Es ist losgegangen

Die Königinmutter hat mich über die Schwelle geschubst. Am Wochenende wurden Kästen getauscht und all die Bücher, die wir vor ein paar Wochen eingepackt haben, damit sie die Renovation überstehen, wurden wieder ausgepackt und in die zweimal abgewaschenen Regale geschlichtet. Dort harren sie jetzt auf Neuordnung, denn eingeschlichtet sind sie eher wild. Im Sommer dann.

Mir ist übel, manchmal vor Stress, manchmal weil ich nicht dazukomme, Essen einzukaufen und mal wieder nicht frühstücke, der Umzug bringt alles durcheinander. Alles stresst, außer liebe Menschen sehen. Anziehen stresst, rausgehen stresst, Dinge im Kopf behalten stresst und wie meine Mutter beginne ich meine eigenen Knöpfe zu drücken. Ich entferne mich von mir. Ich leere die Augen und starre glasig durch alles durch, sehe weder Blüten noch Bäume, gerade dass ich den Duft der Robinien merke.

Zwischendurch ertappe ich mich bei der Ermahnung, erwachsen zu sein. Erwachsene schaffen Umzüge. Auch ganz alleine. Mit Kindern und Geldarbeit. Also wird das doch zu schaffen sein. Ist es auch. In ruhigen Momenten, in denen ich Wind und die Frische der Mailuft bemerke, ist alles schaffbar. Irgendwann steht alles an seinem Ort. Dazwischen sitze ich mit einem Koffer ungewaschener Wäsche, von der mehr als die Hälfte bereits in der neuen Wohnung bleiben kann und einem Rucksack voll Bücher, weil mir nichts anderes einfiel, das ich schnell mitnehmen konnte und warte auf den Bus der mich zur Straßenbahn die mich zur Straßenbahn die mich zum Supermarkt bringt, wo Abendessen eingekauft wird und vielleicht Frühstück und dann bin ich noch nicht Zuhause, sondern erst am neuen Ort.

Zuhause. Hab ich im Moment keines. Aber ich habe ein Zimmer mit rosa Schrank, der auf Tupfen wartet. Ich habe einen großen Spiegelschrank im selben Zimmer, der hoffentlich bei zukünftigen Selfies helfen wird. Einen Brandkasten voll mit Büchern. Einen blauen Vorratsschrank. Weiße Wände. Türen und Fensterrahmen, die nun fürchterlich dreckig aussehen. Und in der Donaustadt unzählige leere Kisten, die manchmal mahnend mit einem spookigen Geräusch zu Boden rutschen. Nein, ich habe noch nichts gepackt. Irgendwas untersagte mir, die “leichten” Kisten zuerst zu packen, aber jetzt ist es Zeit und es ist doch egal, womit ich anfange.

Wahrscheinlich sollte ich vor allem meine Steinsammlung von einem Ort zum anderen schleppen – denn es ist mir peinlich, sie von anderen schleppen zu lassen, die können schließlich nichts dafür, dass ich Steine sammle. Ach, ach. Viel lässt sich außer Packen nicht tun.

Später kehre ich zurück aus einer erneut staubigen Wohnung. In der Küche habe ich alle Flächen abgewischt, aber ich muss wohl nochmal und den Boden nochmal aufwischen und vielleicht sogar den sonderbaren grünen Staub aus den Bodenritzen saugen. Ein süßer Duft kommt aus der Gärtnerei auf dem Heimweg. An meinem Herzensort müssten langsam Frangipani und Geißblatt mit dem Blühen anfangen oder vielleicht dauert es noch zwei Wochen … und dann fällt mir ein, dass ich jeweils meine Wintermäntel transportieren könnte, wenn ich in die andere Wohnung gehe, weil die so viel Platz wegnehmen, also mache ich das morgen wohl.

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