Weiter als #takedownjulienblanc – #takedownrsd, #takedownpua

[CN sexuelle Gewalt, Vergewaltigung, Rassismus, Sexismus, abuse, fatshaming]

Update: Gegen das RSD-Bootcamp etc. in München formiert sich Widerstand: http://www.sueddeutsche.de/muenchen/fragwuerdiger-coach-seminar-in-sexismus-1.2217275 Facebookseite zum Protest in München: https://www.facebook.com/events/1544481732453361/

Was ihr weiterhin tun könnt:

Eure Freund_innen in der Schweiz, Schweden, Dänemark, Finnland, Norwegen und Island kontaktieren, denn dort sind RSD-Events geplant. Ebenso Freund_innen in Großbritannien, Prag, Budapest & Sofia. Eine Liste der Events findet ihr im ersten Post.

Informationen sammeln, herausfinden, wo geplante Events stattfinden, Hotels anrufen, wo bereits Events stattfanden, denn hier sind die RSD-Termine für Deutschland und die Schweiz:

RSD Tour D CHIn Berlin waren sie im Westin Grand Berlin Hotel, Friedrichstrasse 158-164 • 10117 Berlin
Dort sind sie nicht. Es gab Proteste – Updates hier: https://www.facebook.com/events/1498651573742783/?source=1

In Zürich waren sie im Four Points By Sheraton Sihlcity,1 Kalandergasse, Zürich
Es wurde nachgefragt, dort sind sie nicht.

In München im Munich Marriott Hotel, Berliner Strasse 93 · Munich, Bavaria 80805 Germany
Es wurde nachgefragt, dort sind sie nicht.

In Frankfurt waren sie im Sheraton Frankfurt Congress Hotel,Lyoner Strasse 44-48, 60528 Frankfurt, Germany

Falls sie dort nicht wieder gebucht haben: Sie scheinen große Hotelketten zu schätzen, also Accor, Marriott, Westin, Four Points, Four Seasons, Hilton, Sheraton, etc.

Weiters könnt ihr die Firmen antweeten, die mit ihren Services RSD unterstützen bzw. auch die Firmen, deren Logos sie auf ihren Websites abbilden:

und @LiquidWeb sowie @isprime, die die RSD-Websites hosten könnt ihr ebenfalls kontaktieren, sowie auch @itunes, die RSD-Podcasts hosten. Ihr könnt auch Kreditkartenfirmen und Paypal kontaktieren: http://pastebin.com/r85HuQcQ Es gibt auch eine Petitionen gegen Blancs Einreise nach Japan.

Schon etwas ältere Neuigkeiten: Julien Blancs Visa für Australien wurde ihm entzogen und er musste abreisen. Sein Assistent Max, der ebenfalls Frauen* würgt [TW für das Bild] und seine Privilegien als weißer Cisheteromann in Japan ausgenutzt hat, um dort ohne Konsequenzen Frauen sexuell zu belästigen, soll ebenfalls abgereist sein (nur ein Foto von Julien Blanc bei einem Vortrag): http://www.theguardian.com/australia-news/2014/nov/07/protesters-force-us-pick-up-artist-julien-blanc-to-quit-australian-tour?CMP=twt_gu

Weiters ist der kanadische Minister für “Citizenship and Immigration” im Bilde über Julien Blanc und hat versprochen, sich alle Optionen anzusehen. Tweet 1, Tweet 2, Tweet 3. Die Proteste und Petitionen gegen Julien’s Einreise nach Japan haben dort die Mainstreammedien erreicht – gegen seine Einreise in Brasilien wird ebenfalls protestiert und eine Petition gibt es auch: https://secure.avaaz.org/po/petition/Policia_Federal_Brasileira_Explusao_de_Julien_Blance/?preview=live Dasselbe im UK: http://www.theguardian.com/lifeandstyle/2014/nov/10/julien-blanc-petition-urges-uk-deny-visa-pick-up-artist Hier die UK-Petition: https://www.change.org/p/uk-home-office-deny-julien-blanc-a-uk-visa

Aber das sind nur zwei Typen. RSD-Typen sind alle grauenhaft, auch die, die sich “moderat” geben: [TW Transmisogynie, Gewalt] aus dem Forum bzw. ist der Gründer von RSD ein Vergewaltiger [heftige heftige TW – sexistische Sprache, Beschreibung einer Vergewaltigung].

Gestern forderte @antiprodukt zu einer größeren Debatte über Pick-up Artists (PUA) auf. Es sind ja noch mehr Pick-up Artists unterwegs als Angehörige der Firma Real Social Dynamics. Z.B. hat dieser Typ (Link zu seiner Facebookseite) einen Kommentar auf meinen ersten Post hinterlassen und auch die Firma Daygame Review [TW schon für den obersten Tweet] hat mich auf Twitter kontaktiert – beide wollten sagen, dass PUA nicht so schlimm sind. Hier sind Links mit weiterführenden Infos und Erlebnisberichten mit Pick-up Artists, die sie gestern getweetet hat – vielen Dank!:

@antiprodukt berichtet von einem Treffen mit einem möglichen PUA plus weiterführende Links: http://antiprodukt.de/als-ich-vielleicht-einen-pick-up-artist-traf/

@ponypost blockt einen PUA auf Facebook: http://futblog.at/ich-habe-einen-pick-up-artist-auf-facebook-geblockt/

@felis_blue über ein PUA-Buch, das per Kickstarter finanziert wurde & von Kickstarter nicht gestoppt wurde: http://kontraktionspunkt.de/below-the-game-unterste-schublade/

@hanhaiwen hat 2 Artikel über PUAs geschrieben:

Verführen mit Pick Up-Tricks: Wer macht das und bei wem funktioniert es? http://maedchenmannschaft.net/verfuehren-mit-pick-up-tricks-wer-macht-das-eigentlich/

Anmachen, Gewalt, Anspruchsdenken – 1998 und heute http://hanhaiwen.wordpress.com/2014/11/06/anmachen-gewalt-anspruchsdenken-1998-und-heute/

via @beurkeek: How pick-up artist culture feeds on men’s toxic insecurities http://www.dailydot.com/opinion/pickup-artist-culture-toxic-insecurities/

A Long List Of Ways The Seduction Community Can Make You Weird http://donatellosnest.wordpress.com/2010/02/20/a-long-list-of-ways-the-seduction-community-can-make-you-weird/

Und schließlich via @Stadtgespenst ein Artikel über die Reaktionen der PUA-Community auf das von Elliot Rodgers verübte Massaker: http://www.slate.com/blogs/xx_factor/2014/05/24/elliot_rodger_the_pick_up_artist_community_s_predictable_horrible_response.html

Genau an Elliot Rodgers musste ich denken, als ich die Fotos der Menschen sah, die das RSD-Event in Melbourne besuchten, das erfolgreich von Protestierenden gestoppt wurde. Ich erinnere mich an einen Text, leider finde ich den nicht mehr, aber vielleicht hat eine_r von euch noch den Link, in dem ein Mann darüber sprach, wie er und sein Begehren als Asian-American im imperialistischen weißen kapitalistischen Hetero-Patriarchat (Übersetzung von bell hook’s Imperialist White Supremacist Capitalist Patriarchy via Rumbaumeln) unsichtbar gemacht werden und was das in ihm auslöst. Diese von unserer rassistischen Gesellschaft geschaffene Unsichtbarkeit wird von PUAs ausgenützt – sie versprechen Sichtbarkeit und Erfolg. Wenn die PUA-Techniken nicht klappen, verstärkt das wohl nur das Gefühl der Isolation, der Unsichtbarkeit, der Ungerechtigkeit, der Wut. Ich wollte das nur anmerken, ich muss da auch noch mehr selbst drüber nachdenken, aber so als Gedankenanstoß, dass das PUA-Publikum nicht nur aus white guys besteht und warum.

Die andere rassistische Komponente ist natürlich, dass hier weiße, heterosexuelle Cismänner darauf trainiert werden, ihre Privilegien strategisch einzusetzen, um ihre rassistischen Fetische ohne Konsequenzen auszuleben, also Women of Color sexuell zu belästigen, anzugreifen, etc.

Falls ihr euch längerfristig gegen Pick-up Artists engagieren möchtet, meldet euch bitte bei mir.

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Mit sexistischer Gewalt Geld machen – #takedownrsd #takedownjulienblanc

[CN sexuelle Gewalt, Übergriffigkeit, Rassismus, Sexismus, abuse, fatshaming]

Für die neuesten Infos und weiterführende Links hier lang (Folgeblogpost auf diesem Blog).

UPDATE: Was ihr aktuell tun könnt: Die RSD-Webhosts @LiquidWeb und @isprime kontaktieren, damit sie die RSD-Seiten gar nicht erst hosten – @rackspace hat den Vertrag mit RSD beendet (yay!).

Neben #SamaritansRadar ist der Hashtag, der mich zur Zeit bewegt #takedownjulienblanc, gestartet von @JennLi123. Es geht dabei um einen Mann, der weltweit anderen Männern in teuren Seminaren beibringt, wie sie Frauen anmachen – zum Beispiel durch Würgen. Er verbreitet Tipps, wie sich weiße Männer in Japan ohne Konsequenzen extrem übergriffig verhalten können und benutzt Grafiken von Organisationen, die Gewalt gegen Frauen* bekämpfen, als Checkliste, um “sie zum Bleiben zu bringen”. Das sind nur einige der Grässlichkeiten, die dieser Typ und seine Kollegen von der Firma “Real Social Dynamics” (RSD) verbreiten. Dafür zahlen die Besucher dieser Veranstaltungen bis zu 3000 Dollar. Um street harassment und Vergewaltigungskultur zu lernen.

Große, große Triggerwarnung für den Hashtag und die Artikel dazu.

Von @hanhaiwen, die auch auf street harassment & Anspruchhaltung eingeht: http://hanhaiwen.wordpress.com/2014/11/06/anmachen-gewalt-anspruchsdenken-1998-und-heute/

Hier eine gute Zusammenfassung: http://www.theguardian.com/commentisfree/2014/nov/05/julien-blanc-the-female-attraction-expert-glorifies-sexual-violence-the-less-seminars-he-holds-the-better?CMP=share_btn_tw

Hier “nur” Beschreibungen [CN längere Wiedergabe von fatshamenden Aussagen], keine Bilder: http://www.salon.com/2014/11/04/pickup_artist_julien_blanc_gets_dumped_by_a_hotel/

Aktivist_innen versuchen jetzt, die social media-Zugänge von Julien Blanc und anderer RSD-Typen sperren zu lassen, sowie Hotels und andere Veranstaltungsorte dazu zu bringen, Julien Blancs und weitere RSD-Workshops nicht bei ihnen stattfinden zu lassen und haben bereits einige Erfolge gehabt, z.B. die Emailmarketingfirma @AWeber hat RSD ihre Services entzogen, muss mal gucken, wer jetzt ihre Emailsachen hostet. Julien wurde gebeten, sein Hotel in Melbourne zu verlassen, Protestierende konnten den ersten Workshop in Melbourne verhindern und engagieren sich, dass Julien sein Visa für Australien entzogen wird. Es geht auch darum, Julien und seinem Assistenten RSDMax gar nicht erst nach Japan zu lassen. Juliens Termine findet ihr hier:  http://pastebin.com/8BQWHh7w

Aber: RSD ist mehr als nur Julien. Die anderen Typen sind vielleicht nicht so extrem, aber unterrichten dieselben Mechanismen, dieselbe rape culture. RSD hält auch Workshops in Europa ab, im Rahmen ihrer “Free Tour”:Clipboard03

Clipboard02und zusätzliche “Bootcamps”, die 2000 Dollar kosten:

Clipboard01 Clipboard04Weiters gibt es noch Veranstaltungen, die sich “Hot Seat” nennen, intensive persönliche Coachings. Informationen, wo diese Bootcamps und Veranstaltungen der Free Tour stattfinden, finde ich im Moment leider keine – lasst mich wissen, falls ihr was findet. Möglicherweise finden die Veranstaltungen in Hotels statt, in denen sie schon mal stattgefunden haben bzw. scheinen RSD Hotelketten wie Accor und Marriott zu bevorzugen. Hier ist eine Liste mit bisherigen Veranstaltungsorten – dort anfragen, ob zukünftige Events anstehen: http://pastebin.com/DdpZfiuN

In Berlin waren sie im Westin Grand Berlin Hotel, Friedrichstrasse 158-164 • 10117 Berlin

In München im Munich Marriott Hotel, Berliner Strasse 93 · Munich, Bavaria 80805 Germany

In Frankfurt waren sie im Sheraton Frankfurt Congress Hotel,Lyoner Strasse 44-48, 60528 Frankfurt, Germany

Wenn sich neue Infos ergeben, mache ich ein Update.

Hier meine Tweets & Links von heute morgen:

Nöp. #takedownjulienblanc #takedownrsd

#SamaritansRadar ist ein netzfeministisches Problem

[CN Suizid]

Update: Der SamaritansRadar wurde – nach eineinhalb Wochen ununterbrochenem Protest der mental health community, unterstützt von Datenschutzaktivist_innen (bzw. gibt es bei den Gruppen Überschneidungen) endlich abgedreht. Yay. Diese App und die Reaktion der Samaritans hat viele Menschen verunsichert, verletzt, dazu gebracht, ihre Accounts zu schließen oder ganz von Twitter wegzugehen. Die “Entschuldigung” ist kaum eine und die App ist sicher nicht vom Tisch: http://www.samaritans.org/news/samaritans-radar-announcement-friday-7-november (Gut gemacht kann sie ja wirklich hilfreich sein. Mit Einwilligung und opt-in und so.)

Ganz zu Ende ist es noch nicht. Adrian Short fragt, wer für die gesammelten Daten nun verantwortlich ist – die Samaritans sagten, sie seien es nicht, was falsch ist (siehe weiter unten) – und verlangt, dass die Daten gelöscht werden: https://adrianshort.org/samaritans-radar-closed/ Er hofft auch, dass “wir das nicht wieder tun müssen”, aber ich fürchte, doch, denn solche Apps werden nur zunehmen. Die Liste der Twitternamen bzw. Emailadressen der Personen, die die Samaritans kontaktierten, um vom Radar ausgenommen zu werden, sollte auch dringendst gelöscht werden.

Was #SamaritansRadar ist:

tl;dr: https://www.change.org/p/twitter-inc-shut-down-samaritans-radar

https://www.latentexistence.me.uk/samaritans-radar-and-twitters-public-problem/

https://adrianshort.org/samaritans-radar/

http://queercrip.tumblr.com/post/101382367792/a-tool-for-abusers-why-samaritans-radar-is-dangerous

Testbericht: http://queercrip.tumblr.com/post/101960264087/testing-samaritans-radar-false-negatives-and-spam

Samaritans Radar ist ein netzfeministisches, netzpolitisches, netzaktivistisches Problem, besonders für Personen, die auf Twitter bzw. online häufig zu Zielen von Bedrohungen, Belästigungen, Stalking, etc. werden.

Mit dieser App habe ich die Möglichkeit, den psychischen Zustand der Personen, denen ich auf Twitter folge zu überwachen, ohne dass diese das wissen, ohne ihr Einverständnis. Ich bekomme eine Verständigung, wenn sie bestimmte Phrasen oder Worte verwenden. Der Suchalgorithmus kann durch meine aktive Hilfe laufend verbessert werden. (EDIT: Es scheint sich – noch – um eine sehr simple Suche zu handeln: http://queercrip.tumblr.com/post/101960264087/testing-samaritans-radar-false-negatives-and-spam) Die App macht mir Vorschläge, wie ich Menschen, die depressiv oder suizidal sind, helfen kann.

Das heißt, wenn ich Böses im Sinn habe, folge ich einfach mit einem Tarnaccount der Person oder den Personen, die ich stalken möchte oder denen ich schaden möchte und kriege Emailbenachrichtigungen, wann es ihnen besonders schlecht geht. Dann kann ich nachtreten. Arbeitgeber_innen und religiöse Gemeinschaften z.B. freut dieses Wissen sicher auch.

Die einzige Möglichkeit, um Samaritans Radar zu entgehen, ist entweder den @samaritans eine “direct message” auf Twitter zu schicken, was offensichtlich nicht immer klappt, wenn ich ihnen nicht folge – oder ihnen ein Email zu schicken. Dann stehe ich wieder auf einer Liste. Eine Liste, von der ich nicht weiß, wo sie gespeichert wird, wer Zugriff hat, etc., etc., etc. Großartig.

Eine andere Möglichkeit ist, meinen Twitteraccount zu schließen, aber: Im Moment wird getestet, ob Samaritans Radar auch geschlossene Accounts überwacht – die ersten Tests scheinen darauf hinzudeuten. D.h. selbst wenn eine Person, der ich folge, ihren Account geschlossen hat, kann ich sie überwachen! Ohne dass sie es weiß, ohne dass sie eingewilligt hat. Natürlich können mich Personen blocken, wenn sie draufkommen, dass ich sie überwache. Aber es ist auf Twitter sehr leicht, einfach einen neuen Account anzulegen, der Person wieder zu folgen und sie weiter zu überwachen. Ja, selbst wenn die Person einen geschützten Account hat, dann muss ich halt etwas mehr Arbeit in meinen Tarnaccount stecken. Guckt euch mal #yourslipisshowing an – da haben 4chan-Typen über z.T. ein Jahr hinweg Arbeit in Accounts gesteckt, die vorgaben schwarze Aktivistinnen zu sein, um so Feminismus, antirassistische Arbeit, etc. zu diskreditieren.

Jetzt gibt es natürlich jede Menge Menschen, die sagen “Ja, was willst du, Twitter ist halt öffentlich.” Jein. Geschlossene Accounts, die scheinbar auch überwacht werden können – erste Tests haben das ergeben – sind nicht öffentlich. Wenn ich Personen zu einem geschlossenen Account zulasse, heißt das nicht, dass ich zustimme, dass diese Personen ohne mein Wissen und ohne meine Einwilligung meinen psychischen Zustand überwachen.

Als überwachte Person kann ich natürlich auf meine Wortwahl achten, Botschaften als Bilder tweeten, mich selbst zensieren … äh. Erinnert euch das an irgendwas? NSA? GHCQ? Wie nah das “Selbst wenn nur ein Mensch gerettet wird …” am “Selbst wenn nur ein_e Terrorist_in entdeckt wird” bzw. das “Wenn du nicht überwacht werden willst, dann … (halt doch die Klappe, zieh dich zurück, versuch diesen Umweg, verschlüssle, etc. etc. etc.) liegt, ist atemberaubend. Reinste abuser logic. Hallo, ICH WILL NICHT ÜBERWACHT WERDEN!

Hier sind ein paar Blogposts, die das Problem Privatheit/Öffentlichkeit ansprechen:

http://paulbernal.wordpress.com/2014/11/01/samaritans-radar-misunderstanding-privacy-and-publicness/

https://purplepersuasion.wordpress.com/2014/10/30/me-sam-and-his-magical-radar-booth/

https://adrianshort.org/unethical-twitter/

http://publicstrategist.com/2014/11/privacy-in-public/

Weiters, selbst wenn ihr auf dem “Twitter ist öffentlich”-Punkt beharren müsst (fragt euch mal, warum ihr so auf diesem Punkt beharrt, habt ihr schon mal eure Privilegien reflektiert?) – damit die App funktioniert, werden die Tweets gespeichert und wer auf diese Zugriff hat ist auch nicht klar: http://informationrightsandwrongs.com/2014/10/29/samaritans-radar-serious-privacy-concerns-raised/ Wie zynisch da dieses Statement auf der Website der Samaritans klingt: “No records – We don’t pass on what people tell us. Not even the name of someone that calls us. For some, we’re the only place they can turn to without fear of repercussions. For others that might worry about burdening friends or family, we offer a safe place to turn.” http://www.samaritans.org/about-us (Obwohl gesagt werden muss – die Personen, die die Arbeit an den Telefonen leisten haben mit der App nichts zu tun.)

https://adrianshort.org/samaritans-radar-must-close/ : “Samaritans Radar has demonstrated that the Samaritans as an organisation doesn’t have the ethics, the decency, the design skills, the social media skills or even the basic common sense to run a complex and sensitive project such as this.”

Selbst wenn ihr glaubt, dass euch Samaritans Radar nicht betrifft, weil ihr nie auf Englisch tweetet – das ist nur der Anfang. “Gut gemeinte” Überwachung, die den Betroffenen mehr schadet als hilft, wird nur zunehmen: http://www.theguardian.com/voluntary-sector-network/2014/nov/04/samaritans-radar-app-data-privacy?CMP=twt_gu Das ist extrem gefährlich, denn unter dem Deckmantel des “Wir tun doch was Gutes” können die schrecklichsten Dinge legitimiert werden.

Update: Die Samaritans haben nach Tagen der Stille ein neues Statement publiziert, das zum Heulen ist: http://www.samaritans.org/how-we-can-help-you/supporting-someone-online/samaritans-radar-update Besonders zum wütend schreien: “We condemn any behaviour which would constitute bullying or harassment of anyone using social media. If people experience this kind of behaviour as a result of the app or their support for the app, we would encourage them to report this immediately to Twitter, who take this issue very seriously.” – In welcher Parallelwelt leben die, dass sie glauben, Twitter würde Berichte von Bedrohungen, Stalking, etc. ernst nehmen?!

Hier Antworten auf das Statement:

https://adrianshort.org/samaritans-radar-4-nov-statment-response/

http://21stcenturyfix.org.uk/2014/11/an-organisation-wide-cry-for-help-perhaps/

Nein, Lookism ist nicht ok

Da ist Tag des Plastiksackerls (Plastiktüte) und eine Abgeordnete der deutschen Grünen sowie der Fraktionschef der deutschen Grünen posieren gemeinsam mit einem Stoffbeutel, auf dem “Bio macht schön” gedruckt ist. Das Foto wird via Facebook und Twitter verbreitet und gestern hatte ich dann eine Unterhaltung auf Twitter darüber, da eine Person einen Tweet des Fotos mit gehässigem Kommentar retweetet hatte. Denn gehässige Kommentare gab und gibt es zuhauf.

Schließlich fühlte ich mich motiviert, etwas generelles dazu zu sagen:

Dehumanisierung der Person, die kommentiert wird, meine ich damit: Die Person wird als weniger wert und weniger menschlich wahrgenommen, sie wird ein Objekt, ein Ding, ohne Gedanken, ohne Gefühle, ohne Geschichte. Die negativ kommentierende Person denkt von sich mehr wert zu sein als dieses schon nicht mehr menschliche Objekt, für das sie keine Empathie aufbringen muss, denn es ist ein Objekt und kein Mensch mehr.

In einem sozialen Kontext – sowohl on- als auch offline, kann ein negativer Kommentar über das Aussehen einer Person zu einer fürchterlichen Dynamik führen:

Eine Person sagt was, die andere setzt was drauf, immer mehr versuchen sich zu übertreffen, die Sprache wird immer härter, Sexismus, Rassismus, Klassismus, Heterosexismus, Cissexismus, Ableismus, etc., die dem ersten negativen Kommentar zugrundeliegen, ob bewusst oder unbewusst, kommen immer deutlicher, immer offener zum Vorschein.

Das habt ihr sicher schon gesehen und teilweile auch erlebt. Dieser erste Schritt kann zu einer Gewaltspirale führen, an deren Ende einerseits verletzte, traumatisierte, retraumatisierte Menschen stehen – und andererseits Menschen, die sich in ihren *istischen Vorurteilen und ihrem *istischen Verhalten bestätigt sehen. Sie werden also wieder negativ kommentieren und wieder Menschen verletzen.

Diese Konditionierung (durch Elternhaus, Umfeld, Medien, etc.) sitzt tief, auch bei mir. Aber daran lässt sich arbeiten, auf allen Ebenen: Bei mir, in der Filterbubble, bei der Kritik an Medien, die solche Aussagen tätigen und verbreiten, beim Engagement gegen lookism und Fatshaming.

Ich finde die Aussage “Bio macht schön” problematisch – denn sie verkennt, dass sich viele Menschen Bioprodukte nicht oder nicht durchgehend leisten können, qualifiziert sie als hässlich ab, wenn sie keine Bioprodukte kaufen und jagt ihnen Angst ein: “Iss bio, dann wirst du schön und du musst schön sein (wollen) und zwar so, wie die Gesellschaft das vorgibt, dann wird es dir besser gehen.” Den gängigen Schönheitsnormen nicht zu entsprechen hat ernsthafte Konsequenzen – und je marginalisierter die Person, desto ernster sind die Konsequenzen.

“Bio macht schön” spielt genau in die normativen Schönheitsvorstellungen hinein, die den zwei Politiker_innen nun um die Ohren gehauen werden. Ich hätte lieber Argumente statt griffiger Slogans – und Maßnahmen zur Armutsbekämpfung. Aber ich finde eben die Aussage und die dahinterstehenden Normen problematisch und kritisiere Aussage und Normen, nicht das Aussehen der Personen, die hinter der Aussage stehen.

Gestern bekam ich die Argumente: “Aber die sind doch Teil der herrschenden Klassen! Und das ist Satire (und die darf alles!)”

Richtig, das sind zwei Politiker_innen. Und Politiker_innen sollten durchaus etwas mehr nachdenken, bevor sie klassistische, normative Botschaften wie “Bio macht schön” verbreiten. Aber es sind auch zwei Menschen. Über ihr Aussehen zu spotten ist nicht Satire, sondern eine Aufrechterhaltung der bestehenden Schönheitsnormen. Zudem richten sich die Angriffe heftiger gegen die grüne Abgeordnete, denn Sexismus is alive and well.

Selbst *ismen und Normen zu kritisieren und sie aber gegen andere, “die da oben” oder auch gerne “die da unten” einzusetzen, ist Messen mit zweierlei Maß. Wenn ich den Anspruch habe, dass mein Aussehen nicht kritisiert werden soll, dass die Normierung und Hierarchisierung von Aussehen, Körperformen, Kleidungsstil, etc. aufhören soll, sollte ich diese Normierungen und Hierarchisierungen nicht selbst fortführen und unterstützen, sondern auf allen Ebenen bekämpfen.

Nochmal:

Die der anderen … und der eigenen.

Rants in Kurz und nicht so Kurz 2: Manpfehlungen

1. Als Zusatz zu “Mansplaining/Herrklären” habe ich gerade “Manpfehlung” festgesetzt. Das sind diese ungefragten Empfehlungen, die gerne auch einen beleidigenden Ton haben. Oder ungefragte “Verbesserungen” meines Begriffs von nicht-feministischer Seite. Als englische Version hat @sanczny “recomMANdation” vorgeschlagen <3.

Leider:

Gusch!

2. Offensichtlich noch nicht durchgedrungen: Cis_männer haben keinen Anspruch auf Erklärungen feministischer Praxen, Thesen, Aussagen, etc. Stattdessen können Cis_männer etwas ganz praktisch tun, um Feminismus(TM) und Feministinnen* zu unterstützen: Sich selbst informieren, selbst lernen, selbst Quellen suchen. Weitere Dinge auch z.B. siehe hier: http://m.xojane.com/issues/feminism-men-practical-steps
Das cis_männliche Gejammere darüber, dass sie keine Erklärungen kriegen, ist eine gängige Derailing-Technik, siehe auch: http://www.derailingfordummies.com/derail-using-education/ Nicht mit mir.

2. Zeitungen, die keine fundierten Artikel zu Ferguson veröffentlichen wollen, können von mir aus sofort eingestellt werden. Pro forma-Wortmeldungen mit social media entnommenen Memes reichen nicht!

 

3. Beim Nachsinnen über den österreichischen antifeministischen Sommer kam mir das Grausen. Ich würde eine gerade Linie von den Angriffen auf das Femcamp und seine Organisator_innen*, durch die Debatte über die “großen Töchter” in der Bundeshymne, den Brief von 800 Personen gegen das Binnen-I, die Verhaftung von Demonstrant_innen, die in Salzburg gegen eine Antiabtreibungsdemo protestierten bis zur SPÖ ziehen, die die in ihren Statuten festgesetzte Frauenquote und deren Bestimmungen außer Kraft gesetzt hat.

Die Angriffe auf das Femcamp und seine Organisator_innen*, die von einflussreichen Lobbyist_innen*, Medienmarketingmenschen und Journalist_innen* betrieben und unterstützt wurden, machten deutlich, dass in Österreich mit breitem Widerspruch gegen sexistisches Verhalten nicht gerechnet werden muss. Feminist_innen* und ihre Unterstützer_innen* haben in Österreich keine Macht.

Die Debatte um die in die österreichische Bundeshymne gesetzten “großen Töchter” zeigte, dass selbst die wirklich einfachsten feministischen Forderungen in Österreich keine breite Unterstützung finden. Ermutigt von dieser Debatte, die in 20.000 Hasskommentare auf der Seite der österreichischen Ministerin für Bildung und Frauen, Gabriele Heinisch-Hossek, mündete, schrieben 800 Personen einen offenen Brief gegen das Binnen-I.

Der Brief von 800 Personen gegen das Binnen-I und anderen cisgendergerechten Schreibweisen, der zunächst in einer Zeitschrift erschien, deren Herausgeberverein nachweislich Kontakte mit der rechtsextremen Szene hat (auch wenn dieses Erscheinen angeblich ein “Versehen” war) zeigte, dass etliche  Wissenschaftler_innen, Lehrer_innen, Schuldirektor_innen ebenfalls nicht einmal die Grundlagen des Feminismus kennen, geschweige denn unterstützen. Lehrer_innen. Schuldirektor_innen. An der Universität beschäftigte Wissenschaftler_innen. Sauber, sauber.

Bei einer Demonstration in Salzburg gegen die dort stattfindende Demonstration der Abtreibungsgegner_innen wurden schließlich Aktivist_innen festgenommen und einige davon wegen “Verhetzung” angezeigt. Komischerweise passiert das bei Naziparolen, Nazigrüßen, Nazidemoschildern, Naziparteiplakaten etc. extrem selten. Also ein weiterer und deutlicher Schritt in Richtung Kriminalisierung von feministischem Aktivismus. Wurde kaum medial thematisiert. In Österreich steht Abtreibung übrigens immer noch im Strafgesetzbuch.

Schließlich – die Nachbesetzung des Mandats der verstorbenen Nationalratspräsidentin Barbara Prammer. Laut SPÖ-Statuten sollte eine Frau nachrücken, um die Frauenquote (40% sollten es eigentlich sein) zu erhalten. Nix da. Wieso denn auch, Österreich ist es aber sowas von wurscht, da kann auf Frauenquoten gut verzichtet werden, wenn die mal politisch nicht opportun sind. Dass die Frau, die nachrücken sollte, Sonja Ablinger, noch dazu nicht immer einer Meinung mit ihrer Partei ist und deshalb von Parteiseite her möglichst nicht ins Parlament zurückgelassen werden will, kommt dann noch dazu.

Wir (mich eingeschlossen) schauen immer etwas verächtlich auf die Schweiz ob der späten Einführung des Frauenwahlrechts: Macht euch keine Illusionen darüber, wenn es im Rest Europas auch Volksabstimmungen darüber gegeben hätte (in der Schweiz gab es darüber nämlich einige, bis endlich ein Ja herauskam), hätten Frauen* in den meisten Ländern das Wahlrecht wohl auch erst in den 1970ern erhalten – oder eventuell noch gar nicht. In Österreich würde ich auf gar nicht tippen. Wenn ihr die Liste im Wikipediaartikel zu Frauenwahlrecht durchseht, seht ihr, wie wenig Abstimmungen es dazu gab. Und abstimmen durften dann meistens die Männer, nicht die Frauen – außer auf den Philippinen. Eine vollständigere Liste ist z.B. hier.

Was kommt als nächstes? Und wann sagen wir “Stopp!”?

Frauen schreiben Textilgeschichte: Fanny Bury Palliser

Irgendwo da draußen müssen sie sein, die Bücher und Pamphlete und versteckten Artikel über Aspekte der Textilgeschichte, unentdeckt von der Mainstreamgeschichte der Kriege und Könige. Gestern stieß ich auf diesen Tweet:

Der Tweet führte zum Blog der Spezialsammlungen der schottischen St. Andrews University, in dem in einer Serie “52 weeks of historical how-to’s”, also 52 Wochen lang historische Anleitungen für alle möglichen Tätigkeiten vorgestellt werden. In dem Post ging es um Spitze, Klöppelspitze um genau zu sein und um ein Buch:

Finally among the Rare Books collections I discovered a 2nd edition of “A History of Lace” by Mrs Bury Pallister.  This book covers the development of lace from earliest times up to the late 19th century when the book was first published – it covers the major lace producing areas in Europe and the lace produced in each area. The book is a landmark volume in the description of lace history and has recently been republished as original copies become hard to find.

Übersetzung: Endlich fand ich in der Rarasammlung (Sammlung besonders wertvoller/seltener Bücher) eine zweite Ausgabe von “A History of Lace” (Eine Geschichte der Spitze) von Mrs Bury Pallister. Dieses Buch beschreibt die Entwicklung der Spitze aus ihren frühesten Zeiten bis ins späte 19. Jahrhundert, dem Zeitpunkt an dem das Buch publiziert wurde – es beschreibt die größten Spitzenproduktionsregionen in Europa und die Spitze, die in jedem Gebiet gefertigt wird. Das Buch ist ein grundlegendes Werk in der Geschichtsschreibung über Spitze und wurde kürzlich neu herausgebracht, da die alten Ausgaben immer schwieriger zu finden sind.

Fanny Bury Palliser (ich habe nämlich ihren Vornamen ergooglet und sie hat sogar einen, wenn auch dürftigen, Wikipediaeintrag) schrieb also Ende 19. Jahrhundert ein Buch zur Geschichte der Spitzenfertigung, das als Standardwerk gelten kann. Was für eine Arbeit das gewesen sein muss! Sie war Historikerin, Übersetzerin, schrieb Artikel für Journale und hatte dabei sechs Kinder. Wie wohl ihr Leben aussah? Hatte sie Kinderbetreuung, war sie wohlhabend? Leider gibt es keine Biographie über sie. Aber wenn es so ein Buch über Spitze gibt, vielleicht gibt es dann auch eines oder mehrere Bücher über das Stricken oder Häkeln irgendwo in einer finsteren Bibliotheksecke?

Anhand dieses Buches lässt sich gut nachvollziehen, wo in Europa überall Spitze gefertigt wurde. Das ist wichtig, denn anzunehmen ist (anzunehmen! Die historische Realität kann auch eine andere sein.), dass vor allem Mädchen und Frauen (das eine Foto in dem Blogpost zeigt italienische Mädchen) Spitze fertigten und so ihren Lebenserhalt und ev. den ihrer Familie sicherten. Wo gearbeitet wird – und besonders wo in Gruppen gearbeitet wird, entsteht Arbeitskultur, gibt es besondere Werkzeuge, Traditionen, Geschichten, Lieder.

Fragen kommen auf: Wann begann eine Region sich auf die Herstellung von Spitze zu spezialisieren und was für Auswirkungen hatte das auf die Region? Wann hörte die Spezialisierung auf? Hörte sie überhaupt auf oder wurde sie fortgesetzt? Mit oder ohne maschinelle Unterstützung? Ab welchem Alter wurde mit der Fertigung von Spitze begonnen? Wie kamen die Menschen zu den Rohmaterialien, mussten sie den Faden selbst herstellen, konnten sie das Garn kaufen, war es ein Verlagssystem? Verkauften sie ihre Waren direkt, an Zwischen- oder Großhändler_innen? Wie wurden die Produzent_innen* bezahlt? Gab es ein Trucksystem oder bekamen sie Geld? Wie lange mussten sie arbeiten? Gab es eine organisierte Ausbildung?

Nein, das Buch wird diese Fragen nicht alle beantworten können, aber es bietet wohl erste Anhaltspunkte, wo welche Fertigung stattfand – und natürlich auch, wie die Spitze dort aussah, wichtig also, falls ein Stück Spitze identifiziert werden muss. Praktischerweise ist Fanny Bury Pallisers “A History of Lace” gemeinfrei (juhu!) und steht online als Scan auf archive.org zur Verfügung.

Was kostet ein Pullover?

Zum Parallelartikel übers Nähen von Miss Temple bitte hier lang.

Konsum, besonders das Kaufen von Kleidern, ist schon seit einiger Zeit in meiner Twittertimeline ein Thema, das immer wieder aufkommt und besprochen wird. Puzzlestücke hat bereits über die Parole “Kauft nicht bei Primark” gerantet und deren Implikationen und Konsequenzen besprochen, Riotmango ergänzte aus der fatactivistischen Perspektive und Charlott kritisierte bei der Mädchenmannschaft die Deklaration von “gutem Konsum” als Aktivismus auf breiter Basis.

Heute ging’s dann um all das und noch viel mehr in meiner Timeline. Ich wollte ein Storify machen, anstatt hier tausend Tweets einzubinden, aber Storify spielt grad nicht mit. Ich binde jetzt aber nur die “Hauptknotenpunkte” ein, ich hoffe, ihr könnt dann auf Twitter noch alles nachverfolgen. Alles begann mit diesem Tweet

Es folgte Kritik, die viele der Argumente aus den oben verlinkten Texten aufgriff und noch ergänzte.

Dann kam dieser Tweet:

Und dann zerpflückten wir diesen Vorschlag. Denn so einfach ist es nicht. Ich greife hier die Hauptargumente raus (Wenn ihr auf das Datum klickt, kommt ihr auf Twitter zur Konversation):

(Ähm, die obigen Tweets und die darauf folgende Unterhaltung enthalten ganz viel Sarkasmus, mit wertvollen Spurenelementen.)

Ok, sorry, ich habe noch lange nicht alle Aspekte abgedeckt oder alle erwähnt, die mitgeredet haben, aber ich komme jetzt mal zu dem Punkt, zu dem ich den Blogpost schreiben wollte:

Tja, und da ich nicht nähe, dachte ich mir, ich mach das mal für meine Strickarbeiten. Es gibt sicher ein paar allgemeingültige Punkte (Nadeln und Garn brauchen alle, sonst klappt das Stricken nicht) und ich versuche möglichst viele Variablen und Varianten einzubauen, aber ich gehe hier mal von mir und meinem Strickverhalten aus, darum ist das Endergebnis auch höchst individuell und nicht 1:1 übertragbar.

Ich nehme als Grundlage für die mit Stricken verbrachte Zeit (findet ja meistens nicht in der Arbeitszeit statt) den Stundenlohn – aber welchen? Bisschen schwierig, wenn ich den Stundenlohn aus meiner Arbeit nehme, da das ja voraussetzt, dass ich arbeite. Was für einen Stundenlohn habe ich denn, wenn ich arbeitslos bin? Oder Hausfrau? Aber ich geh ja jetzt mal von mir aus – und glücklicherweise hab ich grad Arbeit.

1. Stricken lernen

Variante a) Eine bekannte oder verwandte Person zeigt, wie gestrickt wird.

Kostet die lernende Person: Von 0,- (Kinder kriegen kein Geld gezahlt) bis zum jetztigen Stundenlohn (ich könnte ja stattdessen arbeiten).  Für die Eltern kostet möglicherweise die Kinderbetreuung etwas.

Aber die lehrende Person bringt Zeit dafür auf, d.h. es kostet sie etwas. Die lehrende Person könnte je nach den Fähigkeiten, die sie vermittelt und der Zeit, die sie dafür aufwendet, zwischen … tja, das kommt jetzt darauf an, was die lehrende Person vermittelt, was für eine Ausbildung sie hat, was genau sie vermittelt – und ob ich einfach ihre sonstige berufliche Tätigkeit mit dem Beibringen von Stricken auf eine Stufe setze.

Aber ich nehme mal ein Beispiel an: Eine 40jährige Volksschullehrerin* mit 20 Jahren Arbeitserfahrung, alleinerziehend mit zwei Kindern, voll arbeitend, kriegt ca. einen Nettostundenlohn von € 11,50 in Österreich, wenn ich mir das mit Gehalts-, Brutto-Netto- und Stundenlohnrechner richtig zusammengereimt habe. Wenn sie also einem ihrer Kinder (nicht ihrer Schüler_innen*, wohlgemerkt) Stricken beibringt, sollte sie pro Stunde eigentlich mindestens € 11,50 verdienen.

Variante b) Stricken wird in der Schule gelernt.

Kostet die lernende Person: 0,- (Kinder bekommen nichts gezahlt für in die Schule gehen.) Die Eltern zahlen Steuern und ev. Schulgeld.

Die lehrende Person, z.B. die Lehrerin* aus dem vorigen Absatz kriegt pro Stunde netto € 11,50. Wenn die Person jünger oder älter ist (bzw. je nach Arbeitserfahrung), wird sie pro Stunde weniger oder mehr verdienen – und es macht auch einen Unterschied aus, ob die Person in einer Volks/Grundschule arbeitet, in einer Mittelschule oder einer höheren Schule oder z.B. auf einer Modefachschule, ob es eine private oder öffentliche Schule ist.

Variante c): Stricken wird in einem Kurs gelernt.

Kostet die lernende Person: Kursgebühr. Die kann von nichts bis sehr wenig bis sehr viel kosten. Vielleicht hält eine freundliche Person gratis Strickkurse ab (kostet dann die Person ihren Stundenlohn), es gibt Kurse an Volkshochschulen und natürlich in Wollläden wo zwischen 15€/3,5 Std. (Saarbrücken), 60€/6 Std. (Niederösterreich), 30€/2 Std. (Berlin), 50€/2 Std. (Wien) und wohl noch mehr alles drin ist (das sind keine Standardpreise, ich hab einfach ein paar rausgepickt).

Die lehrende Person verdient also im besten Fall die Kursgebühr, muss aber dafür ev. Steuern absetzen, etc.

Variante d): Stricken wird aus einem Buch gelernt.

Kostet die lernende Person: Ein Buch (10-30€, ev. Portokosten + euer Stundenlohn fürs Stricken lernen). Oder die Person könnte sich eins aus der Bibliothek, falls es vor Ort eine gibt (ev. Bibliotheksgebühr von gratis bis 30 oder mehr Euro im Jahr, falls das Buch ausgeliehen wird, Wegzeit + Stundenlohn) oder eins von einer anderen Person ausleihen (Wegzeit + Stundenlohn).

Variante e): Stricken wird aus dem Internet gelernt.

Hilfreiche Menschen haben jede Menge Strickvideos auf Youtube gestellt bzw. Blogposts geschrieben.

Kostet die lernende Person: Internetanschluss (von Anschluss im Haus, bei mir ca. 17 €/Monat, über Gebühren für internetfähiges Smartphone/Tablet, bei mir 20€/Monat – geht aber für manche Menschen nicht, also müssen sie z.B. Internetcafé, Surfstick, WLAN in Cafés benutzen, das je nachdem auch was kostet, zumindest ein Getränk) und wieder Stundenlohn.

Die Personen, die z.B. die Videos auf Youtube stellen (es gibt auch Videokurse, für die bezahlt werden muss und andere Plattformen) stellen ihre Arbeit zur Verfügung, benötigen eine Kamera, Zeit zur Planung des Videos, ev. einen Profi-Zugang … ach ja, und Internet!

Ihr seht, das steckt alles voller Zeit & Geld und ich hab noch nicht mal gesagt, wie lange es dauert, bis das Stricken erlernt ist und wie es mit den Materialkosten aussieht.

2. Wie lange dauert es, bis das Stricken erlernt ist?

Tja. Das kann ich nicht sagen, denn ich habe Stricken und Häkeln als Kind von meiner Großmutter gelernt und hatte es wohl recht schnell heraußen. Hier ist die Motivation ausschlaggebend – macht es Spaß, wird mehr Zeit damit verbracht, wird es schneller erlernt, mehr geübt. Aber beim Stricken kann es Barrieren geben. Eine Freundin von mir ist Linkshänderin und häkelt ab und zu, Stricken geht für sie nicht. Heute gibt es Videos für Linkshänder_innen*, aber lange wurde einfach vorausgesetzt, dass Linkshänder_innen* nicht speziell unterrichtet werden müssen – dementsprechend gab’s Zwang und Unglück.

Eine Person, die z.B. Schmerzen oder eingeschränkte Mobilität in den Händen hat oder zitternde Hände, wird ein ganz anderes Strickenlernerlebnis haben. Was macht eine Person, der Finger fehlen? Es gibt Stricktechniken, da wird der Faden nicht in der linken Hand gehalten, sondern in der rechten, da hält die linke Hand eigentlich nur die Nadel, die sogar unter die Achsel geklemmt werden kann. In manchen Regionen/Ländern wird der Faden um den Hals gelegt (hat mir eine türkische Freundin gezeigt), in anderen läuft der Faden über einen Knopf an der Jacke – da ist also eine große Bandbreite, die genützt werden könnte, aber dazu muss z.B. eine lehrende Person sie erst kennen. Und wie sieht es mit Strickmustern in Brailleschrift aus?

Wenn dann das Grundwissen da ist – wie beginne ich (da gibt’s unzählige Variationen), wie stricke ich tatsächliche Maschen (ev. schon verkehrte), wie höre ich auf (unzählige Variationen), beginnt das Aufbauwissen – Maschen abnehmen, zunehmen, verdrehen, Zöpfe, Lochmuster, etc. Da muss dann erlernt werden, wie Strickschriften gelesen werden – sowohl ausgeschriebene, als auch grafisch abgebildete Muster, mit oft von Buch zu Buch unterschiedlichen Abkürzungen und Symbolen, wenn dann noch eine andere Sprache dazukommt (die Auswahl der Strickmuster auf Englisch ist weit größer), das ist ein großer Aufwand. Manche Personen tun sich leichter mit ausgeschriebenen Strickmustern, andere können die grafischen Darstellungen besser lesen – das kommt ganz auf die Person an. Ja, und eben: z.B. Brailleschrift? Yep, gibt es, sagt Google, hier ein paar Websites, die mir auf den ersten Blick ok vorkamen. Ja, leider sind die alle auf Englisch. Hm.

http://www.perkins.org/resources/scout/recreation/knitting-and-crochet.html

http://blog.lionbrand.com/2010/03/10/knitting-by-touch-the-touch-of-yarn-by-davey-hulse/ – das ist das Blog einer Wollfirma

http://andyshell.com/shell/knit1.htm

http://www.abledata.com/abledata.cfm?pageid=160377&ksectionid=160164&atlitid=190380

Es gibt auch das Buch “Better Knitting Made Easier for Blind People” von Audrie Stratford, das als Ressource angepriesen wird, aber das scheint schon älteren Datums und nicht so leicht verfügbar zu sein. Und auf Englisch ist es auch.

Jetzt bin ich weit weggewandert. Also – wie lange hat es bei mir gedauert, bis ich Stricken lernte? Ich hab Stricken als Kind gelernt, Streifen stricken hab ich mir selbst beigebracht, mit zwei Farben stricken (also Norwegermuster) hab ich mir selbst beigebracht, rund stricken hab ich mir selbst beigebracht, Zöpfe stricken mit Hilfe eines Buches aus der Bibliothek – und doch habe ich Techniken, die mir heute selbstverständlich sind erst ab 2005 gelernt, also dass es Variationen von Anschlagen und Abbinden gibt, welche mir davon am meisten gefällt, Socken stricken, Spitzenmuster, Strickschriften lesen (Deutsch & parallel Englisch), verkürzte Reihen, etc. pp.

Erst ab dann habe ich mir die Praxis erarbeitet, die ich heute habe. Vorher habe ich immer phasenweise gestrickt, aber eben meistens mit trial & error und eigenem Vorstellungsvermögen. Der erste komplexe Spitzenschal, den ich strickte (erst 2009!), kam mir unendlich vor – danach habe ich ihn noch zweimal nachgestrickt und die vergingen wie im Nu (ich hatte davor schon welche gestrickt, aber die waren einfacher). Aber ich habe auch überall gestrickt, wo es nur ging, an der Uni, in den öffentlichen Verkehrsmitteln, im Auto, vor dem Computer, überall. Und ich war zum Teil Vollstudentin, zum Teil arbeitslos oder auch prekär beschäftigt – hatte also viel Zeit zum Stricken. Zudem fällt mir Stricken irgendwie leicht. Ich kann Gestricktes extrem gut “lesen”, d.h. ich kann ein Muster anschauen und analysieren, wie es gestrickt wird und das dann in eine Strickschrift übertragen. Ich entwerfe ganz viel selbst. Aber z.B. Jacken oder Pullis stricken fällt mir schwer, weil ich da so exakt sein muss.

Ich würde also sagen, es hat mich (mit meinem ganzen Vorwissen!) mehrere Jahre intensives Stricken gekostet, bis ich genug Praxis hatte und die ganze Zeit habe ich Techniken dazugelernt und ausprobiert – und doch sind meine Stricksachen noch lange nicht “perfekt” und ich traue mir Jacken und Pullover immer noch nicht ganz zu. Wie das bei einer Person ist, die später damit anfängt und nicht so viel Zeit hat, um zu üben, kann ich gar nicht sagen. Jedenfalls hätte ich, wenn meine Stricktätigkeit bisher auch nur mit, sagen wir, 5€/Stunde entlohnt würde, schon eine ziemliche Summe beisammen.

3. Was für Materialkosten gibt es?

Variante a) Selber machen

Als Stricknadeln lassen sich sehr viele Dinge verwenden. Essstäbchen, Äste, Metallrohre, Metallstäbe, Hauptsache länglich und vorne einigermaßen spitz zulaufend (nicht zu spitz). Nicht mal rund müssen sie sein, mittlerweile gibt es Stricknadeln mit quadratischem Profil. Je leichter und glatter sie sind, desto besser – denn sonst werden sie zu schwer und das Garn sitzt fest und muss mühsam herumgeschoben werden. Je nach Typ (Rundnadel, Sockennadel, “normale” Stricknadel) gibt es bestimmte Anforderungen (Verbindungskabel, 2 spitze Enden, Stopper am Ende). Nadeln können also aus Holz sein, von Bambus (billig) bis Eben- oder Rosenholz (teuer), aus Metall, Knochen (Bein), Elfenbein, Horn, Casein (Milchprotein), Plastik und sicher noch ein paar anderen Materialien.

Wenn es nicht darum geht, etwas bestimmtes nachzustricken, ist es auch egal, ob sie nun genau 2mm, 2,5mm, 5mm, 8mm oder 10mm Durchmesser haben (also nicht ganz egal, weil der Durchmesser auf das Gestrickte großen Einfluss hat), aber prinzipiell reichen “ziemlich dünn”, “mittel” und “dick” als Basis. Ich mag Rundnadeln sehr gern, weil ich mit denen sowohl z.B. Socken als auch Schals stricken kann (also in Runden & hin & her), da spar ich mir die Sockennadeln. Aber das kommt auf den Strickstil und persönliche Vorlieben an.

Garn selbst spinnen … *das* ist eine ganz eigene Technik, die sich auch nicht so ruck-zuck erlernen lässt. Spindeln lassen sich ebenfalls selbst bauen, aber nicht jede Spindel ist für jede Faser geeignet (manche müssen schwerer, andere leichter sein).

Und Faserrohstoffe erst – tierische sind jedenfalls leichter zu kriegen (Tier scheren – gut, dazu muss eins ein Tier haben) als pflanzliche (Pflanzen sammeln, z.B. Brennnesseln oder Feld bestellen, Pflanzen, z.B. Flachs anbauen, hoffen, dass sie was werden, Fasern aus den Pflanzen rauskriegen – sehr zeit- und arbeitsintensiv, besonders beim Flachs) und auch leichter zu verarbeiten, weil sie weicher sind. Seide ist da besonders einfach zu kriegen, sobald mal die Raupenzucht entwickelt wurde, weil da ein langer, kontinuierlicher Faden vom Kokon abgerollt und dann mit anderen Fäden verzwirnt wird, also muss der Faden nicht gesponnen werden, aber so einfach ist die Raupenzucht auch wieder nicht und vor allem nicht überall machbar.

Baumwolle ist, habe ich vernommen, sehr mühsam zu spinnen, weil die Fasern so kurz sind. Flachs ist relativ hart, braucht also Hornhaut auf den Fingern. Dann gibt’s z.B. neue Garne, die aus Bambuszellulose hergestellt werden, Viskosegarne gibt’s schon länger (aus Zellulose, also Bäumen), es gibt Garn aus Hanf, Bananenfasern, Ramie, Mais, aus Algen, mit Caseinanteil (Milch!) und natürlich auch aus Acryl, und noch viel mehr – es gibt viele Faserpflanzen, aber bei vielen ist es sehr kostspielig, die Fasern zu gewinnen, da maschinell nicht möglich. Je mehr manuelle Arbeit drinsteckt …

Welche Tiere kommen denn in Frage? Schafe, Ziegen, Alpakas, Lamas, Vikunjas, Hasen, Hunde (riecht dann halt nach Hund)… hmmm … Fuchskusus (in Neuseeland eine große Plage, d.h. “Possumwolle” kommt von den getöteten Tieren), bzw. gibt es auch Tiere, deren Wolle eingesammelt wird, nachdem sie sich die selbst an Bäumen, Steinen und so abgerubbelt haben (Moschusochsen in Alaska – die Wolle heißt “qiviut”), andere Büffel … und sicher noch etliche Tiere, die ich jetzt vergessen habe. Angorakatzenhaare wären z.B. auch eine Möglichkeit. Geschoren werden nicht alle, manche werden (hoffentlich liebevoll) gekämmt – aber wie ihr euch denken könnt, gibt es insgesamt große Probleme und viel Tierleid (Angorakaninchen z.B.) und Bestrebungen, die Tiere möglichst gut zu halten gibt es auch (Biowolle kostet dann halt auch mehr).

Um ein feines Wollgarn zu kriegen, braucht es erst mal z.B. ein Schaf, das feine Wolle hat. Ja, prinzipell kann wohl jedes Schaf geschoren werden, aber die Wolle ist dann je nachdem sehr kratzig. Das Alter des Schafs spielt auch eine Rolle. Und dann muss das Schaf (einfach eins klauen! Äh) ja auch im besten Fall gut behandelt und gepflegt werden, dann muss es geschoren werden (erfordert Können), die Wolle muss gewaschen werden (ist nämlich dreckig), dann kardiert (gekämmt) werden (erfordert viel Arbeit), denn vom Waschen ist sie etwas filzig und es sind noch Zweige und andere Dinge drin. Dann wird sie eventuell gefärbt (Färbemittel kaufen/sammeln/zubereiten – das erfordert alles Zeit & Können), eventuell wird aber das Garn auch erst gefärbt, wenn es schon gesponnen wurde, das ist ein bisschen leichter.

Dann wird die Wolle zum Spinnen vorbereitet und dann endlich gesponnen und danach ev. noch verzwirnt, weil verzwirnen (also z.B. zwei Fäden miteinander verzwirbelt) das Garn stärker und dicker macht. Das alles mit einer Handspindel … kein Wunder, dass Geräte erfunden wurden, um diese Arbeitsabläufe zu vereinfachen. Mit dem Spinnrad geht’s auch schneller, aber immer noch nicht so schnell wie mit einer Spinnmaschine. Das alles erfordert so viel Zeit und Können – wenn ihr mal drüber nachdenkt, wieviele Menschen seit Beginn des Webens (weil Weben kommt lange vor dem Stricken) Kleidung gebraucht & hergestellt haben und was dafür alles gesponnen wurde … ich glaube die Erde könnte gut etliche Male eingewickelt werden.

Ihr seht jetzt also, warum z.B. handgesponnene, handgefärbte Biogarne viel Geld kosten. Alles, was mit der Hand gemacht wird, erfordert Praxis, also Zeit & Geld. Es gibt also jede Menge Menschen, die sich das selbermachen nicht antun wollen oder können (mich z.B., ich stricke lieber, als dass ich spinne oder färbe oder schere oder in großem Stil Pflanzen anbaue, etc., ich finde nur die Techniken faszinierend). Wie kommen die zu Garn?

Variante b) Gratis

Meine ersten Stricknadeln und meine ersten Wollknäuel bekam ich von meiner Großmutter bzw. von meiner Mutter. Später hat mir dann auch mein Vater Wolle geschenkt, die er noch übrig hatte (er hat sich auf der Strickmaschine seiner Mutter Pullis gestrickt), andere Menschen haben mir ebenfalls Wolle überlassen oder zum Geburtstag oder als Mitbringsel geschenkt … yay! Für die Schenkenden bedeutet das aber ihrerseits Geld und Zeit, die sie für Aussuchen & Kauf der Wolle aufgewendet haben (und Transportkosten, wenn’s ein Mitbringsel war).

Nachteil: Meist keine großen Mengen, oft nicht in den gewünschten Farben, nicht in derselben Stärke, Bestandteile des Garnes oft unbekannt (da gibt’s dann Verbrennungstests dafür), das Garn kann müffeln, viele Knoten haben, Motten enthalten & jede Menge andere Dinge. Ja, ich kann mir einen knallbunten Pulli aus Resten stricken – wie gut passe ich dann in die gesellschaftlichen Kleidernormen?

Variante c) Kaufen

Kostet Geld. Von Garn aus Kunstfasern über Standardwolle bis zu den handgefärbten, handgesponnenen Garnen aus eventuell noch seltenen und daher teureren Fasern ist von 1€ pro Knäuel bis zu 50 – 60 – 70€ pro Knäuel (Moschusochsenunterwolle) alles dabei. Stricknadeln – je nach Material – kosten zwischen 3 € bis zu 10 € und mehr (f. Edelhölzer), mittlerweile gibt es Rundstricknadeln, deren Kabel abmontierbar sind, d.h. da braucht es dann nicht mehr jede Nadel mit verschiedenen Kabellängen, sondern da gibt es dann Sets, die wohl ab 50, 60 € aufwärts zu haben sind.

Kaufen lässt sich Garn und Zubehör:

  • auf dem Flohmarkt. Ich habe jede Menge Strick- und Häkelnadeln auf dem Flohmarkt neben dem Haus der Königinmutter gefunden. Manchmal haben die Nadeln Knicke, Schnitte, rauhe Stellen, sind angerostet und für die Wolle gilt, was bei Variante b) schon stand.
  • auf Ebay (hab ich so 2005 öfter getan) aber das ist nicht die sicherste Sache, siehe Variante b). Portokosten nicht vergessen!
  • auf Etsy oder Dawanda – hängt dann von den Anbieter_innen* ab, wie das verläuft, wieviel das Garn kostet, wie es dann aussieht, wenn es ankommt – und Portokosten kommen da auch dazu. Etsy bzw. Dawanda werden aber von vielen kleinen Anbieter_innen* benutzt und es gibt wirklich wunderschöne Dinge (die, yep, mehr Geld kosten).
  • eigenen Webshops – Portokosten
  • Webshops von Wollläden – Portokosten
  • Amazon – Portokosten
  • im Supermarkt – Hofer hat im Winter & im Sommer Wolle, Zielpunkt und Spar manchmal auch, besonders am Land
  • im Kaufhaus – besonders in großen Kaufhäusern, die auch Geschirr und Handtücher und so verkaufen, meist in der “Haushaltsabteilung”
  • Bastelketten, z.B. im Thalia
  • Bastelläden
  • Stoffläden
  • und last, but not least – eigenen Wolläden. Die können ganz unterschiedlich sein, je nach Kundschaft. Auch wenn’s nervig ist, ein voller Wollladen ist ein guter Wollladen und kleine Wollläden haben öfter Ausverkauf. Ich habe einen Lieblingswollladen, den ich leider nicht mehr so oft besuche wie früher, als ich noch in der Nähe wohnte bzw. in der Nähe auf die Uni ging, aber die zwei Frauen, die ihn betreiben, kennen mich und freuen sich, wenn ich vorbeischaue, wir plaudern, wie’s so geht, tauschen Informationen über tolle neue Garne aus und so. Ich hab aber auch Glück, dass es in Wien viele Wollläden und damit große Auswahl gibt – je nach Ortsgröße gibt’s dann halt weniger Auswahl oder gar keinen Wollladen.

4. Zubehör

Ja, richtig, zum Stricken kann einiges an Zubehör gebraucht werden. Kann. Nicht muss. Ich kann das Garn auch mit den Zähnen durchbeissen und alle Enden so gut es geht einstricken oder mit der Stricknadel durchziehen und alles rund stricken, da muss ich nix zusammennähen. Aber was ich so an Basics brauche sind Schere, eine dünne, eine mittlere und eine dicke Nadel zum Vernähen der Enden und … ja, das war’s. Das gilt jetzt aber nur für mich. Was noch recht nützlich ist: Maßband, Maschenmarkierer (können aber aus allerlei Zeug selbst gebastelt werden, z.B. Fäden von Garnresten, etc.), Reihenzähler (kann vor allem bei komplexen Mustern sehr hilfreich sein)  … hmm, Maschenmarkierer, die sich öffnen lassen (ist eher was fürs Häkeln), Maschenparkierer (wenn ein Teil der Maschen ruhen soll, ich zieh da einfach Garn durch), Zopfnadeln (hab mir beigebracht, wie ich Zöpfe ohne Zopfnadeln stricke), hmmmm … ich müsste meine Zubehörkiste durchwühlen. Ganz nützlich kann ab und zu eine Strickliesl sein und Pompommachdinger, falls ihr Pompoms mögt. *denkt nach*

Ach! Knöpfe!!! Knöpfe, Leute! Knöpfe! Reißverschlüsse, Haken, Ösen, Druckknöpfe, Schließen, Schalnadeln (damit der Schal nicht immer von den Schultern fällt), leitfähiger Faden (für die Smartphonehandschuhe – besitze ich allerdings nicht), Gummibänder in allen Stärken, Bänder (zur Verzierung, zum Schließen, um Knopfleisten zu verstärken), Perlen, Pailletten … Augen für Stofftiere … Füllung für Stofftiere … Geräte zum Wolle aufwickeln, also Garnwinde, Wollwickler, ev. Niddy-Noddy (Hände, Arme und Knie tun’s auch, dauert aber länger).

Und das alles gibt’s ja in mehreren Ausführungen, kann z.T. selbst gebastelt werden, aber es gibt auch Luxusausführungen, etc. Dann gibt’s noch Spezialstricktaschen, Etuis und andere Behältnisse für die ganzen Nadeln, Nadelstopper (damit die Maschen nicht von den Nadeln rutschen), Wollschüsseln (damit die Knäuel dort drin herumrollen können), Spannmatten, Spannnadeln, Spanndrähte (Spannen geschieht nach dem Waschen des fertigen Stücks, damit sich z.B. das Muster besser zeigt oder alle Stücke dieselbe Größe haben und so) … oh, es gibt unzählige Dinge.

6. Anleitungen

Ca. die Hälfte meiner Strickprojekte habe ich selbst entworfen, brauchte also keine Anleitung, die mir Schritt für Schritt beschrieb, was ich tun sollte. Aber das heißt nicht, dass ich meine Ideen einfach so aus der Luft gezogen habe (manche schon). Ich besitze ca. 10 Bücher nur mit Mustern, also keine Anleitungen für fertige Kleidungsstücke, sondern für verschiedene Arten von Spitzenmustern, Zopfmustern, etc. Dann besitze ich so ca. 15 Bücher mit Strickanleitungen für Socken, Handschuhe, Kleidungsstücke, große und kleine Schals. Hm, vielleicht sind es auch 20, ich hab die nicht gezählt. Ich hab auch ein paar Spezialbücher, wo es z.B. nur darum geht, wie der Rand von Strickstücken gestaltet werden kann und eins über “finishing techniques”, also wie am Besten zusammennähen, welche Knopflöcher, welche Knöpfe, wie Taschen ansetzen und so.

Bücher kosten Geld (+ ev. Portokosten) bzw. können sie aus Bibliotheken ausgeliehen werden, aber als ich 2005 mit Stricken begann, hatten z.B. die Wiener Büchereien die neuen amerikanischen Strickbücher natürlich nicht. Ich weiß gar nicht, wie’s jetzt mit dem Bestand aussieht. Ich verleihe meine Bücher auch gerne, weil ich die mit den Anleitungen eher selten brauche, die Musterbücher sind bei mir wichtiger. Aber Verleihen hat halt auch seine Tücken.

Ich besitze auch drei, vier Exemplare von Strickzeitungen, weil mir Anleitungen daraus so gut gefielen. Andere haben Abonnements, es gibt einige davon. Kosten auch Geld, mehr wenn sie aus den USA oder England kommen. (Portokosten nicht vergessen). Im Wollladen können auch einzelne Anleitungen oder kleine oder größere Anleitungshefte erstanden werden bzw. finden sich Anleitungsbücher und -hefte auf Flohmärkten, etc.

Dann gibt’s jede Menge Anleitungen online zu kaufen – auf Etsy und Dawanda usw. (siehe oben) – meistens dort, wo’s auch Wolle gibt. Es gibt auch Online-Strick- und/oder Häkelmagazine, die zum Teil ihre Anleitungen und Artikel gratis anbieten, zum Teil werden sie aber auch verkauft. Ich weiß allerdings nicht, ob es eines auf Deutsch gibt, aber deutsche Wollfirmen haben auch Anleitungen zum gratis herunterladen und es gibt ein schwedisches(?) Magazin, dessen Anleitungen in einigen Sprachen, darunter auch auf Deutsch frei zugänglich und herunterladbar sind.

Ravelry, soziales Netzwerk+Datenbank, hat sich zu einer zentralen Stelle entwickelt, da sich dort sowohl gratis herunterladbare Anleitungen als auch Anleitungen, für die bezahlt werden muss finden lassen. Allerdings müssen die oft entweder mit Kreditkarte oder Paypal bezahlt werden. Die Auswahl an gratis herunterladbaren Mustern ist jedoch wirklich riesig. Nur braucht’s dafür halt Internet und ein Gerät, auf dem die Anleitung gespeichert werden kann und ev. eine Möglichkeit zum Drucken, denn mit Papieranleitungen lässt sich leichter hantieren (z.B. Reihen abhaken oder durchstreichen). Wirklich Glück, dass die Mitgliedschaft Ravelry gratis ist. Die Mehrzahl der Anleitungen ist allerdings auf Englisch, auch die Plattformsprache selbst ist Englisch – aber es lässt sich z.B. explizit nach Anleitungen auf Französisch oder Japanisch suchen (wenn diese Suchoption entdeckt wird, sooo versteckt ist sie nicht, aber doch für Menschen, die sich nicht an die Suche trauen …)

Klaro kann da auch eine andere Person helfen – z.B. bei der Navigation durchs Netz, beim Übersetzen von Anleitungen (das ist aber echt ein Freundschaftsdienst, nichts was schnell mal gefordert werden kann), etc. Das kostet aber diese Person wieder Zeit = Geld. Und yep, nach der perfekten Anleitung suchen kostet auch Zeit.

7. So jetzt aber – Pullover!

Bzw. in meinem Fall Jacke, in Pullovern wird mir zu heiß. Also. Nachdem ich im Vollbesitz meiner bisherigen Strickskillz bin, gut ausgestattet mit Nadeln, Garn und Zubehör, mich bei der Suche und Analyse auf Ravelry gut auskenne (ja … einfach die beste Suche, wirklich – da kann so viel eingestellt werden) stelle ich mal meine Arbeitsschritte dar und wieviel Zeit ich dafür brauche.

Recherche und Auswahl der Anleitung – kommt jetzt echt drauf an, ob ich das Garn schon habe oder nicht. Habe ich das Garn, suche ich nach Anleitungen, die dem Garn entsprechen. Vielleicht finde ich die perfekte Anleitung sofort, vielleicht auch nicht – ich veranschlage da mal 1 Stunde, schließlich will ich ja noch sehen, wie Menschen in dem Teil aussehen, was für Farben am besten aussehen, ob’s irgendwelche Fehler, Kommentare, Variationen gibt.

  • Recherche: 1 Stunde

Habe ich eine bestimmte Anleitung im Sinn, muss ich zuerst festlegen, welches Garn ich dafür verwenden will, das vorgesehene oder ein anderes (weil das Garn z.B. in Österreich nicht erhältlich ist).

  • Garnauswahl: 5-20 Minuten (hey, es gibt komplexe Fälle)

Dann muss ich berechnen, wieviel Garn ich brauche, das kann je nachdem länger dauern, z.B. wenn ich die Anleitung modifizieren will (kurze oder lange Ärmel, Kapuze, Taschen, etc.) oder z.B. mit verschiedenen Farben stricken will.

  • Berechnung: 5-20 Minuten

Dann muss ich das Garn kaufen gehen oder ev. bestellen bzw. einen Ersatz dafür finden, denn viele amerikanische oder englische Garne sind in Österreich nicht oder nur zu erhöhten Preisen erhältlich.

  • Wollkauf in Wien: 2 Stunden (Hin- & Rückfahrt, Auswahl der Wolle, Warten bis die anderen dran sind, Quatschen)
  • Onlinebestellung: 20 Minuten, aber Warten, bis das Garn ankommt

Ok, ich habe das Garn. Eventuell muss ich es noch aus losen Strängen zu einem Knäuel wickeln. Ich habe einen etwas antiquierten Wollwickler und eine Schirmhaspel (aus einem Brockenhaus = Flohmarkt in der Schweiz), aber die hab ich nicht immer dabei. Wenn sich was verwirrt, dauert es viel länger. Für meine letzte geplante Jacke hab ich 8 Stränge aufgewickelt, dann jedes Knäuel wieder aufgelöst, damit ich es in 2 Teile teilen konnte – und diese wieder aufgewickelt. Das sind so … 6 Stunden gewesen (und das war dicke Wolle!), wenn nicht mehr. Selbst mit dem Wollwickler und allem dauert es doch einige Zeit, besonders bei der Menge, die für eine Jacke benötigt wird. Je dünner das Garn, desto länger der Wickelvorgang …

  • Wolle aufwickeln: 1-6 Stunden

Jetzt kommt etwas, was ich nicht mag (auch ein Grund, warum ich keine Jacken stricke): Die Maschenprobe. Das ist ein kleiner Fleck, der mit den vorgesehenen Nadeln und dem Garn gestrickt wird, um zu sehen, ob das Gestrickte auch den vorgegebenen Maßen entspricht (sonst wird die Jacke zu eng/weit/lang/kurz/etc). Die muss dann gewaschen und gespannt werden. Es bietet sich an, verschiedene Nadelstärken zu verwenden – z.B. wenn 3mm vorgegeben ist, auch 2,5mm und 3,5mm, damit falls die 3mm-Maschenprobe nicht den Maßen entspricht, entweder die 2,5mm- oder die 3,5mm-Probe hinhaut. Ich muss die Maschenprobe immer größer stricken als angegeben, weil sich meine Laune so extrem auf das Gestrickte überträgt (wird fester, wenn ich angespannt bin und vice versa). Wie lange das wirklich dauert, weiß ich nicht, weil ich es ja nie tue. Kommt auch auf die Dicke des Garnes an.

  • Maschenprobe stricken: ca. 2 Stunden
  • Waschen, Spannen: 10 Minuten
  • Trocknen, je nach Garn: 4-8 Stunden

Ich mag aber keine Maschenproben, also stricke ich wild drauflos.

  • Mindestens zweimal die Maschen anschlagen und wieder auftrennen: 30-45 Minuten, je nach Maschenanzahl
  • Stricken \o/: 3-4 Stunden
  • Draufkommen, dass es doch nicht passt: 3 Minuten
  • Auftrennen, dabei aufwickeln: 1 Stunde
  • Neu stricken: 3-4 Stunden

Auftrennen und neu stricken kann sich bei mir einige Male wiederholen, auch bei kleinen Dingen, da kommt mein ganzer Perfektionismus voll raus. Aber sagen wir, es geht gut. Sagen wir, einmal auftrennen hat gereicht. Diese Angaben sind allerdings ohne Gewähr, weil ich meine Strickstunden nicht zähle, nur wann ich etwas beginne und wann ich damit fertig bin. Außerdem verbringe ich ja mittlerweile nicht mehr den ganzen Tag mit Stricken (nur in Ausnahmefällen) … schwierig also, das einzuschätzen, vielleicht erzähl ich euch da was völlig Falsches.

  • Jacke kraus gestrickt (nur rechte Maschen): 45 Stunden (dickere Wolle)
  • Jacke glatt rechts (rechte Maschen hin, linke zurück): 60 Stunden (dünnere Wolle), 80 Stunden (sehr feine Wolle)
  • Lochmuster: 64 (mitteldicke Wolle)
  • Norwegermuster (bezieht sich auf die Technik, nicht die Gestaltung): 60-80 Stunden (dickere Wolle, je nach Komplexität des Musters)
  • Zopfmuster: 70-90 Stunden (je nach Komplexität des Musters, Zöpfe sind sehr zeitintensiv)
  • Muster- und Farbkombinationen: Öhm ….

Und dann ist die Jacke fertig?!

Nöp. Da kommt noch

  • Eventuell Knopfleisten anstricken: 1- 2 Stunden
  • Eventuell Halsbündchen anstricken: 30-45 Minuten
  • Eventuell Abschlussbündchen stricken: 1 Stunde
  • Eventuell Taschen stricken und annähen: 2-3 Stunden
  • Fäden vernähen & heftig fluchen: 1-2 Stunden (je mehr Farben, desto mehr Fäden)
  • Knöpfe o.ä. annähen & fluchen: 15 Minuten – 2 Stunden (kommt auf Anzahl & Größe der Knöpfe an)
  • Verzierungen (Sticken, Behäkeln, was draufnähen): 30 Minuten bis 2 Stunden oder mehr
  • Waschen: 20 Minuten (ich mach das mit der Hand)
  • Spannen: 5-10 Minuten (bei Lochmusterschals dauert das viel länger)

Ok, ich zähl jetzt mal zusammen …

  • 1 Stunde Recherche
  • 15 Minuten Garnauswahl
  • 5 Minuten Berechnung
  • 2 Stunden Wollkauf in Wien
  • 2 Stunden Maschenprobe stricken (brav!)
  • 10 Minuten Waschen & Spannen
  • 30 Minuten Maschen anschlagen
  • 2 Stunden stricken
  • 3 Minuten draufkommen, dass es doch nicht passt
  • 45 Minuten auftrennen und aufwickeln
  • 64 Stunden stricken (Lochmuster, mitteldicke Wolle)
  • 1 1/2 Stunden Knopfleisten anstricken
  • 1 Stunde Fäden vernähen
  • 1 Stunde Knöpfe annähen
  • 20 Minuten Waschen
  • 10 Minuten spannen

Macht … 3 Tage, 4 Stunden und 48 Minuten, sagen wir also 77 Stunden (scheint mir jetzt echt wenig). Wenn ich jeden Tag Zeit habe, ca. 3 Stunden zu stricken (ja, da ist dann der Abend weg), brauche ich so 25-26 Tage. Hm, ja, kann hinkommen. Vielleicht. Keine Ahnung. Ich werd das mal in Zukunft genauer beachten, vielleicht komm ich dann auf genauere Zahlen. Die Zeiten habe ich hiermit zusammengerechnet.

Und was kostet das jetzt alles zusammen? Uff, also wenn wir über die jahrelange Praxis sprechen, die Investitionen in Nadeln, Garn, Zubehör, da kann ich schwer einen Preis drauf festlegen. Aber sagen wir, ich kaufe eine neue Rundstricknadel, zu … 4,50, für die Wolle hab ich … hm, weil Ausverkauf 70 Euro gezahlt (sonst wären’s 100 gewesen) und die Zeit, tja, meinen Stundensatz dürft ihr euch jetzt aussuchen: 1€ (77)? 5€ (385)? 7,50€ (577,50)? 10€ (770)? 12€ (924)? Und dabei war die Wolle jetzt echt noch günstig (und für günstige Wolle gilt in den meisten Fällen was für günstigen Stoff auch gilt).

Ich brauche aber mehr als eine Jacke. Mindestens zwei. Zwei Monate ohne sonstige Abendgestaltung, am Ende habe ich hoffentlich zwei Jacken. Hoffentlich geht nicht eine davon kaputt und zu allem passen müssen sie auch. Und dann brauche ich noch 2 Mützen, Handschuhe und zwei Schals – hey, fast ein halbes Jahr nur drinnen hocken und stricken. Ich mach das ja gerne, aber ich bin auch Single, kinderlos und geh nicht so viel aus. Und ich muss nicht, das ist das Wichtigste.

Also: Pullover stricken ist so wie ein Kleid aus einem Sack oder einen Rock mit Gummiband oben nähen nicht extrem schwer. Auch mit den Grundfähigkeiten des Strickens (Anschlag, rechte Maschen, Abbinden) lassen sich wunderschöne Pullis stricken. Die Frage ist immer: Kann ich mir das (mit allen Implikationen) leisten? Was muss ich gegebenenfalls in Kauf nehmen? Einfach alles selbermachen ist nicht so einfach wie gedacht.

Rants in Kurz 1

Die Struktur hab ich von Karin Kollers Pensées geklaut.

1. Ich rede auf Twitter ab und zu über Breitmachmacker, also Menschen, meist als Cismänner gelesene, die in öffentlichen Verkehrsmitteln mehr Platz einnehmen als für sie notwendig. Ich zähle ja immer, wieviele Sitze belegt werden – Meister* können ja bis zu 4 Sitze belegen, große Meister* in entsprechend gestalteten Verkehrsmitteln bis zu 6. Was mich aber auch nervt ist lautes Gehen. Mädchen* & Frauen* werden dann gerne u.a. “Trampel” genannt, body- und/oder fatshaming ausgesetzt. Manchen Typen fällt nicht mal ein, etwas leichter aufzutreten, wenn sie Schlafende stören oder Teetassen zum Klirren bringen.

2. Mich nerven von mir als Cismänner gelesene Menschen, die auf Twitter mit leicht anlassigen Tweets Texte zu z.B. Diskriminierungsformen fordern und dann jammern, dass ihnen “Hass” entgegenschlägt. Bei den basics (“Was ist ableism?”) tut’s ja echt Google (und darüber hinaus auch noch). Aber es folgt wieder Frauen*arbeit, schließlich wollen wir ja a) alle mitnehmen, b) nett sein, c) fühlen uns verpflichtet aufzuklären (Reihung hier keine Wertung), also schicken wir Links und gehen nicht auf das Gejammer ein. Ich mag da aber jetzt nicht mehr mitspielen.

3. Zu dem Thema lest auch noch mehr auf sancznys Blog.

4. Österreich füllt sein Sommerloch gerade mit antifeministischem Backlash.

5. Die Uni Wien hat 153 Denkmäler & Tafeln von Wissenschaftlern in ihrem Arkadenhof. Eine Tafel feiert die Dichterin Marie Ebner-Eschenbach. In der Mitte des Hofes ist eine Musenstatue, die – Kunstprojekt “Der Muse reicht’s!” – einen langen Schatten wirft. Mir reicht das nicht. Angeblich ist für die 650-Jahrfeier nächstes Jahr mehr geplant. Ich will 50/50-Repräsentation & nicht nur Naturwissenschaftlerinnen*, bitte. (Obwohl, bei dem geringen Frauenanteil würde es sowieso nicht genug Naturwissenschaftlerinnen* für 50/50 geben.)

6. Was immer passiert wird dann wahrscheinlich als großer Fortschritt verkauft. Nein, das ist ein Mindestmaß! Aber von Österreich sind kein kühnes Voranschreiten, keine großen Gesten zu erwarten (siehe z.B. verpasste Chance Elise-Richter-Ring), stattdessen wird hier darum gestritten, ob die “großen Töchter”, unter höhnischer Medienbegleitung in die Bundeshymne hineinreklamiert (Hymnen & Nationalismus eh abzulehnen) in der Hymne bleiben dürfen und bestärkt von der sich an der Frauenministerin entladenden Reaktion kommen 800 Menschen, darunter in den Medien als wichtig & wissend verkaufte Persönlichkeiten und fordern auf Initiative einer Gruppe mit Kontakten & personellen Überschneidungen mit der rechtsextremen Szene die Abschaffung der geschlechtergerechten Sprache (von _ und * oder x haben sie noch nichts gehört, die sind noch beim Binnen-I und Schrägstrichen).

7. Orrrrrrrrr!

8. Schließlich: Wenn ihr damit Mühe habt, “gegen” etwas zu sein, egal was, dann … seid ihr wohl auch nicht gegen Umweltverschmutzung, Waljagd, Krebs, Urwaldabholzung, Armut und Krieg. Und auch nicht gegen Gewalt, obwohl ihr seid doch sicher gegen *jede* Art von Gewalt. Oh großes Augenrollen.

9. Grumpfiges Ende so far.

Crafting & Feminismus beim Femcamp Wien

Die zweite Session, die ich am Femcamp hielt, ist für mich weitaus schwieriger zu beschreiben, als die erste. Ich habe kaum Links, die ich am Ende patent anhängen kann, wo ihr weiteres nachlesen könnt, nur sehr viele eigene Gedanken, die ich alle mal in Blogposts verpacken wollte … aber die kann ich jetzt nur anreißen.

Es ging und geht um … tja. Da ist schon meine erste Schwierigkeit. Ich habe “Crafting” als Begriff gewählt, um den negativen und gegenderten Assoziationen des Begriffs “Handarbeiten” zu entkommen. Crafting als Wort für das Erschaffen von Dingen mit den Händen ist aber im Englischen – so kommt es mir zumindest vor – genauso negativ und gegendert konnotiert. Do It Yourself (DIY) und Handwerk finde ich nicht immer passend und wird wiederum wenig mit textiler Arbeit konnotiert. Hand_arbeiten also? Und wenn mit den Füßen getöpfert wird? Und was ist mit der gegenderten, negativen Trennung zwischen “Kunst/art” und “Handwerk/arbeit/craft” (wenigstens dazu gibt es schon lange Diskurse)?

Mir persönlich gefällt “craft” als Begriff, in Ermangelung eines besseren. “A master of her craft” schwingt da wohl mit (und witchcraft auch ein bisschen).

Als zweite Frage stellt sich diese: Ist es überhaupt notwendig, die eigene “craft”, das eigene Hobby, die eigene kreative Tätigkeit aus (queer-)feministischer und/oder anderer Perspektive zu betrachten? Kann ich nicht einfach stricken, ohne zu überlegen warum und wieso und welche Hintergründe alles hat? Meine Antwort: Nein, notwendig ist es nicht. Es kann sehr erschöpfend sein, alles permanent auf seine Bedeutungen, Kontexte, Geschichte, Probleme abzuklopfen und ich verstehe das Bedürfnis nach quasi “Ruhebereichen”. Aber – ich und viele andere Menschen finden das sehr spannend, also fanden wir uns in dieser Session zusammen und redeten über verschiedene Aspekte unserer jeweiligen crafts.

Ich selbst gehe vor allem vom Stricken aus. In der Session waren aber auch Menschen, die häkeln, nähen, Möbel bauen und noch vieles anderes. Als erstes stellte ich den Punkt vor, dass ich Stricken – also die Aktivität ansich – nicht für feministisch halte, sondern, dass es für mich darauf ankommt, was daraus gemacht wird bzw. welche Motivation dahintersteckt. Dabei erwähnte ich Stickereien, die ich in der Ausstellung über den 1. Weltkrieg auf der Schallaburg gesehen hatte – kriegsbefürwortende und die Lebensmittelrationierung kritisierende:

wpid-20140426_111603.jpgwpid-20140426_115715.jpgÜber diese Brücke kamen wir zu Strickgraffiti bzw. Yarnbombing und den Strickistinnen, die in Wien bereits mehrere Aktionen veranstalteten, hier gleich ein paar Links zu ihnen und ihren Aktionen:

http://strickistinnen.blogspot.co.at/

http://maedchenmannschaft.net/strickismus-handarbeit-im-oeffentlichen-raum

/http://knitherstory.wordpress.com/19-marz-2011-2/

http://diestandard.at/1297820892316/100-Jahre-Frauentag-Sichtbar-gestrickt?_slide=1

Danach sprachen wir über den großen Themenkomplex “Selber machen”. Kleidung selbst zu machen befreit von Modediktaten und normativen Zuschreibungen. Für genderqueere, nonbinary oder Transpersonen ist oft selber machen der einzige Weg, zu z.B. Bindern oder wirklich passenden Smokings zu kommen. Andererseits halten Zuschreibungen auch in z.B. die Strickwelt Einzug: Strickmuster werden als “für Männer” und “für Frauen” designt und bezeichnet, sind für dicke Menschen anders als solche für dünne Menschen.

Aber wer kann sich eigentlich das Selbermachen leisten? Wo und unter welchen Umständen ist Selbermachen teurer als Kleidungsstücke zu kaufen? Ab wann war das so? Es geht also auch beim craften um Geld und Klasse. Für etliche Hobbies, also z.B. Stricken oder Nähen, wird sehr viel Geld und Zeit benötigt. Schon allein die Materialien, Maschinen und Werkzeuge kosten Geld, besonders wenn diese fair bezahlt und ökologisch einwandfrei sein sollen. Einerseits ist dann ein handgesponnener, mit Pflanzenfarben handgefärbter Strang Biowolle oder ein Stück Stoff aus Biobaumwolle schnell im hochpreisigen Bereich, andererseits wird da sehr viel Arbeit geleistet, die auch angemessen bezahlt werden sollte. Ähnliche Barrieren gibt es auch bei den Strickgruppen – teilnehmen können vor allem die, die Zeit haben, die Kinderbetreuung arrangieren und/oder zahlen können, Geld für Getränke etc. ausgeben können.

Andererseits führte eben der große Strickboom der beginnenden 2000er zu etlichen Gründungen – von Wollgeschäften, Spinnereien, Färbereien, Wolltierfarmen, Onlinemagazinen, eigenen Designfirmen – und Plattformen, die Social Media und Datenbanken vereinen, wie z.B. Ravelry (Stricken, Häkeln) oder Natron & Soda (Nähen). Falls nicht selbst gestrickt werden kann, gibt es Firmen bzw. Plattformen, wo ältere Menschen, meist Frauen*, auf Bestellung Socken, Mützen, etc. stricken. (Auch diese Entwicklung würde ich gerne noch kritischer beleuchten.)

Für mich waren und sind auch die Strick- und anderen Gruppen subversive Elemente, die Vereinsamung bzw. feste Freund_innenkreise durchbrechen, wo nicht nur über das Stricken oder Nähen, sondern auch über Arbeit, Politik, Beziehungen, Gesundheit, Kindererziehung, Bücher, Serien, etc. etc. etc. gesprochen wird und neue Netzwerke geknüpft werden. Dass ich überhaupt weiß, was Menstruationscups sind, verdanke ich dem ersten Strickforum, das ich besuchte. Zusätzlich bin ich der Meinung, dass crafting wohl mehr Frauen* ins Internet und zum Bloggen, digitalen Fotografieren, Besuchen von Foren, Erstellen von Websites, etc. gebracht hat, als jede “Frauen ins Internet”-Initiative.

Aber – diese ganzen Entwicklungen werden kaum untersucht. Ist ja “nur” Nähen, Stricken, was immer. Handarbeit. Frauenarbeit. Es gibt nicht einmal faktenbasierte historische Untersuchungen, wo Stricken denn jetzt wirklich herkam, wie es sich verbreitete, wie es ausgeübt wurde, was für Auswirkungen es hatte und hat, etc. Es gibt punktuelle Forschungen, meist über Orte bzw. Gemeinschaften, die ihre Wirtschaft auf das Stricken ausgerichtet haben, aber wie Stricken bis zu den Shetlandinseln kam … tja.

Von da schlugen wir den Bogen zur Dichotomie Handarbeit – Technik und sprachen darüber, dass Computer bzw. Computerprogramme sehr viel mit der Erfindung und Entwicklung der mechanischen Webstühle zu tun haben. Webmuster und später auch Strickmaschinen wurden mit Lochkarten programmiert. Möbelbauen und Programmieren wird als sehr komplex wahrgenommen und mit Anerkennung belohnt, während Nähen oder Stricken diese Anerkennung selten erleben. Eine Runde von “Aber Nähen ist voll komplex, ich könnte das nie” und “Nein, Stricken ist urschwierig” folgte – sowie die Feststellung, dass Strickanleitungen sehr wie Code aussehen und Schnittmuster komplexer sind als Möbelbau.

Und dann war die Session auch schon zu Ende. Aber wir vermerkten alle weiteren Redebedarf bzw. die Teilnahme an queer_feministischen Craftingrunden – daher werde ich mich gemeinsam mit anderen Teilnehmenden um die Gründung und monatliche Abhaltung einer solchen Runde kümmern. Ab September gehen wir es an.

Wenn ihr Seiten/Blogs kennt, wo solche Themen besprochen werden, schreibt sie mir bitte in die Comments, ich ergänze dann den Blogpost.

Vom Femcamp zum Fettcamp – Zur fat activism-Session

Yay Femcamp! Will ich dort Sessions halten? Zu welchem Thema? Soll ich lieber ein Thema nehmen, bei dem ich mich toll auskenne oder eines, bei dem ich persönlich betroffen bin und über das ich mit anderen reden möchte? Kann ich auch zwei Sessions abhalten oder nehme ich dann zu viel Raum ein? Fragen über Fragen. Am Ende hielt ich beide Sessions, die erste zu fat activism.

Fat activism ist ein Thema, das mich schon vor meiner aktiven feministischen Phase, vor meiner Anmeldung auf Twitter bewegt hat und da fat activism und fat acceptance immer wichtigere Themen im feministischen Kontext werden, wollte ich auf dem Femcamp gerne darüber reden. Ich hatte mich nicht sonderlich vorbereitet, sondern wollte vor allem mit anderen Menschen sprechen und wissen: Wie kamen die dicken (ich benutze lieber das Wort dick als fett) Menschen am Femcamp zum fat activism, was motiviert sie, was war für sie der Punkt bzw. die Inspiration dazu, sich gegen die negativen Zuschreibungen zu wehren, sich Raum zu nehmen, sich nicht mehr zu entschuldigen und das normative System, das dicke Menschen diskriminiert zu kritisieren und anzugreifen?

Vorher überlegte ich, ob ich die Session nur mit dicken Menschen abhalten wollte – denn wir sind zwar alle von bodyshaming betroffen, aber fatshaming ist ein eigener Aspekt davon. Ich entschied mich dann aber, eine offene Session abzuhalten, mit der Bemerkung, dass diese dickenzentriert sei. Im Nachhinein weiß ich nicht, ob ich die Session nochmals so wiederholen würde – ev. würde ich mich nochmals mit den Teilnehmer_innen* abstimmen, ob das auch wirklich alle wollen, wobei es in einer Gruppensituation bzw. vor Publikum schwierig ist zu sagen “Nein, das möchte ich nicht.” Andererseits kann in 45 Minuten nicht sehr viel besprochen, sondern immer nur angerissen werden – und für manche Menschen war es vielleicht das erste Mal, dass sie von fat activism hörten. Wieder andererseits sind dicke Menschen auch nicht dafür da, Erklärbär_innen* zu spielen … tja, das ist etwas, das wir noch besprechen können/sollten.

Ich sprach jedenfalls von der amerikanischen Journalistin Lesley Kinzel, die mich mit ihren fatshion-Strecken auf xoJane (als xoJane noch einigermaßen ok war) dazu inspirierte, Kleider zu tragen, und später auch von The Fat Nutritionist (ich glaube, ich habe beide schon auf diesem Blog erwähnt), aber auch von der Fatty Fashion Fun Challenge ( der Name fiel mir in der Session nur nicht ein) und davon, dass persönliche Begegnungen, z.B. mit Sassyheng mich bestärkten, mich nach meinem eigenen Geschmack und nicht nach gesellschaftlichen Konventionen zu kleiden.

Es wurde auch darüber gesprochen, wie es für dicke Menschen im Gesundheitssystem ist (nämlich schlimm). Nach der Session war da der dringende Wunsch, dass ein paar der dicken Teilnehmer_innen* noch länger und untereinander sprachen, was wir dann auch taten. Dabei entstanden Anknüpfungspunkte für Bekannt- und Freund_innen*schaften <3 – und die Idee eines Fettcamps, wo wir untereinander noch in viel größerer Breite & Tiefe über fat activism, fat acceptance, etc. sprechen können.

Für mich war es eine tolle Session – ich hoffe, für euch auch.

Weitere Links – keine vollständige Liste, Google ist hilfreich und das Internet ist groß:

Auf der Mädchenmannschaft werden immer wieder Artikel, Interviews, Links zu fat activism, fat acceptance, fatshion gepostet, hier ein paar davon, die mir selbst gut gefielen:
http://maedchenmannschaft.net/ich-bin-es-leid-moeglichst-viel-von-meinem-koerper-zu-verstecken/
http://maedchenmannschaft.net/das-politische-potential-von-fat-fashion/
Artikel über den #Fettcast: http://maedchenmannschaft.net/fettcast-2-fettenfeindliche-sprache-und-politische-selbstbezeichnungen/

Some Girls are Bigger than Others, das Blog von Alex, Modedesignerin*, Mitinitiatorin* der Fatty Fashion Fun Challenge

Reizende Rundungen, das Blog von Katrin, mit viel Mode <3

Informatives über thin privilege, was das ist, wann das gilt, etc: http://thisisthinprivilege.tumblr.com/faq#q1

Großartiger tumblr: http://fatbodypolitics.tumblr.com/

Und last, but not least und ganz wichtig – Shakesville, wo es auch um Feminismus, Antirassismus und vieles mehr geht.

Falls ihr weitere Lieblingslinks habt, könnt ihr sie gerne in den Kommentaren posten, ich ergänze dann.

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