Was kostet ein Pullover?

Zum Parallelartikel übers Nähen von Miss Temple bitte hier lang.

Konsum, besonders das Kaufen von Kleidern, ist schon seit einiger Zeit in meiner Twittertimeline ein Thema, das immer wieder aufkommt und besprochen wird. Puzzlestücke hat bereits über die Parole “Kauft nicht bei Primark” gerantet und deren Implikationen und Konsequenzen besprochen, Riotmango ergänzte aus der fatactivistischen Perspektive und Charlott kritisierte bei der Mädchenmannschaft die Deklaration von “gutem Konsum” als Aktivismus auf breiter Basis.

Heute ging’s dann um all das und noch viel mehr in meiner Timeline. Ich wollte ein Storify machen, anstatt hier tausend Tweets einzubinden, aber Storify spielt grad nicht mit. Ich binde jetzt aber nur die “Hauptknotenpunkte” ein, ich hoffe, ihr könnt dann auf Twitter noch alles nachverfolgen. Alles begann mit diesem Tweet

Es folgte Kritik, die viele der Argumente aus den oben verlinkten Texten aufgriff und noch ergänzte.

Dann kam dieser Tweet:

Und dann zerpflückten wir diesen Vorschlag. Denn so einfach ist es nicht. Ich greife hier die Hauptargumente raus (Wenn ihr auf das Datum klickt, kommt ihr auf Twitter zur Konversation):

(Ähm, die obigen Tweets und die darauf folgende Unterhaltung enthalten ganz viel Sarkasmus, mit wertvollen Spurenelementen.)

Ok, sorry, ich habe noch lange nicht alle Aspekte abgedeckt oder alle erwähnt, die mitgeredet haben, aber ich komme jetzt mal zu dem Punkt, zu dem ich den Blogpost schreiben wollte:

Tja, und da ich nicht nähe, dachte ich mir, ich mach das mal für meine Strickarbeiten. Es gibt sicher ein paar allgemeingültige Punkte (Nadeln und Garn brauchen alle, sonst klappt das Stricken nicht) und ich versuche möglichst viele Variablen und Varianten einzubauen, aber ich gehe hier mal von mir und meinem Strickverhalten aus, darum ist das Endergebnis auch höchst individuell und nicht 1:1 übertragbar.

Ich nehme als Grundlage für die mit Stricken verbrachte Zeit (findet ja meistens nicht in der Arbeitszeit statt) den Stundenlohn – aber welchen? Bisschen schwierig, wenn ich den Stundenlohn aus meiner Arbeit nehme, da das ja voraussetzt, dass ich arbeite. Was für einen Stundenlohn habe ich denn, wenn ich arbeitslos bin? Oder Hausfrau? Aber ich geh ja jetzt mal von mir aus – und glücklicherweise hab ich grad Arbeit.

1. Stricken lernen

Variante a) Eine bekannte oder verwandte Person zeigt, wie gestrickt wird.

Kostet die lernende Person: Von 0,- (Kinder kriegen kein Geld gezahlt) bis zum jetztigen Stundenlohn (ich könnte ja stattdessen arbeiten).  Für die Eltern kostet möglicherweise die Kinderbetreuung etwas.

Aber die lehrende Person bringt Zeit dafür auf, d.h. es kostet sie etwas. Die lehrende Person könnte je nach den Fähigkeiten, die sie vermittelt und der Zeit, die sie dafür aufwendet, zwischen … tja, das kommt jetzt darauf an, was die lehrende Person vermittelt, was für eine Ausbildung sie hat, was genau sie vermittelt – und ob ich einfach ihre sonstige berufliche Tätigkeit mit dem Beibringen von Stricken auf eine Stufe setze.

Aber ich nehme mal ein Beispiel an: Eine 40jährige Volksschullehrerin* mit 20 Jahren Arbeitserfahrung, alleinerziehend mit zwei Kindern, voll arbeitend, kriegt ca. einen Nettostundenlohn von € 11,50 in Österreich, wenn ich mir das mit Gehalts-, Brutto-Netto- und Stundenlohnrechner richtig zusammengereimt habe. Wenn sie also einem ihrer Kinder (nicht ihrer Schüler_innen*, wohlgemerkt) Stricken beibringt, sollte sie pro Stunde eigentlich mindestens € 11,50 verdienen.

Variante b) Stricken wird in der Schule gelernt.

Kostet die lernende Person: 0,- (Kinder bekommen nichts gezahlt für in die Schule gehen.) Die Eltern zahlen Steuern und ev. Schulgeld.

Die lehrende Person, z.B. die Lehrerin* aus dem vorigen Absatz kriegt pro Stunde netto € 11,50. Wenn die Person jünger oder älter ist (bzw. je nach Arbeitserfahrung), wird sie pro Stunde weniger oder mehr verdienen – und es macht auch einen Unterschied aus, ob die Person in einer Volks/Grundschule arbeitet, in einer Mittelschule oder einer höheren Schule oder z.B. auf einer Modefachschule, ob es eine private oder öffentliche Schule ist.

Variante c): Stricken wird in einem Kurs gelernt.

Kostet die lernende Person: Kursgebühr. Die kann von nichts bis sehr wenig bis sehr viel kosten. Vielleicht hält eine freundliche Person gratis Strickkurse ab (kostet dann die Person ihren Stundenlohn), es gibt Kurse an Volkshochschulen und natürlich in Wollläden wo zwischen 15€/3,5 Std. (Saarbrücken), 60€/6 Std. (Niederösterreich), 30€/2 Std. (Berlin), 50€/2 Std. (Wien) und wohl noch mehr alles drin ist (das sind keine Standardpreise, ich hab einfach ein paar rausgepickt).

Die lehrende Person verdient also im besten Fall die Kursgebühr, muss aber dafür ev. Steuern absetzen, etc.

Variante d): Stricken wird aus einem Buch gelernt.

Kostet die lernende Person: Ein Buch (10-30€, ev. Portokosten + euer Stundenlohn fürs Stricken lernen). Oder die Person könnte sich eins aus der Bibliothek, falls es vor Ort eine gibt (ev. Bibliotheksgebühr von gratis bis 30 oder mehr Euro im Jahr, falls das Buch ausgeliehen wird, Wegzeit + Stundenlohn) oder eins von einer anderen Person ausleihen (Wegzeit + Stundenlohn).

Variante e): Stricken wird aus dem Internet gelernt.

Hilfreiche Menschen haben jede Menge Strickvideos auf Youtube gestellt bzw. Blogposts geschrieben.

Kostet die lernende Person: Internetanschluss (von Anschluss im Haus, bei mir ca. 17 €/Monat, über Gebühren für internetfähiges Smartphone/Tablet, bei mir 20€/Monat – geht aber für manche Menschen nicht, also müssen sie z.B. Internetcafé, Surfstick, WLAN in Cafés benutzen, das je nachdem auch was kostet, zumindest ein Getränk) und wieder Stundenlohn.

Die Personen, die z.B. die Videos auf Youtube stellen (es gibt auch Videokurse, für die bezahlt werden muss und andere Plattformen) stellen ihre Arbeit zur Verfügung, benötigen eine Kamera, Zeit zur Planung des Videos, ev. einen Profi-Zugang … ach ja, und Internet!

Ihr seht, das steckt alles voller Zeit & Geld und ich hab noch nicht mal gesagt, wie lange es dauert, bis das Stricken erlernt ist und wie es mit den Materialkosten aussieht.

2. Wie lange dauert es, bis das Stricken erlernt ist?

Tja. Das kann ich nicht sagen, denn ich habe Stricken und Häkeln als Kind von meiner Großmutter gelernt und hatte es wohl recht schnell heraußen. Hier ist die Motivation ausschlaggebend – macht es Spaß, wird mehr Zeit damit verbracht, wird es schneller erlernt, mehr geübt. Aber beim Stricken kann es Barrieren geben. Eine Freundin von mir ist Linkshänderin und häkelt ab und zu, Stricken geht für sie nicht. Heute gibt es Videos für Linkshänder_innen*, aber lange wurde einfach vorausgesetzt, dass Linkshänder_innen* nicht speziell unterrichtet werden müssen – dementsprechend gab’s Zwang und Unglück.

Eine Person, die z.B. Schmerzen oder eingeschränkte Mobilität in den Händen hat oder zitternde Hände, wird ein ganz anderes Strickenlernerlebnis haben. Was macht eine Person, der Finger fehlen? Es gibt Stricktechniken, da wird der Faden nicht in der linken Hand gehalten, sondern in der rechten, da hält die linke Hand eigentlich nur die Nadel, die sogar unter die Achsel geklemmt werden kann. In manchen Regionen/Ländern wird der Faden um den Hals gelegt (hat mir eine türkische Freundin gezeigt), in anderen läuft der Faden über einen Knopf an der Jacke – da ist also eine große Bandbreite, die genützt werden könnte, aber dazu muss z.B. eine lehrende Person sie erst kennen. Und wie sieht es mit Strickmustern in Brailleschrift aus?

Wenn dann das Grundwissen da ist – wie beginne ich (da gibt’s unzählige Variationen), wie stricke ich tatsächliche Maschen (ev. schon verkehrte), wie höre ich auf (unzählige Variationen), beginnt das Aufbauwissen – Maschen abnehmen, zunehmen, verdrehen, Zöpfe, Lochmuster, etc. Da muss dann erlernt werden, wie Strickschriften gelesen werden – sowohl ausgeschriebene, als auch grafisch abgebildete Muster, mit oft von Buch zu Buch unterschiedlichen Abkürzungen und Symbolen, wenn dann noch eine andere Sprache dazukommt (die Auswahl der Strickmuster auf Englisch ist weit größer), das ist ein großer Aufwand. Manche Personen tun sich leichter mit ausgeschriebenen Strickmustern, andere können die grafischen Darstellungen besser lesen – das kommt ganz auf die Person an. Ja, und eben: z.B. Brailleschrift? Yep, gibt es, sagt Google, hier ein paar Websites, die mir auf den ersten Blick ok vorkamen. Ja, leider sind die alle auf Englisch. Hm.

http://www.perkins.org/resources/scout/recreation/knitting-and-crochet.html

http://blog.lionbrand.com/2010/03/10/knitting-by-touch-the-touch-of-yarn-by-davey-hulse/ – das ist das Blog einer Wollfirma

http://andyshell.com/shell/knit1.htm

http://www.abledata.com/abledata.cfm?pageid=160377&ksectionid=160164&atlitid=190380

Es gibt auch das Buch “Better Knitting Made Easier for Blind People” von Audrie Stratford, das als Ressource angepriesen wird, aber das scheint schon älteren Datums und nicht so leicht verfügbar zu sein. Und auf Englisch ist es auch.

Jetzt bin ich weit weggewandert. Also – wie lange hat es bei mir gedauert, bis ich Stricken lernte? Ich hab Stricken als Kind gelernt, Streifen stricken hab ich mir selbst beigebracht, mit zwei Farben stricken (also Norwegermuster) hab ich mir selbst beigebracht, rund stricken hab ich mir selbst beigebracht, Zöpfe stricken mit Hilfe eines Buches aus der Bibliothek – und doch habe ich Techniken, die mir heute selbstverständlich sind erst ab 2005 gelernt, also dass es Variationen von Anschlagen und Abbinden gibt, welche mir davon am meisten gefällt, Socken stricken, Spitzenmuster, Strickschriften lesen (Deutsch & parallel Englisch), verkürzte Reihen, etc. pp.

Erst ab dann habe ich mir die Praxis erarbeitet, die ich heute habe. Vorher habe ich immer phasenweise gestrickt, aber eben meistens mit trial & error und eigenem Vorstellungsvermögen. Der erste komplexe Spitzenschal, den ich strickte (erst 2009!), kam mir unendlich vor – danach habe ich ihn noch zweimal nachgestrickt und die vergingen wie im Nu (ich hatte davor schon welche gestrickt, aber die waren einfacher). Aber ich habe auch überall gestrickt, wo es nur ging, an der Uni, in den öffentlichen Verkehrsmitteln, im Auto, vor dem Computer, überall. Und ich war zum Teil Vollstudentin, zum Teil arbeitslos oder auch prekär beschäftigt – hatte also viel Zeit zum Stricken. Zudem fällt mir Stricken irgendwie leicht. Ich kann Gestricktes extrem gut “lesen”, d.h. ich kann ein Muster anschauen und analysieren, wie es gestrickt wird und das dann in eine Strickschrift übertragen. Ich entwerfe ganz viel selbst. Aber z.B. Jacken oder Pullis stricken fällt mir schwer, weil ich da so exakt sein muss.

Ich würde also sagen, es hat mich (mit meinem ganzen Vorwissen!) mehrere Jahre intensives Stricken gekostet, bis ich genug Praxis hatte und die ganze Zeit habe ich Techniken dazugelernt und ausprobiert – und doch sind meine Stricksachen noch lange nicht “perfekt” und ich traue mir Jacken und Pullover immer noch nicht ganz zu. Wie das bei einer Person ist, die später damit anfängt und nicht so viel Zeit hat, um zu üben, kann ich gar nicht sagen. Jedenfalls hätte ich, wenn meine Stricktätigkeit bisher auch nur mit, sagen wir, 5€/Stunde entlohnt würde, schon eine ziemliche Summe beisammen.

3. Was für Materialkosten gibt es?

Variante a) Selber machen

Als Stricknadeln lassen sich sehr viele Dinge verwenden. Essstäbchen, Äste, Metallrohre, Metallstäbe, Hauptsache länglich und vorne einigermaßen spitz zulaufend (nicht zu spitz). Nicht mal rund müssen sie sein, mittlerweile gibt es Stricknadeln mit quadratischem Profil. Je leichter und glatter sie sind, desto besser – denn sonst werden sie zu schwer und das Garn sitzt fest und muss mühsam herumgeschoben werden. Je nach Typ (Rundnadel, Sockennadel, “normale” Stricknadel) gibt es bestimmte Anforderungen (Verbindungskabel, 2 spitze Enden, Stopper am Ende). Nadeln können also aus Holz sein, von Bambus (billig) bis Eben- oder Rosenholz (teuer), aus Metall, Knochen (Bein), Elfenbein, Horn, Casein (Milchprotein), Plastik und sicher noch ein paar anderen Materialien.

Wenn es nicht darum geht, etwas bestimmtes nachzustricken, ist es auch egal, ob sie nun genau 2mm, 2,5mm, 5mm, 8mm oder 10mm Durchmesser haben (also nicht ganz egal, weil der Durchmesser auf das Gestrickte großen Einfluss hat), aber prinzipiell reichen “ziemlich dünn”, “mittel” und “dick” als Basis. Ich mag Rundnadeln sehr gern, weil ich mit denen sowohl z.B. Socken als auch Schals stricken kann (also in Runden & hin & her), da spar ich mir die Sockennadeln. Aber das kommt auf den Strickstil und persönliche Vorlieben an.

Garn selbst spinnen … *das* ist eine ganz eigene Technik, die sich auch nicht so ruck-zuck erlernen lässt. Spindeln lassen sich ebenfalls selbst bauen, aber nicht jede Spindel ist für jede Faser geeignet (manche müssen schwerer, andere leichter sein).

Und Faserrohstoffe erst – tierische sind jedenfalls leichter zu kriegen (Tier scheren – gut, dazu muss eins ein Tier haben) als pflanzliche (Pflanzen sammeln, z.B. Brennnesseln oder Feld bestellen, Pflanzen, z.B. Flachs anbauen, hoffen, dass sie was werden, Fasern aus den Pflanzen rauskriegen – sehr zeit- und arbeitsintensiv, besonders beim Flachs) und auch leichter zu verarbeiten, weil sie weicher sind. Seide ist da besonders einfach zu kriegen, sobald mal die Raupenzucht entwickelt wurde, weil da ein langer, kontinuierlicher Faden vom Kokon abgerollt und dann mit anderen Fäden verzwirnt wird, also muss der Faden nicht gesponnen werden, aber so einfach ist die Raupenzucht auch wieder nicht und vor allem nicht überall machbar.

Baumwolle ist, habe ich vernommen, sehr mühsam zu spinnen, weil die Fasern so kurz sind. Flachs ist relativ hart, braucht also Hornhaut auf den Fingern. Dann gibt’s z.B. neue Garne, die aus Bambuszellulose hergestellt werden, Viskosegarne gibt’s schon länger (aus Zellulose, also Bäumen), es gibt Garn aus Hanf, Bananenfasern, Ramie, Mais, aus Algen, mit Caseinanteil (Milch!) und natürlich auch aus Acryl, und noch viel mehr – es gibt viele Faserpflanzen, aber bei vielen ist es sehr kostspielig, die Fasern zu gewinnen, da maschinell nicht möglich. Je mehr manuelle Arbeit drinsteckt …

Welche Tiere kommen denn in Frage? Schafe, Ziegen, Alpakas, Lamas, Vikunjas, Hasen, Hunde (riecht dann halt nach Hund)… hmmm … Fuchskusus (in Neuseeland eine große Plage, d.h. “Possumwolle” kommt von den getöteten Tieren), bzw. gibt es auch Tiere, deren Wolle eingesammelt wird, nachdem sie sich die selbst an Bäumen, Steinen und so abgerubbelt haben (Moschusochsen in Alaska – die Wolle heißt “qiviut”), andere Büffel … und sicher noch etliche Tiere, die ich jetzt vergessen habe. Angorakatzenhaare wären z.B. auch eine Möglichkeit. Geschoren werden nicht alle, manche werden (hoffentlich liebevoll) gekämmt – aber wie ihr euch denken könnt, gibt es insgesamt große Probleme und viel Tierleid (Angorakaninchen z.B.) und Bestrebungen, die Tiere möglichst gut zu halten gibt es auch (Biowolle kostet dann halt auch mehr).

Um ein feines Wollgarn zu kriegen, braucht es erst mal z.B. ein Schaf, das feine Wolle hat. Ja, prinzipell kann wohl jedes Schaf geschoren werden, aber die Wolle ist dann je nachdem sehr kratzig. Das Alter des Schafs spielt auch eine Rolle. Und dann muss das Schaf (einfach eins klauen! Äh) ja auch im besten Fall gut behandelt und gepflegt werden, dann muss es geschoren werden (erfordert Können), die Wolle muss gewaschen werden (ist nämlich dreckig), dann kardiert (gekämmt) werden (erfordert viel Arbeit), denn vom Waschen ist sie etwas filzig und es sind noch Zweige und andere Dinge drin. Dann wird sie eventuell gefärbt (Färbemittel kaufen/sammeln/zubereiten – das erfordert alles Zeit & Können), eventuell wird aber das Garn auch erst gefärbt, wenn es schon gesponnen wurde, das ist ein bisschen leichter.

Dann wird die Wolle zum Spinnen vorbereitet und dann endlich gesponnen und danach ev. noch verzwirnt, weil verzwirnen (also z.B. zwei Fäden miteinander verzwirbelt) das Garn stärker und dicker macht. Das alles mit einer Handspindel … kein Wunder, dass Geräte erfunden wurden, um diese Arbeitsabläufe zu vereinfachen. Mit dem Spinnrad geht’s auch schneller, aber immer noch nicht so schnell wie mit einer Spinnmaschine. Das alles erfordert so viel Zeit und Können – wenn ihr mal drüber nachdenkt, wieviele Menschen seit Beginn des Webens (weil Weben kommt lange vor dem Stricken) Kleidung gebraucht & hergestellt haben und was dafür alles gesponnen wurde … ich glaube die Erde könnte gut etliche Male eingewickelt werden.

Ihr seht jetzt also, warum z.B. handgesponnene, handgefärbte Biogarne viel Geld kosten. Alles, was mit der Hand gemacht wird, erfordert Praxis, also Zeit & Geld. Es gibt also jede Menge Menschen, die sich das selbermachen nicht antun wollen oder können (mich z.B., ich stricke lieber, als dass ich spinne oder färbe oder schere oder in großem Stil Pflanzen anbaue, etc., ich finde nur die Techniken faszinierend). Wie kommen die zu Garn?

Variante b) Gratis

Meine ersten Stricknadeln und meine ersten Wollknäuel bekam ich von meiner Großmutter bzw. von meiner Mutter. Später hat mir dann auch mein Vater Wolle geschenkt, die er noch übrig hatte (er hat sich auf der Strickmaschine seiner Mutter Pullis gestrickt), andere Menschen haben mir ebenfalls Wolle überlassen oder zum Geburtstag oder als Mitbringsel geschenkt … yay! Für die Schenkenden bedeutet das aber ihrerseits Geld und Zeit, die sie für Aussuchen & Kauf der Wolle aufgewendet haben (und Transportkosten, wenn’s ein Mitbringsel war).

Nachteil: Meist keine großen Mengen, oft nicht in den gewünschten Farben, nicht in derselben Stärke, Bestandteile des Garnes oft unbekannt (da gibt’s dann Verbrennungstests dafür), das Garn kann müffeln, viele Knoten haben, Motten enthalten & jede Menge andere Dinge. Ja, ich kann mir einen knallbunten Pulli aus Resten stricken – wie gut passe ich dann in die gesellschaftlichen Kleidernormen?

Variante c) Kaufen

Kostet Geld. Von Garn aus Kunstfasern über Standardwolle bis zu den handgefärbten, handgesponnenen Garnen aus eventuell noch seltenen und daher teureren Fasern ist von 1€ pro Knäuel bis zu 50 – 60 – 70€ pro Knäuel (Moschusochsenunterwolle) alles dabei. Stricknadeln – je nach Material – kosten zwischen 3 € bis zu 10 € und mehr (f. Edelhölzer), mittlerweile gibt es Rundstricknadeln, deren Kabel abmontierbar sind, d.h. da braucht es dann nicht mehr jede Nadel mit verschiedenen Kabellängen, sondern da gibt es dann Sets, die wohl ab 50, 60 € aufwärts zu haben sind.

Kaufen lässt sich Garn und Zubehör:

  • auf dem Flohmarkt. Ich habe jede Menge Strick- und Häkelnadeln auf dem Flohmarkt neben dem Haus der Königinmutter gefunden. Manchmal haben die Nadeln Knicke, Schnitte, rauhe Stellen, sind angerostet und für die Wolle gilt, was bei Variante b) schon stand.
  • auf Ebay (hab ich so 2005 öfter getan) aber das ist nicht die sicherste Sache, siehe Variante b). Portokosten nicht vergessen!
  • auf Etsy oder Dawanda – hängt dann von den Anbieter_innen* ab, wie das verläuft, wieviel das Garn kostet, wie es dann aussieht, wenn es ankommt – und Portokosten kommen da auch dazu. Etsy bzw. Dawanda werden aber von vielen kleinen Anbieter_innen* benutzt und es gibt wirklich wunderschöne Dinge (die, yep, mehr Geld kosten).
  • eigenen Webshops – Portokosten
  • Webshops von Wollläden – Portokosten
  • Amazon – Portokosten
  • im Supermarkt – Hofer hat im Winter & im Sommer Wolle, Zielpunkt und Spar manchmal auch, besonders am Land
  • im Kaufhaus – besonders in großen Kaufhäusern, die auch Geschirr und Handtücher und so verkaufen, meist in der “Haushaltsabteilung”
  • Bastelketten, z.B. im Thalia
  • Bastelläden
  • Stoffläden
  • und last, but not least – eigenen Wolläden. Die können ganz unterschiedlich sein, je nach Kundschaft. Auch wenn’s nervig ist, ein voller Wollladen ist ein guter Wollladen und kleine Wollläden haben öfter Ausverkauf. Ich habe einen Lieblingswollladen, den ich leider nicht mehr so oft besuche wie früher, als ich noch in der Nähe wohnte bzw. in der Nähe auf die Uni ging, aber die zwei Frauen, die ihn betreiben, kennen mich und freuen sich, wenn ich vorbeischaue, wir plaudern, wie’s so geht, tauschen Informationen über tolle neue Garne aus und so. Ich hab aber auch Glück, dass es in Wien viele Wollläden und damit große Auswahl gibt – je nach Ortsgröße gibt’s dann halt weniger Auswahl oder gar keinen Wollladen.

4. Zubehör

Ja, richtig, zum Stricken kann einiges an Zubehör gebraucht werden. Kann. Nicht muss. Ich kann das Garn auch mit den Zähnen durchbeissen und alle Enden so gut es geht einstricken oder mit der Stricknadel durchziehen und alles rund stricken, da muss ich nix zusammennähen. Aber was ich so an Basics brauche sind Schere, eine dünne, eine mittlere und eine dicke Nadel zum Vernähen der Enden und … ja, das war’s. Das gilt jetzt aber nur für mich. Was noch recht nützlich ist: Maßband, Maschenmarkierer (können aber aus allerlei Zeug selbst gebastelt werden, z.B. Fäden von Garnresten, etc.), Reihenzähler (kann vor allem bei komplexen Mustern sehr hilfreich sein)  … hmm, Maschenmarkierer, die sich öffnen lassen (ist eher was fürs Häkeln), Maschenparkierer (wenn ein Teil der Maschen ruhen soll, ich zieh da einfach Garn durch), Zopfnadeln (hab mir beigebracht, wie ich Zöpfe ohne Zopfnadeln stricke), hmmmm … ich müsste meine Zubehörkiste durchwühlen. Ganz nützlich kann ab und zu eine Strickliesl sein und Pompommachdinger, falls ihr Pompoms mögt. *denkt nach*

Ach! Knöpfe!!! Knöpfe, Leute! Knöpfe! Reißverschlüsse, Haken, Ösen, Druckknöpfe, Schließen, Schalnadeln (damit der Schal nicht immer von den Schultern fällt), leitfähiger Faden (für die Smartphonehandschuhe – besitze ich allerdings nicht), Gummibänder in allen Stärken, Bänder (zur Verzierung, zum Schließen, um Knopfleisten zu verstärken), Perlen, Pailletten … Augen für Stofftiere … Füllung für Stofftiere … Geräte zum Wolle aufwickeln, also Garnwinde, Wollwickler, ev. Niddy-Noddy (Hände, Arme und Knie tun’s auch, dauert aber länger).

Und das alles gibt’s ja in mehreren Ausführungen, kann z.T. selbst gebastelt werden, aber es gibt auch Luxusausführungen, etc. Dann gibt’s noch Spezialstricktaschen, Etuis und andere Behältnisse für die ganzen Nadeln, Nadelstopper (damit die Maschen nicht von den Nadeln rutschen), Wollschüsseln (damit die Knäuel dort drin herumrollen können), Spannmatten, Spannnadeln, Spanndrähte (Spannen geschieht nach dem Waschen des fertigen Stücks, damit sich z.B. das Muster besser zeigt oder alle Stücke dieselbe Größe haben und so) … oh, es gibt unzählige Dinge.

6. Anleitungen

Ca. die Hälfte meiner Strickprojekte habe ich selbst entworfen, brauchte also keine Anleitung, die mir Schritt für Schritt beschrieb, was ich tun sollte. Aber das heißt nicht, dass ich meine Ideen einfach so aus der Luft gezogen habe (manche schon). Ich besitze ca. 10 Bücher nur mit Mustern, also keine Anleitungen für fertige Kleidungsstücke, sondern für verschiedene Arten von Spitzenmustern, Zopfmustern, etc. Dann besitze ich so ca. 15 Bücher mit Strickanleitungen für Socken, Handschuhe, Kleidungsstücke, große und kleine Schals. Hm, vielleicht sind es auch 20, ich hab die nicht gezählt. Ich hab auch ein paar Spezialbücher, wo es z.B. nur darum geht, wie der Rand von Strickstücken gestaltet werden kann und eins über “finishing techniques”, also wie am Besten zusammennähen, welche Knopflöcher, welche Knöpfe, wie Taschen ansetzen und so.

Bücher kosten Geld (+ ev. Portokosten) bzw. können sie aus Bibliotheken ausgeliehen werden, aber als ich 2005 mit Stricken begann, hatten z.B. die Wiener Büchereien die neuen amerikanischen Strickbücher natürlich nicht. Ich weiß gar nicht, wie’s jetzt mit dem Bestand aussieht. Ich verleihe meine Bücher auch gerne, weil ich die mit den Anleitungen eher selten brauche, die Musterbücher sind bei mir wichtiger. Aber Verleihen hat halt auch seine Tücken.

Ich besitze auch drei, vier Exemplare von Strickzeitungen, weil mir Anleitungen daraus so gut gefielen. Andere haben Abonnements, es gibt einige davon. Kosten auch Geld, mehr wenn sie aus den USA oder England kommen. (Portokosten nicht vergessen). Im Wollladen können auch einzelne Anleitungen oder kleine oder größere Anleitungshefte erstanden werden bzw. finden sich Anleitungsbücher und -hefte auf Flohmärkten, etc.

Dann gibt’s jede Menge Anleitungen online zu kaufen – auf Etsy und Dawanda usw. (siehe oben) – meistens dort, wo’s auch Wolle gibt. Es gibt auch Online-Strick- und/oder Häkelmagazine, die zum Teil ihre Anleitungen und Artikel gratis anbieten, zum Teil werden sie aber auch verkauft. Ich weiß allerdings nicht, ob es eines auf Deutsch gibt, aber deutsche Wollfirmen haben auch Anleitungen zum gratis herunterladen und es gibt ein schwedisches(?) Magazin, dessen Anleitungen in einigen Sprachen, darunter auch auf Deutsch frei zugänglich und herunterladbar sind.

Ravelry, soziales Netzwerk+Datenbank, hat sich zu einer zentralen Stelle entwickelt, da sich dort sowohl gratis herunterladbare Anleitungen als auch Anleitungen, für die bezahlt werden muss finden lassen. Allerdings müssen die oft entweder mit Kreditkarte oder Paypal bezahlt werden. Die Auswahl an gratis herunterladbaren Mustern ist jedoch wirklich riesig. Nur braucht’s dafür halt Internet und ein Gerät, auf dem die Anleitung gespeichert werden kann und ev. eine Möglichkeit zum Drucken, denn mit Papieranleitungen lässt sich leichter hantieren (z.B. Reihen abhaken oder durchstreichen). Wirklich Glück, dass die Mitgliedschaft Ravelry gratis ist. Die Mehrzahl der Anleitungen ist allerdings auf Englisch, auch die Plattformsprache selbst ist Englisch – aber es lässt sich z.B. explizit nach Anleitungen auf Französisch oder Japanisch suchen (wenn diese Suchoption entdeckt wird, sooo versteckt ist sie nicht, aber doch für Menschen, die sich nicht an die Suche trauen …)

Klaro kann da auch eine andere Person helfen – z.B. bei der Navigation durchs Netz, beim Übersetzen von Anleitungen (das ist aber echt ein Freundschaftsdienst, nichts was schnell mal gefordert werden kann), etc. Das kostet aber diese Person wieder Zeit = Geld. Und yep, nach der perfekten Anleitung suchen kostet auch Zeit.

7. So jetzt aber – Pullover!

Bzw. in meinem Fall Jacke, in Pullovern wird mir zu heiß. Also. Nachdem ich im Vollbesitz meiner bisherigen Strickskillz bin, gut ausgestattet mit Nadeln, Garn und Zubehör, mich bei der Suche und Analyse auf Ravelry gut auskenne (ja … einfach die beste Suche, wirklich – da kann so viel eingestellt werden) stelle ich mal meine Arbeitsschritte dar und wieviel Zeit ich dafür brauche.

Recherche und Auswahl der Anleitung – kommt jetzt echt drauf an, ob ich das Garn schon habe oder nicht. Habe ich das Garn, suche ich nach Anleitungen, die dem Garn entsprechen. Vielleicht finde ich die perfekte Anleitung sofort, vielleicht auch nicht – ich veranschlage da mal 1 Stunde, schließlich will ich ja noch sehen, wie Menschen in dem Teil aussehen, was für Farben am besten aussehen, ob’s irgendwelche Fehler, Kommentare, Variationen gibt.

  • Recherche: 1 Stunde

Habe ich eine bestimmte Anleitung im Sinn, muss ich zuerst festlegen, welches Garn ich dafür verwenden will, das vorgesehene oder ein anderes (weil das Garn z.B. in Österreich nicht erhältlich ist).

  • Garnauswahl: 5-20 Minuten (hey, es gibt komplexe Fälle)

Dann muss ich berechnen, wieviel Garn ich brauche, das kann je nachdem länger dauern, z.B. wenn ich die Anleitung modifizieren will (kurze oder lange Ärmel, Kapuze, Taschen, etc.) oder z.B. mit verschiedenen Farben stricken will.

  • Berechnung: 5-20 Minuten

Dann muss ich das Garn kaufen gehen oder ev. bestellen bzw. einen Ersatz dafür finden, denn viele amerikanische oder englische Garne sind in Österreich nicht oder nur zu erhöhten Preisen erhältlich.

  • Wollkauf in Wien: 2 Stunden (Hin- & Rückfahrt, Auswahl der Wolle, Warten bis die anderen dran sind, Quatschen)
  • Onlinebestellung: 20 Minuten, aber Warten, bis das Garn ankommt

Ok, ich habe das Garn. Eventuell muss ich es noch aus losen Strängen zu einem Knäuel wickeln. Ich habe einen etwas antiquierten Wollwickler und eine Schirmhaspel (aus einem Brockenhaus = Flohmarkt in der Schweiz), aber die hab ich nicht immer dabei. Wenn sich was verwirrt, dauert es viel länger. Für meine letzte geplante Jacke hab ich 8 Stränge aufgewickelt, dann jedes Knäuel wieder aufgelöst, damit ich es in 2 Teile teilen konnte – und diese wieder aufgewickelt. Das sind so … 6 Stunden gewesen (und das war dicke Wolle!), wenn nicht mehr. Selbst mit dem Wollwickler und allem dauert es doch einige Zeit, besonders bei der Menge, die für eine Jacke benötigt wird. Je dünner das Garn, desto länger der Wickelvorgang …

  • Wolle aufwickeln: 1-6 Stunden

Jetzt kommt etwas, was ich nicht mag (auch ein Grund, warum ich keine Jacken stricke): Die Maschenprobe. Das ist ein kleiner Fleck, der mit den vorgesehenen Nadeln und dem Garn gestrickt wird, um zu sehen, ob das Gestrickte auch den vorgegebenen Maßen entspricht (sonst wird die Jacke zu eng/weit/lang/kurz/etc). Die muss dann gewaschen und gespannt werden. Es bietet sich an, verschiedene Nadelstärken zu verwenden – z.B. wenn 3mm vorgegeben ist, auch 2,5mm und 3,5mm, damit falls die 3mm-Maschenprobe nicht den Maßen entspricht, entweder die 2,5mm- oder die 3,5mm-Probe hinhaut. Ich muss die Maschenprobe immer größer stricken als angegeben, weil sich meine Laune so extrem auf das Gestrickte überträgt (wird fester, wenn ich angespannt bin und vice versa). Wie lange das wirklich dauert, weiß ich nicht, weil ich es ja nie tue. Kommt auch auf die Dicke des Garnes an.

  • Maschenprobe stricken: ca. 2 Stunden
  • Waschen, Spannen: 10 Minuten
  • Trocknen, je nach Garn: 4-8 Stunden

Ich mag aber keine Maschenproben, also stricke ich wild drauflos.

  • Mindestens zweimal die Maschen anschlagen und wieder auftrennen: 30-45 Minuten, je nach Maschenanzahl
  • Stricken \o/: 3-4 Stunden
  • Draufkommen, dass es doch nicht passt: 3 Minuten
  • Auftrennen, dabei aufwickeln: 1 Stunde
  • Neu stricken: 3-4 Stunden

Auftrennen und neu stricken kann sich bei mir einige Male wiederholen, auch bei kleinen Dingen, da kommt mein ganzer Perfektionismus voll raus. Aber sagen wir, es geht gut. Sagen wir, einmal auftrennen hat gereicht. Diese Angaben sind allerdings ohne Gewähr, weil ich meine Strickstunden nicht zähle, nur wann ich etwas beginne und wann ich damit fertig bin. Außerdem verbringe ich ja mittlerweile nicht mehr den ganzen Tag mit Stricken (nur in Ausnahmefällen) … schwierig also, das einzuschätzen, vielleicht erzähl ich euch da was völlig Falsches.

  • Jacke kraus gestrickt (nur rechte Maschen): 45 Stunden (dickere Wolle)
  • Jacke glatt rechts (rechte Maschen hin, linke zurück): 60 Stunden (dünnere Wolle), 80 Stunden (sehr feine Wolle)
  • Lochmuster: 64 (mitteldicke Wolle)
  • Norwegermuster (bezieht sich auf die Technik, nicht die Gestaltung): 60-80 Stunden (dickere Wolle, je nach Komplexität des Musters)
  • Zopfmuster: 70-90 Stunden (je nach Komplexität des Musters, Zöpfe sind sehr zeitintensiv)
  • Muster- und Farbkombinationen: Öhm ….

Und dann ist die Jacke fertig?!

Nöp. Da kommt noch

  • Eventuell Knopfleisten anstricken: 1- 2 Stunden
  • Eventuell Halsbündchen anstricken: 30-45 Minuten
  • Eventuell Abschlussbündchen stricken: 1 Stunde
  • Eventuell Taschen stricken und annähen: 2-3 Stunden
  • Fäden vernähen & heftig fluchen: 1-2 Stunden (je mehr Farben, desto mehr Fäden)
  • Knöpfe o.ä. annähen & fluchen: 15 Minuten – 2 Stunden (kommt auf Anzahl & Größe der Knöpfe an)
  • Verzierungen (Sticken, Behäkeln, was draufnähen): 30 Minuten bis 2 Stunden oder mehr
  • Waschen: 20 Minuten (ich mach das mit der Hand)
  • Spannen: 5-10 Minuten (bei Lochmusterschals dauert das viel länger)

Ok, ich zähl jetzt mal zusammen …

  • 1 Stunde Recherche
  • 15 Minuten Garnauswahl
  • 5 Minuten Berechnung
  • 2 Stunden Wollkauf in Wien
  • 2 Stunden Maschenprobe stricken (brav!)
  • 10 Minuten Waschen & Spannen
  • 30 Minuten Maschen anschlagen
  • 2 Stunden stricken
  • 3 Minuten draufkommen, dass es doch nicht passt
  • 45 Minuten auftrennen und aufwickeln
  • 64 Stunden stricken (Lochmuster, mitteldicke Wolle)
  • 1 1/2 Stunden Knopfleisten anstricken
  • 1 Stunde Fäden vernähen
  • 1 Stunde Knöpfe annähen
  • 20 Minuten Waschen
  • 10 Minuten spannen

Macht … 3 Tage, 4 Stunden und 48 Minuten, sagen wir also 77 Stunden (scheint mir jetzt echt wenig). Wenn ich jeden Tag Zeit habe, ca. 3 Stunden zu stricken (ja, da ist dann der Abend weg), brauche ich so 25-26 Tage. Hm, ja, kann hinkommen. Vielleicht. Keine Ahnung. Ich werd das mal in Zukunft genauer beachten, vielleicht komm ich dann auf genauere Zahlen. Die Zeiten habe ich hiermit zusammengerechnet.

Und was kostet das jetzt alles zusammen? Uff, also wenn wir über die jahrelange Praxis sprechen, die Investitionen in Nadeln, Garn, Zubehör, da kann ich schwer einen Preis drauf festlegen. Aber sagen wir, ich kaufe eine neue Rundstricknadel, zu … 4,50, für die Wolle hab ich … hm, weil Ausverkauf 70 Euro gezahlt (sonst wären’s 100 gewesen) und die Zeit, tja, meinen Stundensatz dürft ihr euch jetzt aussuchen: 1€ (77)? 5€ (385)? 7,50€ (577,50)? 10€ (770)? 12€ (924)? Und dabei war die Wolle jetzt echt noch günstig (und für günstige Wolle gilt in den meisten Fällen was für günstigen Stoff auch gilt).

Ich brauche aber mehr als eine Jacke. Mindestens zwei. Zwei Monate ohne sonstige Abendgestaltung, am Ende habe ich hoffentlich zwei Jacken. Hoffentlich geht nicht eine davon kaputt und zu allem passen müssen sie auch. Und dann brauche ich noch 2 Mützen, Handschuhe und zwei Schals – hey, fast ein halbes Jahr nur drinnen hocken und stricken. Ich mach das ja gerne, aber ich bin auch Single, kinderlos und geh nicht so viel aus. Und ich muss nicht, das ist das Wichtigste.

Also: Pullover stricken ist so wie ein Kleid aus einem Sack oder einen Rock mit Gummiband oben nähen nicht extrem schwer. Auch mit den Grundfähigkeiten des Strickens (Anschlag, rechte Maschen, Abbinden) lassen sich wunderschöne Pullis stricken. Die Frage ist immer: Kann ich mir das (mit allen Implikationen) leisten? Was muss ich gegebenenfalls in Kauf nehmen? Einfach alles selbermachen ist nicht so einfach wie gedacht.

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4 thoughts on “Was kostet ein Pullover?

  1. Pingback: Links 3.8.2014 – ryuus Hort

  2. Vielen Dank für diesen akribisch recherchierten Artikel, ich kann nur zustimmen!

    Meiner Erfahrung nach lässt sich beim Stricken das Zubehör radikal reduzieren auf
    -Stricknadeln (sauteuer)
    – Zettel und Stift (gestrickte Reihen abzählen)
    – Restwollfäden (Markieren von Maschen, größere Maschenanzahl stillegen; mit Nadel durch die Maschen ziehen, dann verknoten)
    – Sicherheitsnadel (wenige Maschen stilllegen)
    – stumpfe große Nadeln zum vernähen/zusammennähen.

    Alles andere ist Luxus.
    Beim Nähen wird’s auf diesem Reduktionlevel schon schwierig.

    Man darf auch nicht vergessen, dass die ersten paar Teile in der Regel grausam anfängerhaft sind und nur als Nachthemd/Schlabberlook zu Hause getragen werden können.

    Die meisten haben sicherlich eine minimale Grundausstattung, aber das reicht nicht für das nonchalant geforderte Herstellen von schöne, tragbarer Alltagskleidung.
    Selbermachen ist nicht günstig, sofern wir nicht von einem Rock mit Gummizug aus Stoff vom Wühltisch sprechen – und viele können sich gar nicht leisten, in ihrem Job im selbstgemachten Anfängeroutfit zu erscheinen.

  3. Pingback: Da muss eine alte Frau lange für stricken: Über Wert und Wertschätzung von Handgemachtem | ringelmiez

  4. Pingback: zum Glück wird manche Kleidung zur Wegwerfware | Ein Blog von Vielen

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