Blaudruck im Burgenland

Letzten Samstag machte ich mit Freundinnen und Verwandten einen Ausflug zur Blaudruckerei Koo in Steinberg im Burgenland. Außer dieser Blaudruckerei gibt es in Österreich nur noch eine andere, die Blaudruckerei Wagner im Mühlviertel.

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Blaudruck ist eigentlich die falsche Bezeichnung für diese Technik. Es handelt sich um eine Reservetechnik – zuerst wird der Stoff mit einer besonderen Paste bedruckt, dann gefärbt, dann wird die Paste ausgewaschen. Die bedruckten Stellen sind dann weiß.

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Früher war Blaudruck weit verbreitet, da damit günstig schöne Stoffe hergestellt werden konnten, aus denen sowohl Arbeits- als auch Sonntagskleidung oder Trachten geschneidert werden konnten. Wobei viele präzise Handgriffe vonnöten sind, bis am Ende aus einem Stück Stoff z.B. eine Schürze entstanden ist.

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Aber beginnen wir ganz am Anfang: Beim Farbstoff. Für den Blaudruck wird Indigo verwendet, da mit diesem im Gegensatz zum Färberwaid kalt gefärbt werden kann. So sieht eine Art der Indigopflanze aus:

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Der Farbstoff wird aus den Blättern gewonnen bzw. mittlerweile wird Indigo auch synthetisch hergestellt, aber die Blaudruckerei Koo verwendet noch den traditionellen Indigo. Der Farbstoff wird zu “Kuchen” gepresst und getrocknet, damit er gut transportierbar wird, hier auf dem Bild in der Mitte seht ihr so ein Stück.

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Um den Indigo ins Wasser zu bringen, müssen die Stücke zuerst zu einer Paste gestampft werden.

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Die gelben Brocken neben dem Indigo auf dem vorigen Bild sind Gummi arabicum. Aus Gummi arabicum, einer speziellen Tonerde und Familiengeheimnissen besteht der sogenannte “Papp”, die Paste, mit der die Stoffe bedruckt werden. In der Blaudruckerei Koo werden Baumwolle und Seide bedruckt, die Blaudruckerei Wagner im Mühlviertel bedruckt dagegen Leinen.

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Bevor die Stoffe bedruckt werden können, müssen sie zuerst gestärkt werden. Hier in diesem Riesentopf kocht die Stärke.

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Dann werden sie getrocknet und dann erst werden die Stoffe bedruckt – per Hand!

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Beim Druck kommen zum Teil uralte Model zum Einsatz. Einmal im Jahr kommt in der Blaudruckerei Koo ein Instrumentenmacher aus Thüringen vorbei, der kaputte Model richtet und neue Model nach alten Vorbildern anfertigt.

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So sieht der bedruckte Stoff dann aus (auf Flickr gibt’s noch viel mehr Bilder von den verschiedenen Mustern):

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Nach dem Druck muss der Stoff drei bis vier Wochen trocknen, damit die Paste richtig haftet und beim Färben nicht zerrinnt.

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Wenn der Stoff bereit zum Färben ist, geht es in die Färbestube. Diese Färbebottiche, “Küpen” genannt, sind über vier Meter tief.

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Der große Vorteil beim Färben mit Indigo ist, dass die Färbung mit kaltem Wasser funktioniert. Es braucht also zumindest dafür weniger Energie.

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Der Stoff wird in Halterungen eingespannt und für ca. 10 Minuten in die Farblösung getaucht, dann wieder komplett herausgezogen.

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Erst an der Luft oxidiert der Farbstoff und wird blau. Das könnt ihr hier sehr gut sehen:

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Je öfter der Stoff eingetaucht wird, desto dünkler wird die Farbe. Mit Kreide vermerkt Herr Koo, wie oft er welchen Stoff schon getaucht hat.

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Nach dem Färben muss die Druckpaste in heißem Wasser ausgewaschen werden, dafür reicht aber ein vergleichsweise kleiner Kessel.

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Danach wird der Stoff gespült und gespült und gespült, bis er nicht mehr abfärbt.

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Dafür ist das Wasser ganz schön blau.

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Zum Schluss wird der Stoff noch durch die Wäschemangel gelassen und entweder zu Ballen aufgerollt und nach Maß verkauft

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oder zu Röcken, Dirndln, Hüten, Schals, Hosen, Hemden, Taschen, Ofenhandschuhen, Kissenüberzügen, etc. verarbeitet.

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Dabei kooperiert die Blaudruckerei Koo mit den “Koryphäen“, einem Projekt, das Frauen beim Wiedereinstieg ins Berufsleben und bei der Ausbildung unterstützt.

Die besondere Spezialität der Blaudruckerei Koo sind die Doppeldrucke – das sind Stoffe, die auf der einen Seite ein Muster, auf der anderen Seite ein anderes haben. Hier seht ihr ein Beispiel mit meinem Lieblingsmuster (oben am Rand seht ihr es):

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Ein Besuch in der Blaudruckerei Koo lohnt sich unbedingt. Wenn ihr es aber nicht bis ins Burgenland schafft, Taschen, Schürzen, Tischtücher etc., gefertigt von den Koryphäen, werden in Wien z.B. in der Weihnachtszeit auf dem Kunsthandwerksmarkt am Karlsplatz verkauft.

Mehr Bilder könnt ihr, wie gesagt, auf Flickr sehen.

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Von Motten und dem Kater

Nach meiner glorreichen Rückkehr aus Hamburg ging es fast nahtlos weiter aufs Land.

Die Enns zeigte sich von ihrer schönsten Seite:

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Ok, ich hör schon auf. Dabei hätte ich noch 20 solche Bilder. Ich hätte sie ja auch lieber getwittert, aber ab einem gewissen Punkt irgendwo zwischen Oberösterreich und der Obersteiermark kann ich keine Bilder mehr senden. Dafür hab ich halt ein Blog.

So war’s bei meiner Ankunft:

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Und dann halt Landleben mit 10 Spinnen im Zimmer, Nachtfaltern, Blumen, Grillen, Verwandtschaft und Kater.

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Und ich so:

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Damit endet das Ferientagebuch. Für jetzt.