Am Land, Tag 1,5

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Es ist das erste Mal, das allererste Mal, dass ich ganz alleine, nur mit dem Kater, im Haus der Königinmutter am Land bin. Sie ist dafür in der Stadt, in meiner Wohnung. Sie hat Konferenz. Ich hüte den Kater, denn die Renovierungsarbeiten in Wien mag er nicht.

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Es ist ein wenig abenteuerlich zur Zeit, denn aufgrund eines Wasserrohrbruchs ist das Wasser die meiste Zeit abgedreht. Nur morgens und abends, zum Auffüllen der Klospülungen und sonstigen Wasserbehälter, zum Duschen und Abwaschen wird es kurz angedreht, draußen am Haupthahn der beim Gartentor ist.

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Gerade habe ich eingeheizt – ich bin in den Alpen und es regnet gerade viel, außerdem soll das Haus nicht auskühlen – und muss nun in der Küche warten, bis das Feuer sich gut eingebrannt hat. Außerdem habe ich Hunger. Um Wasser zu sparen könnte ich auf das Duschen verzichten, aber da hier die Menschen spontan vorbeischauen, ist es klüger, ich wasche mich.

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Gerade habe ich den Toast angebrannt. Es gibt hier sogar ein altes eisenes Toastgestell, das auf den heißen Holzherd gestellt werden kann, aber wie die meisten Dinge muss es erst einmal von Spinnweben befreit werden. Also nutze ich halt den Toaster. Brennt der Ofen gut? Ja. Es ist nur ein kleiner Küchenofen, aber es reicht eine Füllung, ein Holzbrikett, und die Küche ist warm.

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Der Kater spaziert draußen herum, aber in Hausnähe. Am Samstag begann er plötzlich zu hinken, dann lief er wieder ohne Hinken. Gestern tastete ich ihn wiederholt ab, einmal knurrte und biss er, einmal beim Schmusen murrte er wie ein Leopard und ich stellte fest, dass es das linke Bein war. Später am Abend nochmal und – nichts. Heute morgen lief er flink die Stiegen hinunter und ging so wie immer. Also was jetzt?

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Der nächste Tierarzt liegt über den nächsten Hügel, mit dem Auto eine halbe Stunde entfernt. Ich habe kein Auto und könnte es auch nicht fahren. Also den Kater beobachten, bevor ich anrufe, um eine Visite auszumachen. Ist es der viele Regen, das viele Liegen? Hinkt er dann mehr? Murrt er vielleicht nicht, aber atmet er flach, wenn ich sein Bein abtaste?

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Zu tun habe ich – nicht viel und doch einiges. Die Maiglöckchen umsetzen, denn ihr Beet wird bei der Reparatur des Wasserrohrbruchs aufgegraben. Eine Kiste mit wichtigen Papieren suchen, die meine Mutter irrtümlich mitgenommen haben könnte. Spazierengehen, Schnecken von den Lupinen fernhalten, Stricken, Kater schmusen und noch so Dinge.

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Aber erst mal sitze ich draußen, die Füße in der Sonne, mit Strickzeug und E-Reader und frage mich, wo der Kater ist. Wahrscheinlich irgendwo, im Haus oder draußen, schlafen oder Katzenfreund_innen besuchen.

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