Ich bin mehr als meine Brüste: Vorarlberger*innen wehren sich

In der ganzen Hasskampagne und Debatte auf Twitter ist am 10.10. ein Tweet untergegangen, auch bei mir, es war einfach zu viel los. @dmnkdnk – Dominik Denk – tweetete über den feministischen Widerstand gegen ein sexistisches Gewinnspiel der Vorarlberger Zeitung Wann&Wo. Einen Tag später hat @dmnkdnk nochmals dazu getweetet und ich sah diese Bilder: Dieses und dieses und dieses. Diesmal nahm ich mir Zeit. Ich begann diesen Post zu schreiben und erzählte @dmnkdnk, dass ich das tun würde. Und so ergab sich die Verbindung zu Alexandra Haunschmid, die an der Aktion beteiligt war und mir freundlicherweise ausführlich davon erzählte.

Die Wann&Wo ist eine Vorarlberger Gratiszeitung “für Junge” ist, die seit 1977 jeden Mittwoch und Sonntag an eine große Zahl von Haushalten in Vorarlberg verteilt wird. Laut ihren eigenen Statistiken (PDF-Link) (ja, wer’s glaubt, trotzdem) hat die Zeitung in Vorarlberg eine Reichweite von 82,5%. Selbst in Tirol ist sie zum Teil ein Begriff.

Vom Niveau sieht es allerdings seit einiger Zeit so aus, dass ein für ein Gewinnspiel zwar nicht explizit Fotos von Dekolletés in Dirndln gesucht wurden, aber die Beispielbilder unter “Sende uns dein Bild” suggerieren, dass bitte einzig die Brüste der Frauen fotografiert werden sollten. Der 1. Preis war ein Gutschein über 300 Euro für ein Dirndl, der 2. Preis eine Shoppingfahrt nach Mailand und der 3. Preis ein Gutschein über 100 Euro vom Messepark.

Kritische Worte über den Wettbewerb werden in den Vorarlberger Medien nicht vorkommen, da diese alle denselben Eigentümer haben wie die Wann & Wo – russmedia. Auch über den Protest wurde (noch) nicht berichtet, aber in der Verkündigung der Gewinnerinnen (Link zu E-Ausgabe, Seite 5, links) war von Dekolleté nicht mehr die Rede, nur noch von “Dirndl-Girls” bzw. “schönsten Mädels im Dirndl”.

Wie begann dieser Protest? Eine Vorarlbergerin*, die genug hatte, schickte Alexandra Haunschmid, die nicht mehr in Vorarlberg wohnt, den Link zum Wettbewerb. Nach Diskussion erfolgte ein Aufruf an Freund*innen und Bekannte aus Vorarlberg, gemeinsam mittels Emails zu diskutieren und überlegen, wie eine wirkungsvolle Aktion dagegen gesetzt werden könnte. Die Gruppe, die sich schließlich fand, entschied sich dafür, keine Fotos zum tatsächlichen Wettbewerb einzuschicken, da diese dann von einer*m Mitarbeiter*in aussortiert werden würde, sondern auf der Facebookseite der Zeitung Protestbilder zu posten.

Es gab keine Vorgaben, wie der Protest aussehen sollte, auch würden alle in der Gruppe als Einzelpersonen agieren und es würde auch kein gemeinsames Statement geben. Ein Zeitpunkt nach dem Einsendeschluss am 9.10. wurde festgelegt – der 10.10., um 18 Uhr – und die Mitglieder der Gruppe begannen ihre Bilder auf der Facebookseite der Zeitung zu posten. Schon um 21 Uhr postete eine nicht an der Gruppe beteiligte Vorarlbergerin* ein eigenes Protestbild. Menschen* aus Graz und anderswo schickten solidarische Grüße. Ein Foto bekam über 1000 Likes. Ihr könnt alle Bilder hier auf der Facebookseite der Zeitung in dem Kasten auf der rechten Seite ansehen, die Seite sollte auch für Menschen, die nicht auf Facebook sind, zugänglich sein.

Ich wollte die Kommentare unter den Bildern gar nicht lesen. Ihr solltet sie auch nicht lesen, die ganzen “Ist das wirklich wichtig, habt’s euch nicht so, die Frauen ziehen sich doch überall aus, bla bla bla bla bla!” Seht euch lieber die vielen Menschen an, die sexistischen Mist eben nicht hinnehmen, auch wenn es eine dafür bekannte Zeitung ist. Die sich finden, Widerstand leisten, der immer weitere Kreise zieht, sich zu Netzen knüpft.

Und wie jetzt diesen großartigen Protest unterstützen? Ich likte erst einmal alle Fotos, die ich gut und/oder lustig fand. Dann dachte ich darüber nach, ob ich überhaupt über den Protest schreiben sollte, ob das als Wienerische Einmischung empfunden würde. Nach dem Gespräch mit Alexandra Haunschmid geht das aber ok, daher werde ich nun auch ein Bild posten und solidarische Grüße schicken. Was für eine supercoole Aktion!

not hearting sexism

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