Sommerfrische 2016, Tag 5: Argh

Nicht der beste Tag heute, meine concern trollende Mutter hat mir den Tag vermiest.

image

In Spital am Pyhrn gibt es kein Felsbildermuseum mehr, aber eine pastellfarbene barocke Stiftskirche.

image

image

Das Beste war das Sprechen mit der einen Gästin, Tochter einer langjährigen Freundin meiner Mutter – wir haben viel gemeinsam & der Blick von Außen tut gut.

Und dieser hier, der mir gerade laut schnurrend & flauschig in den Armen liegt.

image

Sommerfrische 2016, Tag 4: Buaahhh

Hm. Heute haben wir das Haus für 2 Gästinnen vorbereitet & der Typ der Königinmutter kam zurück & ich wollte gerne nachhause. Aber noch 2 Tage voll netten Dingen warten, also …

Gerade frage ich mich, wo das Katzentier ist, denn der soll über Nacht natürlich drin sein, sonst rauft er sich wieder oder wird überfahren & es regnet auch. Hoffentlich liegt er in seiner Kiste.

image

Heute Nachmittag

Nach dem Essen kam er kurz schmusen, aber jetzt ist es zu belebt. Hm.

image

Morgen geht’s dann auf den Klostermarkt und zur Steinführung durch das Stift Admont.

Update: Tier sicher in seiner Rückzugskiste verstaut. \o/

Sommerfrische 2016, Tag 3: Blumen

Nachdem der Kater um halb sechs zum Schmusen kommt, schlafe ich wieder ein bis kurz nach zehn, das ist mir schon lange nicht mehr passiert.

Es folgt ein weiterer ruhiger Tag, ich bemühe mich um das Design eines Pullunders für Nibling1, recht erfolgreich. Tatsächlich würde ich den Pullunder sofort behalten, aber ich verwende ihn als Teststück für ein großes Exemplar.

image

Dazwischen beobachte ich den Kater, wie er vom Holzrost in die Wiese in den Schatten wechselt, je nachdem, wie heiß ihm ist.

image

Und die Blumen … ich vermisse das #teamrosaprinzessin ein wenig.

image

image

image

Dann finde ich Hinterlassenschaften von Zeitreisenden.

image

Das runde Zucchini betört mich mit seinen Streifen & kleinen Ranken – am Montag darf ich eines mitnehmen.

image

Und blau.

image

Sommerfrische 2016, Tag 2: Faulheit

Keine Fotos gemacht. Gelesen. Die Sonne und den Wind im Garten genossen. Meinen rechten Arm geschont, der war von der Schulter bis zu den Fingerspitzen beleidigt. Jetzt geht’s ihm besser.

Herr Schnurrkringel hat kahle Stellen am Kopf, eine Kruste auf der rechten Seite seines Mauls und ist bis am Spätnachmittag in seiner Rückzugskiste. Gestern hat er sich heftig gerauft. Als er dann endlich rauskommt, ist er fauchig und knurrig. Am Abend schauen wir Filme, endlich kommt er schmusen, aber seeehr vorsichtig. Er ist doch einfach zu alt für Kämpfe, armer Schnuckel. Also steht er jetzt unter Beobachtung …

Die Königinmutter und ich genießen die Ruhe, ihr Typ ist nach Wien abgereist, wir haben also bis Freitag kein Auto, das ist uns aber auch egal, der Supermarkt ist ja gegenüber. Am Freitag kommen auch noch weitere Gästinnen* und wir planen, was wir kochen werden. Zum Glück ist aber morgen erst einmal Donnerstag.

Sommerfrische 2016: Tag 1

Ich bin nur eine Woche hier, vergesse das aber dauernd. Fast hätte ich zu viel Strickzeug eingepackt. Diesmal fahre ich nicht direkt zur Königinmutter, sondern erst nach Steyr und treffe sie dort. Sie und K., die uns schon letzten Sommer in Steyr herumgeführt hat und mit der ich schon auf etlichen Eistouren in Wien war.

image

Leider gibt es Schaumschnitten nur am Donnerstag und am Sonntag. Nach dem Cafébesuch machen wir uns auf zum Museum Arbeitswelt Steyr, in dem gerade eine große Wanderausstellung zum Thema Zwangsarbeit im Nationalsozialismus zu sehen ist. Sie ist gut gemacht und umfassend, ein paar Aspekte hätten ausführlicher dargestellt werden können und sie könnte barriereärmer sein (keine Brailleschrift, viele Beschriftungen & Exponate nicht lesbar für Personen in Rollstühlen).

Besonders frappant war wieder einmal die Tatsache, dass unter der schönen Fassade – in Steyr, entlang der Enns und eben wirklich überall im ganzen Land – das Grauen steckt, wie in Berlin, nur dass die Orte dort bekannter sind und hier selbst meine sehr gut informierte Mutter nicht wusste, dass die Kraftwerke entlang der Enns von den Nazis initiiert und zunächst von Zwangsarbeiter_innen gebaut wurden. Heute werden sie als Zeichen des österreichischen Wiederaufbaus angesehen (wie bezeichnend).

image

Links die Steyr, rechts das Museum

Danach wanken wir erschöpft in einen Renaissanceinnenhof. Auf dem Weg zum Bahnhof esse ich Liebstöckel-Weichsel-Tomaten- und Honig-Mohn-Eis. Das erste ist ziemlich umwerfend, das zweite auch sehr gut.
image

Und schließlich kommen wir dort an, wo die Königinmutter wohnt, und Herr Schnurrkringel lässt sich in die Arme nehmen.

Malven blühen.
image

Zwetschgen-Schokolade-Marmelade

image

Ein Bild mit fünf Einmachgläsern voller Zwetschgen-Schokolade-Marmelade auf einem karierten Küchentuch, das Glas ganz rechts im Bild ist kleiner als die anderen und hat einen orangen Deckel, die anderen haben silberne Deckel.

Eigentlich wollte ich gar keine Schokolade in die Zwetschgenmarmelade werfen, aber die erste Partie ist mir angebrannt. Ich habe also die Marmelade in eine Schüssel geleert, den Topf geschrubbt und die Marmelade wieder zurückgeleert. Leider war der dunkelkaramellige Geschmack doch recht stark – nicht ungenießbar, aber nicht zur Marmelade passend. Ich wollte sie aber nicht wegschütten und hatte nichts zu verlieren – also schmiss ich Schokolade hinein und siehe da, die Marmelade schmeckte plötzlich köstlich.

Mein Rezept sieht ungefähr so aus: “Aus einer Steige Zwetschgen alle, die noch ok sind rauspicken, entkernen, backen, in Topf schütten, kleiner Berg Zucker, halbes Kilo Gelierzucker, eine Tafel und zwei Rippen Schokolade, abfüllen”. Das ist aber nicht sehr hilfreich, also habe ich es nochmal repliziert, um es genauer für euch aufzuschreiben.

Zuerst beschreibe ich die Zutaten und Zubereitung ausführlich, am Ende findet ihr die Zutaten & Anleitung in Kürze.

Zutaten & Werkzeug:

2 kg Zwetschgen – damit meine ich diese.

1 Tafel dunkle Schokolade – 70%, möglichst ohne Milch, dann ist die Marmelade vegan. Nehmt Schokolade, die euch wirklich gut schmeckt und testet sie vorher, ob sie euch z.B. in heißer Schokolade gut schmeckt. Ich bin ziemlich heikel, was Schokolade betrifft und habe deshalb extra in der Schweiz gekaufte Schokolade verwendet. Als Ersatz würde ich die 70- oder 80%ige dunkle Schokolade von Spar Premium empfehlen, die wird nämlich auch in der Schweiz hergestellt.

1 kg Gelierzucker 2:1. D.h. auf ein Kilo Gelierzucker kommen 2kg Früchte. Wenn ihr 1kg Früchte nehmt, dann reicht 1/2 kg Gelierzucker. Es gibt auch andere Gelierzucker (3:1 oder 1:1, z.B.), mit denen habe ich diese Marmelade aber noch nicht probiert. 3:1 (also 3 kg Früchte auf 1 kg Zucker) würde wahrscheinlich auch funktionieren, sonst gebt einfach noch etwas Zucker dazu, wenn euch die Marmelade zu sauer ist.

2 Zitronen oder 2 Teelöffel kristalline Zitronensäure – pro kg. Früchte 1 Zitrone oder 1 Teelöffel kristalline Zitronensäure.

1 Zitruspresse oder Früchte durch ein Sieb erst mit der Hand und dann mit einem Löffel auspressen.

1 großen Topf mit hohen Wänden – ja, leider. Nein, nur ein großer Topf reicht nicht, außer ihr macht nur die Hälfte des Rezepts. Marmelade kann beim wallend kochen sehr hoch steigen & der Topf dann übergehen. Lässt sich aber vielleicht von anderen marmeladekochenden Personen ausleihen.

1 Holzlöffel, je länger desto besser

Marmeladegläser mit Schraubdeckel – 2 kg haben bei mir 6 355ml-Gläser plus ein 125ml-Glas gefüllt, das sind also ca. 2,2 Liter Marmelade. Rechnet also ca. mit 2l Marmelade und schaut, dass ihr genug Gläser habt.

2 kleine Teller – einen für die Gelierprobe, einen zum Abstellen von Einmachtrichter und Schöpfkelle

2 frische Küchentücher

Nach meiner Einkochmethode braucht ihr noch 1 großen Topf (für das heiße Wasser) und 1 kleinen Topf (für die Deckel) – ich kenne nur die Methode; ansonsten bitte je nach eurer Erfahrung.

1 Schöpfkelle (mittel bis groß)

1 Einmachtrichter (lässt sich ev. auch von einkochenden Personen ausleihen) und eine Holzwäscheklammer, damit ihr den heißen Trichter gut halten könnt

1 Spaghetti- oder sonstige Holzzange (lässt sich ev. auch von einkochenden Personen ausleihen)

 

Anleitung:

Zwetschgen waschen, Stiele entfernen und entkernen. Falls ihr noch nie Zwetschgen entkernt habt: Der Stielansatz, also das Loch, wo der der Stiel drin war zeigt nach oben. Viele Zwetschgen haben eine Art Naht, die sollte entweder direkt zu euch schauen oder direkt von euch weg schauen. Haben die Zwetschgen keine Naht, dann haltet sie so, dass eine der schmäleren Seiten des Ovals zu euch zeigt. Mit beiden Daumen sanft aber nachdrücklich nahe am Stielansatz die Zwetschge in zwei Hälften aufdrücken, Kern entfernen, ev. schadhafte Stellen abschneiden, Zwetschgenhälften in den großen Topf werfen. Wenn ihr euch das nicht ganz vorstellen könnt, Youtube hat eine Menge an Tutorials, wenn auch anscheinend nicht für meine Methode (hab aber nicht zu lange gesucht, ob ich meine finde).

Wenn ihr schon ein paar Zwetschgen entkernt habt, dann presst die Zitronen aus und gießt den Saft über die Zwetschgen im Topf oder bestreut sie mit der kristallinen Zitronensäure und rührt um, so dass alle Zwetschgen in Kontakt mit der Zitronensäure kommen, das verhindert die Verfärbung/Oxidation ein wenig. Entkernt weiter Zwetschgen und rührt immer wieder um.

Wenn ihr alle Zwetschgen entkernt habt, fügt den Gelierzucker dazu und rührt gut um. Ihr könnt die Zwetschgen jetzt auch ein wenig ruhen lassen und alles weitere vorbereiten, denn wenn die Zwetschgen einmal auf dem Herd sind, dann könnt ihr nebenher nicht so viel machen.

Die Zwetschgen auf hoher Hitze und unter Rühren erhitzen, bis sie beginnen Saft zu ziehen. Dann Hitze herunterschalten und köcheln lassen, dabei alle 2-3 Minuten gut, aber sanft umrühren – heiße Marmeladespritzer können weh tun, also Schürze & wenn’s nicht zu heiß ist, lange Ärmel. So lange kochen lassen, bis die Zwetschgen weich sind und sich je nachdem (kommt auf die Sorte an) Schalen und Fruchtfleisch in Brei auflösen.

Alternativ lasst ihr das mit Zitronensaft und Zucker und werft die Zwetschgen in einen ofenfesten Topf oder auf ein tiefes Backblech und backt sie bei 180° für 30 Minuten im Ofen. Dann füllt sie vorsichtig! (eher schöpflöffelweise, weil heiße Zwetschgenspritzer tun weh und verschandeln die Küche) in den hohen Topf und fügt Zitronensaft/säure und Zucker dazu. Gut umrühren, auf dem Herd erhitzen.

Vorher bzw. währenddessen den kleinen Teller ins Eisfach oder in den Kühlschrank legen. Wenn ihr ihn vorher nass macht, geht es schneller. Die Spüle putzen, Stoppel einsetzen und mit heißem Wasser füllen. Die Marmeladegläser ohne Deckel im heißen Wasser versenken. Eine freie Fläche vorbereiten, auf die ihr den großen Topf stellen könnt, daneben ein sauberes Küchentuch ausbreiten und ein zweites sauberes Küchentuch dazulegen.

Einen großen und einen kleinen Topf mit heißem Wasser vorbereiten. Ist die Marmelade am Köcheln, die ersten Gläser aus der Spüle in den großen Topf geben und die Deckel in den kleinen. Das Wasser soll kochen. Den Einmachtrichter und die Schöpfkelle ebenfalls in den großen Topf legen, nach ca. 3-5 Minuten im kochenden Wasser wieder rausholen und auf das ausgebreitete Küchenhandtuch oder noch besser, einen Teller, legen.

Spätestens jetzt: Kleinen Teller ins Eisfach legen.

Die Marmelade nochmal hoch erhitzen und 4-5 Minuten unter vorsichtigem Rühren kochen lassen. Geliertest machen – dazu den Teller aus dem Eisfach oder Kühlschrank holen, einen guten Teelöffel Marmelade draufträufeln, etwas warten, mit dem Finger durchfahren. Bilden sich an der Oberfläche Runzeln, geliert die Marmelade gut.

Geschmackstest! Schmeckt euch die Marmelade? Ist sie zu süß? Dann noch ein wenig Zitronensaft oder Zitronensäure dazu. Ist sie zu sauer? Dann noch warten, bis nach der Schokolade, die fügt noch Süße dazu.

Zeit, die Schokolade einzurühren. Herdplatte abschalten, Schokolade in Rippen oder Stücke brechen und vorsichtig in den Topf geben (nicht werfen, das spritzt), Gut durchrühren, bis sich alle Stücke aufgelöst haben. Kosten – Süße bzw. Säure eurem Geschmack anpassen.

Jetzt geht es ans Einfüllen. Das soll rasch passieren, damit noch alles heiß ist. Den Topf auf den vorbereiteten Platz stellen. Mit der Spaghetti- oder anderen Holzzange ein Glas aus dem Topf mit kochendem Wasser holen, kurz über dem Topf abtropfen lassen, neben den Marmeladetopf stellen. Einmachtrichter drauf, mit der Schöpfkelle Marmelade bis ca. 0,5 cm unter den Rand einfüllen. Dabei darauf achten, dass keine Marmelade auf dem Rand des Glases ist, falls ja, dann mit Küchenrolle abwischen.

Passenden Deckel mit der Holzzange aus dem kleinen Topf mit kochendem Wasser holen, schnell aufsetzen. Mit dem bereitliegenden zweiten sauberen Küchentuch das Glas anfassen – Vorsicht, heiß! – und den Deckel fest zuschrauben. Glas mit dem Deckel nach unten auf das vorbereitete ausgebreitete Küchentuch stellen.

Nächstes Marmeladeglas in den Topf mit kochendem Wasser geben, neues Glas rausholen.

So weitermachen, bis alle Gläser gefüllt und der Topf leer ist. Habt ihr am Schluss zu wenig Gläser bzw. bleibt noch etwas Marmelade übrig, könnt ihr den Rest auch einfach in ein weiteres Glas oder in ein Schüsselchen einfüllen und über die nächsten Tage gleich essen. Dieser Rest hilft auch beim Beobachten des Geliervorganges – geliert der Rest, geliert auch die Marmelade in den Gläsern – und natürlich bei der Geschmacksprobe.

Nach ca. 1 Stunde sollte sich in den Gläsern ein Vakuum gebildet haben und alle Deckel “gespannt” sein, d.h., wenn ihr mit dem Finger draufdrückt, sollten sie nicht nachgeben. Falls doch, diese Gläser bald verzehren.

Je nachdem die Gläser umkehren, bevor sie ganz geliert sind. Die Gläser über Nacht auskühlen lassen. Wenn sie nicht schon bald nach dem Kochen geliert sind, am nächsten Tag schauen, ob es jetzt geklappt hat, dazu die Gläser etwas kippen und schauen, ob sich was bewegt. Ist alles noch ganz flüssig, noch etwas abwarten. Bei dieser Marmelade macht es allerdings nicht viel, wenn sie etwas flüssig ist.

Fertig! \o/

 

Zutaten und Anleitung in Kürze:

2kg Zwetschgen
1kg 2:1 Gelierzucker
1 Tafel dunkle Schokolade
2 Zitronen oder 2 Teelöffel kristalline Zitronensäure

Zwetschgen waschen, Stiele entfernen, entkernen. In großem Topf mit Zitronensaft/säure und Gelierzucker vermengen, unter Rühren erhitzen bis sie Saft ziehen, dann auf niedriger Stufe köcheln lassen, bis sie weich sind bzw. ein Brei entsteht.

Marmelade nochmals zum Kochen bringen, 4-5 Minuten kochen lassen. Abschmecken, Geliertest machen. Herdplatte abstellen, Schokolade in Stücken einrühren.

Heiß abfüllen.

Viel Spaß! Wenn ihr Fragen habt, stellt sie gerne in den Kommentaren.

Zum Anfang

15 Grad

Draußen hat es 15 Grad und ich erinnere mich an die Sommermorgen im Tessin und wünschte, ich wäre dort. Am Morgen war es immer kalt. Das Tal ist so eng, dass die Sonne das Haus erst spät erreicht. Manchmal sahen wir zu, wie der Schatten des Berges hinter uns langsam über den Schatten des Berges vor uns glitt, über den Fluss, immer näher ans Haus heran, bis die Sonne uns endlich erreichte.

Am Morgen mussten wir uns warm anziehen. Das Frühstück fand an einem riesigen Steintisch statt, draußen unter einer Pergola, die mit Americanareben überwachsen war. Die Küche und der Kühlschrank waren nicht weit, also halfen wir dabei, alles hinauszuschleppen, Geschirr, Joghurt, Obst, Butter, Aufstriche, Käse, Fleisch, Brot.

Um 9 Uhr erklang ein lauter Ton – der Beck war da, ein kleiner Wagen mit Verdeck, der Brot brachte, auch Milch, Joghurt und andere Notwendigkeiten, der nächste Supermarkt war weit entfernt. Es lohnte sich gar nicht, vor 9 Uhr zu frühstücken – fuhren wir einmal früher fort, zum Markt nach Bellinzona, dann frühstückten wir dort, im Café auf der Piazza vor der Kirche.

Die Luft duftete immer so. Sie duftet noch immer so. Die Brötchen dufteten auch immer so. Wenn der Tisch gedeckt war, kamen auch alle, Kinder und Erwachsene, und frühstückten gemeinsam. Wenn die Sonne kam, wurde es schnell heiß und alles leicht verderbliche wurde in den Schatten gestellt und wanderte mit.

Waren wir fertig, wurde alles wieder hinein getragen und dann wurden die Zähne geputzt und dann machten wir vielleicht kurz Pause, besuchten Katzen, lasen ein paar Seiten, aber eigentlich ging es dann an den Fluss, denn es wurde heiß, heiß, so dass die Fußsohlen brannten, wenn wir barfuß gingen.

Ich kenne noch jeden Schritt und die Wand des Berges vor uns, über 2000 Meter hoch, den Weg zum Fluss und die Felsen, von denen die größten noch so sind wie früher, aber sonst war vieles anders, als ich das letzte Mal dort war. Die Morgen rochen noch immer gleich.

Liebe und so Zeug

“It’s love.”, sagte ich auf Twitter, mit herzförmigen Pfingsrosenblättern hinter den Brillengläsern und schrieb dann ein wenig über Liebe, auf Englisch, weil mir Englisch emotional oft näher liegt. Die Tweets findet ihr an das Bild angehängt. Hier möchte ich meine Gedanken nochmal ein wenig ausführlicher und auf Deutsch aufzeichnen.

Es ist Sonntagnachmittag und ich könnte ca. 100 Dinge tun, von Haushalt über Stricken, Aufräumen, Kunst, Singen, Sport, Schlafen, Lesen, Rausgehen und Kombinationen von all diesen Tätigkeiten, aber eigentlich wäre jetzt der perfekte Zeitpunkt zum Kuscheln. Nur ist da keine Person, mit der ich kuscheln könnte. Wenn Liebe als romantische und sexuelle Liebe für eine oder mehrere Person_en definiert wird, war ich seit 2007 nicht mehr verliebt. So lange ist es her, dass ich eine Beziehung hatte.

Wird auch Freund_innenschaft als Liebe definiert, dann habe ich mich seit 2007 schon mehrmals ver- und entliebt und habe viele verschiedene Beziehungen. Manche Freund_innen haben mich auch verlassen oder ich sie. Meistens haben wir uns auseinandergelebt oder da war ein Konflikt, den ich nicht begreifen und lösen wollte_konnte.

Meine Mutter hat letztens gesagt, sie kenne viele junge Frauen, die alleine lebten und einfach keinen Partner fänden. Sie traf sich aufgrund eines Begräbnisses mit engen Freundinnen, deren Töchter zeitweise auch meine Freundinnen waren und diese Töchter waren nun alle Single. Kein Wunder, haben uns doch die Beziehungen unserer Mütter zur Genüge gezeigt bzw. zeigen sie noch, wie wir Beziehungen *nicht* haben wollten_wollen.

Ja, wenn ich an meine vergangenen Beziehungen denke oder an die, die ich so beobachte, dann weiß ich ganz genau, dass ich nie wieder allein zuständige Partnerin/Mutter/Therapeutin/Fitnesscoach/Freizeitorganisatorin/Managerin/Köchin/Dokumentarin/usw. usw. usw. sein möchte, ohne dass mein_e Partner_in auch seinen_ihren Teil zu einer Beziehung beiträgt. Ich schreibe hier absichtlich nicht nur “Partner”, aber meh, keine Ahnung & keine Lust, das jetzt aufzuschreiben.

Ganz klar vermisse ich körperliche Nähe und die viele Zeit, die ich mit einer Person verbringen möchte, die mich wirklich gut kennt. Ich verbringe ungeheuer gerne Zeit mit meinen Freund_innen, aber sehe die meisten von ihnen ca. einmal im Monat oder alle zwei Monate, wenn ich welche zweimal im Monat sehe, ist das schon viel. Da ich doch einige Freund_innen habe, sehe ich also jeden Monat ein paar davon und das ist doch nicht dasselbe, wie eine (oder mehrere) Personen zumindest ein-, zweimal die Woche zu sehen, ohne dass etwas auf dem Plan steht oder eben weil etwas auf dem Plan steht. Gemeinsames Übernachten ist auch was. Aber am Ende des Tages gehen wir alle immer alleine nachhause.

Auch was die körperliche Nähe betrifft – einerseits erwarte ich absolut nicht von meinen Freund_innen, dass sie meine Bedürfnisse in dem Aspekt stillen. Andererseits bin ich da auch einfach heikel. Bis mich Menschen anfassen dürfen, ohne dass ich das eigentlich lieber nicht möchte, müssen sie mich entweder schon länger kennen oder sie müssen mir sehr vertraut erscheinen. Mit den meisten Freund_innen, die ich schon lange kenne, fühle ich mich sicher. Umarmungen, Arm in Arm gehen, sich aneinander lehnen, das ist alles ok mit diesen Personen. Gestern hat eine Freundin meine Hand genommen, damit wir im Menschengewühl nicht getrennt werden und das war unerwartet schön. Aber bei den meisten Menschen bin ich absolut glücklich, wenn wir uns aus zwei Metern Entfernung zuwinken.

Ich fühle mich oft sonderbar, weil ich meinen tatsächlichen physischen Körper nicht mehr uneingeschränkt teilen möchte. Ich mag deshalb sicher nie zu irgendwelchen Events, egal wie empowernd sie sein sollen, wo mich fremde Menschen anfassen und Dinge wie Kuschelparties oder casual sex sind deshalb nichts für mich, auch wenn das sicher eine Lösung für die rein physische Vermissung von Nähe wäre. Ich finde das auch ok so.

Manchmal komme ich mir auch “schwierig” vor. Anspruchsvoll. Manchmal hat die Beste so Phasen, wo sie mir vorträgt, dass wir dann überhaupt keine Partner_innen finden. Aber ich bin nicht schwierig und was habe ich von einer Beziehung, in der ich mich verstellen oder die wirklich wichtigen Teile von mir verstecken muss? Die Person muss nicht alle meine Interessen teilen – gewisse Überschneidungen wären nett – aber wirklich wichtig wären gemeinsame politische Ansätze, die auch im Alltag ausgelebt werden.

Und ich bin voll mit Geschichte_n, so wie wir alle, die ich eigentlich teilen möchte. Deshalb dieser und andere Blogs, deshalb Twitter. Mittlerweile erzähle ich aber nicht allen Menschen alles über mich. Meist fehlt die Zeit dafür, aber meistens fühle ich mich auch einfach weird und ich habe Angst davor, dass ich dann zu weird erscheine und sich die Menschen wieder verabschieden von mir und dabei ein Stück mitnehmen. Je vertrauter ich mit Personen werde, desto schmerzhafter ist es, wenn sie sich von mir verabschieden, also warte ich lieber, bis ich das Gefühl habe, sie mögen mich zu sehr, als dass ich ihnen sonderbar vorkommen könnte. Aber ob so wirklich enge Beziehungen überhaupt entstehen können?

Die Absenz einer engen, romantischen, eventuell sexuellen Beziehung macht mich regelmäßig traurig, manchmal mehr, manchmal weniger. Aber gleichzeitig bin ich auch geduldig genug zu warten, bis eine Person kommt, die so eine Beziehung mit mir anfangen möchte. Und Warten ist für mich ok, denn einerseits traue ich mich (immer!) noch nicht wirklich, auf Personen zuzugehen mit meinen Wünschen nach Beziehung_en, andererseits muss eben nicht jede Beziehung eine romantische und dann auch eine sexuelle werden.

Meine Liebe gehört also meinen Freund_innen, meinem Kater und jeder Menge Medien und Objekten. Sie wabert um mich herum und umflauscht Graffiti, Blumen, architektonische Elemente, Essen, Eis, Farben, Kleidung, zufälllige Unbekannte und politische Bewegungen. Die Differenz zu meiner Einsamkeit als Teenie, als ich dachte, eine heterosexuelle romantische und sexuelle Beziehung wäre der Schlüssel zu meinem Glück, ist riesig. Manchmal denke ich mir: Hätte ich nur damals gewusst, was ich heute weiß! Und freue mich für die heutigen Kinder und Teenies, die Feminismus und andere emanzipatorische Ansätze im Internet und anderen Medien entdecken können und so weniger Druck verspüren. (Klar, in der Schule wäre das wirklich noch besser. Es gibt noch viel zu tun.)

Ich vermisse immer noch dieselben Dinge, aber es ist voll ok so wie es ist. Wahrscheinlich wären konkrete Ansätze (gemeinsames Wohnen, verdammt!) und ein wenig Initiative auch nicht schlecht (aaahhhh Angst!). Aber ist mein Leben voll Liebe? Ja. Von dieser einen, spezifischen Liebe abgesehen.

Zum Beispiel Luise

Der Twitteraccount @BitchFlicks, dem ich folge, fragte letztens, in welchem Film, bei dem eine Frau Regie führte, wir uns ganz repräsentiert sahen. Nun, für mich jetzt gibt es (noch) keinen solchen Film – und auch kein solches Buch und keinen Comic und kein Lied.

Aber es gab einmal ein Buch. Bei meinem Aufenthalt auf dem Land stöberte ich in der Kiste mit Fotos aus dem Fundus meines Vaters und fand dieses – aus einer Serie von drei Bildern.

image

Hier bin ich ca. 6 Jahre alt, vielleicht ein wenig älter oder ein wenig jünger und lese wahrscheinlich zum ersten Mal “Das doppelte Lottchen” von Erich Kästner. Und wenn mich eine Figur in einem Buch jemals repräsentierte, dann war das Luise, die wilde Zwillingsschwester.

Als ich meiner Mutter einmal erzählte, dass dies mein Lieblingsbuch von Kästner sei, meinte sie, es wäre ihr zu seicht. Aha. Ausgerechnet das einzige Buch Kästners in dem zwei Mädchen die Hauptrolle spielen nahm sie als seicht wahr. Die Parallelen zwischen mir und Luise und dass mir deshalb das Buch so wichtig sein könnte, sah sie gar nicht.

Luise hatte wilde, blonde Locken – ich auch, wenn auch kurze. In meinen Bilderbüchern gab es nicht so viele Figuren mit blonden Locken. Ronja Räubertochter kam erst später, auch eine wichtige Identifikationsfigur, aber wenig mit der Realität verknüpft.

image

Sie wohnte in Wien – und dorthin war meine Familie vor kurzem übersiedelt. Ich hatte zu dem Zeitpunkt kein einziges anderes Buch, in dem eine Figur in Wien wohnte – die von Christine Nöstlinger kamen erst später.

Luise aß für ihr Leben gern Süßes und besonders Palatschinken, die sie immer aß, wenn sie mit ihrem Vater ins Hotel Imperial ging. Meine arme Mutter mag süßes Essen gar nicht, weil ihr Bruder es sehr mochte und als sie klein waren, durfte er immer den Speiseplan bestimmen. Meine Großmutter machte also Palatschinken für meinen Bruder und mich und meine Mutter konnte auch manchmal dazu bewegt werden. Ach, Palatschinken. Muss ich bald wieder machen.

Noch etwas verband mich mit Luise: Sie haute andere Kinder. Manchmal gerechtfertigt, manchmal ungerechtfertigt. Ich prügelte mich mit meinem kleinen Bruder und meine Eltern unterbanden das nicht (würde ich heute unbedingt). Dabei blieb sie trotzdem eine sympathische Figur – auch das kommt in der Kinderliteratur selten vor (zurecht).

Ob bei all dem die Scheidung der Eltern der wichtigste Aspekt war, weiß ich nicht. Aber meine Eltern waren auch geschieden und ich hatte kein einziges anderes Buch, in dem solche Eltern vorkamen. Meine Eltern waren dabei noch spezieller, sie wohnten in Wien erst noch zusammen, dann in einem Haus, auf einer Etage, in zwei Wohnungen (wie im Doppelten Lottchen am Ende mit dem Atelier nebenan).

Aber egal wie sie wohnten, denn das war eher nebensächlich, sie waren den Eltern von Luise und Lotte ungeheuer ähnlich: Mein Vater, der große Künstler (Architekt, nicht Dirigent), meine Mutter, sehr beschäftigt mit ihrer Arbeit mit behinderten Kindern (nicht Journalistin). Es ist schon erkennbar: So privilegiert wie Luise aufwuchs, wuchs auch ich auf.

Nur ein Fräulein Gerlach gab es erst später, die Freundin meines Vaters zu der Zeit war sehr nett und interessierte sich sehr für meinen Bruder und mich.  Mein Bruder war auch nicht mein Zwilling, aber wir hatten doch zwillingsähnliche Eigenschaften. Dass meine Eltern sich wieder in einander verlieben würden, war sehr unwahrscheinlich, ich habe es mir auch nicht gewünscht. Und ich mag Katzen lieber als jeden Mops. So weit gingen die Parallelen zwischen mir und Luise doch nicht. Aber es gab genug. Und so hieß dann auch meine zweite Puppe Luise … und es ist ein schöner Name für ein Kind.

Am Land, Tag 1,5

image

Es ist das erste Mal, das allererste Mal, dass ich ganz alleine, nur mit dem Kater, im Haus der Königinmutter am Land bin. Sie ist dafür in der Stadt, in meiner Wohnung. Sie hat Konferenz. Ich hüte den Kater, denn die Renovierungsarbeiten in Wien mag er nicht.

image

Es ist ein wenig abenteuerlich zur Zeit, denn aufgrund eines Wasserrohrbruchs ist das Wasser die meiste Zeit abgedreht. Nur morgens und abends, zum Auffüllen der Klospülungen und sonstigen Wasserbehälter, zum Duschen und Abwaschen wird es kurz angedreht, draußen am Haupthahn der beim Gartentor ist.

image

Gerade habe ich eingeheizt – ich bin in den Alpen und es regnet gerade viel, außerdem soll das Haus nicht auskühlen – und muss nun in der Küche warten, bis das Feuer sich gut eingebrannt hat. Außerdem habe ich Hunger. Um Wasser zu sparen könnte ich auf das Duschen verzichten, aber da hier die Menschen spontan vorbeischauen, ist es klüger, ich wasche mich.

image

Gerade habe ich den Toast angebrannt. Es gibt hier sogar ein altes eisenes Toastgestell, das auf den heißen Holzherd gestellt werden kann, aber wie die meisten Dinge muss es erst einmal von Spinnweben befreit werden. Also nutze ich halt den Toaster. Brennt der Ofen gut? Ja. Es ist nur ein kleiner Küchenofen, aber es reicht eine Füllung, ein Holzbrikett, und die Küche ist warm.

image

Der Kater spaziert draußen herum, aber in Hausnähe. Am Samstag begann er plötzlich zu hinken, dann lief er wieder ohne Hinken. Gestern tastete ich ihn wiederholt ab, einmal knurrte und biss er, einmal beim Schmusen murrte er wie ein Leopard und ich stellte fest, dass es das linke Bein war. Später am Abend nochmal und – nichts. Heute morgen lief er flink die Stiegen hinunter und ging so wie immer. Also was jetzt?

image

Der nächste Tierarzt liegt über den nächsten Hügel, mit dem Auto eine halbe Stunde entfernt. Ich habe kein Auto und könnte es auch nicht fahren. Also den Kater beobachten, bevor ich anrufe, um eine Visite auszumachen. Ist es der viele Regen, das viele Liegen? Hinkt er dann mehr? Murrt er vielleicht nicht, aber atmet er flach, wenn ich sein Bein abtaste?

image

Zu tun habe ich – nicht viel und doch einiges. Die Maiglöckchen umsetzen, denn ihr Beet wird bei der Reparatur des Wasserrohrbruchs aufgegraben. Eine Kiste mit wichtigen Papieren suchen, die meine Mutter irrtümlich mitgenommen haben könnte. Spazierengehen, Schnecken von den Lupinen fernhalten, Stricken, Kater schmusen und noch so Dinge.

image

Aber erst mal sitze ich draußen, die Füße in der Sonne, mit Strickzeug und E-Reader und frage mich, wo der Kater ist. Wahrscheinlich irgendwo, im Haus oder draußen, schlafen oder Katzenfreund_innen besuchen.