Space Pirate Cat Queen of the 13th Dimension und das verschwundene Frühstück

In einer anderen Dimension …

… der 13., um genau zu sein …

… ist Shoebox Castle ein Shoebox Spaceship und die Königin die Weltraumkatzenpiratenkönigin. Der Kater ist ihr trusty sidekick, Space Pirate Cat.

Ein neues Abenteuer beginnt:

Space Pirate Cat Queen und das verschwundene Frühstück

imageEines Morgens machte sich die Weltraumkatzenpiratenkönigin Frühstück. Dabei entdeckte sie endlich, dass sie das Instantporridge ins heiße Wasser rühren sollte und nicht das Wasser ins Porridge, egal ob das so auf der Packung stand oder nicht.

“Quäk!”
Jäh wurden ihre Gedanken über dieses Porridgeparadox unterbrochen.
“Quäk! Quäk!”
“Ja, Space Pirate Cat, was ist denn?”
“QUÄK!”
“Ja-haa!”

Die Weltraumkatzenpiratenkönigin ließ ihr Porridge in Ruhe und ging in die Shoebox-Spaceship-Biosphäre. Space Pirate Cat war dort und hüpfte quäkend auf einem großen Alarmknopf herum.

“Was ist los, Space Pirate Cat, warum willst du Alarm schlagen? Der Knopf funktioniert doch gar nicht.”
“Aber wir haben eine Löwenzahnalieninvasion!”
“Was? Das ist ja … köstlich! Schnell, ich mache uns Löwenzahnalienknospensalat zum Frühstück. Nur so können wir sie an der Ausbreitung hindern!”
“Aber ich mag keine Löwenzahnaliens!”
“Du bist ja auch eine Katze.”
“Ach so.”

Gesagt, getan, die Weltraumkatzenpiratenkönigin wanderte in die Kombüse von Shoebox Spaceship und begann, sie aufs Schrecklichste zu verwüsten.

“Kapitänin! Was suchst du?”, rief die Smutje.
“Die Sojasauce! Wo zum Barte der Weltraumkatzenpiratenköniginmutter ist sie hingekommen?”
“Sojasauce ist aus. Wir haben nur noch Weißweinessig und wenn du hier so Chaos machst, musst du alles wieder aufräumen.”
“Ich will das aber nicht.”
“Na, dann mach nicht so Chaos.”
“Na gut. Gibt’s wenigstens sonst noch was, das ich über meine Löwenzahnalienknospen tun könnte?”
“Gomasio.”
“Nehm ich.”

Leicht grummelig wanderte die Weltraumkatzenpiratenkönigin zurück zu ihrem Kapitäninnenbett, quartierte sich dort mit Porridge, Löwenzahnalienknospen und Kieler Blümchentee ein und begann zu essen und zu trinken. Dann vereinbarte sie eine Kaperfahrt mit dem Kapitän einer verbündeten Flotte und streichelte dabei Space Pirate Cat, wie das Weltraumkatzenpiratenköniginnen eben so tun. Wozu haben Weltraumkatzenpiratinnenköniginnen sonst Katzen?

Als die Weltraumkatzenpiratinnenkönigin aber aufstand, um sich für die Tagesarbeit fertig zu machen, verspürte sie aber plötzlich großen Hunger. Dabei hatte sie doch gerade gefrühstückt: Porridge, Löwenzahnalienknospen und Kieler Blümchentee. Das konnte doch nicht einfach so weg sein? Aber so war es: Das Frühstück war verschwunden, zurück blieb nur ein leeres Gefühl in ihrem Magen.

Wie wird es weitergehen? Lässt sich das Frühstück wiederfinden oder die Situation anders lösen? Lest weiter in “Space Pirate Cat Queen und die Riesenschnake”!

Klolichtnostalgie

Gerade gab ich auf Twitter preis, dass ich mindestens zwei Jahrzehnte ohne Klolicht gelebt habe. Das war nicht meine Schuld, es hat sich so ergeben. Ich hätte das Schreiben darüber auf später verschoben, wenn mir nicht die Bauchklappe meines Herzmotivstanzanhängers hinters Bett gefallen wäre, wodurch ich gezwungenermaßen darüber sinnieren musste, dass es wohl keine vergeudetere Lebenszeit gibt, als die Zeit, die ich damit verbracht habe, die Herzmotivstanzanhängerbauchklappe mittels Kochessstäbchen wieder hinter dem Bett hervorzubringen. Ich entwickelte einen sofortigen Hass auf den Herzmotivstanzanhänger und vermisste meinen ursprünglichen Herzmotivstanzapparat umso mehr. Ich hoffe, dass er irgendwann wieder auftaucht und mich herzlich begrüßt.

Aber zum Klolicht. Also nein, zuerst zur Nostalgie. Die hatte ich schon heute früh, als ich @baum_gluecks Sound of Music-Tweet las. Ich dachte daran, wie mein Bruder den Soundtrack von The Sound of Music auf Platte geschenkt bekam und wir ihn, den Soundtrack zu The Westside Story, den zu The Sting und sämtliche Beatlesplatten meines Vaters, seine einzige Beach Boys-Platte und noch ein paar andere rauf und runter hörten, oft ziemlich laut. Wir tanzten dazu, sangen mit, lernten damit Englisch, führten dazu komplexe Choreografien mit dem Holzlaster auf. Bei meiner Mutter hörten wir Kinderplatten, Valerie und die Gutenachtschaukel, Schweizer Lieder, ihre feministischen Platten, die Proletenpassion und die anderen Platten der Schmetterlinge. Wir durften ohne Fragen an die Plattenspieler. Es gab zwei davon, weil meine Eltern geschieden waren, aber nebeneinander wohnten. Darüber wollte ich auch einmal schreiben, aber nicht jetzt.

Das Nachsingen von Liedern aus The Sound of Music und die falalala- und joleduli-Teile der Schweizer Lieder war auch fast das einzige Jodeln, das in unserem Haushalt geübt wurde. Trotz der schweizerisch-österreichischen Mischung jodelten wir nicht. Wir fuhren auch nicht Schi. Schließlich sperrte mein Vater die Platten weg. Einmal fanden wir den Schlüssel und freuten uns sehr, aber nachdem mein Bruder in die Schweiz verbannt wurde, verlor das Spiel ohnehin seinen Reiz und es gab dann CDs. Als ich dann in Kanada das erste Mal The Sound of Music sah, konnte ich alles mitsingen und genauso war es, als mein Bruder und ich das erste Mal die West Side Story sahen, 2008 war das.

Das Klolicht war jedenfalls in der Wohnung meines Vaters und es funktionierte vielleicht zwei Jahre lang. Dann fiel es aus und blieb kaputt, von 1990 bis 2009. Ok, also es waren *fast* zwei Jahrzehnte ohne Klolicht. Wir mussten jedes Mal, wenn wir neue Gäst_innen hatten erklären, dass sie nicht das Klolicht, sondern das Ganglicht einschalten sollten. Sonst ließ sich das Klolicht nicht mehr ausschalten und wir mussten die Sicherung umlegen. Stammgäst_innen gewöhnten sich irgendwann daran.

Kritisch wurde es, wenn auch das Ganglicht ausfiel und nicht sofort erneuert werden konnte. Das Ganglicht fiel besonders gerne dann aus, wenn ich ein Fest veranstaltete. Dann mussten die Gäst_innen mit der Kerze aufs Klo und es wirkte eher peinlich als wildromantisch. Um es zu erneuern, brauchten wir die Aluminiumleiter meiner Mutter, da die Decken so hoch waren und da meine Eltern selten miteinander sprachen und es einigermaßen schwierig war, die lange Leiter um die Ecken zu manövrieren, dauerte auch die Erneuerung des Ganglichtes immer länger als notwendig. Der Grund dafür, warum das Klolicht nicht repariert werden konnte war, dass es mit der Lüftung zusammenhing und … aus irgendeinem Grund … funktionierte da irgendetwas nicht und … hm. Hätte wohl viel Geld gekostet. So war das.

Drei Wochen, vier

Regentropfen und Vogelgezwitscher. Ich liege neben dem offenen Fenster und rieche an der frischen Luft. Heute bin ich sogar vor dem Kater aufgewacht, der mich dann später dafür (?) angefaucht hat, aber Fressen gibt es trotzdem erst um 7, damit er die Weckzeit nicht noch mehr nach hinten verschiebt. Weckt ihn die immer frühere Dämmerung?

Ich rufe ihn und gebe ihm das Klopfsignal, dreimal mit der flachen Hand neben mich klopfen. Da ist er. Aber er pirscht sich auf der falschen Seite an, ich liege nach links gedreht, wo er am liebsten liegt, aber er balanciert rechts von mir auf dem Bett und huscht davon, als ich nach ihm greife. Na dann nicht.

Es wird die vierte Woche zuhause sein, die dritte in der ich mit dem Büro per Computer verbunden bin. Offensichtlich sind drei Wochen zuhause die nötige Vorlaufzeit, die ich brauche, um lang aufgeschobene Dinge zu tun. Ich habe meinen riesigen Papierhaufen sortiert, die Enden sämtlicher Strickstücke vernäht, unzählige Knöpfe befestigt. Ein paar Stricksachen habe ich aufgetrennt – Nähte nähen mag ich immer noch nicht und manche Schals sind zu lang. Portionenweise wasche ich das Gestrickte, vor allem die Kinderkleider, verschenke ein paar, behalte andere.

Gestern habe ich lange geplante Ohrringe gefertigt, Haken an schon lang herumliegenden hakenlosen Ohrringen befestigt. Jetzt fehlen noch die ebenfalls lange liegenden Broschen, noch mehr Knöpfe, Kleider mit Rissen und Leibchen mit zu weiten Armen … ist irgendwann alles repariert? Was dann? Wenn alle Enden vernäht sind, alle unfertigen Strickstücke fertig, was geschieht dann eigentlich? Nur zum Marmeladekochen kann ich mich noch nicht aufraffen, dabei ist es denkbar einfach und der Abwasch davor ist auch nicht riesig. Aber der danach. Vielleicht ist es das.

Komische Fragen. So wie die, warum ich im Moment so gut schlafe. Um 11 Uhr werde ich müde und ich muss ins Bett und schlafe blitzschnell ein. Ich bin froh, aber es ist doch ungewöhnlich, schließlich bewege ich mich gerade extra wenig, damit mein Steißbein heilt. Gestern wurde ich sogar um 10 müde. Nicht einmal Kaffee am Nachmittag – sonst Garant für fast durchwachte Nächte – hat irgendwelche Wirkung. Es ist alles so sonderbar.

Da kommt der Kater wieder, aber er interessiert sich mehr für den Luftzug aus dem nicht ganz geschlossenen Fenster. Vielleicht nach dem Essen. Noch 2 Minuten …

Riss in der Unsterblichkeitshülle

[CN Tod, Krankheit, Depressionen]

“Wir haben schon gespendet!” will ich sagen, da starb schon jemand in der Familie vor der Zeit, nein, ich will das nicht. Das soll nicht passieren. Meine Familie sollte doch jetzt unsterblich sein, bis ich selbst älter und gräuer bin und mich an den Gedanken gewöhnt habe.

Sieht zumindest im Augenblick so aus, als hätte mein Onkel, der mich seit meinen Kleinstkindesbeinen begleitet, gerade noch Glück gehabt. Ich könnte mich hineinfühlen in meine Mutter, aber ich kann das jetzt nicht. Vor drei Tagen hatte ich kurz Angst, dass mein Bruder gestorben sei, weil Nibling etwas länger schrie, im Morgengrauen.

Wenn mir solche Gedanken durch den Kopf zucken, schiebe ich sie weit weg, sie sind unerträglich. Nur so kann ich gerade atmen und so tun, als sei alles normal. Die Unsterblichkeitshülle, von der ich dachte, dass sie nach dem Tod meines Vaters doch sicherlich meine Familie umgibt, hat einen Riss. Was heißt, sie hat Löcher, sie ist aus Spitze, aus Papierspitze, und es regnet und stürmt.

Ich will das aber nicht. Also verstecke ich mich lieber wie ein im Raum schwebender Geist in meiner Timeline und versuche so zu tun als ob wenig wäre, aber ich weiß, wie sehr meine Mutter sich gerade zusammenreißt und ich habe Angst um sie. Ich selbst bin grad nur numb, da gibt es kein anderes Wort, und absichtlich so, damit die Panik nicht zu sehr an meinem Herz knabbert, das so unerwartet nachgewachsen ist und neu ausgetrieben hat. Ich wollte es doch wachsen sehen dieses Jahr.

Scheiße. Aber warum soll es uns anders gehen? Welches Recht habe ich auf eine unsterbliche Familie? Es bleibt mir nichts anderes übrig als zu warten …

Ich verstehe absichtlich Bahnhof

Es ist 7 Uhr. Ich wache auf und setze mich an die Bewerbung, die ich gestern Abend erfolgreich mit Abwaschen, Comiclesen und Gedanken über die Gesetzmäßigkeiten der Prokrastination verschleppt habe. Ich habe keine großen Hoffnungen, meine Haltung ist die einer Person, die sich im Ich werde mich (Es wird sich) nie mehr (eine Person in mich) verlieben eine gemütliche 5-Zimmer-Wohnung mit Balkon eingerichtet hat.

Kurz spiele ich mit dem Gedanken, einmal zumindest am Anfang einer Bewerbung ehrlich zu schreiben was ich mir denke und tippe es sogar, das ist ja kathartisch, aber es lohnt sich nicht, vielleicht bewerbe ich mich ja wieder einmal dort. Ach Geld.

Nachher gehe ich ins Bad, wo mir der Wäscheberg beim Zähneputzen wie ein Hund an die Beine fällt, als wolle er mir etwas sagen, aber ich bin so in Überlegungen vertieft, warum mir nie Kalender geschenkt werden sollten, dass ich absichtlich Bahnhof verstehe und ihn brutal wieder in sein Behältnis zurückstopfe.

Mit einiger Nostalgie erinnerte ich mich also an den Literaturkalender, den mir mein Onkel schenkte, der drei Jahre nie über Februar hinauskam, denn ein Februarblatt enthielt ein Zitat eines deutschen Schriftstellers, von dem ich noch nie gehört hatte. Er war per Schreibstipendium in Rom und sollte ein Werk vollenden, aber lieber ging er im Forum Romanum spazieren, sammelte dort Tonscherben und fragte sich, was Volsinii heißen könnte. Das kam mir seelenverwandt vor. Irgendwo ist dieses Blatt noch, der Rest des Kalenders landete ungelesen im Altpapier.

Ohrlöcher, Nasenbohrlöcher. Ohrringe, Augenringe, Fingerringe. Dass ich keine Ringe tragen kann habe ich von meinem Vater, sagt meine Mutter. Aber ich habe Ringe, die ich kaufte als ich noch jung war und nicht wusste, dass mein Vater mit Ringen rang. Dass ich die Hände meines Vaters habe, die mir manchmal, im Dunkeln, im Wasser, im Sonnenlicht durchaus schön erscheinen. Die Ringe könnte ich ja verschenken oder warten, bis die Niblinge (sicher kommt da noch mindestens ein Kind) alt genug sind, um durch meine Schmuckkästchen zu graben, wie ich auch.

Zum nautischen Kleid und dem maritimen Schmuck mische ich passende Metaphern. Ich fühle mich wie ein Schiff ohne Anker, ein Fisch ohne Hafen, in einem uferlosen Meer sowieso. Stelle mir vor wie mein Smartphone, mit dem einzigen Kalender, den ich tatsächlich benutze, zerspringt wie Sand am Meer. Wird jetzt natürlich passieren. Das Gefühl kommt mir bekannt vor, aber es ist sicher nur weil ich eine Bewerbung zum Frühstück aß.

Um am Monument meiner übergroßen Bravheit zu basteln, bekomme ich aber doch Frühstück vom Bäcker und denke mir, dass ich doch irgendwann alt genug sein muss für ein Kaffeeherstellding und eine kleine Bratpfanne für knuspriges, aber innen flüssiges Spiegelei, roten Lippenstift und weiße Haare. Spätestens nach dem nächsten Umzug.

Ich gehe raus, es ist kalt, der Mond als blasse zunehmende Ahnung noch am Himmel und so brav brav brav wie ich bin, werde ich nicht sehr zu spät in die Arbeit kommen, außer, dass ich es aus Trotz provoziere, den Gstettnweg nehme, vorsichtig, damit mir kein einziger Gedankenkrümel aus dem Kopf fällt. Da hat jemand zwei perfekte Bögen auf den Weg gesprayt, die zuerst wie Lichtreflexe aussehen, wie Mondsicheln. Kurz davor ein verblassendes Hakenkreuz, ach meine reizende Nachbarschaft.

Es ist hell und kalt und blau. Ich nehme absichtlich den längsten Weg zur Arbeit, um zu schreiben und google jetzt gleich Volsinii, “eine der bedeutendsten und ältesten Städte des etruskischen Zwölfstädtebundes”. (Zitat Wikipediaartikel) (Weitere Googleergebnisse: Es war übrigens ein Zitat von Peter Rühmkorf, der “Was heißt hier Volsinii? Bewegte Szenen aus dem klassischen Wirtschaftsleben” geschrieben hat. Ich wette, wenn ich es lese, wird alles entzaubert.)

2 Stunden Zeit

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Die Knöpfe an der neuen Lieblingsjacke erweisen sich als brüchig, das Abendblau erweist sich als schön, zwei Stunden erweisen sich als zu kurz, um nachhause und wieder in die Stadt zu fahren. Was tun mit den abgebrochenen Knopfstunden?

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Die Nacht erweist sich als kalt, der Kopf erweist sich als müde, die Stadt erweist sich als ungeeignetes Pflaster für Spaziergänge mit offener Jacke. Die Nadel, die die Jacke verschließen sollte, liegt zuhause, der Gürtel, der die Jacke zusammenhalten könnte auch.

Die Straßenbahn erweist sich als informativ über Gebärmutteroperationen und Krankenhauskosten, meine Geduld erweist sich als kurz, die kalte Nacht erweist sich als bessere Option. Manchmal hält sich meine Neugier arg in Grenzen, die gestern bei Sonnenschein ausgetretenen Pfade sind willkommen.

Spazieren am Ring mit den Händen in den Jackentaschen erweist sich als angenehm, der Burggarten erweist sich als friedlich, die Straße erweist sich als laut. Durch die absichtlich eingestrickten Löcher des Schals, der mir heute Mittag viel zu heiß war, pfeift der Wind meinen Hals entlang.

Die Sterne erweisen sich als klein, der Mond erweist sich schon seit längerer Zeit als verschollen, meine Laune erweist sich als unbeschreiblich. Wie eine einsame Herberge scheint der beleuchtete Teil des imperialen Glashauses, der nun vor allem Schmetterlinge beherbergt.

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Der Himmel erweist sich dunkelviolettblaugrau, mein linker Fuß erweist sich immer noch als leicht schmerzhaft, Orion erweist mir die Ehre. Ich erkenne nur zwei Sternbilder verlässlich, dieses und den Großen Wagen.

Das Österreichische Filmmuseum erweist sich als Hort der Wärme, das Stilmittel erweist sich als ausgereizt, der Spaziergang erweist sich als zu Ende. Mein Buch wird in Kürze ausgelesen sein. Was tun?

Sophie und Agathe im Belvedere

Sie lagen in der Sonne wie Löwinnen. Wie die Löwinnen, die sie eigentlich waren. Es war ein Skandal.

Binnen weniger Stunden hatten sie eine beliebte Touristenattraktion Wiens besetzt. Kein Mensch hatte mehr Zutritt, Kugeln prallten an ihnen ab, das Denkmalamt verbot den Bombenabwurf. Die umliegenden Straßen und Häuser waren in Panik verlassen worden, Wien war leer wie im August. Hubschrauber von Fernsehstationen, eingeflogen mit riesigen Transportflugzeugen, kreisten über dem Park.

Jahrhundertelang hatte sie nur auf die Wand gestarrt. Sie konnte nicht einmal den Kopf wenden, um Sophie anzusehen. Sie konnte sich nicht umdrehen. Jahrhundertelang. Jahrhundertelang hatten sie sie angefasst an diesen Halbkugeln mit einer Murmel in der Mitte. Jahrhundertelang hatte sie nicht einen Laut von sich geben, nicht eine Miene verziehen, nicht eine Tatze dagegen heben können. Wie lange war der letzte Anstrich her? Davor war sie in Ehren ergraut, angewittert, eine Ruine, die mit der grauen Stadt verschmolz wenn es dämmerte. Doch mit dem rekonstruierten Parterregarten war der Anstrich gekommen, weiß strahlend und doch konnte sie nur weiterhin auf die Wand starren und nichts gegen das Anfassen tun.

Da kam schon wieder einer. Er umfasste eine Halbkugel und feixte zu seinem Begleiter hinüber. Überall die weiße Farbe, nur an den Halbkugeln war sie fast wieder so grau wie vorher, trat der Stein zutage. Wie sie das alles hasste. Wie sie diese Menschen hasste. Bahnte sich da ein tiefes Grollen in der Kehle an? Langsam – millimeterweise – schob sich eine neue Fläche in ihr Blickfeld. Der Kiesweg! Weiter, weiter, ein Rucksack aus blauem Plastik, Haare, Sonnenbrille, da, Haut! Augen, Nase, Mund, der breit grinste. Mit der Kraft von tausend Medusen starrte sie in seine Augen, doch er bemerkte es nicht. Aber Sophie bemerkte es. Und dann sah Agathe zu Sophie hinüber. Endlich. Wie lange hatte sie darauf gewartet. Sophie schaute zurück. Selbst wenn sie sich nur aus den Augenwinkeln sehen konnten, sie erfühlten ihren Hass, ihre Verzweiflung. Von jetzt an lagen sie auf der Lauer.

Es dauerte nicht lange. Wieder einer. “Fass beide an, hahaha!” rief ihm ein anderer zu. Agathe riss ihre Pranken hoch, legte sie ihm auf die Schultern und biss ihn in den Hals, bis das Blut spritzte. Als er zusammensackte, reckte sie den Kopf in die Höhe und brüllte. Sie brüllte so laut, dass es noch in der französischen Botschaft am anderen Ende des Belvederes zu hören war. Dann erhob sie sich von ihrem Sockel und sah Sophie endlich ganz an. Sophies Gesicht war das schönste, das sie je gesehen hatte. Auf ihm lag ein Lächeln und eine wilde Hoffnung. Langsam, langsam wendete Agathe wieder ihren Kopf und starrte den anderen an. Bleich, fast so weiß wie ihre Flanken war er. Sie holte aus und schlug ihm mit der Pratze ins Gesicht. Tot fiel er zu Boden.

Agathe drehte sich elegant auf dem Sockel und blickte die ganze Länge des Gartens hinunter. Sophie würde sich immer daran erinnern, wie Agathe dagestanden hatte, das Gesicht von der Sonne beleuchtet, das rote Blut, das ihr vom Mund auf die Brust triefte. Agathe trug es wie eine Schärpe. Unter ihrem Blick begannen sich ihre Schwestern zu regen. Sie schlugen mit dem Schweif, beugten, dehnten, streckten sich, machten sich zum Sprung vom Sockel bereit. Unter den Augen der lachenden Brunnenfrauen und Göttinnenstatuen hetzten sie die Grabscher durch den Park, töteten sie mit Nackenbissen, Prankenschlägen. Die anderen Menschen wurden wie Kätzchen zum Ausgang getragen.

Die Krähen ließen sich dankbar auf den Leichen nieder und verschwendeten keinen Blick auf das Sphingenrudel, das sich nach der Jagd herzlich begrüßte und mit einander vertraut machte. Sie spielten. Rutschten die abgeschliffene Auffahrt hinunter, badeten in den Teichen, rannten Slalom um die Buchsbäumchen oder zerfetzten sie, tanzten in den Kringeln des Parterregartens.

Nach zwei Wochen hatte sich, wie in Wien üblich, die Aufregung gelegt. Es war nichts zu machen. Niemand durfte den Garten des Belvederes je wieder betreten.

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Kein Berlinkrimi

Bei den flachen Stufen neben der S-Bahnbrücke zwischen den Museen am Ufer der Spree lag ein kleiner Finger und wartete darauf, gefunden zu werden.

Moment. Bei den ganzen Hunden, die hier vorbeikommen ist das völlig unmöglich.

Du kannst einer aber auch den besten Krimianfang verderben.

Wo hättest du denn die restlichen Körperteile verstreut?

Na, im Tiergarten. Da ist so viel Laub …

Im Tiergarten. Wo Millionen Touris und Berliner*innen täglich rumtrampeln.

Ist doch noch ganz frisch! Da finden dann eben die Touris die Leiche und …

Ja und wer soll das sein, die Leiche?

Ein … Polizist der auf dem Polizeimotorboot “Seeschwalbe” auf der Spree herumfährt.

Das sagst du nur, weil das Boot gerade vorbeigefahren ist.

Und warum wird er umgebracht?

Weil er immer den Bootsdienst kriegt, der sehr beliebt ist und ein anderer Polizist ist eifersüchtig.

Woher willst du denn wissen, dass der Bootsdienst beliebt ist, vielleicht ist der verhasst?

Möööööhhhhh …

Und warum muss es ein Polizist sein?

Eine Polizistin, das wäre doch voll klischeehaft …

Und ein Polizist wäre nicht klischeehaft?

Dann ist es halt irgendeine Person – ich weiß doch noch nicht!

Und wer erzählt die Geschichte, die Leiche? Wie originell, so gar nicht Sunset Boulevard.

Nein, die Person, die sie findet!

Und wer soll das sein?

Weiß ich auch noch nicht!

Sag mal, deine letzte Krimigeschichte hast du mit … 15 geschrieben und das war schon eine undurchsichtige Sache, warum glaubst du, dass du das jetzt kannst?

Ich …

Fotografier lieber noch ein bisschen Moos.

Möh …

Warum machst du das eigentlich?

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Die Geschichte von der Pottwalfrau im Vulkan

Für @nebengleis

Es war einmal eine Pottwalfrau, die lebte in einem Vulkan. Ihr könntet nun sagen: “Aber wie soll denn das gehen?! Der Vulkan verbrennt sie doch?” Tatsächlich lebte sie in einem Vulkan, der nicht ganz aus dem Meer aufgestiegen war und deshalb eine nette kleine Bucht bildete, mitten im Meer.

Der Pottwalfrau war manchmal etwas zu kalt, deshalb wohnte sie gerne über dem Vulkan, denn es sprudelten dort noch heiße Quellen. Eines Tages traf sie eine Grauwalfrau. Groß und rund war sie.

“Liebe Grauwalfrau, wieso bist du denn so groß und rund?”
“Ich bin schwanger, liebe Pottwalfrau.”
“Juhu! Aber solltest du da nicht im Süden sein?”
“Doch, aber leider habe ich die Aufbruchzeit meiner Herde verpasst und jetzt bin ich ganz allein. Da war so ein riesiger Krillschwarm, der schmeckte so gut!”
“Wie Tiefseetintenfisch?”
“Wahrscheinlich!”

Da sagte die Pottwalfrau: “Sag mal, liebe Grauwalfrau, möchest du vielleicht in meinem Vulkan wohnen? Dort ist es schön warm und geschützt! Ich gehe währenddessen auf Weltreise.” “Oh, das wäre ja wunderbar! Vielen Dank!”, sagte da die Grauwalfrau.

So zog die Grauwalfrau in den Vulkan und die Pottwalfrau ging auf Weltreise. Und als sie einmal um die Welt geschwommen war und wieder beim Vulkan ankam, konnte sie Grauwalfrau und Grauwalkind begrüßen.

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Die Geschichte von der Spinne im Turnschuh

20131022_091822Es war einmal auf Shoebox Castle, da lebte im Turnschuh der Königin eine Spinne. Wie sie dorthin gekommen war, wussten sowohl die Königin als auch die Spinne ganz genau. Die Spinne war bei einem Besuch in den Schlossgärten vom Weg abgekommen und hatte sich zum Eingang des Schlosses verirrt. Da dieser einladend und offen war, kletterte sie über die Schwelle.

Als erstes kam sie in das Wohnzimmer der Königin, doch das war ihr zu unaufgeräumt. Also krabbelte sie weiter. Als nächstes kam die Spinne in das Schlafzimmer der Königin, doch dort saß die Königin im Bett und starrte sie mit einem Blick an, dass die Spinne es mit der Angst zu tun bekam. Schnell flüchtete sie hinter die dunkelblauen Vorhänge und weiter in das Schloss hinein. So kam sie zum Vorzimmer der Königin, wo allerlei Dinge herumstanden, darunter ein Froschdämon, eine Porzellankatze und ein Paar Turnschuhe.

“Ei, Königin, was bist du schon, was soll ich mit dem Froschdämon”, dachte sich die Spinne. Gefressen werden wollte sie nicht.

“Ei, Königin, senk deine Tatze, nicht so wie deine Porzellankatze”, dachte die Spinne. Erdrückt werden wollte sie auch nicht.

“Oh, Königin, wie bist du fein, ich zieh in deinen Turnschuh ein!”, rief die Spinne, denn der Turnschuh kam ihr ruhig und friedlich vor.

Da schickte die Königin ihren Sekretär Crispian und handelte mit der Spinne einen Vertrag aus, dass diese bis zum Frühjahr im Turnschuh wohnen dürfe. Und wenn die Spinne den Vertrag nicht bricht, wird sie im Turnschuh glücklich und zufrieden leben, sonst ist’s ihr Lebensende.