Gstettn im Frühherbst

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Den Gstettnweg gehen und auf die Pflanzen achten, die – umgehobelt in der Mitte der Dürreperiode – darauf bestehen, wieder zu wachsen und nochmal zu blühen.

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Das heitert mich so 10 Zentimeter auf und die Sonne ist warm. Die Mundwinkel sind noch nicht gehoben und ich fühle mich stumm, als hätte ich mich leergeredet.

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Die Herbstfarben gefallen mir am besten, dort wo sie sind – auf der ungemähten Gstettn. Dort sollen sie bleiben. Was wohl mit dem Fasan geschehen ist? Kommt er wieder?

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Kommen die Worte auch wieder? Ich will heute Abend noch sprechen mit einem, der ein Stück meiner Geschichte kennt. Mit einem echtem Lächeln im Gesicht.

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Den Gedanken, dass die in einem kleinen Bereich stärker vorkommenden Blumenarten gehäuften Blumenstände sich aus dem Gras erheben wie kleine Städte kann ich sowieso weder beschreiben noch aufzeichnen und auf ein Foto bannen kann ich sie auch nicht, zumindest nicht mit der Kamera meines Smartphones.

Ganz ruhig tue ich heute also als wäre ich nicht ganz von Sinnen, als würde ich mich nicht lieber auf dem Sofa eingraben und über Worte wie “Völkerverständigung” nachdenken.

Und kurz vor der Arbeit hebt sich die Stimmung in vorauseilendem Gehorsam und es scheint zu klappen, denn mir wird gute Laune attestiert. Ich spiele also gut Theater.

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Ein ordentliches Grab

Das Grab hatte sich verändert. Um die immergrünen Büsche mit den roten Beeren rankten sich Ackerwinden, Löwenzahn hatte den weißen Kies und die große Steinschale mit dem Enzian besiedelt. Ein Ameisenhaufen war in der Mitte der Schale entstanden und überdeckte die Enziane langsam mit Erde wie blaue Leichen.

Hier war jemand gestorben: Die Person, die das Grab pflegte. In ein paar Jahren würde dieses Grab verschwinden, denn die Grabpflegerin lag nicht in dem Grab. War sie in einem Pflegeheim? Wenn nicht, wo war ihr Grab? Und warum hatte sie das Grab mit den Enzianen so lange gepflegt? Oder war es nur eine Grabpflegefirma gewesen?

Und warum stand ich hier? Ich kannte keine der Personen in dem Grab, ich kannte die Grabpflegerin nicht. Warum zog mich dieses Arrangement mit den grünen Büschen, dem weißen Kies und der großen Steinschale mit dem blauen Enzian an, seit ich den Friedhof das erste Mal betreten hatte, vor langer, langer Zeit?

Vielleicht weil der Kontrast zu unserem wilden Grab so groß war? Keine Enziane dort, aber Akeleien, Gras, junge Bäume, Rosen, Pflanzen von den Nebengräbern. Aber da wusste ich wenigstens, wer drin lag. Im Enziangrab lagen Unbekannte. Eine Lehrerin, ein Schuldirektor, noch jemand – mit unterschiedlichen Namen. Wer waren sie? Und warum wurde ihr Grab bis vor vier Sommern noch so sorgfältig gepflegt?

In dem Jahr in dem die Welt zusammengebrochen war, nahm ich den Löwenzahnausstecher und stach den Löwenzahn in der Schale mit den Enzianen und im weißen Kies aus. In einem Jahr, in dem es zu viel zu tun gab, pflegte ich das Grab. Heimlich. Mich umblickend, ob niemand mich sah. Löwenzahn und Ackerwinden in großen Büscheln wegschleppend. Ich pflegte ein fremdes Grab.

Doch war das rechtens? Wer lag in dem Grab? Waren es gute Menschen gewesen? Hatten sie Kinder geschlagen? Hatten sie Kinder mißbraucht? Waren sie Nazis gewesen? War nicht der Enzian auch irgendwie eine Naziblume? Oder zumindest irgendwie anrüchig ob seiner übermäßigen Verwendung auf Trachten? Hatte ich das Grab von Nazis gepflegt? Die Toten schwiegen und wollten nichts zu ihrer Geschichte aussagen. Enziane sind schöne Blumen. Was sollte ich tun. Ich wollte sie nicht den Löwenzähnen überlassen.

Es war die Schlichtheit und die Sparsamkeit, die Schnörkellosigkeit und die Eleganz. Grüne Büsche. Weißer Kies. Eine große, raue Steinschale. Blauer Enzian, so blau, wie ich ihn im Naturschutzgebiet im nächsten Tal gesehen hatte. Es war die Bewunderung, die ich für die Häuser in Architekturfotografien hegte, die schöne Leere der Villa Tugendhat, fast ohne Möbel, ohne Menschen, Kleider, Spuren, Spielzeug, Dreck, Bücher, Kochtöpfe, Wäschehaufen, Leben. Es war das Versprechen, dass am Ende des chaotischen Lebens ein ordentliches Grab steht.

Die Grabpflegerin ist gestorben. Das Grab ist wild.

Von Motten und dem Kater

Nach meiner glorreichen Rückkehr aus Hamburg ging es fast nahtlos weiter aufs Land.

Die Enns zeigte sich von ihrer schönsten Seite:

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Ok, ich hör schon auf. Dabei hätte ich noch 20 solche Bilder. Ich hätte sie ja auch lieber getwittert, aber ab einem gewissen Punkt irgendwo zwischen Oberösterreich und der Obersteiermark kann ich keine Bilder mehr senden. Dafür hab ich halt ein Blog.

So war’s bei meiner Ankunft:

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Und dann halt Landleben mit 10 Spinnen im Zimmer, Nachtfaltern, Blumen, Grillen, Verwandtschaft und Kater.

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Und ich so:

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Damit endet das Ferientagebuch. Für jetzt.