Zurück ins Jahr 1999

Es war einmal vor 100.000 15 Jahren, da besuchte ich nach dem Abschluss des Gymnasiums in Wien eine Kunstschule mit Italienischschwerpunkt in der Schweiz. Bis 2005 war nämlich Zeichnen mein kreatives Ding, ergänzt durch Arbeiten mit Papier. Es gab davor zwar immer wieder Strickphasen, aber mangels Zündfunke war Stricken noch nicht so wichtig wie heute. Zu Weihnachten 1998 oder möglicherweise zu meinem Geburtstag schenkte mir mein Bruder den ersten Band des Sailormoonmangas und in der WG in der ich damals wohnte, stand ein Fernseher … und jeden Tag lief Sailormoon (und Buffy).

Es ist also kein Wunder, dass bald nach meinem Mangalesebeginn (weil Anime hatte ich davor schon gesehen, nicht wissend, dass es Anime waren – und Comics liebe und lese ich wohl seit … ach … fragt mich nicht. Noch viel früher.) meine Zeichnungen Richtung Mangastil wanderten. So Sachen wie …

Apple girl

Apfelsticker! Ich würde immer noch so ein T-Shirt tragen.

Der Grund, warum euch ab jetzt alle Charaktere anstarren werden: Ich konnte nicht im Profil zeichen! XD

Kleider, die ich nie anziehen werden würde, dachte ich damals. Naja, diese Kombi würde ich tatsächlich nie anziehen.

Kleider, die ich nie würde anziehen dürfen, dachte ich damals. Naja, diese Kombi würde ich tatsächlich nicht anziehen. Bauchfrei muss sowas von in gewesen sein.

Jaja, damals habe ich meine Buntstiftsammlung aufgebaut und gründlich genutzt.

Jaja, damals habe ich meine Buntstiftsammlung aufgebaut und gründlich genutzt.

Die zwei hab ich dann nicht mehr angemalt ... so viele Details, hach!

Die zwei hab ich dann nicht mehr angemalt … so viele Details, hach!

Die befanden sich alle in meinem geliebten Zeichenblock, zusammen mit z.B.

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Die Buntstifte waren wasserlöslich. Also … äh … in diesem Fall spuckelöslich (Was?! Wasser hätte nie diesen Effekt ergeben!)

Dann … kam das Internet. Also, yahoo chat. Das schlug sich auch ein bisschen in den Zeichnungen nieder.

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Immer noch eines meiner Lieblingsworte auf Englisch und hey, diesen Pyjama würde ich sofort anziehen. Und so eine Lampe will ich auch! Der Fisch ist von einem Mitschüler, der mir auch noch eine andere, großartige Fischzeichnung gezeichnet hat. Ach ach.

Kleidung mochte ich schon damals sehr. Ich habe immer noch ab und zu Designideen, ich wünschte mir nur, eine andere Person würde sie ausführen. In meinen Zeichnungen konnte ich mich aber austoben und alles aufzeichnen, was mir so an Kleidung, Möbeln und sonstigen Dingen einfiel, die ich damals auf “später” vertagte.

Mein Traumzimmer damals. Natürlich sah mein Zimmer nie so aus. Auch jetzt nicht.

Mein Traumzimmer damals. Natürlich sah mein Zimmer nie so aus. Auch jetzt nicht. Aber der Traumfänger, mitgebracht aus den USA von der Tante, hing tatsächlich über meinem Bett, das auch ein Hochbett war. Nur die Kästen darunter waren nie so stylish.

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In diesem Bild sind enthalten: Handle einer Internetbekanntschaft aus Finnland, mit der ich immer noch Kontakt habe. Mit dieser Person unterhielt ich mich über potentielle Katzennamen, die dann in diesem Bild verewigt wurden und tatsächlich trägt der Katzenkater einen der Namen auf dem Bild. Im Nachhinein bin ich so beeindruckt, wie super ich den Katzenrucksack gezeichnet habe …

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Einzig das Bauchfenster würde ich heute nicht so tragen, ansonsten … Cargohose (mit Fischknien!), T-shirt mit Hibiskus (hach hach, damals begann ja meine “Surfphase” ohne dass ich je surfen ging), unterschiedlich lange Ärmel (cool!), mittlerweile sieht meine Frisur manchmal so aus, nur ohne Zacken, die Jacke – sofort …

Übrigens sind deshalb sehr selten Hände zu sehen, weil Hände zeichnen sehr schwierig ist. Ich hab sie gerne versteckt. Und dann? Pause, andere Dinge. Die folgenden Zeichnungen entstanden dann im Sommer …

Butterfly

Sailormoon war aber sowas von klares Vorbild hier, bis auf das Schmetterlingsdesign …

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Hm, warum siehst du so angepisst aus, Prinzessin? Lol, das Kleid …

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Hüpfender Fisch! Gehende Menschen konnte ich auch nie zeichnen.

Ein Jahr später … arbeitete ich dann im Sommer in einem Büro. Dazwischen war viel geschehen. Das Büro lag sehr nah an meiner damaligen und langjährigen Lieblingsbar. Nach der Arbeit traf ich mich dort mit meiner damals besten Freundin. Es war Sommer und nach einem Cocktail waren wir meist schon heiter genug. Zwei reichten meistens. Die Shultz American Bar lag am Siebensternplatz und hatte viele Sitze draußen und es gab Menschen zum Anschauen und die Straßenbahn und den Bus und … es war ein schöner Sommer. Nachdem ich in der Arbeit vor allem auf das Telefon aufpassen musste, begann ich wieder zu zeichnen – und diesmal waren es Comicstrips.

Ich glaube, zu dem Zeitpunkt kann ich noch keine Webcomics gelesen haben, sonst hätte ich wohl nie Comicstrips gezeichnet. Aus unerfindlichen Gründen – ich weiß es wirklich nicht mehr – nannten die Freundin und ich uns Tiger (ich) und Bunny (sie). Im Comicstrip vertauschte ich aber unser Aussehen, also sieht Tiger aus wie sie und Bunny wie ich, nur mit … “besseren” Haaren. Als der Anime Tiger & Bunny vor ein paar Jahren herauskam, wurde ich nostalgisch (aber ich habe ihn mir nicht angesehen, es ging um was ganz anderes). Und so sahen die Comicstrips aus …

Introducing Tiger

Der erste Comicstrip – “Introducing Tiger”. Meine Tante regte sich sehr über diesen Comicstrip auf. Später erfuhr ich auch den Hintergrund dazu, aber damals verstand ich das nicht. Sie wusste ja auch überhaupt nicht, was wir da eigentlich anstellten (nämlich garnichts, wir waren viel zu brav).

Meine Güte waren wir brav. Wir waren so brav, so ungeheuer brav. Tiger und Bunny in diesen Comicstrips waren unsere mutigeren, erwachseneren, lustigeren Alter Egos … aber das wurde nicht verstanden. Ich hatte damals selten einen Hangover (so jung!), aber einmal hatte ich einen und genau dann meinte mein Vater, “ich solle mir doch etwas Gedanken über meinen Alkoholkonsum machen.” Hahaaaahahaaa. Ach, was war ich brav. Immer so brav gewesen (in der Außenwelt jedenfalls).

Tiger is addicted

Als Reaktion auf die Beschwerde der Tante dann dieser Comicstrip, “Tiger is addicted”. Damals spielte ich Lineage: The Bloodpledge, ein koreanisches MMORPG bzw. hatte ich es gespielt, denn meine Familie war eine Mac-Familie und das Spiel lief natürlich nicht auf Macs. Yahoo chat auch nicht. Von daher kommt meine Abneigung gegen Macs. Und ja, ich verliebte mich in Personen, die ich in dem Spiel kennengelernt hatte. Lange Geschichte.

Hm, also auf eine Beziehung, die als Fernbeziehung begonnen hatte, folgte eine zweite. Im letzten Panel eine mögliche Antwort auf "Warum Fernbeziehung?" ... aber wenn, dann war es nur ein Aspekt davon. Anyway, viel wichtiger: Hier tragen wir tatsächlich Kleider, die wir damals anhatten. Meine Freundin hatte einen schwarzen Pulli mit schwarz-weiß gestreiften Bündchen, ich hatte einen schwarzen Rock (den hab ich noch immer) und eine schwarze Strickjacke (die leider nicht mehr).

Hm, also auf eine Beziehung, die als Fernbeziehung begonnen hatte, folgte eine zweite. Im letzten Panel eine mögliche Antwort auf “Warum Fernbeziehung?” … aber wenn, dann war es nur ein Aspekt davon. Anyway, viel wichtiger: Hier tragen wir tatsächlich Kleider, die wir damals anhatten. Meine Freundin hatte einen schwarzen Pulli mit schwarz-weiß gestreiften Bündchen, ich hatte einen schwarzen Rock (den hab ich noch immer) und eine schwarze Strickjacke (die leider nicht mehr).

Diese und die nächsten Comicstrips zeigte ich meiner Familie nicht mehr. (Ich weiß nicht einmal mehr, wie die Tante eigentlich zu den Comicstrips kam, ob ich ihr damals einen Link schickte?.) Also verewigte ich ungestört unsere Sommerabende.

Bunny is that you

Mit aufgesetztem Südstaatenakzent (Aaaahhhhh!!! Die Erinnerungen /o\). Versichern, dass ich eh nicht alleine ausgehe, weil alleine ausgehen und besonders alleine trinken ist ja das schröcklichste, was eine junge Frau* so tun kann (und ja, letzteres wurde mir ganz stark vermittelt). Ein so wunderschön queerer Comic, damals schon, heute, losgelöst vom Kontext, erst recht. Ich würde das mal auf “Strangers in Paradise” (von Terry Moore) und “Love & Rockets (von Gilbert & Jaime Hernandez) schieben. Im letzten Panel bin ich aber tatsächlich Bunny, dieser Blick und der besitzergreifende Arm … ganz ich. Und äh … der graue Balken im letzten Panel ist weil … ich unsere Hände nicht zeichnen wollte, glaube ich. Oder mir ist die in die Hüfte gestützte Hand misslungen. Hahaha.

It is time for the blues

Copy-paste! Alle Comics entstanden als Einzelzeichnungen, die ich dann auf den Bürocomputern in Photoshop (es war ein Grafikerbüro) glättete und bearbeitete. Wie ich auf das Lied gekommen bin, keine Ahnung mehr … ich habe auch nie Bourbon, Scotch oder Bier getrunken. Damals waren gerade White Russians *die* heiße Sache. Mittlerweile trinke ich ja lieber klare, saure Cocktails, aber damals … puh! “Tigermilk”, “Froggy”, “Swimming Pool” … uärks! XD

Sobering up

Wie lange wir da saßen! Ewig! Äh, also bis 22 Uhr oder so. Aber so von 17 Uhr weg, also doch lange. Und mit nur zwei Drinks, einen am Anfang der Happy Hour, einen kurz vor Ende, waren wir dann Stunden später wieder nüchtern. Ich weiß nicht mehr, wer cc war. Ich unterhielt mich auch über die Comicstrips und war damas eifriges Mitglied in einer yahoo group, in der wir uns über alles Mögliche unterhielten, wohl auch über meine Comics.

My my my

Hände verstecken, Hände verstecken, Hände verstecken und erster Sidecharacter! Die ersten drei Panels sind aus dem Leben gegriffen, das vierte ist gelogen! Gelooogen! So viel Geld hatten wir gar nicht. (Aber genug Geld für regelmäßiges Hingehen … naja, ich hab ja auch gearbeitet.)

Tja und dann war der Sommer zu Ende. Ich habe das Gefühl, der letzte Strip folgte lange danach, aber vielleicht auch nicht.

Offspring

Diesen muss ich tatsächlich nach meiner Büroarbeit fabriziert haben (die dicken Striche zwischen den Panels). Mein Bruder war da und hörte Offspring. Und damit endet die Saga von Tiger und Bunny …

Ja. Ein Hauptgrund, warum ich mit dem Zeichnen aufhörte, war, weil ich nicht mit meinen Fähigkeiten zufrieden war. Meine Papierarbeiten (großteils verschollen T.T) waren besser.

Ist das alles schon lange her. Ich vermisse das wirklich, einfach an einem Sommerabend mit Freund_innen* draußen sitzen und Cocktails trinken, so einmal pro Woche oder alle zwei Wochen. Ja, könnte ich auch alleine machen, nur wirkt dieses “Nicht alleine trinken!”-Gebot irgendwie immer noch und außerdem mag ich mich ja beim Trinken unterhalten. Na vielleicht nächstes Jahr, wenn ich wieder in der Stadt wohne.

Und wie sah ich damals aus? Eben jene Freundin und ich machten in diesem Sommer auch lange Photosessions auf dem Balkon. Also:

Tiger. Ja, das ist der Rock und ja, das Top hab ich noch. "It belongs in a museum!"

Tiger. So jung, verdammt! Ja, das ist der Rock und ja, das Top hab ich noch. “They belong in a museum!”

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