20 Schichten weniger

Du performst dich.
Ich performe mich.
Aber mit 20 Schichten weniger.
Wir kennen ein paar unserer wunden Punkte, gemeinsame, andere.
Wir müssen nicht wach und/oder gut gelaunt sein, cool oder schön, wir können, wir sind.
Wir kennen unsere Augenringe, unsere Memes, unsere wortlosen Geräusche.
Ich wäre zwar gerne wacher und aufmerksamer, weil manches untergeht, nicht nur in meinen müden Ohren (ich rede schon wieder zu viel), aber wir werden noch viel Zeit haben, denke ich, hoffe ich.
Von manchen Fragen weiß ich schon, dass ich sie stellen kann, stellen möchte, auch wenn ich mich manchmal noch nicht traue, dann stelle ich sie eben nach dir.
Manche Worte stolpern mir noch ungelenk über die Lippen, oft gelesen, manchmal gedacht, selten geschrieben, nie gesagt – bis jetzt.
Aber manches müssen wir gar nicht aussprechen, weil wir wissen, was gemeint ist.
Anderes sprechen wir aus, weil wir es sagen wollen.
Natürlich ist es ein Performen. Aber ich muss nicht so viel.
Ich hoffe, du auch nicht.

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Zwei Schürzen

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Ich brauche mehr Schürzen.
Er lacht.
Schürzen, wie unglaublich antiquiert.
Schürzen, wie unglaublich unzeitgemäß.
Ich schürze die Lippen,
Ich schürze die Ärmel,
Ich schürze die Röcke
Und laufe davon.
(Vom 23.3. 2013)

Das nur als Einstieg.

Ich erkannte heute, warum ich Schürzen so liebe: Wenn ich eine Schürze trage, muss ich nicht aufpassen, dass ich mich anpatze (= ankleckere). An einer Schürze kann ich mir ungeniert die Hände abwischen, ich kann mit ihr andere Dinge abwischen, egal was an ihr hängen- oder klebenbleibt, das ist ihr Zweck.

Dann erkannte ich, dass ich es mir eben gar nicht leisten kann, meine restliche Kleidung so zu behandeln. Dafür wurden Schürzen erfunden: Zum Schutz. Weil es sich nur ganz wenige leisten konnten, ihre Kleidung permanent dreckig zu machen. Wenn die große Wäsche sehr umständlich ist und Kleidung sehr teuer, muss darauf gut geachtet werden. (Daher auch alle möglichen “Schoner”, wie Hemdenschoner, permanente Flick- und Stopfarbeiten, Umarbeitung in andere Kleidungsstücke … eine lange Geschichte.)

Dazu kommt dann der Druck permanent sauber und wohlriechend zu sein. Beflecktes Gewand bedeutet Armut. Es ist nicht “normal”. Jemand mit beflecktem Gewand kann sich entweder nicht darum kümmern, möglichst schnell wieder der Norm zu entsprechen oder – gefährlich – will der Norm aus verschiedenen Gründen nicht entsprechen.

Diese Sauberkeitsnorm wirkt schon im Kleinkindalter. “Mach dich nicht schmutzig!” Buben dürfen dreckiger und länger dreckig sein als Mädchen. “Echte Männer” dürfen dreckig sein, Frauen* müssen möglichst sauber, glatt und hell sein. Auch innen: Entschlackung (Detox), Blut- und Darmreinigung (Fasten, probiotische Dingsdas, Joghurt), Vaginalduschen (unnötigst).

Trotzdem dürfen wir als Kinder und Jugendliche zuletzt ungestraft herumpatzen mit allem, bis (Mit dem Essen spielt man nicht!) keine Ausrede (Wie siehst du denn aus!) mehr möglich ist (Du schaust ja aus wie ein Schweinderl!) und Dreck, wenn nicht ganz, dann in die Freizeit verbannt wird (Koch-, Töpferkurs oder Fangopackung gefällig?). Und kneten wir unseren Biobrotteig nicht mit der Hand, das dauert doch so lange …

Bis auf die Menschen, die weiterhin die Drecksarbeit machen müssen. Dabei tragen sie manchmal weiterhin Schürzen oder Schurze über der Arbeitskleidung. Und an den einen sehen wir verächtlich hinunter, weil sie mit echtem Dreck in Berührung kommen, an den anderen sehen wir bewundernd hinauf, weil sie noch mit den Händen arbeiten.

Schließlich: Der einzige Grund, warum ich mich so oft anpatze, ist dass ich meinem Essen nicht mehr volle Aufmerksamkeit schenke. Ich will aber nicht permanent eine Schürze tragen. Das käme Dirndln (Trachten) gefährlich nahe … (in Erinnerung an das #dirndlgate vom 24.9. 2013).

Anyway. Ich habe 2 Schürzen. Es werden sicher noch mehr werden.

Vom Mond der sich im Wasser spiegelt

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Ich habe schon genug davon
Zu mir so liebevoll zu sein
Davon dass nur eine Maschine
Mir Liebeslieder singt
Die halb Beschwörung halb Gebet
Relikte sind aus Tagen
Die ich zu meinem Glück
Schon längst vergaß
Und ja nicht wiedersehen will.
Zum Mond der sich im Wasser spiegelt
Heult kein Hund, warum sollte er
Das Ding das darin schwimmt
Das ist schon tot,
Das gibt es auf der Erde nimmermehr.

Ein ordentliches Grab

Das Grab hatte sich verändert. Um die immergrünen Büsche mit den roten Beeren rankten sich Ackerwinden, Löwenzahn hatte den weißen Kies und die große Steinschale mit dem Enzian besiedelt. Ein Ameisenhaufen war in der Mitte der Schale entstanden und überdeckte die Enziane langsam mit Erde wie blaue Leichen.

Hier war jemand gestorben: Die Person, die das Grab pflegte. In ein paar Jahren würde dieses Grab verschwinden, denn die Grabpflegerin lag nicht in dem Grab. War sie in einem Pflegeheim? Wenn nicht, wo war ihr Grab? Und warum hatte sie das Grab mit den Enzianen so lange gepflegt? Oder war es nur eine Grabpflegefirma gewesen?

Und warum stand ich hier? Ich kannte keine der Personen in dem Grab, ich kannte die Grabpflegerin nicht. Warum zog mich dieses Arrangement mit den grünen Büschen, dem weißen Kies und der großen Steinschale mit dem blauen Enzian an, seit ich den Friedhof das erste Mal betreten hatte, vor langer, langer Zeit?

Vielleicht weil der Kontrast zu unserem wilden Grab so groß war? Keine Enziane dort, aber Akeleien, Gras, junge Bäume, Rosen, Pflanzen von den Nebengräbern. Aber da wusste ich wenigstens, wer drin lag. Im Enziangrab lagen Unbekannte. Eine Lehrerin, ein Schuldirektor, noch jemand – mit unterschiedlichen Namen. Wer waren sie? Und warum wurde ihr Grab bis vor vier Sommern noch so sorgfältig gepflegt?

In dem Jahr in dem die Welt zusammengebrochen war, nahm ich den Löwenzahnausstecher und stach den Löwenzahn in der Schale mit den Enzianen und im weißen Kies aus. In einem Jahr, in dem es zu viel zu tun gab, pflegte ich das Grab. Heimlich. Mich umblickend, ob niemand mich sah. Löwenzahn und Ackerwinden in großen Büscheln wegschleppend. Ich pflegte ein fremdes Grab.

Doch war das rechtens? Wer lag in dem Grab? Waren es gute Menschen gewesen? Hatten sie Kinder geschlagen? Hatten sie Kinder mißbraucht? Waren sie Nazis gewesen? War nicht der Enzian auch irgendwie eine Naziblume? Oder zumindest irgendwie anrüchig ob seiner übermäßigen Verwendung auf Trachten? Hatte ich das Grab von Nazis gepflegt? Die Toten schwiegen und wollten nichts zu ihrer Geschichte aussagen. Enziane sind schöne Blumen. Was sollte ich tun. Ich wollte sie nicht den Löwenzähnen überlassen.

Es war die Schlichtheit und die Sparsamkeit, die Schnörkellosigkeit und die Eleganz. Grüne Büsche. Weißer Kies. Eine große, raue Steinschale. Blauer Enzian, so blau, wie ich ihn im Naturschutzgebiet im nächsten Tal gesehen hatte. Es war die Bewunderung, die ich für die Häuser in Architekturfotografien hegte, die schöne Leere der Villa Tugendhat, fast ohne Möbel, ohne Menschen, Kleider, Spuren, Spielzeug, Dreck, Bücher, Kochtöpfe, Wäschehaufen, Leben. Es war das Versprechen, dass am Ende des chaotischen Lebens ein ordentliches Grab steht.

Die Grabpflegerin ist gestorben. Das Grab ist wild.

Maybe your new favorite show: Miss Fisher’s Murder Mysteries

Travel is fun. You meet people, you learn new things. My brother’s mother in law told me about this series with a “lady detective” set in the 1920s who takes children under her wing and has two henchmen and likes the police inspector, but is man crazy.

Sounds promising, no?

Well. This show is even more awesome than that. Meet Phryne Fisher, a newly rich woman (First World War wreaking havoc on family lines), who has returned to Melbourne, Australia, to live there. She has fabulous modern clothes, drives cars, flies planes, shoots with a gold-plated pistol, speaks Russian and Chinese, knows judo and handles knives quite well. She also likes a drink and handsome lovers, doesn’t like her Aunt Prudence, marriage and children. Soon after her arrival in Melbourne, she is drawn into a case and starts sleuthing. Pretty soon, she decides to be a “lady detective”.

Pretty much by the first three episodes we have our main cast, Phryne’s friends, the people she picks up and works with. There’s Dot, a housemaid, at first afraid of electricity, but by the end of the series a confident woman who detects right alongside Phryne. There’s Jane, an orphaned pickpocket who develops a taste for books and history. Mr Butler, the best butler, always there with a stiff drink when Phryne needs one. Cec and Bert are the “henchmen” Phryne picks up in the first episode, former soldiers, they drive a cab together and also work at the wharf. Bert is a bit of a radical. They work for Phryne when she requires them – as spies, drivers, and to protect her family. Then there’s Dr. Mac, a female doctor and Phryne’s best friend, who works at the Women’s Hospital and teaches women about “family planning”. And there’s Aunt Prudence who can be annoying, but has her own troubles and is pretty good at smoothing things over with the high society.

On the side of the law, there’s Hugh Collins, sergeant, who is still learning the ropes and develops a thing for Dot, and (very handsome, in a very understated way, oh boy!) Detective Jack Robinson. At first wary of Phryne, they come to appreciate her considerable talents. Still, they try to keep her out of crime scenes – but Phryne is much too clever for them. The relationship between her and Jack is like in those old screwball comedies – a good-natured cooperation between equals with bickering and jokes, which is much more about friendship than “they are so much in love but can’t be together” (yes Castle, I am looking at you).

Anyway, I’m not going to describe every episode in the series. It is actually a book series by Kerry Greenwood (here’s the homepage), which I’ll also give a try, to see how it compares. It was then turned into a TV series by ABC1, created by Deb Cox and Fiona Eagger (link to Wikipedia article). Apparently, a second season is in production (yay!).

What I’ll tell you is this: watch it. Watch it and find a series that doesn’t shy away from contraception and (clutch your pearls now) an intelligent, “modern” woman who enjoys flirtation and sex with handsome men. The cases aren’t all about high society, Phryne always stands up for the people who get hurt by high society’s actions and tries to help women whereever she can.

There’s also a diversity to the plots – it’s not just about straight white people (except in this first season there aren’t any Indigenous Australians). There are gay couples, lesbian couples, a Chinese businessman and his wife, who, far from demure, is just as good a fighter as he is, Russian immigrants, a Jewish community, and so on. Some plots I would have liked to have been a tiny bit different, but on the whole, this is far more diversity than your average whodunit show has.

And there are working women. Women working as journalists, doctors, in factories, holding together empires, trying to make ends meet. All ages. All sizes. Wearing all kinds of clothing. Phryne herself isn’t model thin and when the camera comes in for a close-up, you can (shocking!) see the lines around her eyes. Finally. And while women are also victims of murder in this show, there is no overemphasis on rape or battery.

There are tragic backstories – everyone has one, World War One having only ended a few years ago, so even the guys are suffering, but the backstories are never oppressive, drawn out or too maudlin. As I already said, the show is quite frank. But there is never nudity just for the sake of it (and it’s rare), the sex scenes are done tastefully (aftermaths, mostly, since this show is about solving crimes) and Phryne never wears a bra during or after sex (particular pet peeve of mine).

Finally – the clothing. The furniture, the tableware, the houses, the cars. All done extremely well. And the music. The show always ends with a lovely 1920s tune, so I always want to watch to the end. If you love the jazz age, you’ll love this show. And if you want a show about a fabulous female detective, well, here you are.