Es reicht schon aus … Ein Gespräch über Mobbing, Teil 1

Auf einen Blogpost von mir sprach mich eine liebe Bekannte an, die mir von dem Mobbing, dem sie ausgesetzt war erzählte, allerdings in Form eines geschützten Blogposts. Daraufhin kam mir die Idee, ein Gespräch mit ihr zu führen, in dem sie anonym und daher geschützt von ihren Erfahrungen berichten konnte. Es ist dieses Gespräch geworden – ein sehr langes, trauriges, schönes Gespräch. Aufgrund der Länge teile ich es in drei Teile.

[Triggerwarnung Mobbing, Sexismus, Bodyshaming]

A(nna): Also was ich mir vorstelle ist, ich stelle dir Fragen und du kannst die Antworten hinschreiben und dran rumfeilen, wie es dir passt. Und manchmal schreibe ich auch was dazu. Wie möchtest du denn für das Interview heißen?

Person A: Ich denke noch. Belassen wir es erst einmal bei “Person A”.

A: Ok. Dann erzähle ich dir, warum ich das Interview führen wollte: Weil wir eine ähnliche Geschichte haben und weil es für mich so ungeheuer ist, dass selbst die kleinste Abweichung von der “Norm” ausreicht, damit sich eine Dynamik entwickelt, in der Kinder schwere psychische und physische Schäden davontragen können, die noch weit über die Schule hinausreichen. Bzw. – es gibt ja Methoden gegen Mobbing – warum kommen die nicht breiter zur Anwendung?

Das war jetzt viel. Sagt dir das so ungefähr zu? Ich meine, du und ich, wir sind ja nicht “Expertinnen” – aber wir können was über unsere Erfahrungen aussagen.

Person A: Ja, das sind gute Fragen. Wie du bereits gesagt hast, bin ich keine Expertin, aber es ist wahrscheinlich, dass ich in meinem (wie in fast jedem) Beruf später ebenfalls damit konfrontiert werde, solche “Konflikte” zu lösen, daher erscheint es mir gut, Probleme aufzuzeigen und Lösungsvorschläge zu diskutieren.

A: Ok, dann frage ich dich mal: Wie hat “es” bei dir angefangen – nehmen wir da als Bezeichnung “Mobbing” oder “Bullying”, was ist dir lieber? Ich spreche ja gerne auch von Psychoterror.

Person A: Es trifft eigentlich alles zu, bleiben wir beim Mobbing.

A: Ok. Wie hat das Mobbing bei dir angefangen?

Person A: Es waren mehrere Faktoren, die zusammengekommen sind. In der Grundschule war ich noch sehr beliebt, bzw. war unsere Klasse eine richtige Gemeinschaft, in der niemand ausgeschlossen wurde. Ich hatte dort viele Freundinnen und fühlte mich sehr wohl. In der 4. Klasse wechselten jedoch nur 2 weitere Mädchen aufs Gymnasium (und mit Jungs hatte ich damals nicht viel am Hut), die beide in andere Klassen kamen als ich. Darunter war auch eine meiner besten Freundinnen, die mir erklärte, sie müsse sich nun auf “ihre Klasse” konzentrieren und könne nicht mehr mit mir sprechen und spielen.

Also war ich ganz allein in einer neuen Klasse, in der ich kein anderes Kind kannte.

Dazu kam, dass ich seit meiner Kindheit eine Pollenallergie hatte, die durch eine Desensibilisierung (d.h., ich wurde den Allergenen bewusst in einer hohen Dosis ausgesetzt, damit sich mein Körper daran gewöhnt und in der Natur nicht so heftig reagiert) gelindert werden sollte. Leider traten dabei Nebenwirkungen auf. Ich bekam am ganzen Körper rote Pusteln, mal kleiner, mal größer, die fürchterlich juckten. Im Gesicht, an den Händen, auf dem Bauch, einfach überall.

Da es also kein Kind gab, das mich kannte und ich noch dazu aussah, als wäre ich ansteckend, ekelten sich die Schüler*innen vor mir und mieden mich. Wenn sie mir im Gang begegneten, riefen sie laut “Ihh”, sie wollten nicht neben mir sitzen, jede*r die*der es musste, rückte so weit wie möglich von mir weg. Gruppenarbeiten wollte keine*r mit mir durchführen, Sportunterricht, vor allem das Umkleiden davor, war der absolute Horror für mich. Hatte ich mich anfangs noch gerne gemeldet, wurde jede Bemerkung von mir betuschelt, sodass ich am Ende gar nicht mehr im Unterricht mitarbeitete. Um nicht als Streberin oder Versagerin dazustehen, versuchte ich, nicht besonders gut zu sein und meine Noten vor den anderen zu verstecken. In der Umkleidekabine beschimpften mich die Mädchen als fett und hässlich, ich hätte Cellulite (mit 10 Jahren, wohlbemerkt), sie versuchten, mich ohne BH zu fotografieren (einmal gelang es ihnen sogar) und zogen mich auf, weil ich ja zusätzlich zu meinem hässlichen Gesicht nichtmal Brüste hätte.

A: Wurde deine Allergie jemals von Lehrer*innenseite thematisiert? Also so Richtung “Person A hat eine Allergie, deshalb geschieht das und das, das ist ganz “normal”, etc.?

Person A: Nein, das war den Lehrer*innen völlig egal. Durch den emotionalen Stress wurden die Flecken und der Juckreiz noch größer, selbst als ich das Medikament nach wenigen Wochen absetzte. Die allergische Reaktion dauerte “nur” 9 Monate, das Mobbing hielt allerdings 5 Jahre an.

A: So lange! Wann hat es sich denn “gelegt” bzw. ist es so weit abgeklungen, dass es nicht mehr täglich vorkam?

Person A: Es geschahen noch ein paar Dinge, bis nach der 8. Klasse unsere Schule geschlossen werden musste und wir auf ein anderes Gymnasium wechseln mussten. Dabei wurden auch die Klassen neu gemischt. Über die Sommerferien sah ich dies als große Chance, neu anzufangen, da eine der “Alphawölfinnen” (es haben ALLE mitgemacht, nur eine von ihnen hat immer angefangen) vom Gymnasium in die Realschule wechselte und ich neu anfangen konnte. Natürlich kam es so, dass die drei anderen Anführerinnen in meine Klasse kamen und dort auf 3 Mädchen trafen, die genauso gestrickt waren und in mir, die sich noch dazu nie für Mode interessierte und mit 14 schlimmerweise auch immer noch keinen Freund hatte, eine Person fanden, die sich leicht heruntermachen ließ.

Herausgekommen bin ich aus der Sache dadurch, dass eine alte Bekannte aus meinem Ort in diesem Jahr Jugendweihe hatte, ich dort eingeladen war und so in ihren Freund*innenkreis aufgenommen wurde. Dort wurde ich zwar auch hintergangen und manchmal fertig gemacht, manchmal auch nur unter dem Deckmantel des Humors, aber immerhin hatte ich Menschen, zu denen ich nachmittags gehen konnte.

So traf ich auf meinen ersten Freund, und als ich den hatte, war es, als hätte jemand einen Schalter umgelegt. Ich weiß nicht, ob es daran lag, dass ich wusste, dass mich jemand ehrlich hübsch und attraktiv finden konnte und mich wirklich mochte und somit selbstbewusster wurde, oder ob alleine die Tatsache, dass die anderen sahen: Hey, so eklig und frigide oder lesbisch kann die gar nicht sein, die hat einen Freund (Damit will ich keine anderen Menschen beleidigen! Ich finde es sexistisch und homophob, dass “frigide” und “lesbisch” als Schimpfworte verwendet werden.). Daraufhin war ich fast so etwas wie anerkannt, hatte keine Angst mehr, in die Schule zu gehen und konnte mir auch innerhalb der Schule einen kleinen Freundeskreis aufbauen.

In der 11. Klasse haben sich sogar einige bei mir entschuldigt, was ich auch angenommen habe. Andere sind nach der 10. Klasse vom Gymnasium abgegangen und so hatte ich in der Oberstufe meine Ruhe (bis auf 2-3 kleine Episoden).

A: Puh. Also waren es vor allem Mädchen, die dich quälten?

Person A: Es ging immer von den Mädchen aus, aber auch die Jungen haben mitgemacht. Je älter sie wurden, desto stärker mischten sie sich ein, vermutlich, um den anderen zu gefallen, Balzverhalten, ich kann es nur vermuten.

Ich kann mich erinnern, dass mir ein Junge, der hinter mir saß, seinen Füller an den Pullover hielt, woraufhin der Pulli versaut war (meine Mutter glaubte auch nicht, dass ich es nicht war), dass mich die Jungen oft schubsten und sich gerne über meine nicht vorhandenen Brüste und meine “ekligen” Leberflecken lustig machten.

A: Waren es nur Schüler*innen aus deiner Klasse oder auch aus anderen Klassen?

Person A: Es war nur meine Klasse, aber die anderen Klassen bekamen das natürlich auch mit und wollten dementsprechend nichts mit mir zu tun haben. Andererseits waren die Klassen so in sich geschlossen, dass wir kaum Möglichkeit hatten, uns zu verständigen. Ich hatte außerdem große Angst, auf andere zuzugehen.

Meine jetzige beste Freundin war in einer Parallelklasse und war auch ausgeschlossen, und ich konnte mich von damals nichtmal an sie erinnern.

A: Bei mir hat es wegen meiner Haare so richtig begonnen, als ich sie mir wachsen ließ. Nicht gleich nach dem Wechsel ans Gymnasium, aber so mit 11 oder 12.

Person A: Wegen deiner Haare? Was war damit?

A: Ja, die sind sehr lockig und ich ließ sie mir wachsen. Ich weiß auch nicht warum ich auf die Idee kam, vielleicht um wie ein “echtes Mädchen” auszusehen, denn Ablehnung und Ausgrenzung hatte ich in der Klasse von Anfang an erfahren, nur noch nicht so stark. Leider hatte ich keine Ahnung von Haarpflege bei Locken und bekam auch keine Unterstützung von zuhause, daher bürstete ich sie jeden Tag und sie standen nach allen Seiten ab. Das war natürlich ein Signal. “Hast du deine Finger in die Steckdose gesteckt?” und so weiter. Noch dazu hatte ich Pickel – nicht schwere Akne, aber keine andere Person hatte so starke Pickel, das fiel auch auf. Aber die Haare vor allem. Erst als ich sie endlich zusammenbinden konnte, begannen die Hänseleien abzunehmen.

Bei mir ging kam das eben auch von Schüler*innen aus anderen Klassen aus, zum Beispiel, wenn ich eine Freistunde in einer anderen Klasse verbringen musste, weil ich nicht am Religionsunterricht teilnahm. Auch ich habe sehr wenig von Mode verstanden, bzw. mich nicht drum gekümmert und sah dementsprechend anders aus als die Klasse, hatte auch keine Markenkleidung bzw. als ich mal eine Levi’s Jeans bekam, hat es auch nicht geholfen. Ich hörte auch ganz andere Musik, las andere Bücher, hatte keinen Fernseher.

Person A: Ich wollte irgendwann nicht mehr wie die anderen gekleidet sein, da es mir immer als “nachmachen” angerechnet wurde. Mit meinen Haaren hatte ich auch Probleme, da sie sehr dünn sind und in der Pubertät so fettig waren, dass sie nach 3 Stunden in der Schule aussahen wie seit Wochen nicht gewaschen. Sie wurden später mein Versteck vor den anderen. Heute kann ich es nicht mehr leiden, wenn sie mir im Gesicht hängen, ich denke, das ist ein gutes Zeichen. Ich will mich nicht verstecken.

A: Mich quälten vor allem zwei Jungen, die anderen – Mädchen und Jungen – spielten teils mit, teils auch nicht. Spötteleien, wenn ich mich im Unterricht meldete, zweimal habe ich an der Tafel geheult, der Lehrer tat nichts, aber ich habe ihn als sympathisch in Erinnerung, weil er drohte, den Anführer rauszuschicken, das war mehr als andere Lehrer*innen taten. Bei Gruppenarbeiten und im Sport war ich auch immer die Letzte, die “aufgerufen” wurde, bei den Klassenfahrten wollte niemand mich im Zimmer haben. Auch viel so “Fang den Ball – ach doch nicht”-Spiele im Sport und wenn es Gruppenspiele gab, dann machten sich alle über mich lustig. Aber auch einfach Nichtbeachtung, mit mir wurde nicht geredet, wenn dann nur spottend. Ich habe so vieles schon verdrängt.

Ich hatte – zum Glück – schon ein paar Freundinnen (keine Jungen), aber mit der Teilung in verschiedene Zweige als wir 13 waren, verschwanden die. Damals begann ich mich in der großen Pause in der Schulbibliothek zu verstecken, die ich zunächst nur besucht hatte, zu dem Zeitpunkt begann ich zu helfen. Die Pausen sind ja das Schlimmste – keine Lehrer*innen, die dich beschützen. Hast du dich auch versteckt?

Person A: Ganz genau. Ohne Lehrer*innen geriet alles außer Kontrolle, daher haben die Lehrer*innen auch nie etwas mitbekommen. Die Pausen, Sport- und Ausfallstunden waren für mich das Schlimmste. Ich habe mich nicht an einem so schönen Ort versteckt, ich versteckte mich auf der Toilette, die Schultasche auf dem Schoß und die Füße nach oben, wenn ein anderes Kind reinkam. Allerdings fiel ihnen das auch auf und sie begannen manchmal, mich zu suchen und unter die Kabinentüren zu sehen, wenn ich dort war.

Ich hatte ein paar Mädchen als Unterstützung, die eine Klasse über uns waren, bei ihnen durfte ich sitzen, aber sie waren oft nicht da. Als Freundinnen konnte ich sie zwar nicht bezeichnen, aber sie haben mir manchmal Obhut gegeben.

A: Und außerhalb der Schule? Einer meiner Peiniger wohnte genau neben mir, daher konnte ich ihm fast nicht entkommen, auf dem Schulweg, auf dem Heimweg. Er ist mir sogar in Geschäfte nachgelaufen und verkündete dort, ich sei Kleptomanin. Manchmal sprach er mit mir in der Straßenbahn, sobald ein anderes Kind dazukam, ignorierte er mich. Wie war das bei dir?

Person A: Ich traf einige alte Grundschulfreundinnen morgens am Bus, da die Realschule dort steht. Aber mit einer habe ich mich sehr zerstritten, ich weiß bis heute nicht warum, doch eines Tages bezeichnete sie mich per SMS als B*tch und der entsprechenden deutschen Übersetzung und ich hatte keine Ahnung, was los war. Jedes Gespräch ließ sie abblitzen, auf Entschuldigungen ging sie nicht ein.

In der Konfirmand*innengruppe traf ich auf einige ehemalige Kamerad*innen, nur waren dort auch zwei Jungs aus meiner Klasse, die schön alle Gerüchte und üblen Nachreden über mich verbreiteten.

A: Haben sich deine Eltern eingemischt? Meine gingen auf meine Berichte nicht ein, der Quälgeist der neben mir wohnte wurde mit “Der ist ein armes Scheidungskind” – was ich auch war – entschuldigt. Nur einmal gab es einen Elternsprechabend, weil der andere Junge über meinen Kopf hinweg sein Stanleymesser in den Papierkorb geworfen hatte und einen anderen Jungen bei einer Rauferei getreten hatte, als er schon am Boden lag. Aber als mein Bruder ebenfalls Probleme in der Schule bekam, wurde er von meinem Vater aus der Schule genommen und in die Schweiz geschickt.

Person A: Ohja, die Alphawölfin von der ich bereits sprach, war auch ein “armes Scheidungskind”. Totaler Mist, da es genug liebenswerte und freundliche Scheidungskinder gibt und das absolut keine Aussagekraft hat. Und es ist erst recht keine Entschuldigung.

Meine Eltern glaubten mir nicht, sahen die Schilderungen meist nur als Entschuldigungen “schlechter Noten” (= Dreien) an, da sie in solchen Situationen, in denen mich meine Eltern unter Druck setzten, besonders aus mir herausbrachen. Die Maßnahmen, die sie ergriffen, zählen leider zu den besonders traumatischen Dingen, die sich in mein Gedächtnis eingebrannt haben.

Einmal sollte ich alle anrufen und sie fragen, was sie an mir stört. Müßig, zu erwähnen, dass das die nächsten Wochen DER Brüller unter ihnen war. Als Antwort gaben sie übrigens einen Satz, der sich in mein Gehirn gebrannt hat: “Wenn wir lachen, brauchst du zu lange, um mitzulachen.”

Einmal fuhren sie mit mir zu der Anführerin und sprachen mit ihren Eltern und ich sollte mich mit ihr unterhalten. An diesem Tag war sie mir sogar ein bisschen sympathisch, aber letzendlich sagte sie, dass sie sich von ihren Eltern verlassen fühlt und das an mir auslassen muss, damit die anderen sie akzeptieren. Dieser Besuch wurde natürlich ausführlich in der Schule ausgewertet. “Die (Nachname) war mit ihren Eltern bei mir! Na, bringst du deine Eltern jetzt mit in die Schule?”

In der 7. Klasse gab es eine Versammlung in der Sporthalle mit dem Klassenlehrer, auf der einen Seite stand ich, auf der anderen der Rest der Klasse. Sie redeten und redeten, was ich besser machen müsste, um aufgenommen zu werden, ich traute mich nicht viel zu sagen, am Ende wurde ich “symbolisch” in ihre Mitte genommen… um nach der Stunde für diese Aktion wieder das Gespött für alle zu sein. Für den Lehrer war die Sache damit gegessen. Das war das letzte Mal, dass ich meinen Eltern etwas erzählt habe.

Die Versammlung wurde nur deshalb einberufen, weil ich in der Woche zuvor versucht hatte, mich vor meinen Eltern umzubringen. Sie schrien mich daraufhin nur an, ob ich denn verrückt wäre und zum Psychologen gehen müsste (eindeutig negativ, als Eingeständis, dass ich geistig “nicht klar” bin).

Meine Mutter legte mir außerdem noch nahe, dass ich selbst daran Schuld sei, dass die anderen mich nicht mochten, immerhin war ich ja so seltsam und wollte ja gar nicht dazugehören.

A: Das heißt, deine Eltern haben dich überhaupt nicht unterstützt, sondern nur alles schlimmer gemacht. Gab es irgendeine erwachsene Person, die dich geschützt, unterstützt, dir einfach nur positive Aufmerksamkeit und Zuneigung gegeben hat? Ich möchte am Liebsten in der Zeit zurückreisen und dich retten :(

Person A: Ich bin doch noch hier und es geht mir recht gut. Im Moment gerade nicht, aber den Rest der Zeit. :)

Nein, keine erwachsene Person war für mich da. Aber ich suchte Trost in etwas anderem. Es fällt mir fast schwerer darüber zu sprechen als über das Mobbing selbst, aber: Ich habe jede Nacht gebetet.

Es fällt mir nur schwer es zu sagen, weil die Meisten Religion und ihre Vertreter*innen als Geschwätz abtun, als Sekte, als Geldverschwendung (so wie jetzt), als Kindesmissbraucher, als Legitimationen für den Hass auf QLGTBI, als Einbildung und ich weiß nicht, was noch alles. Diese Kritik kann ich auch nachvollziehen, und Menschen, die so etwas tun oder solche Handlungsweise durch den Glauben legitimieren, sollten nicht in Schutz genommen werden.

Aber ohne das Gefühl, dass wenigstens Gott an meiner Seite ist, hätte ich nicht überleben können. Ich habe nie darauf gehofft, dass er mir hilft, ich habe ihm sogar oft gesagt, dass es ok ist, wenn er sich nicht um mich kümmert, weil es so vielen anderen Kindern schlecht geht, aber ich konnte es “ihm” abends erzählen, alles was ich auf dem Herzen hatte, ausformulieren und ein bisschen weniger schlimm machen, weil mir “jemand” zuhörte.

Ich bin heute kein religöser Mensch, ich gehe nicht in die Kirche, ich bete nicht mehr, ich würde niemals die Bibel auf jemanden negativ auslegen (da das auch gar nicht der Sinn der Bibel ist, alles wortgenau zu nehmen, aber das würde den Rahmen sprengen), aber dennoch weiß ich, wenn ich alleine bin und mich von allen verlassen fühle, dass ich eben nicht alleine bin.

A: Ich verstehe das. Ich weiß, dass es tröstend ist – du hattest sonst niemanden! Und auch sonst – ich verstehe, dass manche Menschen an Gott glauben (oder Götter), für mich zählt, wie sie andere behandeln. Und ich habe auch schon gebetet, wenn ich dachte, es geht nicht mehr, dabei bin ich ein “Heidenkind”. Ach … ich heule jetzt mal ne Runde.

Weiter zu Teil 2.

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