Warum das jetzt grad genervt hat

Achtung, ich fluche jetzt. Weil mich das nervt, das was ihr macht. Ja, denkt euch nur, dass ich übertreibe, denkt, dass das eine Nichtigkeit ist. Und dann geht weg und lasst mich in Ruhe. Bitte. Permanent. Ich verzichte gerne auf euch.

Ich schrieb gestern einen Blogpost, in dem ich relativ oft “Ja, nee.” verwende (und der eigentlich schon eine Warnung hätte sein sollen, aber neinnnn …). Das kommt aus dem Englischen, von “yeah, no.” Nein, das heißt auf Deutsch nicht “jein”. Das heißt NEIN. Denkt euch ein langes, langgezogenes, ironisch klingendes “Jaaaaaaaaa” und dann ein kurzes, ernstes, mit ernstem Gesicht ausgesprochenes “Nein”.

Heute machte ich mir auf Twitter Gedanken darüber, wie ich das am Besten in einen österreichischen Dialekt umsetzen würde. Nein, ich bin *nicht* gegen Sprachwandel oder  Anglizismen im Allgemeinen oder sonst irgendwas. Ich bin für Sprachwandel, weil das an vielen Stellen notwendig ist und an anderen Stellen Spaß macht. Darum geht’s hier nicht.

Ich bin zuhause mit Schweizerdeutsch aufgewachsen, allerdings hauptsächlich in Wien, d.h. trotz Reisen und auch längerer Aufenthalte in der Schweiz eigentlich ohne große Verbindungen zu meiner Elternsprache. Die andere Elternsprache war “Hochdeutsch”. Nicht einer der Wiener Dialekte, obwohl mein “Hochdeutsch” durchaus Wiener Einfärbung hat und eben nicht das bundesdeutsche “Hochdeutsch”.

Also sage ich im Alltag NIE “Ja, nee”. Ergo meine Tweets, in denen ich über eine in meinem gesprochenen und geschriebenen Alltag passende Form nachdenke:

Genauer erkärt:

Wenn ich “Yeah, no” in den ostösterreichischen Dialekt umsetze, der noch andere Dialektausprägungen kennt (Wiener Bezirke haben/hatten eigene Dialekte), wäre das “Jo, naa.” (Das “jo” wird in diesem Dialekt anders ausgesprochen als das “jo” in meinem Schweizer Dialekt). Ich sage im Alltag WEDER “Jo” (österr.) noch “naa”. Das ist nicht mein Dialekt. Punkt. Ich schreibe auch nicht im österreichischen ODER im Schweizer Dialekt, weil das keine “Schriftsprachen” sind – außer ich will a) ironisch sein, b) denke über die Verwendung von Dialektbegriffen nach oder c) fluche (witness ein gopfertoorinonemol am Freitag, bevor ich meinen Blogpost schrieb).

Fazit also: Wenn ich etwas schreibe, werde ich weiterhin “Ja, nee” verwenden, weil es für mich schlüssiger klingt. Das ist mein privater Fazit.

Und was passiert?

Kommt einer und sagt:

Nervig genug. Ich finde nicht, dass sich Dialekte schlecht anhören. Ich finde sie zum Teil lustig, so wie andere Menschen meinen Schweizer Dialekt lustig finden bzw. anders, weil ich weiß, dass das nervig ist. Ich mag einfach Worte, schöne oder “lustige” Worte machen mich froh, nicht nur in Dialekten, auch in Sprachen.

Manche Dialekte verstehe ich nicht. Manche verstehe ich besser als andere. No big deal. Es gibt Menschen, auch um mich herum, die mir immer wieder erzählen wollen, wie fürchterlich dieser oder jener Dialekt klingt – das regt mich auf! Besonders wenn es Schweizer*innen sind, die auf ihrem begrenzten Raum bei 26 Kantonen auch noch über andere, vielleicht 100 km, vielleicht 2 km entferne Kantone herziehen ARGH! Als hätten wir nicht genug mit Rassismus zu tun, müsst ihr auch noch so herumtun. Dasselbe in Österreich. Dieses Problem gibt es auch überall, weil es Klassismus und Rassismus überall gibt.

Denn vergessen wir bitte nicht (wie ich dann dem Twitterer erklärte), dass zwischen “Hochsprache” und “Dialekt” sprechenden Menschen ein Machtgefälle besteht, in das Klassismus und Rassismus involviert sind und dass schon das Wort “Schriftsprache” wertend ist und ARGH!!!! Geht weg mit eurem Zeug!

Und dann kommt noch einer (mit dem ich mich ansonsten gern unterhalte), der auf meinen ersten Tweet meint:

Ja, mit Zwinkersmiley. War also “ironisch” gemeint. Hardihar. Meine zunehmend aufgebrachte Reaktion versteht er nicht. Dann erkläre ich es hier nochmal:

“Your loss” impliziert, dass es für mich ein Verlust, also schlecht, ist, dass ich die österreichische Dialektversion nicht verwende. Später meint er, mit “your loss” sei “da kann man wohl nix machen” gemeint. Warum soll ich da was machen müssen? Ich muss da gar nix machen, verdammt noch mal! Warum muss ich mir blöde Kommentare gefallen lassen, auch wenn sie witzig gemeint waren?

Was darunter mitschwimmt: Immer mehr cismännliche Follower fühlen sich in letzter Zeit bemüßigt, meine Tweets und Aktionen zu kommentieren, entweder kritisch bzw. bevormundend (siehe letzter Post) oder in der Gewissheit, damit “zu unterstützen” oder “witzig” zu sein. Nein! Tut/Seid ihr nicht! Auf verärgerte Reaktionen wird dann noch insistiert und plötzlich, huch, ist die ja wütend, was soll das denn jetzt?

Ganz einfach: Ihr müsst unbedingt eure (Rede)bedürfnisse durchsetzen. Ihr merkt nicht einmal, dass ihr das tut. Auch wenn ich schon zu verstehen gebe, dass mich das nervt und/oder verletzt. Ihr hört einfach nicht auf. Das nervt. Extrem.

Manchmal seid ihr mir zu unreflektiert, so wie ich es sicher vielen auch bin. Ich versuche ernsthaft, mich mit Diskriminierungen (nicht nur mit Feminismus) zu beschäftigen und meine Privilegien zu reflektieren und mich besser zu verhalten. Manchmal klappt das nicht, ich brauche noch viel Übung. Drum lese ich aufmerksam immer weiter und übe. Ich versuche auch immer mehr, einfach den Mund zu halten und zuzuhören. Ich muss nicht zu allem meinen Senf abgeben, dafür gibt es die “Fave”-Funktion auf Twitter oder ich kann Menschen nach einem Gespräch sagen “cooles Gespräch, danke”.

Ich spreche und tweete gerne mit euch, aber wenn ich schon zu verstehen gebe, dass mich das jetzt aufregt/nervt, bzw. ich euch nur ganz selten antworte, dann versteht das richtig: Ich will (grad) nicht mit euch (weiter)reden. Wenn ihr meine Bedürfnisse nicht ernst nehmt, könnt ihr nicht erwarten, dass ich “nett” bleibe. Googlet dazu: “mansplaining”, “silencing” und “tone argument”. Und jetzt lasst mich in Ruhe.

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s