Ein kleines Schild für Freiheit im Netz

Heute war ich demonstrieren, um die österreichischen Politiker*innen darauf hinzuweisen, dass ich nicht überwacht werden will, dass meine Daten nicht ohne meine Zustimmung gesammelt werden sollen und dass ich ein freies Internet haben möchte. Dass sie also der NSA und dem britischen Geheimdienst auf die Finger klopfen mögen. Die Demo lief unter “Freiheit statt Angst” und fand am 7.9. in mehreren Städten statt, z.B. auch in Hamburg und Berlin. Hashtag war/ist #fsa13.

Für mich heißt aber freies Internet mehr als nur “niemand überwacht mich oder sammelt meine Daten”. Jasmina Banaszczuk (@miinaaa) hat vor zwei Tagen aufgeschrieben, was für sie Freiheit im Netz bedeutet: Dass sich Frauen* im Internet frei bewegen können, ohne angefeindet, angegriffen, bedroht zu werden. Also ließ ich mich von ihr inspirieren und beschrieb ein großes Briefkuvert mit Edding malte ein Schild:
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Warum? (Ja, da fehlt ein “sollen”)

Ok, das ist nicht ganz unproblematisch, denn dazu muss natürlich nachverfolgt werden, wer die Drohungen ausgesprochen hat, etc., da müssen wir auch nach anderen Lösungen suchen. Eigentlich geht es um die Veränderung der gesamten Gesellschaft und ihrer sexistischen Kultur. Aber noch besteht von politischer und auch allgemeiner Seite wenig Sensibilisierung für Sexismus inner- und außerhalb des Internets, selbst nach #aufschrei nicht. Das muss sich ändern.

Auch andere twitterten Bilder von #feminismusstattangst-Plakaten, was mir Mut gab:

Schönstes Demowetter war angesagt und ich fuhr zum Parlament:
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Dort plauderte ich kurz mit einem Freund, dann machte ich mich auf zum Demozug, der sich auf der Mariahilferstraße zum Parlament bewegte, um dort einen anderen Freund zu treffen. Ich reihte mich in den Zug ein und hielt mein Schild hoch. Nächstes Mal besorge ich mir vorher einen Holzstab.

Vor der Stiftskaserne hielten wir und ich nutzte die Gelegenheit, um den Freund zu bitten, ein Foto von mir zu machen:

Auch andere haben mich fotografiert:

Cool! Ich traf auch ein paar Bekannte vom Netzfeministischen Bier Wien, mit denen ich plauderte.

Und dann sprach mich jemand freundlich darauf an, warum ich dieses Schild dabeihatte. Ob das wegen dem “Snowden hat Ho-den”-Button und Flyer wäre. Bis dahin hatte ich davon nichts gehört – aber jetzt machte das Schild doppelt Sinn.

Der Freund, der auch ab und zu das Schild hielt, hörte dann ein

und ich erklärte mein Anliegen auf Anfrage noch ein paar Mal (aber nicht dem “falsche Demo”-Rufer, der hatte nicht nachgefragt und sich schnell entfernt).

Etwas nervös gemacht hat mich dann ein Gespräch knapp hinter meinem Rücken:

Sie waren aber zu feige, um direkt mit mir darüber zu reden. War das, weil ich einen Mann dabeihatte und mit anderen in der Demo Gespräche geführt hatte? Mein Schild blieb jedenfalls und es gab auch positive Rückmeldungen:

Schließlich kamen wir beim Parlament an, wo ich noch mehr nette Menschen traf – manche Politiker*innen in Österreich würde ich gerne direkt wählen, zum Beispiel Sonja Ablinger. War’s das schon?

Nicht ganz. Die Journalistin Ingrid Brodnig hatte mein Foto retweetet und ja, da kamen ein paar Kommentare, aber auch Beistand:

Als ich dann die Demo verließ, um andere Leute zu treffen und mein Schild dann noch weiter unterm Arm oder in der Hand durch die Stadt trug, schauten immer wieder Menschen darauf, neugierig, manche, besonders Frauen* lächelten, das war schön. Wie ich dann mit einer kleinen Gruppe am Abend die Mariahilferstraße hinunterschlenderte, um die neue Begegnungs- und Fußgänger*innenzone für eben jene Fußgänger*innen zu beanspruchen, wurde ich nochmal auf das Schild angesprochen.

Ich erklärte, dass es mir um die Freiheit der Frauen im Netz ging und so weiter, als der eine Mann, auf die Geschäfte ringsum zeigend, meinte: “Ja, aber warum hier?” Ich sagte: “Ach, nein, ich komme von der Demo …”, aber eigentlich hätte ich “Sexismus ist überall und genau hier”, sagen sollen. Der Treppenwitz, meine geheime Superkraft.

Zum Abschluss des Tages wurde Ingrid Brodnig und mir auf Twitter gesagt, wir sollen den Hashtag #fsa13 nicht mit Feminismus verwässern. Ich habe dem Typen viel Spaß bei der Kontrolle jedes Schildes und jedes Tweets gewünscht. Das Schild war schon am richtigen Ort. #feminismusstattangst

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