The Valley of Love and Delight

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Hä was? Ja … sorry, ich mag grad nicht einen der geplanten großen Blogposts abarbeiten. Dafür brauche ich mehr Zeit und Raum und alles. Also mal was dazwischen.

Heute haben @theRosenblatts auf ihrem Ein Blog von Vielen ein Video gepostet, und ich habe in meine Suppe geheult. Hühnersuppe mit Rotz und Wasser schmeckt recht gut. @theRosenblatts wird jetzt noch mehr zurückzucken (sorryyy), aber mir ist ein Teil dieses Videos vor ein paar Tagen im Kopf herumgeirrt und als ich die Melodie dann hörte, kamen die Tränen.

Nein, nicht Somewhere Over the Rainbow, obwohl auch sehr nett. Simple Gifts, eine Shakerhymne, sore abused but not yet dead (das ist aus einem anderen Lied, Text Maggie Holland, gesungen von June Tabor). Lest mal kurz im Wikipedia-Artikel, in der Originalkomposition steht nix von Lord of the Dance, das hat Sydney Carter dann 1966 dazugeschrieben. Naja, wenn ihr Wikipedia in diesem Punkt vertraut. Ist mir aber eigentlich ziemlich egal, was ihr denkt.

Mir geht es um die Zeilen

And when we find ourselves in the place just right,
‘Twill be in the valley of love and delight.

Wisst ihr, was mir diese Zeilen sagen? “Es ist alles ok. Hey, du bist genau da. Vielleicht nicht da, wo du hinwolltest, aber du bist genauuuu da in diesem Tal der Liebe und Freude. Schau mal. Das ist voll ok hier.” Weil in den letzten Monaten, im ganzen letzten halben Jahr war nix ok. Und in den letzten zwei, drei Wochen war alles noch viel weniger ok. Ich bin noch nicht dazugekommen, mich mit dieser neuen Anna anzufreunden, mich in ihr auszuprobieren, in ihr mal eine Nacht zu schlafen und zu schauen, was das eigentlich mit mir anstellt, dieses “Oh, hey, Menschen lesen mein Blog, lesen meine Tweets, wollen was von mir wissen, zitieren mich, fragen mich Dinge.” Fragen mich, ob ich was schreiben, anschauen, beurteilen, mitbesprechen, planen mag.

Weil HUCH! Ich bin das nicht gewöhnt. Ich hab euch ja schon ein bisschen was erzählt, aber viele Dinge nicht. Ich hab euch nicht erzählt, dass ich ein mutiges Kind war, schreibend, lesend, dichtend, zeichnend, malend, spielend, singend, strickend, planend, Regie führend, frech und konfrontationsbereit. Und dass mir dieses Kind dann gestohlen und kaputtgemacht wurde. Ganz “normaler” Schulalltag, in dem ich einfach nicht so war wie alle anderen reichte da schon.

Mit Abstand sehe ich, dass ich wohl mit meinem damals sehr burschikosen (Kurze Haare! Oft genderneutrale Kleidung!), furchtlosen Auftreten einen Platz in der Machthierarchie der Klasse beanspruchte, den andere einnehmen wollten, die dafür bereit waren, mich zum Schweigen zu bringen, mich auszuschließen, mich aktiv zu quälen. Irgendwann schreibe ich da noch mehr drüber, mir geht’s jetzt nicht um die Einzelheiten. Jedenfalls habe ich alles versucht zu verstecken, damit es überlebt, und bei manchen Dingen ist mir das offensichtlich doch gelungen.

Nachdem ich endlich dieser Schule entronnen war, ging ich freiwillig ein weiteres Jahr in die Schule, in die Schweiz, auf ein italienisches Kunstgymnasium, in einem schönen Teil von Zürich. Dort wurde ich wieder als Mensch wahrgenommen, mein Schreiben, mein Gestalten, mein Zeichnen, mein Aussehen wurde respektiert und als cool bezeichnet. Seit damals habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, die Folgen dieser 8 Jahre des Terrors zu bekämpfen und seitdem ich erkannt habe, was für ein Kind ich war, wieder zu diesem Kind zurückzufinden.

Das dauert aber ein bisschen. Und manchmal erschrecke ich mich selbst ein bisschen dabei mit meinem neuen alten Mut. Und manchmal mache ich komische Sachen, zum Beispiel Katzenohren aufsetzen, wenn ich hunderte fremde Leute treffen werde (weil ich dann verkleidet und nicht “ich” bin). Oder ich schreibe lange Blogposts über Dinge. Oder ich höre oder singe eben für die meisten von euch wahrscheinlich komische Lieder. Das ist mir auch ziemlich egal, ob die für euch komisch sind, es sind ja meine Lieder, nicht eure. Obwohl es eben manchmal doch auch eure sind und dann heule ich halt.

Jedenfalls hat’s jetzt grad einen Knall gegeben und ich sitze jetzt da, wo ich hingehöre und fühle mich ein bisschen besser, wenn auch erschöpft. Ich brauch noch ein bisschen Zeit, mich wieder ganz aufzurappeln und wieder so einzurichten wie ich das alles will, aber ich bin jetzt ein wenig zuversichtlicher.

Noch ein Hörtipp: @matahari_etc hat vor der Nationalratswahl Gustavs Version von “We shall overcome” getweetet, aber mir war mehr nach Joan Baez und da hörte ich sie in der zweiten Strophe “We shall be alright” singen. Ja, heftig geheult. Ich heule manchmal, wenn ihr es nicht seht. Meistens zu oder wegen Musik, weil sie die Tränen leichter raufholt.

Und ein Lesetipp auch noch: Geht/Ging mir in vielem genauso, in anderen Aspekten nicht so, aber lesen solltet ihr den Text von @communeva zu Depressionen unbedingt.

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