Die Königin macht Ferien 11: Land

Die Gartenrotschwänzchen schimpfen den Katzenkater an. Den hatte ich eben erst gefangen und abgeschnuddelt und statt wie üblich zu zeigen, dass er runterwill, hat er gefaucht. Ts ts.

Im Radio wird über das “Pedalklavier” berichtet, ein “ausgestorbenes Tier der Musikgeschichte”. Und hier kommt die Königinmutter mit dem Riesenfrühstückstablett. Sie erzählt von ihren Erlebnissen und Plaudereien mit Spinnen und Grashüpfern. Gegenüber stehen Taglilien, Disteln und Malven, die über Spinnenfädenbrücken alle miteinander verbunden sind, ein eigenes Stromnetz.

Nach dem Frühstück soll ich wieder einmal beim unsäglichen Hüttlrücken mithelfen, weil das Hüttl nicht gerade steht. Diese alte Holzgartenhütte ist mein persönliches Hassobjekt und hätte ich einen Flammenwerfer, wäre sie Geschichte, egal ob sie hundert Jahre alt ist oder nicht. Aber die schwarzen Gartenhandschuhe und roten Gummistiefel bringen mich zum Kichern und die Königinmutter auch, als sie sieht, dass ich ironisch “sexy” Selfies mache.

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So könnte ich auch einen Mord begehen.

Ein Besuch im Flohmarkt direkt neben dem Haus. Dienstags, mittwochs und donnerstags wird dort alles mögliche zu Gunsten der Freiwilligen Feuerwehr verkauft. Die Frau, die den Flohmarkt betreut ist mit der Königinmutter befreundet – Dorfnetzwerk. Ich finde Knöpfe und Stricknadeln und eine Brosche. Dann wühle ich ein klein wenig in der Kinderkleidung, ob ich einfarbige Sachen finde, die ich gestalten und verschenken kann.

Später stelle ich aber fest, dass das eine gelbe T-shirt perfekt zur Hose passt, die ich gerade stricke. Sofort muss ich an einen Text denken, der mir schon lange auf der Seele sitzt. Ich sehne mich nach einer Tastatur.

Dann legt sich der Katzenkater ins Gras und linst mich an – eine deutliche Aufforderung zum Streicheln. Als er wieder faucht, schimpfe ich mit ihm. Solche neuen Moden lasse ich nicht durchgehen. Aber die Königinmutter meint, er sei wahrscheinlich beleidigt, dass ich nicht früher gekommen bin und meckert mich deswegen an. Da hilft nur Knuddeln bis er zufrieden ist.

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Später schaue ich im Garten, was alles wo wächst, entdecke Himbeeren, nasche zwei rote Ribisel, sehe, dass sich die von mir ausgesuchte Clematis bereits munter mit der anderen Clematis verbindet. Dann entdecke ich den Ort, wo die Katzen hinpinkeln und lausche den ersten Regentropfen, die auf den Kürbis-, Zucchini- und Gurkenblättern ein Trommelkonzert veranstalten.

Dann:

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Und diesmal hat er nicht gefaucht.

Die Zeit vergeht mit Essen und Stricken. Der Katzenkater paniert sich, damit ich ihn fressen kann.

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Ansonsten betrachten wir die Malven in der Abendsonne:

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Dreigängige Menüs, weil das Kind da ist. Das Kind mag das.

Das Kind mag nicht so: In den Kleidern aus seiner Teenagerzeit herumsitzen. Das Kind will endlich über seine Kleidung und sein Gefühl über Kleidung und all diese Dinge schreiben. Und über noch viel mehr. Wenn das Kind wieder an der Tastatur ist.

Später dann ein vertrautes Ritual: Film schauen mit der Königinmutter, dabei das Dessert essen. Später kommt der Katzenkater dazu und legt sich auf dem Sofa auch in seine rituelle Position: Links neben meinen Oberschenkel, um meinen linken Arm gekringelt, damit ich ihn optimal am Bauch kraulen kann.

Land. In Sich_t.

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