Die Königin macht Ferien 9: Alles nur Zufälle

Meine Gastgeber_innen und Hamburg verabschieden mich warm und herzlich, trotz Regen. So leicht es mir fiel, aus Berlin abzureisen, ja so dringend es mir ein Bedürfnis war, so wenig will ich nun von Hamburg fort.

Mein Zug fährt – urgs – nach Berchtesgaden. Dort war ich vor meiner Anmeldung auf Twitter, ja, mit allem Drum & Dran, per Lift auf den Berg, alles. Ich steige aber schon früher aus, in Würzburg. Dort war ich noch nie. Also, durchgefahren bin ich, aber ich habe nie angehalten, mir nie die Stadt angesehen.

Menschen in Panik im Zug – ihre Sitzplätze! Die sind in der Tat etwas subtil an den Fenstern angezeigt. Eine schweißelnde Radfahrertruppe aus Lübeck – wofür hab ich mich eigentlich geduscht? Ich bin versucht, mir ein Spitzentaschentüchlein mit Lavendelwasser zu wünschen.

Von Mani Matter gibt es ein Lied, “Ir Iisebahn”. Da heißt es dann immer “dr Zug fahrt” am Ende der Strophe. Und auch “Ir Iisebahn sitze die einte eso, dass sie alls wo do chunnt scho vo Wiitem gsänd cho” und von den anderen, die gegen die Fahrtrichtung sitzen, “dass sie alles chönd gseh wo vor Langem isch gsi”. Ich blicke auf Hamburg zurück.

Die Deutsche Bahn will mir offensichtlich keinen Strom schenken, aber lieber wandere ich mit leerem Akku durch Würzburg (keine Sorge, ich weiß wo ich hin muss), als mir stundenlang Fußballgeschwafel anzuhören. Die Frage ist nur: Klassik, Lieder aus Anime oder Folk? Oder eine Masterlist basteln?

Streng! Ein loses Fahrrad in Wagen 17 führt zu längerem Aufenthalt in Lüneburg und wenn es ein herrenloses Fahrrad sein sollte, wird es auf dem Bahnsteig ausgesetzt! Drama! Ist mein Fahrrad eigentlich grad damenlos? Und ist Damenhaft nicht eigentlich sehr unerfreulich? Ach, egal, Strickzeug.

In Würzburg finde ich alles schnell, bin aber viel zu früh dran fürs Beziehen des Hotelzimmers und warte daher geduldig bei der Pleichentorkirche und beäuge meine haarigen Beinchen. Es ist so feuchtwarm wie in Berlin, aber mit leichtem Wind. Hier am Rande der Altstadt wachsen Malven und Brunnen und Steine. Mal sehen, wo es mich heute noch hinverschlagen könnte.

Als die Frau im Rathaus eine Schachtel voll dicker Goldringe herauszieht, mit der Bemerkung, dass diese nichts wert seien und ich hoffentlich nichts dafür gezahlt hätte, bin ich ein wenig geflasht. Bei meiner Ankunft in Berlin dachte ich an den Film “The Sting” und fragte mich, wie wohl heute con artists überleben. Tja, indem sie zum Beispiel so tun, als hätten sie einen Goldring gefunden, den sie dann übergeben und um Geld für Essen bitten. Ich hab den Ring dann brav zum Fundamt getragen. Die Schachtel Goldringe erinnerte mich an das Buch, das ich gerade lese, “Ostland” von David Thomas (keine Empfehlung) und an sein Thema. Plötzlicher Metaebenenoverload.

Ich verkrieche mich im Hotel. Aber ich entkomme der Metaebene nicht. In Hamburg hatte ich mich mit meinen Gastgeber_innen über Holodecks unterhalten und mich dunkel an eine Episode erinnert, in der die Besatzung im Holodeck festhängt und nicht rauskommt. Und was läuft im Fernsehen? Genau diese Folge. Mir ist ein wenig unheimlich zumute.

*zieht sich die Bettdecke über den Kopf*

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