Aus der Schatzkammer der Königin Folge 1: esca

Nachdem meine Ohrringe und anderen Schmuckstücke immer wieder Anklang finden, plane ich, sie euch der Reihe nach vorzustellen – und wenn möglich auch wo ich sie erworben habe.

Ich beginne dabei mit meinem Lieblingslabel esca. esca, das ist ein Geschwister-Design-Trio, Phillip, Christina und Christoph, alle drei aus gestalterischen Richtungen kommend – z.B. Produktgestaltung von Keramik (Christina) und Werbegrafik (Christoph). Als Kinder haben sie schon viel gebastelt, seit 2007 Jahren gestalten sie nun Kleidungsstücke, Taschen, Schmuck und andere Accessoires.

Ich weiß nicht mehr wann ich das erste Mal auf ihr Geschäft in der Langen Gasse 19, 1080 Wien, aufmerksam geworden bin, war es schon 2008 oder 2009 oder erst 2010? Mir waren die schönen Ketten im Schaufenster aufgefallen und auch ein gewisser Pulli mit einer Elster, also ging ich hin und kaufte mir meine erste esca-Kette, das Schiff mit dem Anker, ein Design, das ich immer noch genial finde.

Schiffkette

Mein erstes Stück von esca – ich liebe den angehängten Anker, der beim Tragen auf- und wieder abtaucht.

Als ich dann 2011 meine Ohrlöcher stechen ließ, kamen Fischohrringe dazu, oft meine go-to-Ohrringe für wenn ich schwarz trage, ein kleiner weißer Ansteckhase, der lange keinen Platz fand, aber kürzlich hat er sich auf einem schwarzen Pulli heimisch eingerichtet, dann die passende Brosche zu den Fischohrringen, dann die schönste Quallenkette, Ankerohrringe und eine Schiffbrosche. Ach, und wunderhübsche Weihnachtsbaumanhänger. Dazwischen immer wieder Geschenke für Freundinnen, weil es bei esca so schöne Katzenohrringe gibt.

Fischohrringe und die dazupassende Brosche - gehören zu meinen Lieblingsohrringen.

Fischohrringe und die dazupassende Brosche – sie gehören zu meinen Lieblingsohrringen.

Da ich für eine Kolumne Fotos von der aktuellen Kollektion benötigte, fragte ich bei esca an, ob ich die Fotos gleich im Geschäft machen und vielleicht gleich noch ein Interview mit ihnen führen dürfte. Freundlicherweise haben sie zugestimmt und so habe ich mich mit Christina und Christoph unterhalten.

Hasenanstecker, klein, aber ein feines Detail.

Hasenanstecker, klein, aber ein feines Detail.

Anna: Wie lange gibt es euch denn eigentlich schon?

Christoph: Mein Bruder und meine Schwester haben vor ungefähr zehn Jahren mit Webdesign begonnen.

Christina: Den Shop so wie er hier ist, gibt es jetzt seit Dezember 2007, da haben wir eröffnet.

Anna: Das kommt ungefähr hin in meiner Erinnerung. Das heißt, ihr seid drei Geschwister?

Christoph: Genau.

Christina: Mein anderer Bruder ist auch dabei, der ist meistens am Vormittag da, weil er die Kinder vom Kindergarten abholt und betreut. Mit ihm habe ich eigentlich begonnen. Wir haben ursprünglich mit Webdesign angefangen, auch Druckgraphiken und solche Dinge, Folder usw. Dann (zu Christoph) bist du dazugekommen.

Christoph: Genau, da hab ich eigentlich meinen Bruder ersetzt, der Zivildienst machen musste und da haben wir irgendwann einmal festgestellt, dass wir gerne unsere eigenen Grafiken in der Hand halten würden und Probeshirts drucken lassen. Dann haben wir uns relativ schnell die erste Presse gekauft mit Flock- und Flexdruckverfahren und haben unsere eigenen Shirts in Kleinserien hergestellt.

Schiffsbrosche für wenn ich keine Kette tragen will - nur zum Anker bräuchte ich jetzt eigentlich noch farblich passende Ohrringe.

Schiffsbrosche für wenn ich keine Kette tragen will – nur zum Anker bräuchte ich jetzt eigentlich noch farblich passende Ohrringe.

Anna: Habt ihr einen eigenen Lasercutter für den Schmuck?

Christoph: Den lassen wir großteils in Deutschland anfertigen.

Christina: Genau, die Acrylsachen in Deutschland, die Holzdinge und Lasergravur bei den Brettchen und so machen wir in Wien bei der Laserbox, die sind da eigentlich ganz fix

Anna: Das heißt, der Schmuck ist aus Acryl?

Christoph: Genau. Wir verwenden hauptsächlich Acrylglas oder Holz für den Schmuck

Christina: Wobei wir jetzt mit dem Holz weitermachen wollen, damit es auch ein bisschen zu den ganzen fair produzierten und Biobaumwollshirts passt, das ist irgendwie das bessere Material, nicht so farbenfroh, aber es kommt immer darauf an, wie man es gravieren kann und so.

Anna: Ja, Holz erlaubt auch durch die verschiedenen Brennungsstufen mehr Schattierungen, das ist schon ganz cool.

Christina: Das stimmt, es funktioniert auch besser zum Gravieren.

Anna: Ich habe mir auch die Dachsköpfe angesehen, weil ich mir dachte: „Das ist neu.“

Christina: Bei den Dachsköpfen funktioniert das mit dem Acrylglas auch, es schneidet nur nicht ganz so sauber an den Kanten.

Besagter Dachskopf als Kette - im Geschäft fotografiert.

Besagter Dachskopf als Kette – im Geschäft fotografiert.

Anna: Ich wollte euch fragen – die Inspiration für die gegenwärtige Kollektion ist relativ offensichtlich, aber am Anfang habt ihr mit Hirschgeweihen und Schiffen gearbeitet, ich erinnere mich auch an Haie und die Hasen waren schon früh da – was hat euch inspiriert?

Christina: Ganz ursprünglich hatten wir eine Männchenserie, eine comicartige …

Christoph: … dann haben wir kreuz und quer geschossen und haben dann beschlossen, wir machen jetzt eine Linie, die wir durchziehen.

Christina: Wobei, diese Wasserlinie gibt es schon auch, die ist dann meistens saisonal, also, dass wir sie im Sommer dann wieder herauskramen oder adaptieren …

Anna: Ich habe mich sehr über die Qualle gefreut.

Christina: Christoph hat dann drei „Gentlemen of the Sea“ gemacht, einen Heilbutt, eine Seeschwalbe und – was war das dritte?

Christoph: Der Oktopus.

Christina: Oh, der Oktopus. Also, die Meer- und Wassermotive sind halt Sommermotive, beziehungsweise kommt es auch aus der Richtung, dass Christoph sehr gerne fischt, sehr viele Fischer- und Segelfreunde hat …

Christoph: Und Tauchen. Sehr wasseraffin, das Ganze.

Qualle

Wasseraffin bin ich eben auch – hier ist meine wunderhübsche Quallenkette von esca.

Anna: Und wie seid ihr dann auf die Märchen gekommen?

Christoph: Das war eigentlich ein reiner Zufall, ich habe gelesen, dass im nächsten Jahr das Gebrüder-Grimm-Jahr ist, das war 2013 und da habe ich mich hingesetzt und beschlossen, das Rotkäppchen zu gestalten. Das hat relativ lange gedauert, weil immer wieder irgendetwas nicht gepasst hat, wo man sich manchmal einfach verrennt und enorm viel Zeit braucht, so ein Motiv zu entwickeln. Aber dann, wie es dann da war, hat es eigentlich so viel Anklang gefunden, dass wir beschlossen haben, eine ganze Serie zu gestalten, mit Hänsel und Gretel usw.

Rotkäppchen-Windlichter in Kooperation mit feine dinge

Rotkäppchen-Windlichter in Kooperation mit feinedinge*, fotografiert im Geschäft.

Christina: Wobei aufgrund der ganzen Recherche für die Gestaltung kommst du einfach auf diese alten Bücher und da sind einfach extrem schöne Stiche und Drucke drin.

Anna: Ja, ich habe mir beim Schreiben der Kolumne gedacht: „Hm, was ist das für ein Märchen, das kenn ich gar nicht.“ Da sind auch ein paar obskure dabei, aber was ich an euch wirklich schätze, ist, dass ihr die Essenz herauszieht und einen Wiedererkennungseffekt habt – und zwar so einfach (von der Gestaltung her), das liebe ich sehr.

Christoph: Das ist das Schwierige. Du möchtest dann nicht 5000 Details auf einem Shirt haben, sondern es zusammenschmelzen, damit jemand, der das Märchen wenigstens ansatzweise kennt sagt: „Ah, das ist jetzt Blaubart!“

Christina: Hurleburlebutz!

Anna: Das habe ich z.B. überhaupt nicht gekannt, auch „Die treuen Tiere“ haben mir überhaupt nichts gesagt.

Christina: Das ist auch ein sehr schräges Märchen, wenn man sich das durchliest, die lassen sich nicht so gut wiedergeben.

Christoph: Es sind teilweise recht offene Geschichten, der Handlungsstrang ist ein bisschen verworren.

Die sechs Schwäne mit Verstärkung - fotografiert im Shop.

Die sechs Schwäne mit Verstärkung – fotografiert im Shop.

Anna: Was mögt ihr eigentlich selbst gerne? Welche eurer Stücke tragt ihr am liebsten, habt ihr zuhause eine eigene Kollektion?

Christoph: Ich mache mir schon oft Sonderfarben.

Christina: Weil die Farben, die wir oft wollen, dann nicht so großen Anklang finden.

Christoph: Es ist oft so, dass man selber einen anderen Geschmack hat, dass die Mehrheit – also gerade die Männer – lieber dezentere Farben tragen und ich habe schon ganz gerne manchmal etwas Schwarz-Weiß-Neonpinkes.

Anna: Ich würde mich für etwas Schwarz-Weiß-Neonpinkes sofort begeistern.

Christina: Die anderen Männer nicht, das ist ja das. Wir probieren manchmal etwas, eine Krake in Schwarz-Weiß-Neonpink, das hat bei Männern überhaupt nicht funktioniert.

Christoph: Ja, stimmt.

Christina (zu Christoph): Du hast sehr viel Wassermotive, das muss ich schon sagen. (Christoph trägt ein dunkelgraues T-shirt mit zwei schwarzen Oktopustentakeln.) Aber Rotkäppchen hat glaube ich jeder von uns?

Christoph: Ich bin auch ein großer Fan von den Tierköpfen, es ist manchmal ganz nett, wenn man unterm Sakko dann noch einen Gag hat.

Das Hurleburlebutz-Kleid mit Dachskopftasche - fotografiert im Shop.

Hurleburlebutz-Kleid mit Dachskopftasche – fotografiert im Shop.

Anna: Ich habe mich gefragt, ab welchem Zeitpunkt ihr erfolgreich wurdet, gab es einen Punkt, an dem ihr „in“ wart und ist es dann wieder abgeflacht?

Christoph: Ich würde sagen, seit der Märchenkollektion wird es stetig mehr, der Bekanntheitsgrad wird höher und es finden doch sehr viele Leute gut. Am Anfang, als wir noch so kreuz und quer geschossen haben, gab es immer wieder einmal ein T-Shirt, das gefiel und aufgekauft wurde, aber seit wir eine Linie gefunden haben, ist doch der Anklang bei weitem größer.

Christina: Gleichzeitig hatten die anderen auch sehr viele Schwarz-Weiß-T-Shirts mit Sprüchen und da haben wir unsere Sache weitergemacht mit den Märchen, das ist schon ein bisschen ein Kontrast, wenn jeder gerade die Schwarz-Weiß-Shirts hat, wenn da doch ein Motiv drauf ist.

Anna: Ich mag halt keine Sprüche, zum Beispiel.

Beide: Wir auch nicht.

Christina: Beziehungsweise sind wir auch schlecht beim Texten, deswegen täte ich mir schwer, irgendwelche Sprüche auf Shirts zu drucken.

Anna: Ich würde wahrscheinlich Lieblingswörter draufdrucken, aber ich finde das dann so definierend, während ein Bild viel mehrdeutiger ist. Habt ihr irgendwelche Marketingstrategien? Ich habe gesehen, dass ihr jetzt im 7. Bezirk in vielen Boutiquen vertreten seid und ihr seid immer beim Feschmarkt und solchen Sachen dabei, aber …

Christina: Wir kommen eher aus dem Gestalterischen, nicht aus der wirtschaftlichen Richtung. Unser Ziel ist im Moment, dass wir nicht nur in Wien Shops finden, die uns vertreiben, sondern auch in anderen Bundesländern zumindest. Über Dawanda funktioniert es ganz gut.

Christoph: Wir haben Dawanda und Etsy momentan und wollen es doch noch weiter fächern – man muss halt immer erst aussortieren, welche Shopsysteme sind gut, wie sind die Konditionen usw. und vor allem in welchen Nationen wird es dann hauptsächlich gekauft, wegen den Versandkosten.

Anna: Ich habe auch festgestellt, auf Dawanda habt ihr gar nicht alle eure Sachen eingestellt, ich nehme an, ihr testet auch dort, was sich verkauft und was nicht?

Christina: Genau. Es ist ein extremer Aufwand von allem immer Fotos zu machen, alles immer reinzustellen, dann haben wir eine Phase wo einer von uns fünf oder zehn Shirts reinstellt, aber …

Christoph: Wir lassen es dann auch auslaufen, wir haben sicher jedes Motiv schon einmal auf Dawanda stehen gehabt, nur die, die sich nicht gut verkauft haben, haben wir dann eingestellt, weil du zahlst auf Dawanda pro Stück –

Christina: Für die Einstellung, für drei Monate –

Christoph: Wenn ich das Shirt nie verkauft habe, dann werde ich es nicht noch mal auf Dawanda einstellen. Manche Sachen verkaufen sich zum Beispiel besser auf Märkten und manche besser hier im Shop und manche online. Zum Beispiel der Blaubart ist am Markt super, im Shop selber wird er meistens zwar angeschaut, aber so, dass die Leute dann auch sagen: „Den möchte ich jetzt anziehen,“ ist es dann nicht. Da ist das Publikum auch anders.

Zum Blaubartshirt perfekt passende Ketten und Ohrringe - im Shop fotografiert.

Zum Blaubartshirt perfekt passende Ketten und Ohrringe – im Shop fotografiert.

Anna: Kann ich bei euch auch eigene Kleidung mitbringen und sagen: „Ich möchte da gerne was draufhaben?“

Christoph: Ja. Das ist an und für sich kein Problem.

Anna: Ich habe nämlich in eurer Sommerkollektion die gestreiften T-Shirts mit dem Schiff gesehen und hatte davor dieselbe Idee, nur für mich, für ein Kleid.

Christoph: Die hatten wir auch einmal für Herren und Damen, aber ich weiß nicht, ob die noch produziert werden, diese Streifenshirts.

Christina: Das war vor zwei Jahren, bei dem einem waren sie dann aus und bei dem anderen hat das mit dem Nachliefern sehr lange gedauert.

Christoph: Das ist dann immer sehr schwierig, wenn eine Farbe, die wir sehr gern haben, eingestellt wird. Wenn man nicht selber produziert, muss man sich mit dem begnügen, was die Hersteller anbieten.

Ankerohrringe, damit sich die Schiffe nicht so allein fühlen.

Ankerohrringe, damit sich die Schiffe nicht so allein fühlen.

Anna: Habt ihr schon Pläne für die nächste Kollektion?

Christoph: Wir werden die Märchenkollektion weiterhin ausbauen. Eine große neue Schiene ist momentan nicht in Planung, sondern dass wir das mit den Tierköpfen und den Märchen weiter verfolgen.

Christina: Und dann ist da der Marketingplan. Auch in Wien sind wir nur im 7. Bezirk vertreten. Christoph hat vor Jahren bei Disaster Clothing angefangen, bevor wir den Shop hatten, die anderen haben wir über Märkte kennengelernt oder sie sind an uns herangetreten, also haben wir den 7. ziemlich abgedeckt, aber sonst müssen wir noch schauen. Wir möchten auch eigene Teile herstellen, bei den Kleidern und Röcken haben wir selbst den Schnitt gemacht, mit Schnittbogen gemeinsam. Wir haben auch an Krawatten gedacht, die aus einem Stoff nähen zu lassen.

Christoph: Bei den Kleinserien müssen wir halt immer schauen, wie rentiert sich das, kriege ich das an den Markt. Natürlich würde es sich erst rentieren, wenn du viele Abnehmer hast und das in einer größeren Produktion machen lässt, nur ist es dann wieder schwierig nachhaltig und fair zu wirtschaften, weil du möchtest es ja dann auch nicht irgendwo in Asien mit Kinderarbeit machen lassen.

Anna: Wo werden denn die Kleider produziert?

Christina: Also der Stoff ist über Lebenskleidung bestellt, das andere läuft eben über Schnittbogen, die haben eine Kooperation mit einer Mitarbeiterin in Bulgarien, die selber hin und herfährt und dort Näherinnen hat.

Weihnachtsbaumschmuck, den ich gleich zu Kettenanhängern umfunktioniert habe.

Weihnachtsbaumschmuck, den ich gleich zu Kettenanhängern umfunktioniert habe.

Anna: Gibt es irgendwas, was ihr selbst gern noch erzählen möchtet?

Beide: Nicht wirklich.

Anna: Dann herzlichen Dank für das Interview!

http://www.esca.at/

de.dawanda.com/shop/esca

Am Ende des Interviews durfte ich mir eine Brosche aussuchen - nun habe ich eine Walfrau.

Am Ende des Interviews durfte ich mir eine Brosche aussuchen – nun habe ich eine Walfrau. Vielen Dank, esca!

Die Stoffe auf den Fotos von meinen Schmuckstücken stammen alle aus der Berliner Filiale von Frau Tulpe.

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