Full Metal Alchemist” mit meinem damaligen Freund. “Chihiros Reise ins Zauberland” sah ich dann in Wien im Kino, aber das blieben sporadische Erlebnisse. Schließlich gelangte ich an die restlichen Filme des Studio Ghibli und 2007 empfahl mir mein Bruder weitere Serien, über die ich mich weiter hantelte und meine Animewelt explodierte. Mittlerweile nenne ich meine Animeleidenschaft “The Anime Rainbow” und habe das Gefühl, ich bin etwa im letzten Drittel des für mich Sehenswerten angekommen. Aber wie gesagt, jede Saison kommen neue Serien heraus – und Überraschungen erlebe ich immer wieder. Es gibt also kein wirkliches Ende …

In einem separaten Post erkläre ich ein paar Regeln, z.B. zum Aufbau meiner Rezensionen (Triggerwarnungen, Spoiler und so) und ein paar Grundbegriffe. Ich mache das, damit ich diese zwei Posts dann immer verlinken kann.

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Josei no shōri – ein feministischer Film aus 1946

Das Österreichische Filmmuseum zeigt eine Retrospektive von Mizoguchi Kenji und der Schauspielerin und zweiten japanischen Regisseurin überhaupt, Tanaka Kinuyo. Es ist die erste Retrospektive einer Regisseurin, die ich im Österreichischen Filmmuseum überhaupt gesehen habe.

Wenn ihr diese Beschreibung eines Films lest: „Die Heldin in Sieg der Frauen gewinnt als Anwältin einen Prozess in Frauensachen, um zu entdecken, dass ihr eigenes Leben einsam, pedantisch und unerfüllt geblieben ist.“ (Beschreibung von „Josei no shōri“, 1946, dir. Mizoguchi Kenji) – an was denkt ihr da?

Ich dachte „Nicht schon wieder.“ Wie oft habe ich jetzt schon die Geschichte gehört, gelesen, gesehen, dass eine Frau* zwar beruflich oder im Aktivismus erfolgreich ist, aber privat unglücklich und einsam. Bah. Gestern habe ich schon zweimal die Geschichte einer Frau in der patriarchalen, feudalistischen japanischen Gesellschaft durchleben dürfen, einmal Ogin-san im 16. (Ogin-sama, 1962, dir. Tanaka Kinuyo, imdb-Link), einmal Oharu-san Ende des 17. Jahrhunderts (Saikaku ichidai onna, 1952, dir. Mizoguchi Kenji, imdb-Link) und diese Geschichten gingen natürlich nicht gut aus. Und so würde es wieder sein, dachte ich.

Doch jetzt, nachdem ich Josei no shōri gesehen habe, frage ich mich, ob der Mensch, der diese Beschreibung verfasst hat, überhaupt den Film gesehen oder nur eine andere Beschreibung gelesen hat. Bzw. sind die Beschreibungen der Filme, die ich bisher gesehen habe generell … äh … nun ja. Andere Personen, andere Interpretationen. Josei no shōri und die Verfilmung des Lebens von Fukuda (Kageyama) Hideko (Waga koi wa moenu, 1949, dir. Mizoguchi Kenji, imdb-Link) sind die feministischsten Filme, die ich seit einiger Zeit gesehen habe.

Josei no shōri spielt in der Zeit, in der der Film gedreht wurde, also ca. 1946. Tanaka Kinuyo, die in vielen Filmen Mizoguchis die Hauptrolle spielt, ist die Anwältin Hosokawa Hiroko (schwierig, genauere Informationen zu finden, ab wann Frauen* in Japan als Anwältinnen* zugelassen wurden, diese Website sagt 1933). Der Film öffnet mit einer Szene in der Hiroko und ihre Kollegin* die “democratisation of the legal system”, also die neue Form des Justizsystems im Nachkriegsjapan besprechen. 1946. Zwei arbeitende Frauen*, die studiert haben und als Anwältinnen zugelassen sind, besprechen politische Entwicklungen. Wann hab ich sowas zuletzt in einem Hollywoodfilm gesehen? Äh, nie. Gibt es hoffentlich, aber wer weiß. Bechdeltest jedenfalls in der ersten Szene bestanden.

Nachdem sie ihre Hoffnungen für einen Wandel des Systems besprochen haben, sprechen sie von Hirokos ehemaligem Verlobten Yamaoka Keita, der aus dem Gefängnis freigelassen wurde, in dem er 5 Jahre als politischer Gefangener inhaftiert war. Er ist sehr schwach und wurde direkt ins Krankenhaus eingeliefert. Hiroko will ihn besuchen, doch die Situation ist problematisch, denn der Ankläger, der Yamaoka ins Gefängnis brachte, ist Hirokos Schwager, Kono – wenn sie Yamaoka besucht, stellt sie sich gegen Kono und ihre Schwester.

Doch Hiroko besucht Yamaoka und gemeinsam besprechen sie die Gefahr, dass das politische Personal der Militärdiktatur weiterhin im Amt bleibt und ihre Vorstellungen der japanischen Gesellschaft weiter diktieren können. Hirokos Schwager ist genau einer dieser Menschen, der fürchtet, seine Position zu verlieren und seine Mittäterschaft bzw. systemerhaltende Funktion während der Militärdiktatur damit zu entschuldigen versucht, dass er sich nur an die Gesetze gehalten habe. Da Hirokos Schwester Michiko unbedingt zu ihrem Mann hält, gibt es erhebliche Spannungen in der Familie.

Hiroko lebt mit ihrer Mutter und jüngeren Schwester in einem Haus. Als sie dorthin zurückkehrt, bietet ihr eine Straßenverkäuferin Fleisch an. Hiroko erkennt ihre alte Mitschülerin Moto Asakura. Später besucht Hiroko ihre alte Freundin und findet heraus, dass ihr Mann verletzt ist. Er hatte in einer Munitionsfabrik gearbeitet und war dort verletzt worden, aber die Fabriksbesitzer kümmerten sich nicht um ihre Pflicht, ihm ärztliche Hilfe zukommen zu lassen. Asakura versucht ihn, ihre Mutter und ihr Kind über Wasser zu halten, doch es fällt ihr schwer. Etwas Zeit vergeht, in der Hiroko wieder ihren ehemaligen Verlobten besucht, dem es weiterhin ebenfalls gesundheitlich schlecht geht.

Dann kommt eine aufgelöste Asakura zu Hiroko und erzählt, dass ihr Mann gestorben ist und sie die Absicht gefasst hatte, sich und ihr Kind zu töten. Bei dem Gedanken an ihre Mutter, die dann jedoch alleine in der Welt sein würde, hält sich Asakura zurück, wird aber ohnmächtig – am Ende ist das Kind erstickt, ob absichtlich oder unabsichtlich wird aus ihrer Erzählung nicht klar. Hiroko redet Asakura zu, sich den Behörden zu stellen und verspricht, sie zu verteidigen.

Hier stößt nun der schwelende Konflikt in Hirokos Familie mit Asakuras Fall zusammen, denn der Ankläger ist Hirokos Schwager Kono. Hirokos Schwester Michiko bittet sie wiederholt, sich nicht gegen Kono zu stellen, da Hiroko Kono nicht nur für ihre Ausbildung Geld schuldet, sondern auch eine ideelle Schuld für seine Unterstützung bei ihrer beruflichen Laufbahn. Bei einer Unterredung zwischen den dreien bittet Kono Hiroko direkt darum, sich nicht gegen ihn zu stellen, damit er seine Position nicht verliert. Aber Hiroko bleibt ihrer politischen Überzeugung treu, weigert sich und bezichtigt ihre Schwester der Feigheit. Hiroko fragt Michiko, warum sie ihren Mann nicht verlässt, doch diese hält es für ihre Pflicht, bei ihm zu bleiben.

Zuhause bittet Hiroko ihre Mutter darum, das Haus zu verkaufen, damit sie Kono alle Schulden zurückzahlen kann und ihre Mutter willigt sofort ein. Auch die Mutter ist der Meinung, dass Michiko sich von ihrem Mann trennen sollte und dass sie Michiko leider noch erzogen hatte, sich ihrem Mann unterzuordnen, weil sie zu der Zeit selbst noch dieser Meinung war. Hiroko besucht wieder Yamaoka, dem es noch schlechter geht und der ihr nochmals eindringlich zuredet, dass es auch ihre Aufgabe ist, das alte System umzustürzen.

Bei der Gerichtsverhandlung krachen Kono und Hiroko aneinander. Während er nochmals betont, dass das Gesetz die Umstände nicht berücksichtigen sollte, klagt Hiroko das System an, das ihre Freundin Asakura erst dazu gebracht hat, eine solche Tat zu begehen. Hiroko hält eine flammende Rede über die Situation der Frau in Japan. Asakura wurde dazu erzogen, sich auf ihren Mann zu verlassen, ihm in allem zu gehorchen, kein eigenständiges Leben zu führen. Durch seine Verletzung war sie gezwungen zum ersten Mal ihren Lebensunterhalt zu verdienen, die Folgen des Krieges treffen sie und ihre Familie hart. Ihre Tat und die Verletzung ihres Mannes ist auf die Profitgier der Fabriksbesitzer, auf den Krieg und auf die Militärdiktatur zurückzuführen.

In der Verhandlungspause erhält Hiroko Nachricht, dass Yamaoka gestorben ist. Gleichzeitig erhält sie aber einen Brief ihrer Schwester, die beschlossen hat, nicht länger eine Puppe zu sein, auf ihren eigenen Füßen zu stehen und ihren Mann zu verlassen. Dadurch bestärkt kehrt Hiroko ruhig wieder in den Gerichtssaal zurück. Ob Asakura freigesprochen wird, bleibt offen.

Was stand da nochmal in der Beschreibung? „Die Heldin in Sieg der Frauen gewinnt als Anwältin einen Prozess in Frauensachen, um zu entdecken, dass ihr eigenes Leben einsam, pedantisch und unerfüllt geblieben ist.“ Äh, nein. Die Heldin in Sieg der Frauen kämpft als Anwältin um den Freispruch einer wegen Kindsmord angeklagten Frau und um einen grundsätzlichen Wandel im Justizsystem und der japanischen Gesellschaft. Unterstützt durch ihre Familie, Freunde und Kolleginnen ist sie dabei ihrer Schwester ein Vorbild, die beschließt, sich zu emanzipieren.

Hiroko ist nicht einsam – sie lebt gemeinsam mit ihrer Familie. Am Ende kehrt ihre Schwester wieder zurück, auf deren Emanzipation Hiroko sehnlichst gewartet hat, da sie ihre Schwester glücklich sehen will. Ihre Beziehung zu Yamaoka ist zwar komplex, doch steht eine sexuelle oder Liebesbeziehung überhaupt nicht im Vordergrund, es ist völlig offen, was für eine Beziehung es ist, es könnte eine reine Freundschaft sein. Die einzigen Themen zwischen ihnen sind sein Gefängnisaufenthalt, die Politik und Hirokos Arbeit, in der sie Yamaoka voll unterstützt und bestärkt. Hirokos Leben ist erfüllt von Familie, Arbeit, Politik, dem Kampf um Frauen*rechte, um einen gesellschaftlichen Wandel in Japan. Pedantisch wirkt sie wohl nur auf nicht-feministische Menschen. So wie Waga koi wa moenu endet Josei no shōri mit dem Motto der feministischen Solidarität – die vorher im patriarchalen Gesellschaftssystem verhaftete Frau* stellt sich der Feministin* an die Seite, um gemeinsam mit ihr dagegen anzukämpfen.

Natürlich ist die Situation im Japan der Nachkriegsjahre weitaus komplexer als in Josei no shōri dargestellt. Ich denke auch, dass der Film ein Wunsch, eine Botschaft und nicht mit der Realität zu verwechseln ist. Leider weiß ich viel, viel zu wenig, um den Film in seinem Kontext wirklich passgenau verorten zu können. Bei der Recherche nach Daten und Personen wurde wieder einmal klar, wie wenig und wie wenig verlässliche Informationen zu Frauen*geschichte_n das Internet enthält. Trotzdem ist es ein ausgezeichneter Film, dessen negative Beschreibung ich nicht unwidersprochen dastehen lassen wollte und ich lege ihn euch wärmstens ans Herz.

Gaslight 1940 and 1944 – a short, feminist comparison

Gas Light is a play by Patrick Hamilton, which premiered in 1938. If you’ve ever heard of the term “gaslighting someone”, it comes from this play. In it, a husband psychologically abuses his wife until she believes that she is going mad.

They live in the house of a rich woman, who was killed for her jewels – by the husband. Now he has returned with his wife to search through the house for them. To cover up his crime and his search, he tortures his wife. A retired policeman recognizes him and starts researching the circumstances. He convinces the wife that she is not insane and helps her return to her family. Read the synopsis on Wikipedia.

The play was turned into a film made in Britain in 1940, directed by Thorold Dickinson (IMDB link / Wikipedia link). It is intensely creepy and terrifying to see the psychological abuse. The film sticks very close to the play – the characters are British, the person taking an interest in the case is a retired policeman who recognizes the husband and helps the wife, because he objects to her treatment and to solve the case (after all, the husband is a murderer).

In 1944, the film was remade in Hollywood, directed by George Cukor, starring Ingrid Bergman and Joseph Cotten (IMDB link / Wikipedia link). Interestingly, the husband suddenly becomes “a foreigner”, speaking with a fake “foreign” accent. The woman killed for her jewels was the wife’s aunt, a famous opera singer. It is perpetually hinted, that she had “famous admirers” (NUDGE NUDGE WINK WINK), that’s how she got the jewels.

The policeman who becomes interested in investigating the case isn’t an older man anymore, it’s a young man who once saw the opera singer when he was 12 and fell madly in love with her. The wife supposedly looks like her aunt, that’s why he notices her and decides to investigate the case. And because the husband looks shifty. In the end, the wife isn’t returned to her family, since she has none, but can look forward to the bright future of being married to the policeman.

There are more interesting things to notice – the servants, an older woman and a younger woman. The younger woman is complicit in the abuse in both films, more so in the 1944 version, since the husband deliberately flirts with her, promising her attention, entertainment, a status change via sex if she does as he says. (misterable stereotype masking the sexual harrassment and abuse of female servants). In the 1940 version the husband takes the younger servant out to a music hall show where dancers are objectified (although they all wear long underwear and their acrobatics are very impressive).

The older woman is complicit as well at first, but not as much. In the 1944 version she is hard of hearing, so she can’t hear the noises the husband makes as he searches for the jewels, which unfortunately leads the wife to think she is imagining them (because everybody tells her so). Later, when everything is revealed, the older woman in the 1944 version tries to protect the wife from her husband. In the 1944 version there is also an elderly neighbour who is very nosy (more stereotyping), but through her nosiness gives a lot of information to the policeman. In her own way, she is helping the wife, but I wish she had been portrayed less stereotypically.

Anyway, I’ll take the British version, please. Except I don’t really want to see it again.

Ein Film und der Seelenluftballon fliegt

“I giorni contati”, ein Film von Elio Petri aus dem Jahr 1962, handelt von einem römischen Installateur, Cesare Conversi. Auf der Heimfahrt von der Arbeit wacht der Mann, der vor ihm in der Straßenbahn sitzt, nicht mehr auf.

Obwohl Cesare schon vorher mit dem Tod konfrontiert war – seine Frau ist bereits gestorben – ist es erst der Tod dieses Mannes, der genauso gut er hätte sein können, der ihn aus der Bahn wirft.

“Wann werde ich sterben?” wird zur wichtigsten Frage Cesares, aber eine Antwort findet er nicht. “War das alles?”, “Was soll ich denn jetzt tun?”, “Was ist der Sinn des Lebens?” … Cesare hört auf zu arbeiten, sucht nach einem anderen Leben, nach Sinn, aber auch auf diese Fragen findet er keine Antworten.

Er versucht, seine entfremdete Seele wieder an die Welt, an die Menschen anzubinden, aber es gelingt ihm nicht, und findet überall nur Vergangenheit, Zerfall, Todessymbole. Er besucht seinen Geburtsort und findet nur Öde und Leere – die grünen Hügel wirken im Schwarzweißfilm wie eine Wüste. Rom ist teils übervoll, teils menschenleer, mit riesigen Scherbenhaufen, Friedhöfen, modernen Bauten, antikisierenden Statuen.

Bei einem Strandbesuch entfernt Cesare sich von seinen Freunden, diese befürchten schon, dass er ertrunken ist. Beim späteren Picknick entsetzt Cesare seine Freunde mit der Vorstellung, dass sie alle schon Gespenster seien. Kunst, Liebe, Sex, Naturwissenschaft, Medizin, Gerechtigkeit, Verbrechen, Reiselust, Vergangenheit, Zukunft, nichts kann Cesare im Leben halten.

In einer Szene kurz vor Ende des Films soll ihm der Arm gebrochen werden, damit er durch Versicherungsbetrug zu Geld kommt. Doch im letzten Moment macht er einen Rückzieher – unsere Angst vor dem schmerzhaften Tod.

Der Film ist ein Meisterwerk – aber nicht schön. Die Bildsprache ist ästhetisch ohne zu ästhetisieren. Dabei ist er voll Symbolik, besonders der Zebrastreifen kehrt als Motiv immer wieder, Kreuzungen, Ampeln, die “Avanti” sagen. Das Ziel ist die Entfremdung des Publikums. Konsequent wird Cesare und dem Publikum die Sinnfindung verweigert. Nichts hält die Seelenluftballons im Hier und Jetzt.

Als ich den Film Anfang 2012 im Österreichischen Filmmuseum sah, war ich tief beeindruckt, besonders weil mich die anderen Filme Elio Petris überhaupt nicht ansprachen. Ihr Blick war auf die Art männlich, in die ich mich absolut nicht hineinfühlen kann, weil sie mir komplett fremd ist. Die damals ebenfalls gezeigten Filme von Giuseppe de Santis haben mir viel besser gefallen.

Aber dieser Film ist anders. Für mich ist er universal menschlich. Denn er drückt genau die Entfremdung, die ich manchmal seit dem Tod meines Vaters verspüre aus. Timtimsia hat in ihrem Comic “Death Note” dieses Gefühl auch aufgezeichnet.

Und gerade weil er mich so beeindruckt hat, wollte ich den Film unbedingt noch einmal sehen, als ich erfuhr, dass es in Berlin gerade eine Elio Petri-Retrospektive gibt. Als hätte er auf mich gewartet. Dabei führt Berlin jedes Mal ein wenig zum Wegfliegen des Seelenluftballons. Aber diesmal wusste ich schon, was passieren würde und jetzt genieße ich dieses Gefühl gerade.

Die Frau ist frei geboren. Eine Comicbiografie über Olympe de Gouges

Ich möchte euch einen Comic ans Herz legen, eine Biografie Olypme de Gouges von José-Louis Bocquet (Text) und Catel Muller (Zeichnungen), in deutscher Übersetzung erschienen im Splitter-Verlag, mit dem Titel “Die Frau ist frei geboren”. Olympe de Gouges hat z.B. der “Erklärung der Rechte des Mannes und Bürgers” ihre “Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin” zur Seite gestellt – eine revolutionäre Tat.

Der Comic beginnt schon radikal – Olympes Eltern, Anne-Olympe Gouze und Jean-Jacques Lefranc de Pompignan liegen zusammen im Bett und reden über ihr zukünftiges Kind. Dann schlafen sie miteinander. Ich finde das radikal, da Sex in der Schwangerschaft ein ziemliches Tabuthema ist.

Auf diesen ersten Seiten wird allerdings die Komplexität des Comics schon ausgezeichnet sichtbar. Da liegen nicht nur zwei Menschen miteinander im Bett, sondern auch das 18. Jahrhundert, seine Hierarchien, seine Gesellschaft. Olympe de Gouges Eltern sind nicht mit einander verheiratet, ihre Mutter Anne-Olympe ist mit einem anderen Mann verheiratet und muss nach ein paar Stunden wieder gehen, um sich um ihre Kinder zu kümmern.

Im Bett wird auch darüber gesprochen, wie das mit der Freiheit ist (nur für Reiche sagt Anne-Olympe), ob Jungen oder Mädchen besser sind (Jungen, sagt der zukünftige Vater), die etwas sonderbare Beziehung zwischen Olympes Mutter und ihrem Vater (kannten und liebten sich schon als Kinder, Olympes Vater ist Anne-Olympes Taufpate, aber heiraten konnten sie nicht, weil er adelig ist) wird angeschnitten. Anne-Olympe wird einerseits liebe- und lustvoll, andererseits als Besitz behandelt. Am Ende des ersten Kapitels wird Olympe de Gouges – eigentlich Marie Gouze – geboren und mit den Worten “Es ist leider nur ein Mädchen” begrüßt. Auf der Seite des Splitter-Verlages könnt ihr dieses erste Kapitel nachlesen.

Ich erzähle euch jetzt nicht den ganzen Inhalt des Comics, immerhin umfasst der 480 Seiten, in der fembio-Datenbank von Luise Pusch gibt es aber einen Eintrag zu Olympe de Gouges, der sehr informativ ist. Da ich mich nicht wirklich eingehend mit Olympe de Gouges bzw. Frankreich im 18. Jahrhundert beschäftigt habe, kann ich euch nicht sagen, ob der Comic 100% “historisch korrekt” ist. In der Bibliografie steht: “Der biografische Rahmen dieses Buches findet seine Quellen in den autobiografischen Schriften von Olympe de Gouges, aber auch bei drei Autoren, die Olympes bahnbrechende Arbeiten einem breiten Publikum offenbarten: Benoite Groult (…), Olivier Blanc (…) und Félix-Marcel Castan (…).” Es folgen 5 Seiten Quellen bzw. weiterführende Literatur – was ich positiv finde. Zusätzlich finden sich noch ein- bis zweiseitige Biografien der wichtigsten Personen, die außer Olympe im Buch vorkommen. Ihre “Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin” ist auch zur Gänze (mit Präambel) im Comic nachzulesen.

Allerdings ist es auch bei Comics so wie bei Filmen und bei Geschichte im Allgemeinen: Die 100%ige Wahrheit kann nicht garantiert werden. Aber anstatt zu simplifizieren, stellt der Comic Menschen mehrdimensional dar und macht klar, unter welchen Zwängen – ökonomischen, gesellschaftlichen – die Menschen leben. Olympe de Gouges wird in allen ihren Facetten dargestellt, interessiert an Wissenschaft und Bildung, Politik und Philosophie, romantisch, theater- und literaturliebend, traumatisiert, empathisch, scharfsinnig, sexuell aktiv, humorvoll, kritisch, sich um ihre Familie und Freund*innen sorgend.

Der Comic selbst ist schwarz-weiß und erinnert mich teilweise ein wenig an Holzschnitte (wegen der vielen Schraffuren). Dabei ist er sehr detailreich, aber nicht bis zur Unübersichtlichkeit detailliert. Bei großen historischen Ereignissen geht ein Bild schon über eine ganze Seite, ansonsten sind die Seiten in wechselnd große Panels aufgeteilt (meistens 5 bis 6). Die Schrift hat eine angenehme Lesegröße, insgesamt ist das Lettering aber ein wenig unruhig. Besonders eindrücklich finde ich die lebendige Mimik – speziell in den Frauengesichtern ist genau zu lesen, wie sie sich in bestimmten Situationen fühlen. Die Figuren sind individuell gezeichnet, d.h. es gibt wenig “generische” Gesichter und sie sind gut auseinanderzuhalten – finde *ich*. Da gibt es auch andere Ansichten dazu.

Was mir an dem Comic aus feministischer Perspektive auffällt, ist der Umgang mit Nacktheit und Sexualität. Einerseits wird Sex als lustvoll für Frauen (nicht nur Olympe) dargestellt und als mehr als PIV, andererseits wird aber auch die Realität gezeigt, in der Olympe lebt – an dieser Stelle eine Triggerwarnung wegen sexueller Gewalt. Diese wird nicht ausgedehnt und sexualisiert dargestellt, ist aber vorhanden. Primäre Geschlechtsorgane sind nie zu sehen – weder männliche noch weibliche, nicht einmal Schamdreiecke – was zum Teil ein wenig sonderbar wirkt. Nacktheit kommt in Situationen wo Nacktheit zu erwarten ist vor: Wenn zwei miteinander schlafen (aber nicht immer – manchmal sind sie auch bekleidet), wenn Kinder gestillt werden, wenn gebadet wird.

Andererseits gibt es auch Szenen, in denen ich mich frage, welche “gaze” hier angesprochen werden soll, z.B. eine Szene in der Olympe nackt in der Badewanne sitzt, dann aufsteht und sich abtrocknet, während sie mit ihrer Schwester redet. Warum wurde dieses Setting gewählt? Zu einem früheren Zeitpunkt gibt es eine Szene, in der Olympe ebenfalls in der Badewanne sitzt und mit ihrer Schwester redet – da hat sie allerdings eine Kopfbedeckung und einen Bademantel (ja, das gab’s) in der Badewanne an. Sollen diese Szenen die sich verändernde “Bademoral” zeigen? Die Intimität, die zwischen den Schwestern besteht? Darstellen, wie gerne Olympe Bäder nimmt? Beide Male geht es um Geld für Olympes Mutter.

In einer anderen Szene kühlt eine Frau bei einem Picknick ihre Füße in einem Fluss – dabei zieht sie aber den Rock weit über die Oberschenkel hoch. Wozu? Zweimal wiederholt sich die Szene, dass Männer auf einem Stück Papier schreiben, das auf der nackten Olympe liegt. Hat sie da ihren Consent gegeben, zum Schreibtisch zu werden? Angesichts der Tatsache, dass die Comic-Olympe durchaus ihren Unmut bzw. Unwillen ausdrückt, wenn sie nicht will … *schulterzuck* Andererseits finde ich persönlich keines der Bilder von nackten Menschen in diesem Comic besonders auf “sexy” ausgelegt (vielleicht auch wegen dem Zeichenstil) – da habe ich schon ganz andere Bilder gesehen.

Olympe de Gouges hat sich sehr gegen die Sklaverei eingesetzt und hatte auch Kontakt zu Schwarzen Menschen (zumindest laut Comic). Diese werden auch im Comic dargestellt und zwar als Individuen (also unterschiedlich gezeichnet). Besonders oft kommt Joseph Boulogne, Chevalier de Saint-George vor. Dadurch, dass ich den Comic in der deutschen Übersetzung gelesen habe, kann ich leider nicht entscheiden, was von der Verwendung des N-Wortes zu halten ist, das allerdings vor allem den Schwarzen Figuren in den Mund gelegt wird. Da hätte ich mir eine kritische Anmerkung, z.B. der Übersetzerin gewünscht, um zu erfahren, was in der französischen Ausgabe steht bzw. warum hier ausgerechnet dieses Wort verwendet wurde. Irgendwie reicht mir da die “historische” Begründung nicht. Hmmm.

Natürlich kann die Lektüre dieses Comics eine eingehende Beschäftigung mit Olympe de Gouges nicht ersetzen. Aber erstens ist der Comic wirklich gut zu lesen und zweitens werden so viele Themen angeschnitten, die dann beim eventuellen weiterführenden Studium verfolgt werden können, dass sich die Lektüre wirklich lohnt.

Hier sind noch ein paar Links zu anderen Kritiken (ich hab jetzt nur die genommen, die ich selbst gut fand, d.h. v.a. ausführlich und ohne inhaltliche Fehler):

Auf Comicgate von Jons Marek Schiemann

Auf Comicblog.de von Michael Nolden

Am Ende dieses Blogposts von Lucie auf Kleinerdrei

Frauen* hat es nie gegeben. Feministische Geschichtsschreibung – Teil 2

Zweiter Teil meines Berichts vom Betriebsausflug am 1. Oktober zum “Brot”-Teil der Niederösterreichischen Landesausstellung 2013 mit dem Thema “Brot und Wein” im Urgeschichtemuseum Aspern an der Zaya.

Auch hier gilt: Dadurch dass sich die binäre Geschlechterordnung (Frau – Mann) auch in der Geschichtsforschung noch fest hält, bin ich diesmal etwas kreativ mit den Gendersternchen und hänge sie nicht überall an, um sichtbar zu machen, wann in binären Kategorien gedacht wird, wobei aber auch immer Fehler passieren können.

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Nachdem ich das Bild getweetet hatte, über das ich im 1. Teil geschrieben habe, war ich voller Zucker und Selbstzufriedenheit. Das war’s jetzt, dachte ich. Feministische Aktion für heute erledigt. Ach, wenn es nur so gewesen wäre.

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This is what a feminist historian full of sugar and self-righteousness looks like.

Die Ausstellung behandelt das Thema “Brot” und seine Geschichte. Gleich zu Beginn entdeckte ich, dass es in der Ausstellung Gratis-WLAN gab, um die QR-Codes auf den Ausstellungsplakaten auslesen zu können – yay! Aber das reicht nicht. Bilder konnte ich über das WLAN leider keine tweeten. Eigentlich ist auch Fotografieren nicht erlaubt, aber … ich sag da jetzt nichts dazu, das ist ein anderer Rant.

Im ersten Raum wurden Werbungs- und Verkaufsmethoden mit steinzeitlichen Jäger-Sammler-Klischees verbunden. Blöd nur, dass Menschen in Europa zu verschiedenen Zeiten sesshaft wurden, manche gaben die Sesshaftigkeit auch (zeitweise) wieder auf, gejagt und gesammelt wurde und wird immer von allen, die sonst nicht satt wurden und werden, und wenn von der Steinzeit auf heute und von heute auf die Steinzeit geschlossen wird, sollten das besser Menschen tun, die sich wirklich sehr, sehr, sehr gut mit diesem Bereich auskennen. Verkürzte Darstellungen und Klischees zementieren nur die patriarchale Geschlechterordnung, indem sie sie mit angeblichen Fakten untermauern.

Danach kamen wir zu einer Wand, die verdeutlichen soll, was Steinzeitmenschen schon alles entdeckt und entwickelt hatten, bevor sie sesshaft wurden. Hier ist deutlich zu lesen, dass es in der Steinzeit keine Frauen* gab. Oder vielleicht wurden Frauen* nie sesshaft und ziehen immer noch als Jägerinnen* und Sammlerinnen* herum? Haben sich alle Frauen* mit der Sesshaftigkeit magisch in Männer verwandelt? Das wird es wohl gewesen sein …

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Nach dieser Wand habe ich dann nicht mehr auf alles aufgepasst, außer auf die krassesten Aussagen unseres Führers* durch die Ausstellung. Dass ich wirklich viel Neues zu sehen kriege dachte ich mir sowieso nicht, ein paar schöne Objekte vielleicht und wieder mal eine Lektion darin, wie Ausstellungen nicht mehr gemacht gehören.

Wir kamen zur Statuette der “Venus von Falkenstein” aus der jungsteinzeitlichen Lengyel-Kultur, die “unserem Schönheitsideal mehr entspricht” (Aussage des Führers*) als die Venus von Villendorf (die hat dafür einen eigenen Wikipedia-Eintrag):

Warum müssen die immer alle “Venus” heißen, selbst heute noch, wo längst andere Begriffe gefunden werden könnten? Und warum müssen steinzeitliche Frauen*statuetten um der “modernen Vermittlung” willen fatshaming ausgesetzt sein? (Und warum gibt es zu fatshaming noch keinen eigenen Wikipedia-Eintrag?)

Bei dieser Tafel über die Bedeutung des Getreideanbaus wurde dann deutlich, dass Frauen* noch nie etwas entwickelt oder erfunden haben, ganz, ganz sicher nie nie nie. Und überhaupt sind Frauen* für die Entwicklung der Menschheit völlig unerheblich:

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Im selben Raum hingen auch aus dem Zusammenhang gerissene Zitate von Archäologen. Natürlich, Archäologinnen* gibt es auch nicht. Leider habe ich die nicht fotografiert. Aber in diesem Text über steinzeitliche Kriege wird alles klar: Wissenschaftlerinnen* gibt es einfach nicht auf dieser Welt:

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Weitere Highlights:

  • Singlehaushalte sind gleichzeitig Schuld an der heutigen Warenvielfalt und daran, dass frühere Herstellungsmethoden fast völlig verschwunden sind.
  • Früher war alles besser™.
  • Und dann kicherten noch alle über die Skulptur der thailändischen Reisgöttin Mae Posop (Link zur Google-Bildersuche), die “wie aus dem Kitschladen” aussah, weil es ja furchtbar lustig ist, sich über andere Religionen und ihre Kulturgüter lustig zu machen.

Bei der aus ihrem Zusammenhang gerissenen Holzstatue einer Frau* aus dem Alten Ägypten, die wahrscheinlich Mehl mahlt, frage ich mich, ob sie nicht eher dabei ist, ihren Kopf gegen die Wand zu donnern.

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Warum wurde diese Statue stellvertretend für etliche ägyptische Reliefs und Malereien genommen, auf denen Männer* und Frauen* gemeinsam bei der Erzeugung von Nahrungsmitteln zu sehen sind? Weil sie leicht aus einem anderen Museum auszuleihen war? Warum ist sie genau auf diese Art und Weise ausgestellt?

Im Ausstellungsraum zur Neuzeit gab es dann auch nie Bäckerinnen* und Müllerinnen*. Und auf diesem Bild sind “fliegende Gebäckhändler” zu sehen, d.h. Männer (weil Frauen* gibt es laut Bildtext auf diesem Bild keine und Männer* auch nicht), die Gebäck in der Stadt und auf dem Land in den Straßen und von Tür zu Tür verkauften:

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Danach wurde ich dann gerügt, dass ich nicht mehr fotografieren sollte – ich habe mich nicht daran gehalten. Ich habe aber auch nicht weiter dokumentiert oder aufgepasst. Ich habe nur noch einen bösen Kommentar im Gästebuch hinterlassen (Monierung der nicht geschlechtergerechten Sprache und “Geschichtsbild wie aus den 1950er-Jahren”) und habe mich nach draußen verzogen.

Ich fasse zusammen: Frauen* gab es nie in der Geschichte. Zumindest in dieser Art von Geschichte, die schon längst Geschichte sein sollte. Schönstes Stück der Ausstellung war diese Ritzzeichnung aus der Römerzeit, gefunden in Burgneudorf, Burgenland, die je nach Interpretation entweder zwei kleine Mädchen* oder eine erwachsene Frau* und ein Mädchen* oder ein Mädchen* und einen Buben* darstellt:

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Gelesen wurden die Namen in der Ausstellung als “Petronia” und “Julia”. Auch wenn nicht mehr festgestellt werden kann, ob zwei Mädchen* diese Zeichnungen in die Wände ritzten, wo bitte bleibt meine Kinderbuchreihe “Julia & Petronia, sgraffiti artists”? Schreiben wir uns weiterhin eigenhändig in die Geschichte ein. Es tut sonst niemand für uns.

Maybe your new favorite show: Miss Fisher’s Murder Mysteries

Travel is fun. You meet people, you learn new things. My brother’s mother in law told me about this series with a “lady detective” set in the 1920s who takes children under her wing and has two henchmen and likes the police inspector, but is man crazy.

Sounds promising, no?

Well. This show is even more awesome than that. Meet Phryne Fisher, a newly rich woman (First World War wreaking havoc on family lines), who has returned to Melbourne, Australia, to live there. She has fabulous modern clothes, drives cars, flies planes, shoots with a gold-plated pistol, speaks Russian and Chinese, knows judo and handles knives quite well. She also likes a drink and handsome lovers, doesn’t like her Aunt Prudence, marriage and children. Soon after her arrival in Melbourne, she is drawn into a case and starts sleuthing. Pretty soon, she decides to be a “lady detective”.

Pretty much by the first three episodes we have our main cast, Phryne’s friends, the people she picks up and works with. There’s Dot, a housemaid, at first afraid of electricity, but by the end of the series a confident woman who detects right alongside Phryne. There’s Jane, an orphaned pickpocket who develops a taste for books and history. Mr Butler, the best butler, always there with a stiff drink when Phryne needs one. Cec and Bert are the “henchmen” Phryne picks up in the first episode, former soldiers, they drive a cab together and also work at the wharf. Bert is a bit of a radical. They work for Phryne when she requires them – as spies, drivers, and to protect her family. Then there’s Dr. Mac, a female doctor and Phryne’s best friend, who works at the Women’s Hospital and teaches women about “family planning”. And there’s Aunt Prudence who can be annoying, but has her own troubles and is pretty good at smoothing things over with the high society.

On the side of the law, there’s Hugh Collins, sergeant, who is still learning the ropes and develops a thing for Dot, and (very handsome, in a very understated way, oh boy!) Detective Jack Robinson. At first wary of Phryne, they come to appreciate her considerable talents. Still, they try to keep her out of crime scenes – but Phryne is much too clever for them. The relationship between her and Jack is like in those old screwball comedies – a good-natured cooperation between equals with bickering and jokes, which is much more about friendship than “they are so much in love but can’t be together” (yes Castle, I am looking at you).

Anyway, I’m not going to describe every episode in the series. It is actually a book series by Kerry Greenwood (here’s the homepage), which I’ll also give a try, to see how it compares. It was then turned into a TV series by ABC1, created by Deb Cox and Fiona Eagger (link to Wikipedia article). Apparently, a second season is in production (yay!).

What I’ll tell you is this: watch it. Watch it and find a series that doesn’t shy away from contraception and (clutch your pearls now) an intelligent, “modern” woman who enjoys flirtation and sex with handsome men. The cases aren’t all about high society, Phryne always stands up for the people who get hurt by high society’s actions and tries to help women whereever she can.

There’s also a diversity to the plots – it’s not just about straight white people (except in this first season there aren’t any Indigenous Australians). There are gay couples, lesbian couples, a Chinese businessman and his wife, who, far from demure, is just as good a fighter as he is, Russian immigrants, a Jewish community, and so on. Some plots I would have liked to have been a tiny bit different, but on the whole, this is far more diversity than your average whodunit show has.

And there are working women. Women working as journalists, doctors, in factories, holding together empires, trying to make ends meet. All ages. All sizes. Wearing all kinds of clothing. Phryne herself isn’t model thin and when the camera comes in for a close-up, you can (shocking!) see the lines around her eyes. Finally. And while women are also victims of murder in this show, there is no overemphasis on rape or battery.

There are tragic backstories – everyone has one, World War One having only ended a few years ago, so even the guys are suffering, but the backstories are never oppressive, drawn out or too maudlin. As I already said, the show is quite frank. But there is never nudity just for the sake of it (and it’s rare), the sex scenes are done tastefully (aftermaths, mostly, since this show is about solving crimes) and Phryne never wears a bra during or after sex (particular pet peeve of mine).

Finally – the clothing. The furniture, the tableware, the houses, the cars. All done extremely well. And the music. The show always ends with a lovely 1920s tune, so I always want to watch to the end. If you love the jazz age, you’ll love this show. And if you want a show about a fabulous female detective, well, here you are.