Vom Femcamp zum Fettcamp – Zur fat activism-Session

Yay Femcamp! Will ich dort Sessions halten? Zu welchem Thema? Soll ich lieber ein Thema nehmen, bei dem ich mich toll auskenne oder eines, bei dem ich persönlich betroffen bin und über das ich mit anderen reden möchte? Kann ich auch zwei Sessions abhalten oder nehme ich dann zu viel Raum ein? Fragen über Fragen. Am Ende hielt ich beide Sessions, die erste zu fat activism.

Fat activism ist ein Thema, das mich schon vor meiner aktiven feministischen Phase, vor meiner Anmeldung auf Twitter bewegt hat und da fat activism und fat acceptance immer wichtigere Themen im feministischen Kontext werden, wollte ich auf dem Femcamp gerne darüber reden. Ich hatte mich nicht sonderlich vorbereitet, sondern wollte vor allem mit anderen Menschen sprechen und wissen: Wie kamen die dicken (ich benutze lieber das Wort dick als fett) Menschen am Femcamp zum fat activism, was motiviert sie, was war für sie der Punkt bzw. die Inspiration dazu, sich gegen die negativen Zuschreibungen zu wehren, sich Raum zu nehmen, sich nicht mehr zu entschuldigen und das normative System, das dicke Menschen diskriminiert zu kritisieren und anzugreifen?

Vorher überlegte ich, ob ich die Session nur mit dicken Menschen abhalten wollte – denn wir sind zwar alle von bodyshaming betroffen, aber fatshaming ist ein eigener Aspekt davon. Ich entschied mich dann aber, eine offene Session abzuhalten, mit der Bemerkung, dass diese dickenzentriert sei. Im Nachhinein weiß ich nicht, ob ich die Session nochmals so wiederholen würde – ev. würde ich mich nochmals mit den Teilnehmer_innen* abstimmen, ob das auch wirklich alle wollen, wobei es in einer Gruppensituation bzw. vor Publikum schwierig ist zu sagen “Nein, das möchte ich nicht.” Andererseits kann in 45 Minuten nicht sehr viel besprochen, sondern immer nur angerissen werden – und für manche Menschen war es vielleicht das erste Mal, dass sie von fat activism hörten. Wieder andererseits sind dicke Menschen auch nicht dafür da, Erklärbär_innen* zu spielen … tja, das ist etwas, das wir noch besprechen können/sollten.

Ich sprach jedenfalls von der amerikanischen Journalistin Lesley Kinzel, die mich mit ihren fatshion-Strecken auf xoJane (als xoJane noch einigermaßen ok war) dazu inspirierte, Kleider zu tragen, und später auch von The Fat Nutritionist (ich glaube, ich habe beide schon auf diesem Blog erwähnt), aber auch von der Fatty Fashion Fun Challenge ( der Name fiel mir in der Session nur nicht ein) und davon, dass persönliche Begegnungen, z.B. mit Sassyheng mich bestärkten, mich nach meinem eigenen Geschmack und nicht nach gesellschaftlichen Konventionen zu kleiden.

Es wurde auch darüber gesprochen, wie es für dicke Menschen im Gesundheitssystem ist (nämlich schlimm). Nach der Session war da der dringende Wunsch, dass ein paar der dicken Teilnehmer_innen* noch länger und untereinander sprachen, was wir dann auch taten. Dabei entstanden Anknüpfungspunkte für Bekannt- und Freund_innen*schaften <3 – und die Idee eines Fettcamps, wo wir untereinander noch in viel größerer Breite & Tiefe über fat activism, fat acceptance, etc. sprechen können.

Für mich war es eine tolle Session – ich hoffe, für euch auch.

Weitere Links – keine vollständige Liste, Google ist hilfreich und das Internet ist groß:

Auf der Mädchenmannschaft werden immer wieder Artikel, Interviews, Links zu fat activism, fat acceptance, fatshion gepostet, hier ein paar davon, die mir selbst gut gefielen:
http://maedchenmannschaft.net/ich-bin-es-leid-moeglichst-viel-von-meinem-koerper-zu-verstecken/
http://maedchenmannschaft.net/das-politische-potential-von-fat-fashion/
Artikel über den #Fettcast: http://maedchenmannschaft.net/fettcast-2-fettenfeindliche-sprache-und-politische-selbstbezeichnungen/

Some Girls are Bigger than Others, das Blog von Alex, Modedesignerin*, Mitinitiatorin* der Fatty Fashion Fun Challenge

Reizende Rundungen, das Blog von Katrin, mit viel Mode <3

Informatives über thin privilege, was das ist, wann das gilt, etc: http://thisisthinprivilege.tumblr.com/faq#q1

Großartiger tumblr: http://fatbodypolitics.tumblr.com/

Und last, but not least und ganz wichtig – Shakesville, wo es auch um Feminismus, Antirassismus und vieles mehr geht.

Falls ihr weitere Lieblingslinks habt, könnt ihr sie gerne in den Kommentaren posten, ich ergänze dann.

Ergänzung aus den Comments:

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Sei solidarisch und halt die Klappe

Sei solidarisch mit mir, ich bin doch auch eine Frau!
Sei solidarisch mit mir, ich bin doch auch eine Feministin!
Nöp. So einfach ist das nicht.

Tl; dr: Einfordern von Solidarität als Silencing/Derailing; Backlash gegen Women of Color; Solidarität in der deutschsprachigen Twitterbubble; Gedanken zu @blockempfehlung
[TW: Ich erwähne Androhungen von z.T sexueller Gewalt, hab aber *** eingesetzt. ]

Als erstes möchte ich klarstellen, dass ich auf der Seite von @tofutastisch bin und ihren* Worten über Solidarität voll zustimme, wenn ich auch bei der Kritik an @blockempfehlung bei @distelfliege bin (Link zu ihrem Kommentar auf dem Blog von @tofutastisch). Meine Gedanken zu Solidarität beziehen sich nur im weiteren Sinn auf den Text von @tofutastisch und viel mehr auf die Forderungen nach Solidarität, die an sie* und andere in letzter Zeit gestellt wurden, weil sie* schon aufgeschrieben hat, was ich auch denke.

Solidarität einzufordern kann sowohl eine Taktik sein, um in einer Diskussion abzulenken (Derailing) als auch um Menschen zum Schweigen zu bringen (Silencing). Wird die Solidarität vorenthalten, sind die Sympathien derjenigen, die über diese Taktik nicht Bescheid wissen, auf der Seite der Person, die Solidarität einfordert. Manchmal geschieht das nicht “bewusst” – um zu wissen, wie die Forderung nach Solidarität wirken kann und sie daher zu lassen, wenn sie ablenken oder zum Schweigen bringen würde, muss ein Vorwissen über solche Taktiken da sein (siehe z.B. Derailing für Anfänger von @sanczny EDIT: Fehler meinerseits, ich hätte nochmal nachfragen sollen. Derailing für Anfänger ist eine kollektive Übersetzungsarbeit, siehe auch Kommentar von r. Tut mir leid.). Das heißt noch lange nicht, dass “unbewusstes” Derailing oder Silencing ok ist.

Besonders schwierig wird es für mich, wenn Solidarität von mir gefordert wird, nur weil ich mich für dieselben oder ähnliche Anliegen einsetze. Nur weil ich viel kritisiere, heißt das nicht, dass ich mich jeder ähnlichen Kritik anschließe. Nur weil ich Feministin bin, heißt das nicht, dass ich mit allen Feminist*innen verbunden bin oder mich mit ihnen solidarisch erkläre. Denn wenn Menschen rassistisch, sexistisch, cissexistisch, homophob, klassistisch, ableistisch, etc. handeln, verfliegt meine Bereitschaft, mich mit ihnen solidarisch zu erklären bzw. zu fühlen.

#SolidarityIsForWhiteWomen und der Backlash gegen Women* of Color

Wie es mit der Solidarität bestellt ist, lernte ich 2013 von den großartigen Women* of Color auf Twitter, die sich nicht alle als Feministinnen* bezeichnen, darum tue ich es auch nicht. Aktionen wie #SolidarityIsForWhiteWomen, initiiert von Mikki Kendall @karnythia, #NotYourNarrative, initiiert von Rania Khalek @RaniaKhalek und Roqayah Chamseddine @irevolt, #NotYourAsianSidekick, initiiert von Suey Park @suey_park – und viele, viele mehr, sowie die Gespräche zwischen ihnen und vielen anderen haben mir gezeigt, dass Solidarität nicht die völlige Aufgabe von Kritik sein kann.

Ein paar Links dazu:
Eine gute Zusammenfassung “The Year in #SolidarityIsForWhiteWomen and Twitter Feminism” auf The Wire von Arit John
Darin erwähnt und eine gute Erinnerung daran, dass es den Feminismus™ nicht gibt: Despite What You May Think, Miley Cyrus and Rihanna Are Feminists auf The Daily Beast von Rawiya Kameir

In den letzten drei, vier Wochen gab es dann einen verstärkten Backlash, der noch nicht vorbei ist, gegen die sich auf Twitter organisierenden Women* of Color von weißen Feminist*innen, der in der deutschsprachigen Twitterbubble bisher nur wenig Beachtung fand. Arit John erwähnt zwei Beispiele in ihrem Artikel – einerseits den Artikel von Megan Murphy auf Feminist Current, den ich hier nicht verlinke. Akoto Ofori-Atta hat auf The Root darüber geschrieben und einige der wichtigsten Reaktionen gesammelt. Sehr bezeichnend für Murphys Artikel ist auch dieser Tweet von @bad_dominicana.

Als zweites Beispiel für den Backlash erwähnt Arit John den unsäglichen Artikel von Adele Wilde-Blavatsky, die nicht nur den Hashtag #stopblamingwhitewomenweneedunity in die Welt gesetzt hat, sondern sich auch durch widerlichste rassistische Aussagen auf Twitter hervorgetan hat. [Triggerwarnung] falls ihr da nachlesen wollt. Noch mehr fails findet ihr in diesem Jahresrückblick von The Colored Fountain – Leseempfehlung für das Blog. In dieser Atmosphäre war es kein Wunder, dass Ani DiFranco für die Idee eines Retreats auf einer Südstaatenplantage, die noch dazu auf ihrer Homepage damit warb, dass die Sklav*innen dort besonders gut behandelt wurden, stark kritisiert wurde. Brittney Cooper schreibt dazu auf Salon.com: “Ani DiFranco’s faux-pology: White privilege and the year in race“.

Zuletzt wurde kurz vor dem Jahreswechsel der Begriff der Intersektionalität, den Kimberlé Crenshaw 1989 in ihrem Aufsatz Mapping the Margins (PDF-Link) geprägt hat, von weißen Feminist*innen aus Großbritannien, die sich das ganze Jahr darüber lustig gemacht hatten, vereinnahmt und Women of Color, die weiße Feminist*innen kritisiert hatten, als “abusers” und “bullies” bezeichnet. Die Debatte hatte ihren Ursprung unter anderem in einer Radiotalkshow, der BBC Women’s Hour, mit Reni Eddo Lodge, Caroline Criado-Perez und Laura Bates. Reni Eddo Lodge hat auf Black Feminists ihre Sicht dargelegt, eine Transkription des kritischen Moments findet ihr in diesem Tweet von @judeinlondon.

Flavia Dzodan @redlightvoices bietet auf ihrem Blog weitere Hintergründe, und hat diese nochmals auf Twitter vertieft und die Tweets zu einem Storify zusammengefasst, aber die Debatte ist noch im Laufen und wird immer schrecklicher. Die Twitterin* @prisonculture hat, um der Debatte etwas Gutes abzugewinnen, einen Storify mit Ressourcen & Artikeln zum Thema Intersektionalität angelegt. Klar wurde mir: Feminismus™ und Feminist*innen sind nicht alle lieb und nett, nein, unreflektierte Privilegien führen auch im Feminismus™ zur Fortführung patriarchaler, imperialistischer Machtstrukturen.

Solidarität in der deutschsprachigen Twitterbubble

Und wie verhält es sich mit der Solidarität in der deutschsprachigen Twitterbubble? Nachdem viele im Januar und Februar 2013 durch #Aufschrei, zum Teil erstmals, zum Teil wieder, zum Feminismus, zu Gleichgesinnten fanden, riss die Debatte um Prostitution bzw. Sexarbeit im November und Dezember 2013 Gräben auf. Oder tat sie das? Die Gräben waren schon da, nur noch nicht so sichtbar, schließlich hatten einige von uns, mich inkludiert, erst angefangen, über unsere Vorstellungen von Feminismus zu reden. Durch diese Debatte, der ich mich wegen Unwissenheit, Konfliktscheu und generellem Unwohl- und Erschöpfungsgefühl hauptsächlich enthielt (was keine Entschuldigung sein soll) kam einfach offen zum Vorschein, dass es verschiedene Ansichten innerhalb der deutschsprachigen feministischen Twitterbubble gibt.

So ist es halt. Das ist weder gut noch schlecht, sondern eine Gelegenheit, darüber nachzudenken, welche Position ich einnehme und was diese bedeutet. Feminismus ist für mich ein andauernder Lern- und Selbstreflexionsprozess geworden – es ist kein Ende des Lernens in Sicht. Ich verstehe, dass es enttäuschend sein kann bzw. ist es auch für mich enttäuschend, wenn plötzlich Mitstreiter*innen etwas tun das meinen Prinzipien oder Ansichten widerstrebt oder andere Mitstreiter*innen angreifen. Manchmal fängt der beste Freund plötzlich darüber zu diskutieren an, warum Frauen* so bevorzugt werden müssen. Manchmal handeln bzw. sind sympathische, kluge, interessante Personen, sowohl historische als auch lebende, homophob, cissexistisch, klassistisch, ableistisch, rassistisch, etc. Manchmal handle ich so, unbewusst, aufgrund meiner Privilegien (noch so viel zu lernen). Manchmal bin ich einfach anderer Meinung.

Was dann? Wie gehe ich damit um? Kann ich es aushalten? Sage ich etwas dagegen? Lasse ich es einfach, weil ich gerade keine Kraft habe, weil mir die Person nicht besonders am Herzen liegt oder weil sie mir besonders am Herzen liegt, aus taktischen oder anderen Gründen? Riskiere ich einen Konflikt oder noch mehr enttäuscht zu werden, wenn die Person die Kritik nicht annimmt? Wie formuliere ich die Kritik so, dass sie ankommt? Und liegt mir mehr an der Person oder daran, meine Meinung durchzusetzen? Schaffe ich es, die Beweggründe einer Person zu verstehen, wenn ich angegriffen werde, auch wenn ich im Recht bin? Schaffe ich es, wertschätzend auf Kritik zu reagieren, selbst wenn ein wunder Punkt getroffen wird? Verzeihe ich? Erst nach einer Entschuldigung? An welchem Punkt geht Selbstschutz vor?

Meine Reaktion ist variabel, denn unfehlbar bin ich nicht. Manchmal habe ich schlechte Laune oder bin bei manchen Themen reizbar. Manchmal weiß ich etwas nicht, kenne die Hintergründe nicht. Manchmal reagiere ich unbedacht. Manchmal lässt mir mein Gewissen keine Ruhe. Ich weiß oft, wie ich reagieren sollte und tue es doch nicht. Ich schweige oft, weil ich nicht weiß, was ich sagen soll. Weil ich die Worte nicht finde, keine Zeit habe, jeden Tag einen Blogpost zu schreiben, das Gefühl habe, nicht genug zu wissen, um etwas sagen zu können. Manchmal ist es besser so, aber manchmal führt das dazu, dass ich Menschen die Solidarität versage.

Ich fühle mich seit Wochen stumm und hilflos, während ich las, wie die People of Color und Women* of Color in meiner Timeline verletzt wurden, wie @tofutastisch für ihre Beteiligung an @blockempfehlung angegriffen wurde und wird, wie @_accalmie sich mit Assangefans und V************gsleugnern herumschlagen musste und muss, wie @zoradebrunner eine V************g, @elquee der Tod gewünscht und @MmeCoquelicot als Kinderv*************rin verleumdet wurde, wie @maedchentraeume wieder angegriffen wurde und mich packte die Verzweiflung, die schon @co_g und @_accalmie (relevante Blogposts in den Links) gepackt hat(te).

Aber mir reicht es jetzt. Und die Herzen, Katzenbilder und sonstigen Memes, die wir uns auf Twitter schicken, weil was können wir sonst tun, reichen mir nicht mehr. Zu oft habe ich mich aus Debatten rausgehalten, zu oft den Mund gehalten, höchstens retweetet. Das soll jetzt aber keine Vorschrift sein, es mir gleich zu tun. Ihr wisst selbst, wofür ihr Kraft habt und was ihr tut wollt.

Zu @blockempfehlung

Jedenfalls will ich nun was zu @blockempfehlung sagen. Mir war sofort klar, warum so ein Account aufgesetzt wurde. Es gibt zu viele Menschen im Internet, die denken, dass Meinungsfreiheit bedeutet, dass alle ihnen zuhören müssen. Wenn nötig mit Gewalt. Aber Meinungsfreiheit heißt nicht, dass Meinungsäußerungen keine Konsequenzen nach sich ziehen.

Wenn mich Maskulinisten beleidigen oder bedrohen, muss ich das nicht stumm ertragen. Wenn ein Mensch zu jedem feministischen oder antirassistischen oder sonstigem Kommentar meinerseits eine Bemerkung hat, die zeigt, dass er*sie nicht begreift, worum es geht und selbst nach Erklärungen nichts begreift, dann ist irgendwann meine Geduld zu Ende, denn auch das zehrt. Dann blocke ich.

Ich bin nicht dazu verpflichtet, mir Gewalt antun zu lassen. Ich bin nicht dazu verpflichtet, über meine Schutzmaßnahmen Rechenschaft abzulegen. Und wenn es mein Leben online leichter macht, blocke ich präventiv und wenn ich das Leben anderer online damit leichter mache, spreche ich Blockempfehlungen aus. Ohne jede Reue.

Dass Accounts, wenn sie zu oft gespamblockt werden, gesperrt werden, ist mir egal. Nochmal: Meinungsfreiheit heißt nicht Freiheit von Konsequenzen. Wenn eine Person kontinuierlich droht, beschimpft, Gewalt antut, ist eine Sperrung das Mindestmaß. Noch dazu kann die Sperrung durch die Neuanlegung eines Accounts leicht umgangen werden, wie es ja die ganze Zeit passiert. Und nicht, dass sich dann der Mensch hinter dem Account zurückhalten würde, nein, es wird weitergehetzt, gedroht, Gewalt angetan.

Dass @blockempfehlung Ablehnung erfahren würde war mir klar. Dass es Befürchtungen geben würde, dass eine Person wegen einem Fehler auf der Liste landet war mir klar. Prinzipiell halte ich es aber für eine gute Idee zu dokumentieren, wer auf Twitter routinemäßig FLIT* und Feminist*innen bedroht, beschimpft, anpöbelt, damit die, die sich dieser Gewalt nicht aussetzen wollen, sich präventiv schützen können. Entweder sollte das sehr transparent oder unter Ausschluss der Öffentlichkeit, auf jeden Fall aber wie von @tofutastisch beschrieben, mit einem Stufensystem erfolgen.

Aber die Mehrheit heult laut “Zensur! Buhu! Die bösen, bösen Feminist*innen wollen uns nicht zuhören! Sie wollen sich nicht Gewalt antun lassen! Pranger! Schädigend! Alle werden blocken ohne nachzudenken und zu überprüfen!” Für so mächtig und so dumm werden wir gehalten. Darüber kann ich nur lachen. Sagen wir einfach mal so: Wenn vielen von uns nicht andauernd Gewalt angetan würde, gäbe es diesen Account gar nicht. Denkt mal darüber nach.

Gepflückt und in den Korb gelegt (Linksammlung 1)

Ja, ich könnte ein Tool benutzen, um die Texte und anderen Dinge, die ich spannend finde oder die mich zum Nachdenken anregen, dauerhaft aufzubewahren und so. Gibt es viele. Aber warum nicht eine Linksammlung, für mich, damit meine Inbox weniger vollgestopft ist, und falls ihr hier spannende Sachen für euch findet, ist es doch auch gut. Hier ist die erste.

Triggerwarnungen gelten für die meisten Links. Es gibt keine Ordnung und kein Thema. Ich stimme nicht immer allen Inhalten zu und weiß, dass manche (oder alle) Konzepte kontrovers disktutiert werden.

Hier sind die kritischen Anmerkungen von bell hooks zu “Lean In” von Sheryl Sandberg, nur falls ihr sie noch nicht gelesen habt.

Via @der_welle diese Rede von Emi Koyama: “The Uses of Negativity: Survival and Coping Strategies for Those of Us Who Are Exasperated by the Empty Promise of “It” Getting “Better”“. Ich lese oft auf Twitter und anderswo über “Stärke” und “stark sein” und was das in den Menschen auslöst, die dann das Gefühl haben im “stark sein müssen” gefangen zu sein, in den unterschiedlichsten Kontexten.

Emi Koyama verlinkt auch zu Barbara Ehrenreich, die mir ebenfalls immer wieder einfällt. Hier sind Barbara Ehrenreichs Hauptpunkte in einem Video von RSA Animate. Ich mag die RSA Animate-Videos, obwohl ich nicht mit allen übereinstimme (kritische Überprüfung muss auch hier sein) und nur in 2 von 19 Videos Frauen* sprechen. Barbara Ehrenreich nimmt jedenfalls sehr gut diesen Zwang zum “positiven Denken” auseinander, der immer mehr überhand nimmt.

Ein weiterer Text, der hier gut passt, ist die Antwort von Caroline Criado-Perez auf Naomi Wolf (obwohl der Begriff “sisterhood” kontrovers diskutiert wird, da auch “sisterhood” zu Silencing führen kann … größeres Thema).

Heute bin ich via @janine_bd auf eine mir bisher unbekannte Comiczeichnerin*, Animatorin*, Illustratorin* gestoßen: @Timtimsia. Hier ist ihre Website und ihr Blog, auf dem sie Comics in französischer Sprache veröffentlicht. Diese Comics sind umwerfend und tief berührend. Hier ist ihr Comic über Feminismus, “Le Syndrome de Cassandre“, aber lest unbedingt weiter. Zum Beispiel diesen Comic (ja, so geht’s mir auch ^^).

Eine Twitterin, der ich gerne folge, weil sie so spannende Sachen (für mich als Historikerin) twittert und bloggt, ist Joanne Bailey, auf Twitter @JBHist. Sie lehrt an der Oxford Brookes University, beschäftigt sich besonders mit der Zeitspanne vom 17. bis ins 19. Jahrhundert und spezialisiert sich darin auf Ehe, Elternschaft, Familie und Maskulinität (ja, die wird innerhalb der Frauen- und Geschlechtergeschichte auch erforscht, wie ich schon kurz angemerkt habe). Sie beschäftigt sich auch sehr viel mit Material Culture. Zum Einstieg seien euch diese Blogposts empfohlen: “I fell down the stairs”: Marital Violence, Material Culture and Space, in dem sie zu einem öffentlich zugänglichen weiterführenden Artikel von ihr verlinkt; und “A lesson in domesticity” in dem sie erklärt, worum es beim Studium der Material Culture geht und über ihre Untersuchungen zu Männern und Domestizität schreibt.

Via @OUPAcademic erreichte mich dieser Text von Jean H. Baker, Herausgeberin des Buches “Votes for Women. The Strugge for Suffrage Revisited”, die die Wirksamkeit der Paraden der Suffragisten in den USA beschreibt und auf die Einschränkungen des Wahlrechts durch die Republikaner aufmerksam macht.

Sehr lustig war die Hashtagaktion #RespondToMenLikeAnNPC, lanciert von @ami_angelwings und @Rhube, hier könnt ihr den Storify von @Rhube nachlesen.

@felis_blue verlinkte den Text eine_r_s anonym bleiben wollenden Autor_in_s “What is sex? What is gender?” auf Twitter, zu dem es auch eine deutsche Übersetzung gibt: “Was ist Geschlecht?”

Einen Text, den ich ab jetzt immer verlinken werde, wenn wieder einmal ein Mann darüber klagt, dass ich ihm dem Feminismus(TM) nicht erkäre, hat @lotterleben auf Twitter verlinkt: “Feminists are not responsible for educating men” von Cecilia Winterfox.

Laura Bates, Gründerin des Projekts Everyday Sexism beschreibt, wie Frauen*hass im Internet Frauen* von der vollen Teilname an der Demokratie abhält: “Online misogyny prevents women from fully participating in democracy”

Und schließlich noch: