Liebes Ferientagebuch …

Nun bin ich in Berlin gelandet und die Klausur ist mit viel Gequengle, Schmerzen in der rechten Hand und etwas Unterstützung von den Glorreichen Sieben vorbei.

Vor mir liegt eine Woche Nichtstun. Nichts außer Berlin ohne große Pläne zu erkunden, vielleicht ein paar BerlinerInnen zu treffen, zu stricken und zu schreiben.

Das ist mein erster bezahlter Urlaub seit … ich weiß nicht – 2006? Oder sogar 2005? Mein erster Urlaub, bei dem ich ganz allein bin und keine bibliothekarischen Events, Verwandten oder engen FreundInnen besuche seit einer kurzen Reise nach Bonn 2011.

Ich liege also auf einem blauen Sofa in Moabit, in einem putzigen Haus mit geschnitztem Holzgeländer bei den Treppen, Jugendstilranken in den Gangfenstern und im nächsten Zimmer tummeln sich die Stuckhasen an der Decke. Es duftet nach Lavendel. Gegenüber wohnt ein kläffender Hund. Ich fühle mich fast wie in einem Film über eine Frau, die in Berlin Ferien macht, so einem etwas deutschsprachigen Versuch, an die Fabelhafte Welt der Amelie heranzukommen.

Ich bin Herrin über WLAN und einen Balkon voll Kräuter, Kartoffelchips mit Currywurstgeschmack und ein wenig unabgewaschenes Geschirr. Neben mir liegt ein Buch über die Geschichte Berlins, zu meinen Füßen liegt ein Beutel mit drei Strängen dünne Wolle in dunkelgrün und zwei Strängen dicke Wolle in cremebeige und rosairgendwas. Meine Stricknadeln sind hinter mir und ich bin zu faul sie zu holen.

Ich sehe lieber den Schwalben zu, die draußen Fangen spielen und spüre dem Brennen in der Hand vom vielen Schreiben und dem Vibrieren in Knien und Beinen vom vielen Stufensteigen nach. Wie Menschen, die keine Stiegen steigen können, sich im Netz der Berliner Verkehrsbetriebe bewegen, frage ich mich, seit ich Stufen nur mehr langsam hinaufgehen kann.

Aber egal. Mir ist eher nach Kichern als nach Krakeelen zumute. Heute morgen beim Grimmzentrum

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beruhigte ich mich nochmals mit der Vorstellung, wie es denn wäre, wenn alle Prüflinge als Cowgirls und Cowboys angeritten kämen, mit glorreichem Soundtrack, Staub aufwirbelnd, die Pferde werden entweder vor dem Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft festgemacht oder gleich zur Klausur mitgenommen. So in Verkleidung fände ich Klausuren 5% lustiger. De fakto rumpelten nur die Räder unserer Koffer.

Berlin also. Berlin ohne Plan, Kamera und mit wenig Internet. Ob ich einmal mit allen Straßenbahnen fahre? Einmal auf der Spree schippere? Ein Museum von innen sehe? Jeden Tag einen Blogpost schreibe? Einmal ganz früh am Morgen herumdüse? Einmal ins Kino gehe? Endlich den sagenumwobenen Laden finde, in dem es nur Hoodies zu kaufen gibt (es gibt ihn nicht)? Und was schenke ich meiner Mutter zum Geburtstag?

So weit, so gut. Der Himmel nimmt langsam die Farbe von Wegwarten an

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und die jagenden Schwalben drehen pfeifend ihre 10. Runde.

Gehen wir Wolle aufwickeln.

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One thought on “Liebes Ferientagebuch …

  1. Awwww. Ich hoffe sehr, dass du noch ein paar Blogposts schreibst, ich lese sie so gerne! Das ist immer ein kleiner Ausbruch aus dem Alltag. =)

    lg kathi

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