Frantz und das Essen

CN Krebs, Tod, Depressionen, Essensstörung(en), Essen, Diät(en)

Bei einem Gespräch über dieses Thema sagte A. “People want things to be ok. Sometimes it’s not ok.” – “Menschen möchten, dass alles ok ist. Manchmal ist es nicht ok.” M. sagte fast dasselbe, als ich mit ihr darüber sprach, dass es mich sehr nerve, alles Frantzige immer als eh nicht so schlimm abqualifizieren zu müssen: “Manchmal ist es einfach oasch.” Denn erzähle ich davon, dass es einen Frantz in meinem Leben gibt, kommt von der Hälfte der Menschen ein Kommentar dazu, dass die Ernährungsumstellung, mit der ich sehr wahrscheinlich rechnen muss, wenn mir ein Teil der Bauchspeicheldrüse entfernt wird, eh gut ist. Oder mir eh gut tun wird. Oder dass ich mich dann besser werden fühle.

*hier Wutausbruch einfügen*

Mir werden sehr wahrscheinlich ein Organ (die Milz, die ist ja nicht wichtig, nur für die Abwehr von Bakterien und Blutreinigung und solche Sachen, haha, was weiß ich, wo meine Milz sitzt) und ein Teil eines extrem wichtigen Organs, der Bauchspeicheldrüse, entfernt. Nochmal: Teile meines Körpers. Die mein Körper braucht. Die Bauchspeicheldrüse braucht mein Körper sogar extrem dringend. Auch wenn nur ein Stückchen fehlt, hat das Auswirkungen auf die Art und Weise, wie mein Körper Nahrung verdaut.

Was gibt’s da für Möglichkeiten danach? Tja, Ernährung umstellen. Und_oder Medikamente nehmen. Ach, Ernährung umstellen, das ist ja nicht so schlimm, das hab ich ja während der Gastritis auch gemacht, oder? Ja. Hab ich. Und es war Scheiße. Es ist immer noch Scheiße! Und jetzt wird es dann wohl anders Scheiße, aber das ändert nichts daran, dass es im schlimmsten Fall für den Rest meines Lebens Scheiße sein wird.

Ich bereite mich nicht aus Jux und Tollerei bzw. dem Wunsch oder Zwang, mich an die dickenfeindlichen gesellschaftlichen Normen anzupassen darauf vor, mich für immer mit meiner Ernährung beschäftigen zu müssen. Ich möchte das gar nicht! Ich will es nicht müssen! Das ist kein Lifestyleding, kein gesünder Leben wollen, keine Entscheidung, das hier passiert, ohne dass ich *irgendetwas* dagegen tun kann. Außer sterben. Sterben ist die Alternative. Oder hey, es passiert ein Wunder und sie nehmen nur die Milz raus. Aber über das “positive Denken” schreibe ich ein andermal, hier meine wichtigste Inspiration für Realismus: Barbara Ehrenreich (Youtube-Video).

Manche Menschen entscheiden sich fürs Sterben und ich verstehe das. Warum? Tja, als mein Vater sterbend im Spital lag, im gleichen so genannten “Bettenturm“, in dem ich auch bald liegen werde, dem grünen, nur auf einem anderen Stockwerk, da brachten ihm alle Schokolade, denn die wollte er essen und das Essen im Spital schmeckte ihm nicht und war aufgrund seiner Schluckbeschwerden z.B. auch schwierig zu essen – er verschluckte sich immer an den Kräutern auf der Suppe, obwohl wir 100mal darum baten, dass sie keine draufstreuen sollten.

Vorher hatte er sich jahrelang kaum Süßes gegönnt, obwohl er Süßes genauso liebte wie ich. Im Sommer vielleicht ab und zu ein Eis oder Stücke von den Kuchen und Torten, die ich gerne buk und ihm hinstellte. Zuhause kochte er sich in seinen letzten Jahren nur noch Reis. Mit sehr exakt klein geschnittenem Gemüse. Manchmal kam Besuch, dann gab’s etwas anderes, aber manchmal gab es auch dann Gemüsereis. Nur in seinen letzten drei Wochen wünschte er sich jeden Tag feinste Schokolade. Nach seinem Tod hatten wir noch eine ganze Tasche voll.

Ich möchte so nicht leben und so nicht sterben. Ich wollte noch nie so leben. Ich sah immer verwundert meiner Mutter zu, die Ahornsirupkuren machte, bei denen sie nur Wasser mit Ahornsirup, Zitronensaft und Cayennepfeffer trank und zur Feier Gemüsebrühe. Aktuell fastet sie jeden zweiten Tag, weil sie glaubt, dass davon ihr (genetisch bedingter) hoher Blutdruck sinkt.

Sie war es auch, die mir einredete, ich sei zu dick, damals als ich plötzlich nicht mehr unter ihrer täglichen Kontrolle stand und mich im Schweizer Essensparadies befand. Pech für sie, ich fand in den Jahren darauf überall köstliche Dinge und nahm immer mehr zu. Ich habe nur einmal eine Diät probiert, mit meinem damaligen Freund, low carb. Irgendwann ging mir der Hunger auf Erdäpfel durch. Danach habe ich meine Ernährung nie mehr freiwillig eingeschränkt. Leider sollte es noch lange dauern, bis ich fat activism entdeckte.

Vor einigen Jahren schrieb ich dann einen langen Blogpost auf Englisch, weil mir das Thema noch zu nahe war, “On eating while depressed“ – vom Essen während einer Depression. Damals war der Anlass, dass eine Bekannte versuchte, mich zur veganen Ernährung zu bekehren, nachdem ich darüber getweetet hatte, dass ich mir Käsetoast gemacht hatte. Ohne dass sie wusste, dass das die erste warme Mahlzeit nach einer Woche voll Müsli und kaltem Bohnensalat und Chips und Schokolade war. Denn während einer Depression oder depressiven Phase kann es ungeheuer schwer sein, sich überhaupt zu ernähren. Besonders wenn es z.B. keinen triftigen Grund gibt, rauszugehen, denn Rausgehen bedeutet (für mich) immer eine Menge von Tätigkeiten, die während einer Depression unglaublich schwer fallen, weil einfach *alles* schwer fällt.

Selbst wenn ich dann rausgehe, heißt das, dass ich alle Kraft für dieses Rausgehen aufwende und keine Kraft mehr für Dinge habe wie Kochen, Abwaschen, Geschirr verräumen. Und nein, Essen gehen oder sich Essen liefern lassen ist für mich auf die Dauer nicht leistbar. Wie dankbar war ich da meinen Lieben, wenn sie mich bekochten. Daraus lässt sich der Schluss ziehen: nicht selbst gewählte Ernährungseinschränkungen, die aus welchen Umständen auch immer viel selbst Kochen bedeuten, sind schwierig für mich. Und von den immer wieder vorkommenden Klicks, Likes und Kommentaren unter meinem Post zu schließen, auch für andere.

Und dann kommen Leute und wollen mir erklären, wie gut es nicht sei, Zucker zu reduzieren und wie gut sie sich nicht fühlen, ihre Ernährung umgestellt zu haben und dass es mir sicher genauso gehen wird. Oder dass es sich heute mit Diabetes schon sehr gut leben lässt. Ja. Macht nur, aber erzählt mir bitte nicht davon, es interessiert mich nicht bzw. triggert es mich. Ich habe das die letzten vier Monate gemacht, weil ich die Abheilung meiner Gastritis begünstigen wollte. Nach der OP werde ich vielleicht meine Ernährung umstellen müssen, weil ich noch nicht sterben mag. Das heißt nicht, dass ich das gerne oder freiwillig mache oder dass es in welcher Form auch immer ok ist. Es ist oasch für mich. Schon mal Diabetiker_innen oder Menschen mit Nahrungsmittelallergien oder unfreiwilligen Nahrungseinschränkungen aus was immer für Gründen gefragt, ob sie das gerne machen?

Nein, fragt nicht. Bitte haltet unbedingt zuerst die Klappe und wenn, dann fragt, ob ein Gespräch darüber jetzt_später_überhaupt ok ist. Ich weiß, es ist schwierig, auch mir fällt es schwer, wenn andere Menschen mir ein Problem erzählen, nicht sofort mit Ratschlägen und Platitüden daherzukommen, denn ich möchte ja, dass es ok ist. Es ist aber nicht ok, sondern oasch und das aushalten zu lernen ist schwer, aber möglich.

Im Moment fällt es mir selbst aber besonders schwer, weil ich allen zurufen will: Freut euch an dem, was ihr habt! Verlasst Menschen & Dinge, die euch nicht gut tun! Genießt das Leben, weil globaler Faschismus & möglicher Atomkrieg & außerdem plötzliche Krankheit & Tod! Ich versuche dann den Mund zu halten, weil ich weiß, dass ich ein wenig überreagiere. Oder  ich versuche vorsichtig zu sein. Zu fragen, ob Ratschläge erwünscht sind. Was anderes zu sagen als ausgeleierte Phrasen, was ungeheuer schwierig ist. Wichtigstes Wort: Versuchen, denn natürlich gelingt es mir nicht immer. Und ich merke es an mir: Je dünner meine Haut wird, weil die Operation immer näher rückt, desto weniger halte ich solche Dinge aus.

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On eating while depressed

[TW depression]

Currently posts happen in English. Don’t know why, but that’s just how it is right now.

I just met a friend I haven’t seen in quite a while. As we asked each other how we were, we both knew how we really were without having to say much. They asked me to accompany them to the supermarket to get something to eat. I said yes, because I wanted to spend more time with them, but also because I felt I knew why they asked. They were hungry and needed food, but making or buying food, alone, was just too much effort. Eating while depressed can be like that for me.

As I am still coming out of a depressed phase, I am amazed at and celebrate the things that are suddenly possible again. Putting in earrings. Doing the laundry. Doing the dishes. And making food. At first, making food again meant making food that requires heat and a pan. Cheese toast to be exact. I don’t have a toaster, so I fry the bread gently in butter, top it with cheese, flip it, fry it gently, and then eat it with lots of ketchup. Right now, I’ve taken the next step to cooking soups. Soups aren’t hard to make and if I make a big batch they’ll last two or more days. These are two huge steps up for me. I even made pasta twice.

Why are they huge steps? They’re huge steps up from eating cold food, like bread and cheese or other combinations, from cereal with yoghurt, from chips and chocolate pudding. There is nothing wrong any of those foods, I love them all. But eating them every day gets tedious, when there is so much more out there.

At this point in time I consider my life to be seriously too short to keep beating myself up about what I eat anymore, even though society says I should because I am fat. I love food. It took me a while to get a safe distance away from the guilt, the shame, the self-hate, the fears, the restrictions, the hang-ups, the constant self-abuse of berating myself for my choices. Somehow I managed to resist dieting, mostly. One ex-partner tried the no-carb diet and I “had” to do it with them (because I was “responsible” for the cooking, natch), that cured me for life. I don’t think I’ve ever craved potatoes so much.

I managed to get to a safe distance with Michelle Allison, who blogs and tweets as the Fat Nutritionist @fatnutrionist – and Lesley Kinzel’s amazing fatshion articles on xojane (she writes great articles on a wide range of other topics, too). Because of Lesley Kinzel, who tweets as @52stations, I put on a bathing suit this summer and went swimming, because of her, I am putting on whatever clothes (dresses!) I want. Because of posts like this by Michelle Allison, I started being able to say yes and no to food as I pleased and no longer pressured myself as much.  I’m still working on all these things, still unlearning the internalized fatshaming, still trying to resist the fatshaming from others. Still working on applying the health at every size concept to my life.

That’s how my relationship is with food when I am feeling ok or happy. When I am not feeling well, I don’t lose my appetite, I stop caring (not feeling, caring). I stop caring whether I eat, and cooking and doing the dishes become chores of monstrous proportions. This is not a sudden occurrence, one day fine, the other day completely unable to cook food. It’s a gradual process. At one point during this year, I managed to get up at a reasonable time, make breakfast (tea and cereals I let soak *the night before* with actual fresh fruit, how “together” is that?!). At one point this year, I have managed to invent new recipes and go to amazing lengths to prepare certain foodstuffs.

Then I started lying in bed a little longer and eating my cereals unsoaked for many reasons. Maybe not every day. But this is how it starts. It ends with me going to work hungry, eating lunch far too quickly, and feeling bad about the whole thing and this time finally not eating at all, which, just no. No no no. I don’t want to go there again. Michelle Allison has written about “When eating falls apart“. This.

What feeling depressed and not being able to cook also means for me: I have let food rot, because I just couldn’t find the energy to prepare it. This is considered very bad. Supervillain level bad. So while I can’t help it, I feel very bad about it and make myself feel worse. To combat this, I stop buying food that goes off quickly and/or needs many steps to prepare (i.e. fruit and vegetables, although I really like them). I eat only things I don’t have to prepare or can prepare quickly, preferrably in a bowl, and eat with a spoon. Now, as I said above, I love cold foods like bean salad and cereal, but having bean salad every day isn’t fun. A good post to read on this is Michelle Allison’s Perfectionist cooking paralysis. Basically I go from a higher level to level zero and then up again over time, except I know how to cook food at every level, that’s not the problem.

This time, as I started getting out of my depressed phase (still not entirely out), I also got a massive virus infection with sore throat, clogged sinuses, fever, the works. I lost my sense of smell and taste. This made me want to eat and cook even less. I could have ordered stuff or could have gone to a restaurant. I can buy readymade food at the supermarket. But I can’t afford that on a regular basis, nor do I want to buy readymade food all the time. Also, I was sick. I couldn’t really go out.

Add this to the fact that I live and mostly am alone. I have a parent (who has their own life and struggles), friends (who have their own life and struggles) and that’s it. Also, when I am not feeling well, I feel like I can’t impose on people. I tell them I can do stuff by myself, because I feel they have enough on their plate. Also having them visit me or going out with them means getting up, showering, getting dressed, cleaning up and many other things that sometimes just take more strength than I have, especially when I am also having a fever. Still, there are lovely people who persist, make food for me, take me out – and I am eternally grateful to those people.

At the same time, when I am feeling depressed, eating whatever I feel like gives me pleasure and helps me stay alive. It helps me stay connected to this world, because I don’t want to give up the pleasure of eating chocolate pudding and potato chips and because I know that at some future point I will be able to make and eat arugula salad, mushroom risotto or homemade Christmas cookies. Lucky me. This is a privilege.

Now. Take all these layers (and some I’ve not been able or didn’t want to fit in). Understand that there are times when I have been meaning to cook a simple dish for days and haven’t managed to do it. Even if it only requires cutting things and cooking them all together. Sometimes I am just not able to do this. Sometimes I am slowly approaching the point at which I can. Sometimes I can and sometimes I can do more. If I had to do this at work, I’d do it, no problem. But this isn’t paid work. It’s feeding me and sometimes I can’t.

That’s why I am touchy when people comment on my food choices. Even during ok or happy phases, comments that go beyond “Wow, that looks good!”, “Yummy!” or “I’d like to have the recipe” get annoying really fast, mostly because there is so much fatshaming in them. “How can you eat that?”, “I couldn’t eat that!”, “(Food I’m eating) is so gross!”, “You’re eating *that* for breakfast/lunch/dinner?!”, “But you could make that into a vegan dish!”, etc etc etc.

No, I don’t want to hear about your diet, whether you’re doing it for weight loss or other reasons. It’s fine if you tell me you can’t or won’t eat certain foods, I’ll try to work with that if I ever cook food for you. Whatever you choose to eat is fine with me and if I like what’s in it, I’ll be glad to try it. I’ll gladly talk about delicious food, I’ll look at your pictures of delicious meals, I’ll read your recipes and love them and try them out myself when and if I feel like it, but I will only forgive one person for diet talk – my best friend (for reasons I don’t need to explain to you). From people who don’t really know me, comments about what I’m eating get irritating really fast. From people who know me, they can be incredibly hurtful.

But since I’m afraid people will no longer like me if I tell them they’re hurting me, I stay silent far too often and rather start avoiding them. Not an ideal solution, either, I guess. Which is why I’ve written this post to ask you to please take into consideration that people might have issues with food that you don’t, can’t know about. It costs you nothing to say whatever you want to say about my food choices in your head, but you’ll spare me pain. If you can’t do that, be prepared for me to react in a way that might not be “nice”.