Frantz und die Angst

CN anxiety, Krankheit

In ein paar Tagen ist es soweit. Wenn mich Menschen fragen, ob ich mir was wünsche oder ob ich was Besonderes brauche, scherze ich und sage, ich hätte gerne einen Zaubertrank, der mich von jetzt bis nach der Operation schlafen lässt. Irgendwie erwarte ich eine stoische Ruhe, aber die kommt nicht. Vielleicht Donnerstag früh. Ich habe eine ungefähre Packliste, ein Dokument, das Besuchsliste heißt, ein paar Ideen und viele Ängste und Unsicherheiten.

Hauptsächlich habe ich natürlich Angst, dass etwas schief geht. Dass mir viel mehr von der Bauchspeicheldrüse entfernt wird als geplant. Dass sie nicht richtig heilt, denn, oh Wunder, es kann sein, dass sie undicht wird und die Verdauungssäfte in den Bauchraum gehen und nicht in den Darm. Was es nicht alles gibt. Aber für genau so einen Fall komme ich ja zuerst auf die Intensivstation – auch ein angsteinflößender Gedanke, juhu.

Ich habe auch so lustige Ängste wie: Was, wenn ich jetzt meine Haare nicht regelmäßig waschen kann? (Note to self: Mützen einpacken, Schatz.) Und so unlustige Ängste wie: Was wenn ich die Personen die ich um regelmäßigeren Besuch gebeten habe überfordere? Vor allem habe ich Fragen: Wann kann ich wieder aufstehen? Was sollte noch dringend auf der Packliste stehen, an das ich gar nicht gedacht habe? Reicht der Speicher auf meinem Smartphone für die wichtigste Musik? Kriege ich gleich wenn ich aus der Narkose aufwache mein Smartphone? Wenn nicht, wie lange muss ich warten?

Die letzten Tage waren vor allem schwierig und stressig. Letzten Donnerstag sollte ich plötzlich eine Sache erledigen, die dem Anschein nach extrem dringend war, aber überhaupt nicht dringend ist. Bis ich das erfuhr hatte ich aber schon eine fast schlaflose Nacht zugebracht und Magenkrämpfe vor Stress.  Eigentlich wollte ich noch eine Menge Dinge essen, die ich den Sommer über wegen der Gastritis nicht essen konnte, aber plötzlich schmeckte mir kein Essen mehr und ich bekam Schwierigkeiten, mich überhaupt regelmäßig zu ernähren. Ganz toll. Das geht jetzt wieder. Ich kann auch wieder schlafen. Ich wollte auch noch ALLE Ghiblifilme gucken, aber auch das ging nicht. Also habe ich einfach die Filme geguckt, die ich nochmal sehen wollte. Den Wichtigsten spare ich mir bis Dienstagabend auf. Aber so ist alles was ich tue auf einmal mit viel zu viel Bedeutung überladen und trotzdem ungeheuer banal und sogar fast nervig. Es ist ein schwer auszuhaltender Zustand.

Heute sprach ich dann mit meiner Familie – meine Mutter ist ja bei meinem Bruder und hütet die Niblinge. Ich hatte auf ein freundliches, unterstützendes Gespräch gehofft und irgendwie die Zusage, dass sie fest an mich denken, mir alles Gute wünschen und am liebsten bei mir wären. Tja, nein. Stattdessen sagte mir meine Mutter erst jetzt, dass sie erst eine Woche nach meiner geplanten Entlassung aus dem Spital nach Wien kommt. Ähhhhh, was? So ungefähr ging es weiter und am Ende der Unterhaltung wollte ich mich am liebsten dafür bedanken, dass ich meine Familie definitiv nicht vermissen werde wenn ich im Spital bin. Ich darf mir jetzt aber Sorgen machen, wie ich aus dem Spital nach Hause komme und längerfristig stark darüber nachdenken, wie nah ich meiner Familie eigentlich noch sein will. Ach, es wird alles so lustig. So ungeheuer lustig.

Ich kann mich jetzt aber nicht im Bett verkriechen, denn heute ist Packtag. Ich möchte nicht am Dienstag auf den letzten Drücker noch alles einpacken müssen. Heute ist auch der Tag, an dem ich alles Gemüse verkocht habe, das noch zu verkochen war. Heute ist auch der Tag, an dem ich die letzten Sachen gewaschen habe, die noch zu waschen sind. Es ist noch einiges zum Aufräumen da, aber das spare ich mir für die nächsten zwei Tage zur Beruhigung auf. Denn Beruhigung brauche ich und bis ich mich schlicht im AKH ins Bett fallen lassen und die Decke anstarren kann, dauert es noch. Nicht mehr lange, aber noch sehr lange.

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11 thoughts on “Frantz und die Angst

  1. Ich drücke ganz fest die Daumen, dass die OP gut und planmäßig verläuft! Zur Packliste: ich war sehr froh, dass ich spontan drauf gekommen bin mir so Baby-Feucht/Öltücher mitzunehmen, um dieses Iod-Desinfektions-Zeug grob abzuwischen, das großzügig ÜBERALL auf meinem Oberkörper verteilt wurde. Ich hab zwar trotzdem noch ewig orangene Inseln gefunden, aber das gröbste konnte ich damit entfernen bevor ich Duschen konnte. Liebe Grüße unbekannterweise!

  2. Ich denke an dich und wünsche dir alles Gute! Oh, dieses Thema wie viel 1 eigentlich mit der Familie zu tun haben will, wieviel Nähe gut tut oder halt auch nicht – das finde ich auch ein schwieriges Thema. Falls du es schreiben magst: Wie lang wirst du planmäßig im Krankenhaus bleiben müssen?

  3. Ich bin´s nochmal, ich dachte ich schreib mal hier, vielleicht ist es ja für andere auch interessant, den Tipp mit den Babyöltüchern werd ich mir merken!

    Die Idee sich Besuch zu organisieren, find ich super, ich war einmal einen Monat im Krankenhaus nicht in meiner Heimatstadt und ohne Besuch und ich hatte das Gefühl ich hab in diesen vier Wochen Gehirnmasse verloren, konnte irgendwann noch nicht mal ein kleines Kreuzworträtsel machen. Ich glaub ich hab mich so total in mich zurückgezogen, weil alles so doof um mich rum war und da wäre Besuch ein schönes Gegenmittel gewesen.
    Ich würde Besucherinnen/Nahestenden nochmal ganz gründlich sagen, was ich mag wenn ich krank bin. Als mein Vater im Krankenhaus war, wollten mir die Schwestern immer ausreden, daß ich so viel bei ihm bin, das würde ihn anstrengen. Ich wusste eigentlich, daß er das anders sieht, wurde aber mit der Zeit dann doch unsicher, was doof war. (Zum Sprechen war er da grad zu schwach.)
    Wenn ich -was ich hoffe nicht mehr passiert- aber wenn ich nochmal ins Krankenhaus müsste, würd ich mir ein extra Notizbuch mit nehmen, nur für die Informationen die 1 so vom Krankenhauspersonal bekommt. Bzw. was sie machen oder halt auch nicht. Da kann 1 dann besser nachhaken, z.B. wenn Dr. XY gesagt hat, drei Mal am Tag soll inhaliert werden und dann hatte mein Vater mittags noch kein Mal inhaliert…
    Vielleicht ist das bei euch in Ö. besser, aber von meinen Erfahrungen her in D. es geht öfter mal was drunter und drüber oder Informationen werden nicht weitergegeben, bei meinem Vater hat z.B. das Krankenhaus irgendwas vergessen und dann konnte das Krankenhaus ihn nicht zur Reha anmelden und dann sollte es der Hausarzt machen der meinte aber das Krankenhaus hätte das machen sollen und so bürokratischer Hickhack, wo 1 als kranke Person ja eigentlich überhaupt keinen Nerv für hat. Also vielleicht eine nahestende Person bitten sich um sowas zu kümmern, damit 1 sich ganz auf´s gesund werden konzentrieren kann.
    Ich wünsche dir, daß du meine Tipps gar nicht brauchst und ganz nette, tolle Menschen da im Krankenhaus für dich sorgen und alles gut geht. ❤

    • Danke für die Tipps! Ich hab 2 Notizbücher eingepackt und viiiiele Dinge zum Ablenken & Beschäftigen vorbereitet. Ich weiß ja noch nicht, was ich nach der OP darf, also was Essen angeht & so, aber das sage ich den Besucher_innen sicher! Schade, dass sie bei deinem Vater so viel falsch machten. :/ Das mit der Reha ist eine gute Warnung, denn eine solche werde ich brauchen! Ich hab zum Glück eine Tante und eine Freundin, die in dem Krankenhaus arbeiten und mir bei bürokratischem Zeug hoffentlich helfen können. :) Beim letzten Mal waren die Pflegenden total nett, aber da war ich ja auch relativ mobil, etc. Ich bin schon gespannt, wie es wird & hoffe, es bleibt so.

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