Raus aus der Stadt

Gestern war ich in Garsten, beim Garstener Advent. Garsten liegt in Oberösterreich, bei Steyr und ich bin schon oft mit dem Zug durchgefahren auf dem Weg zur Sommerfrische bei der Königinmutter. Vom Zug gut sichtbar ist das riesige Stift, das seit 1851 ein Gefängnis ist, auch das ist vom Zug aus gut sichtbar. Bei der Einfahrt mit dem Auto wird es nicht weniger gruselig, nicht weil ich Angst vor den Insass_innen hätte, sondern weil Gefängnisse gewaltvolle, furchtbare Orte für Menschen sind. Auch wenn ich euch nun vom schönen Adventmarkt erzähle, mag ich das nicht ausblenden.

Jetzt aber zum schöneren Teil: In Garsten war ich mit einer ortskundigen Freundin unterwegs, die mir erst einmal die hübsche Bibliothek zeigte, denn aufgrund dieser hatten wir uns eigentlich kennengelernt. Ich habe in den Kinderbüchern gestöbert und gleich ein paar für meine nächsten Buchbesprechungen gefunden. Zuerst muss ich sie allerdings noch im System der Wiener Büchereien finden und in Ruhe nochmal anschauen.

Und dann gingen wir los. Zuerst in den Pfarrsaal, wo die handarbeitenden Garstner_innen Tisch um Tisch mit genähten, gestickten, gestrickten, gehäkelten und sonst noch gebastelten Sachen belegt hatten. Besonders beeindruckt war ich von den handgestrickten Trachtenzopfsocken, weil die unglaublich viel Arbeit sind. Später in der Volksschule, in der ebenfalls handgefertigte Dinge ausgestellt wurden, sah ich dann wohl eine der Sockenstrickerinnen am Spinnrad und hätte gerne mit ihr geredet, aber sie saß gleich bei einem Durchgang und war auch gerade in ein Gespräch vertieft.

Vom Pfarrsaal gingen wir dann auf den Markt hinaus, der den Ortskern in Beschlag nimmt und weitgehend frei von Autos ist. Der Fokus des Marktes liegt auf Handwerk und der Region, daher gab es viele Schauschmieden und einen Stand des Nationalparks Eisenwurzen. Vor der einen Schauschmiede gibt es ein Extrabrett für Kinder, damit die über die Brüstung des Standes schauen können. Auch werden traditionellerweise Baumstämme zu Balken zugehauen, aus denen dann Häuser bzw. Dachstühle für Kapellen etc. gemacht werden. Daneben gibt es eine große Vielfalt von Essensständen und die Luft duftet nach Maroni, Braterdäpfeln, Würsteln, Käse, Zuckerwatte, gebrannten Mandeln, Geselchtem, ach.

Auf dem Weg zum Bücherflohmarkt der Bibliothek und zur Volksschule kamen wir an einem Stand mit Alpakawolle und daraus gestrickten und gehäkelten Sachen vorbei, die auch drei Alpakas in einem Gehege hatten, die gestreichelt werden konnten. Sie mäh-määähten eher jämmerlich und taten mir leid. Alpakawolle streicheln ja bitte, Alpakas selber bitte auf der Weide lassen. Möh.

Gleich danach gingen wir durch eine Passage und dort war ein Stand mit Sachen aus Porzellan und Keramik, die mir ins Auge fielen.  Später besuchten wir den Stand noch einmal und ich plauderte mit der Frau, die ihn betrieb. Ich wollte eine Visitenkarte oder die URL ihrer Website, um zu sagen, woher ich die schönen Sachen hatte – hatte sie aber beides nicht. Dafür hat sie einen Brennofen auf dem Balkon, den sie allerdings nur betreiben kann, wenn es draußen warm ist, da die Balkontür für das Starkstromkabel offen bleiben muss.

Ich fand das cool. Gerade kürzlich hatte ich darüber nachgedacht, dass ich zwar viele Ideen für alles Mögliche habe, die ich aber selten und meist erst später ausführe und gleichzeitig Zweifel daran habe, ob die überhaupt so toll werden, wie ich mir das denke und ob die überhaupt Anklang finden und hier war eine Person, die einfach ihr Ding machte, ihre Ideen ausführte und die vor allem eines nicht wollte: Dass es zu ihrer Arbeit wurde. Ich sollte mir sie zum Vorbild nehmen, so wie ich gerade mit meinem Strickzeug hadere, weil ich wieder einmal viel zu viele Sachen für andere Leute geplant habe und mir damit unnötig Druck mache. Ich hätte jedenfalls gerne fast ihren gesamten Stand mitgenommen – auch ihre Schüsseln waren wunderschön, aber ihre feinen Porzellan- und Keramikanhänger und -schmuckstücke gefielen mir am Besten.

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Als nächstes wanderten wir durch die Volksschule. Viele der Aussteller_innen arbeiteten an weiteren Stücken – Keksausstechern, Wanderstäben, Glaskugeln, etc. Besonders gefallen haben mir die Glasmalerin, die Weihnachtskugeln mit Namen und Mustern bemalte und beglitzerte und der Stand der Blaudruckerei Wagner, einer der zwei Blaudruckereien in Österreich. Diese Druckerei ist im Mühlviertel und druckt auch zweifärbig. Die andere ist die Blaudruckerei Koo im Burgenland, über die ich schon einmal geschrieben habe. Aber es gab noch eine Menge anderer erstaunlicher Dinge, kunstvoll bemalte Lebkuchen, gedrechselte Holzschüsseln, Kugeln und Kreisel, “Explosionsboxen” – Papierschachteln, die beim Abnehmen des Deckels auseinanderfielen und ihr Innenleben preisgaben, z.B. ein Backherd mit Keksen im Lebkuchenhaus, gewebte Teppiche, gefilzte Hüte und Kleidung, Reisigbesen …

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Danach gingen wir in die Stiftskirche, die mir sehr bekannt vorkam, irgendwo hatte ich kürzlich eine Kirche mit ähnlichen barocken Verzierungen gesehen, aber mir fällt immer noch nicht ein, wo genau. Jedenfalls hat sie eine sehr schöne Tür und einen Altar, der mit getriebenem Silber verziert ist, umwerfend.

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Auch die Altarsäulen sind fantastisch, mit den kleinen Figuren auf den Ranken. Leider wollte die Smartphonekameras sie nicht so gut aufnehmen.

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Danach wanderten wir dann in die Neue Mittelschule, in der immer die Fotoausstellung des örtlichen Naturfreunde-Fotoclubs stattfindet. Dort waren auch Weihnachtsbäume zu sehen, die von verschiedenen örtlichen Volksschulen und Klassen der neuen Mittelschule geschmückt worden waren. Besonders gefielen mir der Duftbaum, der Wollbaum und der Recyclingbaum.

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Duftbaum der Volksschule Garsten

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“Wir arbeiten mit Filz” – Baum der Volksschule Aschach/Steyr

“Das Christkind liebt Recycling” – Neue Mittelschule Garsten

Schon beim Durchwandern und jetzt beim Schreiben nochmal wurde für mich überall die viele Arbeit sichtbar, die hinter dem Adventmarkt steckt. Wie viele Stunden saßen die Personen, die den Pfarrsaal mit Selbstgemachtem gefüllt hatten? Wer schmückte die Weihnachtsbäume, die in der Volksschule und anderswo standen? Wer machte die Torten für das Goldhaubenkaffee? Wieviele Leute da für Betreuung der Stände und Ausstellungen aus dem Ort organisiert waren – dank meiner Freundin blieben sie nicht irgendwelche Menschen, sondern ihre Verwandten, Kolleg_innen, Freund_innen. Die Musiker_innen, die sich hinsetzten und spielten, die Aussteller_innen, die an ihren Stücken arbeiteten, die Lehrer_innen und Kinder, die die Weihnachtsbäume vorbereiteten. Und dann noch die Menschen in der Vergangenheit – die, die die vielen lustigen und schönen Teile des Altars in der Stiftskirche fertigten, die Tür mit ihren Verzierungen schmiedeten, die Kirche renovierten und die Menschen, die unter den Nazis zum Bau der Staukraftwerke entlang der Enns gezwungen wurden …

Irgendwie finde ich, dass der Adventmarkt viele Spannungsfelder sichtbar machte. Die Gratwanderung zwischen Traditionalismus, Konservativismus, Tradition, regionalem Leben, Ortsleben und seine Erhaltung, den Stellenwert und die heutigen Umstände von Handarbeit und Handwerk, die Geschichte und Strukturen, die allem unterliegen und uns alle umgeben – drum war der Garstener Adventmarkt für mich nicht nur einfach “Yay, Weihnachten”-schön, sondern unglaublich spannend.

 

Design gegen Design

Noch bis zum 12. Juni ist im MAK, dem Österreichischen Museum für angewandte Kunst in Wien, eine große Ausstellung über Josef Frank mit dem Titel “Against Design” – Gegen Design – zu sehen. Obwohl sie in nur einem Raum stattfindet, ist sie so dicht und voll, dass sie fast dreimal besucht werden muss, um wirklich alle Aspekte des Werks von Josef Frank zu entdecken. Das MAK bietet jeden Dienstag zwischen 18 und 22 Uhr freien Eintritt <3 – nehmt aber möglichst kleine Taschen mit, wenn nötig/möglich, die Schließfächer sind rar und die Garderobe kostenpflichtig.

Gleich vorausgeschickt: Das Architekturzentrum Wien öffnet am 14./15. Mai nochmal das Haus Beer von Josef Frank – diesmal auch die oberen Stockwerke.

So, aber jetzt zur Ausstellung. Sie versucht verschiedenste Aspekte von Josef Franks Gesamtwerk unter einen Hut zu bringen – Möbel, Häuser, Stoffe, Stadtplanung, Publikationen –  und mit einer Fülle an Ausstellungsstücken schafft sie es. Sie schafft es auch noch Bezüge anderer Architekt_innen auf Franks Werk auszustellen. So beim Überlegen jetzt frage ich mich, ob hier verschiedene Gruppen von Studierenden an jeweils einem Teil arbeiteten. Anyway.

Der Raum, der für die Ausstellung verwendet wird, ist im 1. Stock des MAK hinten und ein wenig schlecht ausgeschildert. Er befindet sich in einem neugebauten Zubau und ist eine Halle mit hoher Decke, deren Grundriss (ich erinnere mich nicht mehr, ob nur für diese Ausstellung oder prinzipiell) ein nach rechts gedrehtes “U” hat. Beim Reinkommen bietet sich also die Wahl an, nach rechts oder links zu gehen. Rechts steht eine verführerische Ansammlung von Möbeln, dahinter dann Wände mit Fotos von Franks Wohnung in Wien und Möbel aus einer Wohnung die er für eine Familie gestaltet hat – noch nicht in seinem Stil, eher klobig. Aber Franks Möbel, die aufgestellt sind – Hocker, Sessel, Tische, Kommoden, Kabinette, Sekretäre – sind sehr hübsch.

Möbel von Josef Frank im MAK in Wien

Diese Sicht ergibt sich von einem eingebauten offenen Gang, dessen Aufgänge nach Entwürfen Josef Franks gebaut sind und der heutigen Bauordnung nicht mehr entsprechen. Daher ist der Gang nicht rollstuhlgängig und auch nur auf eigene Gefahr zu betreten. Zum Nachdenken darüber regen Plakate an. Das Interessanteste für mich oben auf dem Gang waren Vergleiche zwischen den Sesseltypen Josef Franks und Darwins Untersuchungen von Finkenschnäbeln – an der Form eines Sesselbeins kann bestimmt werden, aus welcher Schaffensperiode von Frank ein Sessel stammt.

Vor allem die Tische hatten es mir angetan – ich fand, sie sahen von oben aus wie Seerosenblätter.

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Josef Frank propagierte ein “natürliches” Design, die Dinge sollten irgendwie organisch wachsen, auch Wohnungseinrichtungen. Später propagierte er dann ein “Accidental Design” – ein zufälliges Design. Aber irgendwie widerspricht sich das für mich – Design ist eben kein Zufall. Und das “historisch Gewachsene” basiert trotzdem auf Entwürfen unbekannter Personen, es ist eben nicht natürlich oder organisch gewachsen, egal ob ein Möbel jetzt quasi aus einem quergelegten Baumstamm besteht. Der Gedanke, dass ein quergelegter Baumstamm ein Möbel sein könnte beinhaltet schon so viele Konzepte und so viel Geschichte, dass Natürlichkeit oder organisches Wachstum ausgeschlossen werden müssen. Die Verwendung von botanischen Elementen zur Gestaltung von Inneneinrichtung_sgegenständen ist ebenfalls nicht natürlich oder organisch gewachsen, aber ich schweife ab.

Jedenfalls fand Josef Frank das moderne Design von Adolf Loos oder den Designer_innen und Architekt_innen des Bauhauses mit seinen einfachen Formen und Kanten nicht so toll.

Zeichnung von Josef Frank, Vergleich Bauhaus- und alltägliches Design

Sehr kichern musste ich über seine Karikatur des Bauhaus-Designs – und ich fragte mich, was denn wohl mein Vater (großer Fan von Loos und Bauhaus) dazu gesagt hätte. Und was er dazu gedacht hatte, dass Loos sexualisierte Gewalt gegen Kinder ausübte – eine Tafel in der Ausstellung wies darauf hin. #CN sexualisierte Gewalt gegen Kinder für die Texte in der ZEIT und Presse.

Josef Frank war auch als Stadtplaner tätig und in der Ausstellung sind Entwürfe für ein New Yorker Stadtviertel zu sehen und seine Vorschläge für die Gestaltung des Wiener Stephansplatzes nach dem 2. Weltkrieg. Mir hat dieser am Besten gefallen: Eine echte Piazza für Wien. Ist es leider nicht geworden.

Entwurf Josef Franks für den Stephansplatz in Wien

In der Ausstellung gibt es eine Vielzahl an Architekturmodellen (alle mit Fotoverbot belegt), die bestehende Häuser und Entwürfe für Fantasiehäuser von Josef Frank darstellen. Wie zu der Zeit Mode haben sie großzügige Balkone, Terassen, Innenhöfe, viel Licht, viel Luft … hach. Was sich nirgendwo findet, sind Informationen zu Franks Frau, Anna Regina Sebenius, einer gebürtigen Schwedin. Nach Schweden emigrieren die beiden 1933, wo Frank schon bekannt ist, da er davor schon Häuser für schwedische Freund_innen geplant und realisiert hat. Auch seine spätere Lebensgefährtin Dagmar Grill, Cousine von Anna Regina, kommt nur deshalb vor, weil er in Briefen an sie 13 Fantasiehäuser geplant hat, von denen kleine Modelle und Aquarelle zu sehen sind.

Mit einem Foto ist wenigstens Estrid Ericson vertreten – Künstlerin, Gründerin und Besitzerin der schwedischen Möbelfirma Svenskt Tenn. Sie hat in der deutschen Wikipedia einen Eintrag von genau 2 Zeilen und keinen in der englischen. Dabei war sie es, die Frank einen fixen Arbeitsplatz bei Svenskt Tenn anbot und sie war nicht einfach nur die Besitzerin der Firma, sondern instrumentelle Partnerin für Frank. In der Ausstellung gibt es nicht einmal eine Biografie von ihr.

Genauso unsichtbar gemacht wurde Estrid Ericons Einfluss auf Frank. Auf einer recht versteckten Tafel ist ein Bild des Schlafzimmers von Carl von Linné zu sehen, der die Wand mit botanischen Zeichnungen tapeziert hatte. Estrid tat es ihm nach und beklebte die ihr Bett kojenartig umgebenden Holzwände ebenso mit botanischen Drucken. Josef Frank beklebte dann Möbel mit solchen Drucken. Daneben ein mit Schlangenleder bezogenes Kabinett.

Möbel von Josef Frank für Svenskt Tenn

Josef Frank hatte auch selbst großes Interesse an Botanik und Biologie und so sind viele der Tapeten, Stoffe und Möbel, die er für Svenskt Tenn entwarf mit Pflanzen, Früchten und Vögeln dekoriert. Eine Auswahl der Stoffe ist im MAK zu sehen – die hätte ich ewig studieren können.

Stoffe von Josef Frank für Svenskt Tenn

Stoffe von Josef Frank für Svenskt Tenn

In der Mitte mein Lieblingsstoff – wie Rosenkohl!

Vorhänge aus Stoffen von Josef Frank für Svenskt Tenn

In der Ecke explodierte es vor Buntheit und innerlich schrie ich “HABEN WOLLEN!” Später sah ich mir dann die Preise auf der Website von Svenskt Tenn an. Also Lottogewinn. Allerdings werden die Stoffe im Siebdruckverfahren hergestellt, mit mehreren Durchgängen für jede Farbe, ich verstehe also, warum sie teuer sind.

Estrid Ericson war auch hier oft Ideengeberin. Der Salon BeLLeArTi in Wien ist für die Ausstellung eine Kooperation mit Svenskt Tenn eingegangen – dort waren weitere Möbel, Stoffe und ein damit ausgestattetes Apartment zu sehen. Gezeigt wurde unter anderem ein Stoff, dessen Motiv Estrid Ericson in Kreta gefunden hatte, ein minoisches Fresko mit blauem Vogel. Josef Frank machte dann daraus ein Stoffmuster.

Im Salon BeLLeArTi konnte ich die Möbel und Stoffe aus der Nähe und mit weniger Menschen sehen. Ein paar Einblicke:

Kissen mit von Josef Frank für Svenskt Tenn entworfenen Stoffen bezogen

Tapeten von Josef Frank für Svenskt Tenn

Tapeten

Stoffe von Josef Frank für Svenskt Tenn

Stoffe (zuoberst ein deutliches Beispiel von cultural appropriation von chinesischen bzw. japanischen Motiven)

Und näher an die Möbel kam ich auch. Dieses hat es mir besonders angetan – Josef Frank hat hier ein gängiges Motiv für – puh, ich assoziiiere alles Mögliche, Zäune, Bettgestelle, Schränke, Fensterrahmen, ja Kleidung bzw. Verzierungen für Lederhosen und Lodenjanker – genommen und ein Kabinett draus gemacht, bei dem es bei mir im Kopf nur “Waow! Wa-ha-uw!” macht.

Kabinett von Josef Frank für Svenskt Tenn

Kabinett von Josef Frank für Svenskt Tenn

Welchen Einfluss Estrid Ericson, Josef Frank und Svenskt Tenn auf schwedisches Design hatten, kann an den Ikea-Kollektionen abgelesen werden. Gerade gibt es so viele Stoffe mit botanischen Zeichnungen bzw. eine der PS-Kommoden verdankt ihr Design eindeutig folgender Kommode (auch wenn die von Frank viel schöner ist):

Kommode von Josef Frank für Svenskt Tenn

Ältere Version einer Kommode von Josef Frank für Svenskt Tenn

Kommode von Josef Frank für Svenskt Tenn

Heute erwerbbare Version der Kommode

Und das war’s. Ich würde nun zu gerne eine Ausstellung über Estrid Ericson sehen …

Edited wg. Wortdopplungen, Formulierungen.

Aus der Schatzkammer der Königin Folge 1: esca

Nachdem meine Ohrringe und anderen Schmuckstücke immer wieder Anklang finden, plane ich, sie euch der Reihe nach vorzustellen – und wenn möglich auch wo ich sie erworben habe.

Ich beginne dabei mit meinem Lieblingslabel esca. esca, das ist ein Geschwister-Design-Trio, Phillip, Christina und Christoph, alle drei aus gestalterischen Richtungen kommend – z.B. Produktgestaltung von Keramik (Christina) und Werbegrafik (Christoph). Als Kinder haben sie schon viel gebastelt, seit 2007 Jahren gestalten sie nun Kleidungsstücke, Taschen, Schmuck und andere Accessoires.

Ich weiß nicht mehr wann ich das erste Mal auf ihr Geschäft in der Langen Gasse 19, 1080 Wien, aufmerksam geworden bin, war es schon 2008 oder 2009 oder erst 2010? Mir waren die schönen Ketten im Schaufenster aufgefallen und auch ein gewisser Pulli mit einer Elster, also ging ich hin und kaufte mir meine erste esca-Kette, das Schiff mit dem Anker, ein Design, das ich immer noch genial finde.

Schiffkette

Mein erstes Stück von esca – ich liebe den angehängten Anker, der beim Tragen auf- und wieder abtaucht.

Als ich dann 2011 meine Ohrlöcher stechen ließ, kamen Fischohrringe dazu, oft meine go-to-Ohrringe für wenn ich schwarz trage, ein kleiner weißer Ansteckhase, der lange keinen Platz fand, aber kürzlich hat er sich auf einem schwarzen Pulli heimisch eingerichtet, dann die passende Brosche zu den Fischohrringen, dann die schönste Quallenkette, Ankerohrringe und eine Schiffbrosche. Ach, und wunderhübsche Weihnachtsbaumanhänger. Dazwischen immer wieder Geschenke für Freundinnen, weil es bei esca so schöne Katzenohrringe gibt.

Fischohrringe und die dazupassende Brosche - gehören zu meinen Lieblingsohrringen.

Fischohrringe und die dazupassende Brosche – sie gehören zu meinen Lieblingsohrringen.

Da ich für eine Kolumne Fotos von der aktuellen Kollektion benötigte, fragte ich bei esca an, ob ich die Fotos gleich im Geschäft machen und vielleicht gleich noch ein Interview mit ihnen führen dürfte. Freundlicherweise haben sie zugestimmt und so habe ich mich mit Christina und Christoph unterhalten.

Hasenanstecker, klein, aber ein feines Detail.

Hasenanstecker, klein, aber ein feines Detail.

Anna: Wie lange gibt es euch denn eigentlich schon?

Christoph: Mein Bruder und meine Schwester haben vor ungefähr zehn Jahren mit Webdesign begonnen.

Christina: Den Shop so wie er hier ist, gibt es jetzt seit Dezember 2007, da haben wir eröffnet.

Anna: Das kommt ungefähr hin in meiner Erinnerung. Das heißt, ihr seid drei Geschwister?

Christoph: Genau.

Christina: Mein anderer Bruder ist auch dabei, der ist meistens am Vormittag da, weil er die Kinder vom Kindergarten abholt und betreut. Mit ihm habe ich eigentlich begonnen. Wir haben ursprünglich mit Webdesign angefangen, auch Druckgraphiken und solche Dinge, Folder usw. Dann (zu Christoph) bist du dazugekommen.

Christoph: Genau, da hab ich eigentlich meinen Bruder ersetzt, der Zivildienst machen musste und da haben wir irgendwann einmal festgestellt, dass wir gerne unsere eigenen Grafiken in der Hand halten würden und Probeshirts drucken lassen. Dann haben wir uns relativ schnell die erste Presse gekauft mit Flock- und Flexdruckverfahren und haben unsere eigenen Shirts in Kleinserien hergestellt.

Schiffsbrosche für wenn ich keine Kette tragen will - nur zum Anker bräuchte ich jetzt eigentlich noch farblich passende Ohrringe.

Schiffsbrosche für wenn ich keine Kette tragen will – nur zum Anker bräuchte ich jetzt eigentlich noch farblich passende Ohrringe.

Anna: Habt ihr einen eigenen Lasercutter für den Schmuck?

Christoph: Den lassen wir großteils in Deutschland anfertigen.

Christina: Genau, die Acrylsachen in Deutschland, die Holzdinge und Lasergravur bei den Brettchen und so machen wir in Wien bei der Laserbox, die sind da eigentlich ganz fix

Anna: Das heißt, der Schmuck ist aus Acryl?

Christoph: Genau. Wir verwenden hauptsächlich Acrylglas oder Holz für den Schmuck

Christina: Wobei wir jetzt mit dem Holz weitermachen wollen, damit es auch ein bisschen zu den ganzen fair produzierten und Biobaumwollshirts passt, das ist irgendwie das bessere Material, nicht so farbenfroh, aber es kommt immer darauf an, wie man es gravieren kann und so.

Anna: Ja, Holz erlaubt auch durch die verschiedenen Brennungsstufen mehr Schattierungen, das ist schon ganz cool.

Christina: Das stimmt, es funktioniert auch besser zum Gravieren.

Anna: Ich habe mir auch die Dachsköpfe angesehen, weil ich mir dachte: „Das ist neu.“

Christina: Bei den Dachsköpfen funktioniert das mit dem Acrylglas auch, es schneidet nur nicht ganz so sauber an den Kanten.

Besagter Dachskopf als Kette - im Geschäft fotografiert.

Besagter Dachskopf als Kette – im Geschäft fotografiert.

Anna: Ich wollte euch fragen – die Inspiration für die gegenwärtige Kollektion ist relativ offensichtlich, aber am Anfang habt ihr mit Hirschgeweihen und Schiffen gearbeitet, ich erinnere mich auch an Haie und die Hasen waren schon früh da – was hat euch inspiriert?

Christina: Ganz ursprünglich hatten wir eine Männchenserie, eine comicartige …

Christoph: … dann haben wir kreuz und quer geschossen und haben dann beschlossen, wir machen jetzt eine Linie, die wir durchziehen.

Christina: Wobei, diese Wasserlinie gibt es schon auch, die ist dann meistens saisonal, also, dass wir sie im Sommer dann wieder herauskramen oder adaptieren …

Anna: Ich habe mich sehr über die Qualle gefreut.

Christina: Christoph hat dann drei „Gentlemen of the Sea“ gemacht, einen Heilbutt, eine Seeschwalbe und – was war das dritte?

Christoph: Der Oktopus.

Christina: Oh, der Oktopus. Also, die Meer- und Wassermotive sind halt Sommermotive, beziehungsweise kommt es auch aus der Richtung, dass Christoph sehr gerne fischt, sehr viele Fischer- und Segelfreunde hat …

Christoph: Und Tauchen. Sehr wasseraffin, das Ganze.

Qualle

Wasseraffin bin ich eben auch – hier ist meine wunderhübsche Quallenkette von esca.

Anna: Und wie seid ihr dann auf die Märchen gekommen?

Christoph: Das war eigentlich ein reiner Zufall, ich habe gelesen, dass im nächsten Jahr das Gebrüder-Grimm-Jahr ist, das war 2013 und da habe ich mich hingesetzt und beschlossen, das Rotkäppchen zu gestalten. Das hat relativ lange gedauert, weil immer wieder irgendetwas nicht gepasst hat, wo man sich manchmal einfach verrennt und enorm viel Zeit braucht, so ein Motiv zu entwickeln. Aber dann, wie es dann da war, hat es eigentlich so viel Anklang gefunden, dass wir beschlossen haben, eine ganze Serie zu gestalten, mit Hänsel und Gretel usw.

Rotkäppchen-Windlichter in Kooperation mit feine dinge

Rotkäppchen-Windlichter in Kooperation mit feinedinge*, fotografiert im Geschäft.

Christina: Wobei aufgrund der ganzen Recherche für die Gestaltung kommst du einfach auf diese alten Bücher und da sind einfach extrem schöne Stiche und Drucke drin.

Anna: Ja, ich habe mir beim Schreiben der Kolumne gedacht: „Hm, was ist das für ein Märchen, das kenn ich gar nicht.“ Da sind auch ein paar obskure dabei, aber was ich an euch wirklich schätze, ist, dass ihr die Essenz herauszieht und einen Wiedererkennungseffekt habt – und zwar so einfach (von der Gestaltung her), das liebe ich sehr.

Christoph: Das ist das Schwierige. Du möchtest dann nicht 5000 Details auf einem Shirt haben, sondern es zusammenschmelzen, damit jemand, der das Märchen wenigstens ansatzweise kennt sagt: „Ah, das ist jetzt Blaubart!“

Christina: Hurleburlebutz!

Anna: Das habe ich z.B. überhaupt nicht gekannt, auch „Die treuen Tiere“ haben mir überhaupt nichts gesagt.

Christina: Das ist auch ein sehr schräges Märchen, wenn man sich das durchliest, die lassen sich nicht so gut wiedergeben.

Christoph: Es sind teilweise recht offene Geschichten, der Handlungsstrang ist ein bisschen verworren.

Die sechs Schwäne mit Verstärkung - fotografiert im Shop.

Die sechs Schwäne mit Verstärkung – fotografiert im Shop.

Anna: Was mögt ihr eigentlich selbst gerne? Welche eurer Stücke tragt ihr am liebsten, habt ihr zuhause eine eigene Kollektion?

Christoph: Ich mache mir schon oft Sonderfarben.

Christina: Weil die Farben, die wir oft wollen, dann nicht so großen Anklang finden.

Christoph: Es ist oft so, dass man selber einen anderen Geschmack hat, dass die Mehrheit – also gerade die Männer – lieber dezentere Farben tragen und ich habe schon ganz gerne manchmal etwas Schwarz-Weiß-Neonpinkes.

Anna: Ich würde mich für etwas Schwarz-Weiß-Neonpinkes sofort begeistern.

Christina: Die anderen Männer nicht, das ist ja das. Wir probieren manchmal etwas, eine Krake in Schwarz-Weiß-Neonpink, das hat bei Männern überhaupt nicht funktioniert.

Christoph: Ja, stimmt.

Christina (zu Christoph): Du hast sehr viel Wassermotive, das muss ich schon sagen. (Christoph trägt ein dunkelgraues T-shirt mit zwei schwarzen Oktopustentakeln.) Aber Rotkäppchen hat glaube ich jeder von uns?

Christoph: Ich bin auch ein großer Fan von den Tierköpfen, es ist manchmal ganz nett, wenn man unterm Sakko dann noch einen Gag hat.

Das Hurleburlebutz-Kleid mit Dachskopftasche - fotografiert im Shop.

Hurleburlebutz-Kleid mit Dachskopftasche – fotografiert im Shop.

Anna: Ich habe mich gefragt, ab welchem Zeitpunkt ihr erfolgreich wurdet, gab es einen Punkt, an dem ihr „in“ wart und ist es dann wieder abgeflacht?

Christoph: Ich würde sagen, seit der Märchenkollektion wird es stetig mehr, der Bekanntheitsgrad wird höher und es finden doch sehr viele Leute gut. Am Anfang, als wir noch so kreuz und quer geschossen haben, gab es immer wieder einmal ein T-Shirt, das gefiel und aufgekauft wurde, aber seit wir eine Linie gefunden haben, ist doch der Anklang bei weitem größer.

Christina: Gleichzeitig hatten die anderen auch sehr viele Schwarz-Weiß-T-Shirts mit Sprüchen und da haben wir unsere Sache weitergemacht mit den Märchen, das ist schon ein bisschen ein Kontrast, wenn jeder gerade die Schwarz-Weiß-Shirts hat, wenn da doch ein Motiv drauf ist.

Anna: Ich mag halt keine Sprüche, zum Beispiel.

Beide: Wir auch nicht.

Christina: Beziehungsweise sind wir auch schlecht beim Texten, deswegen täte ich mir schwer, irgendwelche Sprüche auf Shirts zu drucken.

Anna: Ich würde wahrscheinlich Lieblingswörter draufdrucken, aber ich finde das dann so definierend, während ein Bild viel mehrdeutiger ist. Habt ihr irgendwelche Marketingstrategien? Ich habe gesehen, dass ihr jetzt im 7. Bezirk in vielen Boutiquen vertreten seid und ihr seid immer beim Feschmarkt und solchen Sachen dabei, aber …

Christina: Wir kommen eher aus dem Gestalterischen, nicht aus der wirtschaftlichen Richtung. Unser Ziel ist im Moment, dass wir nicht nur in Wien Shops finden, die uns vertreiben, sondern auch in anderen Bundesländern zumindest. Über Dawanda funktioniert es ganz gut.

Christoph: Wir haben Dawanda und Etsy momentan und wollen es doch noch weiter fächern – man muss halt immer erst aussortieren, welche Shopsysteme sind gut, wie sind die Konditionen usw. und vor allem in welchen Nationen wird es dann hauptsächlich gekauft, wegen den Versandkosten.

Anna: Ich habe auch festgestellt, auf Dawanda habt ihr gar nicht alle eure Sachen eingestellt, ich nehme an, ihr testet auch dort, was sich verkauft und was nicht?

Christina: Genau. Es ist ein extremer Aufwand von allem immer Fotos zu machen, alles immer reinzustellen, dann haben wir eine Phase wo einer von uns fünf oder zehn Shirts reinstellt, aber …

Christoph: Wir lassen es dann auch auslaufen, wir haben sicher jedes Motiv schon einmal auf Dawanda stehen gehabt, nur die, die sich nicht gut verkauft haben, haben wir dann eingestellt, weil du zahlst auf Dawanda pro Stück –

Christina: Für die Einstellung, für drei Monate –

Christoph: Wenn ich das Shirt nie verkauft habe, dann werde ich es nicht noch mal auf Dawanda einstellen. Manche Sachen verkaufen sich zum Beispiel besser auf Märkten und manche besser hier im Shop und manche online. Zum Beispiel der Blaubart ist am Markt super, im Shop selber wird er meistens zwar angeschaut, aber so, dass die Leute dann auch sagen: „Den möchte ich jetzt anziehen,“ ist es dann nicht. Da ist das Publikum auch anders.

Zum Blaubartshirt perfekt passende Ketten und Ohrringe - im Shop fotografiert.

Zum Blaubartshirt perfekt passende Ketten und Ohrringe – im Shop fotografiert.

Anna: Kann ich bei euch auch eigene Kleidung mitbringen und sagen: „Ich möchte da gerne was draufhaben?“

Christoph: Ja. Das ist an und für sich kein Problem.

Anna: Ich habe nämlich in eurer Sommerkollektion die gestreiften T-Shirts mit dem Schiff gesehen und hatte davor dieselbe Idee, nur für mich, für ein Kleid.

Christoph: Die hatten wir auch einmal für Herren und Damen, aber ich weiß nicht, ob die noch produziert werden, diese Streifenshirts.

Christina: Das war vor zwei Jahren, bei dem einem waren sie dann aus und bei dem anderen hat das mit dem Nachliefern sehr lange gedauert.

Christoph: Das ist dann immer sehr schwierig, wenn eine Farbe, die wir sehr gern haben, eingestellt wird. Wenn man nicht selber produziert, muss man sich mit dem begnügen, was die Hersteller anbieten.

Ankerohrringe, damit sich die Schiffe nicht so allein fühlen.

Ankerohrringe, damit sich die Schiffe nicht so allein fühlen.

Anna: Habt ihr schon Pläne für die nächste Kollektion?

Christoph: Wir werden die Märchenkollektion weiterhin ausbauen. Eine große neue Schiene ist momentan nicht in Planung, sondern dass wir das mit den Tierköpfen und den Märchen weiter verfolgen.

Christina: Und dann ist da der Marketingplan. Auch in Wien sind wir nur im 7. Bezirk vertreten. Christoph hat vor Jahren bei Disaster Clothing angefangen, bevor wir den Shop hatten, die anderen haben wir über Märkte kennengelernt oder sie sind an uns herangetreten, also haben wir den 7. ziemlich abgedeckt, aber sonst müssen wir noch schauen. Wir möchten auch eigene Teile herstellen, bei den Kleidern und Röcken haben wir selbst den Schnitt gemacht, mit Schnittbogen gemeinsam. Wir haben auch an Krawatten gedacht, die aus einem Stoff nähen zu lassen.

Christoph: Bei den Kleinserien müssen wir halt immer schauen, wie rentiert sich das, kriege ich das an den Markt. Natürlich würde es sich erst rentieren, wenn du viele Abnehmer hast und das in einer größeren Produktion machen lässt, nur ist es dann wieder schwierig nachhaltig und fair zu wirtschaften, weil du möchtest es ja dann auch nicht irgendwo in Asien mit Kinderarbeit machen lassen.

Anna: Wo werden denn die Kleider produziert?

Christina: Also der Stoff ist über Lebenskleidung bestellt, das andere läuft eben über Schnittbogen, die haben eine Kooperation mit einer Mitarbeiterin in Bulgarien, die selber hin und herfährt und dort Näherinnen hat.

Weihnachtsbaumschmuck, den ich gleich zu Kettenanhängern umfunktioniert habe.

Weihnachtsbaumschmuck, den ich gleich zu Kettenanhängern umfunktioniert habe.

Anna: Gibt es irgendwas, was ihr selbst gern noch erzählen möchtet?

Beide: Nicht wirklich.

Anna: Dann herzlichen Dank für das Interview!

http://www.esca.at/

de.dawanda.com/shop/esca

Am Ende des Interviews durfte ich mir eine Brosche aussuchen - nun habe ich eine Walfrau.

Am Ende des Interviews durfte ich mir eine Brosche aussuchen – nun habe ich eine Walfrau. Vielen Dank, esca!

Die Stoffe auf den Fotos von meinen Schmuckstücken stammen alle aus der Berliner Filiale von Frau Tulpe.